Juwel in Nordfrankreich: die Opalküste 4


F/Nord-Pas de F/Nord-Pas de Calais: Côte d'Opale bei Wimereux

Die weiße Kreideküste von Dover lernte jedes Schulkind spätestens in „Learning English“ bei einem Text kennen, der seit den 1960er Jahren dort zu finden ist: 1066William the Conqueror. Dass  es auf der anderen Seite des Ärmelkanals ein ebenso beeindruckendes französisches Pendant zu findet ist, wird mit keinem Wort erwähnt – auch nicht in „Études Françaises“, in dem Monsieur und Madame Leroc Land und Leute jungen Deutschen beim Französischlernen näher bringen.

Kaum bekanntes Natur-Idyll

Sie reisen ans Mittelmeer, wandern durch die  Alpen, entdecken Paris – aber die Opalküste (Côte d´Opale) kennen sie nicht. Und so ist die Küste von Berck-sur-Mer bis Calais zwar Belgiern und Holländern gut bekannt – aber Deutsche findet man bislang meist nur vereinzelt als  Wohnmobilisten und Surfer.

Strandperlen für Aktive

Wie der Ritt auf den Wellen gelingt, verrät Marc Hocquet im Kite-Camp. Direkt vom Bett geht’s ab aufs Brett! In Merlimont stellen sich die Stand-Up-Paddler aufs Board und gleiten stehend durch das Meer. Bei der Ganzkörperfitness „Longe Côte“, 2005 an der Opalküste erfunden wurde, wird auf Sentiers Bleus-Wasserwanderwegen mit oder ohne Paddel im brusttiefen Meer marschiert. Besonders nachts, wenn Mond und Sterne leuchten, oder beim Tanz der Winterflocken ein unvergessliches Erlebnis! 2017 wurde an der Küste das Wave Rafting geboren. 

Opalküste: ein Grand Site de France

Vor pastellfarbenen Sommervillen leuchten blau-weiße Badekabinen. Dahinter erstreckt sich feinsandig ein breiter Strand und ein bewegtes Meer, das mal silbrig funkelt, dann seine Farbe vom karibischem Blau zum mystischen Blau wechselt. Genauso dieses Farbenspiel inspirierte den Maler Édouard Lévêque 1911 zum Namen „Côte Opale“ für den 150 km langen Küstenstreifen zwischen Calais und der Canche-Mündung, die seit 2011 zu den Grands Sites de France gehört. 

Freier England-Blick!

145 m hoch reckt das Cap Blanc Nez seine Kreidenase in den Ärmelkanal und schaut stolz auf ihre kleine Schwester Gris Nez herab, von deren Spitze ein Leuchtturm Schiffe den Weg durch die viel befahrene Seestraße weist. Bis zu 100 Kilometer pro Stunde schnell schweben Gleitschirmflieger von hier im Küstenwind über weites Land und offenes Meer.

Morgens lässt das klare Licht die Kreideküste leuchten, abends verabschiedet sich der Tag mit einem Sonnenuntergang vor der Britannien, das sich schemenhaft am Horizont abzeichnet. 

Immer wieder unterbrechen Dünen und kleine Flussmündungen die Klippen, Kaps und den weiten, goldgelben Strände, über die bei Ebbe die Strandsegler sausen. Was für ein herrliches Terrain zum Wandern auf alten Zöllnerpfaden, denen der GR 120 folgt, zum Ausreiten oder Muschelsammeln!

Lebendige Traditionen

Eine Naturküste, die Freiheit und Weite atmet, Stress mit einer frischer Brise wegbläst, und zum Genießen in stilvollen Badeorten wie Le Touquet-Paris Plage oder charmant authentischen Fischerorten wie Wissant einlädt, wo die Fischer mit offenen “Flobart“ wie einst Plattfische und Krabben fangen. Und seit 1989 am letzten Augustwochenende  ihre Tradition bei der Fête du Flobart feiern!

Orte voller Flair

In Wimereux bedecken große Kiesel den Strand; wuchtig brandet das Meer gegen den Schutzwall aus Beton, auf dem die Strandpromenade La Digue verläuft. Hinter Glasscheiben, die vor der Gischt schützten, wird der morgens der Kaffee, mittags das déjeuner, abends Aperitif serviert. Kult ist es hier auch,  vorbei an den Dünen von Slack nach Ambleteuse zum wehrhaften Fort an der Wasserkante wandern. 

Jugendstillvillen säumen die Straßen der Badeorte, die außerhalb der Saison eine zeitentrückte Ruhe ausstrahlen. Doch im April herrscht nicht nur am Strand, sondern auch am Himmel Trubel: Dann tummeln sich in Berck-sur-Mer Hunderte kunterbunte wie ausgefallene Drachen beim alljährlichen Festival Rencontres Internationales de Cerfs Volants im hohen Blau – 2017 zum 31. Mal vom 1. bis 9. April.

Größter Fischereihafen Frankreichs ist das nahe Boulogne-sur-MerTopfrisch serviert Sternekoch Tony Lestienne im La Matelote ihren Fang.  Was noch alles in den Ozeanen tummelt, verrät das nationale Meereszentrum Nausicaá, das mit 36.000 Tieren in über 40 Becken zu größten Aquarien Europas gehört. Hier habe ich es euch vorgestellt.

Überraschung aus der Antike

Auf den Ruinen einer mittelalterlichen Kirche ließ im 19. Jahrhundert Abt Haffreingue die Notre-Dame-Basilika in Boulogne-sur-Mer errichten. Und befahl,sämtlichen Bauschutt zu entfernen. Was er dabei entdeckte: eine Kaverne, 100 m lange, mit Nebenräumen, Fresken und Säulen aus römischer Zeit!

Jahrelang restauriert, zeigt die längste Krypta Frankreichs heute Schätze sakraler Kunst und weltliches Erbe: Kanonenkugeln und goldene Kronen, eine Emaillereliquie mit dem Blut Christi – und eine schwarze Madonna im weißen Gewand.

636 soll sie, stehend im Boot, ein Engelschor nach Boulogne geleitet haben… Wenn das kein Zeichen ist, auch beim nächsten Pendeln wieder einen Schlenker an die Opalküste zu machen…! Oder sollte ich sie jetzt Engelsküste nennen?

Opelküste: meine Reisetipps

Schlemmen

La Matelote

Bei Besuch bei Sternekoch Tony Lestienne  ist für Fischfans ein Muss! Wer bleiben möchte, findet dort auch nostalgische Komfortzimmer, viele mit kleinem Balkon.
• 70, boulevard Saint-Beuve, 62200 Boulogne sur Mer, Tel. +33 (0)3 21 30 33 33, www.la-matelote.com

Von der Autobahn rasch zu erreichen ist dieses charmante Chambre d’hôte von Annie und Pierre Larive, und doch nicht weit von den Strände. Gut für alle, die nicht nur einen Ort kennenlernen wollen – und ländliche Ruhe lieben. Hier habe ich es euch im Blog vorgestellt!
• 244, rue de l’Église, 62250 Bazinghen, Tel. 03 21 91 59 47, mobil 06 23 28 91 30, www.lescollinesdelamer.com

 


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