100 x 100 Jahre: Eventreihe zum 1. Weltkrieg

Soldatenfriedhöfe - in Lothringen, Hauts-de-France und der Normandie allgegenwärtig. Foto: Hilke Maunder

Am 11. November 2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Unter dem Motto 100 x 100 Jahre erinnert das Institut français Deutschland deutschlandweit mit zahlreichen Veranstaltungen an das Ende des Krieges. Zugleich will die Veranstaltungsreihe Zeichen für die Zukunft setzen.

Das IF Deutschland, seine deutschen und französischen Partnern und die Mission du Centenaire de la Première Guerre mondiale appellieren angesichts wachsender Gräben darin an den europäischen Zusammenhalt. Nur er kann Frieden dauerhaft sichern.

„100 x 100 Jahre“ : Wie kann man gemeinsam Erinnerungsarbeit leistet, um einer besseren Zukunft entgegenzublicken? Das ist der rote Faden des Programm mit Ausstellungen, Konferenzen, Installationen und einer Filmreihe zum Ersten Weltkrieg.

1914 – 1918: Frankreichs Trauma

Während in Deutschland der Zweite Weltkrieg bis heute sehr präsent ist, hat in Frankreich der Erste Weltkrieg für ein kollektives Trauma gesorgt. Besonders in  Nordfrankreich lebt die Erinnerung an den ersten Weltkrieg.

Städte, Dörfer und Industrieanlagen, selbst ganze Landstriche wurden im „Grande Guerre“ 1914-1918 zerstört oder verwüstet. Die Brutalität der industriellen Kriegsführung zeigte sich besonders in der Schlacht von Fromelles, deren 100. Jahrestag die Australier am 19. Juli 2016 erinnern. 5.533 ihrer Soldaten waren damals in einer einzigen Nacht getötet oder verwundet worden. Den Grabenkrieg und die Schicksale der Soldaten dokumentiert das Musée de la Bataille de Fromelles.

„Wer an Europa zweifelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen! Nirgendwo besser, nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender ist zu spüren, was das europäische Gegeneinander an Schlimmstem bewirken kann.“

Jean-Claude Juncker – Präsident der EU-Kommission

Die Schlacht von Arras

2017 markiert für die Kanadier den 100. Jahrestag der Schlacht von Arras. Am Ostermontag, 9. April 1917, war ihnen der Durchbruch auf dem Vimy-Rücken gelungen. Um die Soldaten so nahe wie möglich an die deutschen Linien zu bringen, hatten neuseeländische Tunnelbauer die mittelalterlichen Kreidesteinbrüche von Arras in unterirdische Kasernen verwandelt. Wie, verrät die Gedenkstätte Wellington-Steinbruch.

Unterirdische Galerie in den Boves. Foto: Barbara Kettl-Römer

Philippe Prost hat am französischen Nationalfriedhof Notre-Dame de Lorette ein besonders ausgefallenes und symbolträchtiges Denkmal errichtet. Eine überdimensionale Gedenktafel erinnert dort seit dem 11. November 2014 an die Gefallenen in der Region während des 1. Weltkriegs. Für die Einweihung wurde der Jahrestag des Waffenstillstands von 1918 gewählt.

Das Blutvergießen an der Somme

Unabhängig von Nationalität, Dienstgrad und Religion nennt  sie die Namen aller Verstorbenen von A-Z. 579.606 Schicksale, eingraviert in eine Ellipse aus Stein, die nur zum Teil in der Hügelspitze verankert ist – ein 50 m langes Stück schwebt völlig frei. Der Gedenkring – auch Symbol für die Zerbrechlichkeit des Friedens. Der Pariser Architekt schuf damit eines der größten Kriegsdenkmäler der Welt. Bauherr war das Département Nord-Pas de Calais der Region Hauts-de-France. Es unterstützte das Projekt mit acht Millionen Euro.

Die Gedenkstätte entstand auf einer 2,2 Hektar großen Fläche neben der Kirche Notre-Dame de Lorette und dem Soldatenfriedhof, wenige Kilometer südlich von Lens. Gemeinsam bildet das Ensemble das Museum Lens’14-18 – Centre d’Histoire Guerre et Paix. In Souchez gewährt es seit Mai 2015 Einblicke in das Schicksal der Gefallenen aus aller Welt, die 1914-18 in Nordfrankreich kämpften.

Wege der Erinnerung

Vier Chemins de Mémoire führen als Wege der Erinnerung hin zur Front, in die Zeit der deutschen Besatzung, zur Küste als Basis der Alliierten und zu Orten des Wiederaufbaus. Hinzu kommen acht Routen, die für Wanderer und Radfahren angelegt wurden 36 Orte, Militärfriedhöfe, Denkmäler und Ruinen erinnern so an das Geschehene und wecken ein tieferes Verständnis für die Ereignisse, die Europa und der Welt die Errungenschaften des Friedens brachten: Freiheit und Brüderlichkeit.

Sie schufen eine Region, die Reisende mit offenen Armen empfängt. So wie die Somme Battlefields‘ Partner, die sich 2014 zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben: Tourismusämter, Beherbergungsbetriebe und Restaurants – sie alle heißen Zeitreisende auf den Spuren des Ersten Weltkrieges herzlich willkommen.

100 x 100 Jahre – das Logo der Eventreihe. Copyright: IF Deutschland

100 x 100 Jahre: Projekte & Events

100 Botschafter für den Frieden

Zum Treffen „100 Botschafter für den Frieden“ reisen Gymnasiasten aus Frankreich, Deutschland und ganz Europa zudem nach Berlin.  Seit April 2018 haben 100 Schulklassen aus Deutschland, Frankreich sowie aus dem Netzwerk französischer Auslandsschulen (AEFE) an dem Projekt teilgenommen und ihre Ideen für den Frieden entwickelt. Pro Klasse vertritt ein Schüler die entwickelten Ideen für den Frieden bei der Jugendbegegnung „Youth for Peace“ vom 13. – 18. November 2018 in Berlin und präsentiert sie vor hochrangigen Politikern bei der Abschlussveranstaltung.

Ziel des Projektes ist es, den Jugendlichen das Thema Erster Weltkrieg und die daraus erwachsenen Hoffnungen auf Frieden näherzubringen. Es geht aber auch und vor allem darum, den Bürgern von morgen die Möglichkeit zu geben, ihren Beitrag zur Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft zu leisten, die auf Europa und auf die Völkerverständigung ausgerichtet ist.
www.institutfrancais.de/100-botschafter

Kreatives Schaffen

The Brain 4 – Playful Media Residence ‚Gärten des Friedens

Die Virtual Reality Installation „Gärten des Friedens“ entstand bei der vierten Ausgabe des Open-Lab „The Brain 4 – Playful Media Residence“ in Berlin, initiiert vom Institut français Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Games und Playful Media Festival, A MAZE. und dem Polnischen Institut in Berlin. Zehn Tage lang erarbeiteten drei Künstler aus Frankreich, Deutschland und Polen die Installation, die einen erstaunlichen virtuellen Garten wachsen lässt.
• Tübingen (im Rahmen der Französischen Filmtage Tübingen- Stuttgart), 2.-5. November 2018,
 https://itch.io/jam/peaceful-garden

Recorded songs don’t ever die – Même morts nous chantons

Die Live-Performance und akustische Installation widmet sich Soldatenliedern aus dem Ersten Weltkrieg. Wandelt auf den Spuren von Kriegsgefangenen, deren Stimmen im Ersten Weltkrieg aufgenommen und auf Platte gepresst wurden, und erlebt einen klingenden Dialog mit dokumentarischen Mikrofonaufnahmen, elektroakustisch aufbereiteten Stimmen und unbearbeiteten oder bearbeiteten Archivaufnahmen. Marie Guérin und Anne Kropotkine zeigen ihr „Live-Karaoke-Set für 1 Laptop, 1 Plattenspieler“ an folgenden Terminen:

• als Performance :

  • Am 2. November im Institut français Berlin, salle Boris Vian
  • Am 3. November im Haus der Kulturen der Welt, Berlin
  • Am 4. November im Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg
  • Am 22. November im Institut français Stuttgart
  • Am 4. Dezember im Medienzentrum der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
  • Am 5. Dezember im Institut français Mainz

……………………………………………

• als akustische Aufstellung:

  • Institut français Essen: 20. November
  • Institut français Stuttgart: 1. – 23. November
  • Institut français Bonn: 19. November – 25. Januar
  • Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg: 4. – 11. November
  • Institut français Mainz: 6. November – 31. Dezember
  • Deutsch-französisches KulturzentrumTübingen: 1. November – 31. Dezember
  • Institut français Dresden: 5. – 23. November

• www.institutfrancais.de/kultur/gesellschaft-digitales/100-mal-100-jahre/meme-morts-nous-chantons-marie-guerin

Der Erste Weltkrieg im Kino

Das Institut français Deutschland hat eine Filmreihe mit bereits ausgestrahlten oder in Deutschland noch nicht gezeigten Filmen konzipiert, die einen ganz eigenen Blick auf den Ersten Weltkrieg werfen.

Filmauswahl: Cessez le feu von Emmanuel Courcol (2017) ; Les Gardiennes von Xavier Beauvois (2017) ; La Peur von Damien Odoul (2015) ; Lettres de femmes von Augusto Zanovello (2013), La Vie et rien d’autre von Bertrand Tavernier (1989)

Vorführungen:

  • Berlin: 4. September, 2. und 15. November 2018
  • Dresden: 2., 9., 16. und 23. Oktober 2018
  • Düsseldorf: 8. und 22. Oktober, 5. und 19. November 2018
  • Essen: 11. November 2018
  • Französischen Filmtagen Tübingen-Stuttgart: 1., 2. und 3. November 2018
  • Freiburg: 19. November 2018
  • Hamburg: 14. November 2018
  • Köln: 6. und 20. Oktober, 3. und 17. November 2018
  • München: 7., 15. und 22. November 2018
  • Stuttgart: 20. Oktober 2018
  • Weimar: 26. und 27. Oktober 2018

www.institutfrancais.de/kultur/film-medien/der-erste-weltkrieg-im-kino

„Apollo 18“ – ein deutsch-französischer Sammelband

„Apollo 18“ lädt SchriftstellerInnen aus Deutschland und Frankreich dazu ein, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, indem sie uns „ihren“ Apollinaire zeigen und ein zeitgenössisches „Bestiarium“ kreieren. Mit dabei sind Jacques Darras, Marie Modiano, Fiston Mwanza Mujila und Hans Thill . Bei der „Nacht der Übersetzung“ in Berlin, organisiert vom Literarischen Colloquium, stellen die Autoren persönlich ihre Texte vor.
• Berlin (Literarisches Colloquium Berlin), 11. Dezember 2018, www.institutfrancais.de/kultur/buch-ideen/apollo-18-deutsch-franzoesischer-sammelband

Uni100

Diesen Herbst beschäftigt sich auch der universitäre Diskus mit dem Ende des Ersten Weltkriegs. Zahlreiche Veranstaltungen behandeln die Folgen des Krieges, den Friedensprozess sowie gegenwärtige Fragestellungen. Zu dieser Thematik präsentiert der Veranstaltungs-Zyklus „Uni100″ mehrere ausgewählte Ausstellungen und Konferenzen, die vom Institut français Deutschland und der „Mission du Centenaire“ unterstützt werden.

Doppelausstellung – 1918: Zwischen Weltkrieg und Revolution – „1918: Neubeginn in Stuttgart und Straßburg“

Institut français Stuttgart, 11. Oktober bis 28. November 2018

• Gedenkveranstaltung:  „Auf der Suche nach einer Kultur des Friedens. 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges“

Podiumsgespräch mit dem französischen Philosophen Prof. Dr. Jean-Luc Nancy (Universität Straßburg) und dem Ministerpräsidenten MdL Winfried Kretschmann. Moderation: Dr. Felix Heidenreich (Universität Stuttgart). Stadtmuseum/ Stadtpalais Stuttgart, 21. November 2018, 19 Uhr.

• Podiumsdiskussion „November 1918 in Deutschland, Belgien und Frankreich: Ende des Krieges, Anfang des Friedens?“

Mit Prof. Dr. Laurence van Ypersele (UCL, Leuwen),Prof. Dr. Stéphane Audoin-Rouzeau (EHESS, Paris) und Prof. Dr. Jörn Leonhard (Albert-Ludwig Universitat, Freiburg/Breisgau). Moderation: Prof. Dr. Wolfram Pyta (Universitat Stuttgart). Stadtbibliothek Stuttgart, 27. November 2018, 19:30 Uhr.

• Ausstellung „Die Zeichnungen des Sieges“

Universität Mannheim, Oktober bis Dezember 2018

• Vortrag: „Zensur, Propaganda, Rhetorik: die Rolle der Bilder im Ersten Weltkrieg“ vom Autor Guillaume DOIZY; Universität Mannheim, 17.Oktober 2018, 18 Uhr

• Podiumsdiskussion: „Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf das Gleichgewicht in Mittel- und Osteuropa“

Mit Prof. Dr. Catherine Horel (Panthéon-Sorbonne, Forschungsdirektorin am CNRS), Prof. Dr. Dirk von Laak (Universität Leipzig), Frank Hadler (tbc; Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO). Moderation: Prof. Dr. Matthias Middell (Center for Area Studies, Universität Leipzig). Leipzig (Ort tbc), 14. November 2018

Das Memorial von Philippe Prost. Foto: Pressebild CRT NPDC/Artefactorylab AAPP

 

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