Die Metamorphose des 2. Arrondissement

2. Arrondissement: Rue Montorgueil. Foto: Hilke Maunder

Rue d’Aboukir, du Caire, du Nil, schon die  Straßennamen wecken Fernweh –  und die Erinnerung Napoleons Ägyptische Expedition (1798 – 1801). Versteckt zwischen dem Boulevard Sébastopol und der Rue Réaumur, bilden die Straßen den Quartier du Sentier.

Im Mittelalter galt es als so gefährlich, dass sich sich selbst die Polizei nicht hinein traute. Später wurde das Viertel zum Zentrum der Billigschneider aus Fernost. Doch jetzt wird auch Le Sentier im 2. Arrondissement von Paris sehr schick.

Vorreiter der Gentrifizierung war die Rue Montorgueil, heute eine Fußgängerzone mit Feinkostläden, gut sortierten Gemüsehändlern, Szenecafés und Restaurants. Inzwischen ziehen die Nachbarstraßen mit. Wie branché das Schneiderviertel heute als Silicon Sentier heute ist, zeigt das Engagement von David Lynch, der in der Rue Montmartre seinen Club Le Silencio eröffnet hat, wo man eine Klubkarte braucht, um am Cocktail zu nippen oder ein Konzert von Pete Doherty zu hören.

Den Eingang zum neuen In-Viertel im 2. Arrondissement markiert ein Torbogen an der Rue des Petits Carreaux. Als echte Konkurrenz zur Rue Montorgueil hat sich die Rue du Nil etabliert. Dort haben die Schulfreunde Alexandre Drouard und Samuel Nahon mit Terroirs d’Avenir einen One-Stop-Schlemmer-Point drei Geschäften unter einem Dach gegründet:  Schlachter, Fischhändler und Gemüsehöker.

Alle drei arbeiten direkt mit den Bauern der Region und anderen örtlichen Produzenten zusammen und beliefern inzwischen 45 Restaurants wie das Septime oder das Meurice im Luxushotel Dorchester.

Gregory Marchand durchlief die Küchen von Jamie Oliver, kam aus New York nach Paris, machte die Quebec-Kanadierin Caroline Loiseleux zur Sommelière  und eröffnete 2009 sein Lokal Frenchie in der Rue du Nil.

Bereits im Eröffnungsjahr zum „Besten Koch des Jahres 2009“ vom Guide du Fooding erwählt, ist Frenchie inzwischen so erfolgreich, dass Gregory mit seiner Frau 2011 die Bar à Vin eröffnete, wo Aurélien Massé zu Tapas und ein, zwei kleinen Gerichten exzellente Weine ausschenkt.

Seeteufel von der Île d’Yeu, Foie Gras aus den Landes und Angus-Rind stehen auf der Karte des L‚Hédoniste, des kleinen, feinen Bistrots von Sébastien Dubrulle, für den Gault-Millau lobende Worte findet.

Und jetzt ein Koffeinkick? Was Hippolyte Courti seit Sommer 2013 in seinem L’Arbre à café in der 10, rue du Nil, aus der Arabica zaubert, lässt mich träumen.. jede Bohne ist ein Hauch Fernweh.. sonnengetrocknet in Tamil Nadu, in der brasilianischen Halbwüste von l’Espirito Santo gezogen oder  Bourbon Pointu-Laurina, eine braune Grand Cru-Bohne von Piton des Neiges auf La Réunion.

Stark ist auch das Design des Hôtel Edgar, ein Retrotraum in Türkis mit Holz und Marmor. Einst barg das Gemäuer an der 31, Rue d’Alexandrie eine Schneiderwerkstatt, heute sind zwölf Phantasien von Persönlichkeiten und Künstlern  hier zu finden – wer Hunger hat, speist bei Xavier Thiery  frisch gefangenen Fisch auf der Terrasse.

Georges Brassens stand Pate beim Namen der La Mauvaise Reputation in der 28, Rue Léopold Bellan – doch so schlecht kann der Ruf des Bistrots mit seiner grauen Fassade und leuchtend oranger Markise nicht sein, wie ich feststelle, als ich versuche, einen Tisch zu bestellen….Huhn, Lachs und Rind, oder ganz vegetarisch eine fette Scheibe Mozzarella, kommen auf die Gourmet-Burger von Blend in der Rue d’Argout – für echte Burgersüchtige gibt es bei Burgerness den stilvollen Look zum stylischen Lokal.

Für alle anderen hält die Librairie Gourmande in der Rue d’Aboukir, die 2013 eine mur vegetal von Patrick Blanc erhielt, eine reiche Auswahl an neuen und gebrauchten Kochbüchern parat…

Wie gut, dass es inzwischen auch zwei tolle Spas im Viertel gibt– den funktionell gestylten, weiß-modernen Hamman Paris in der 23, Rue des Jeûneurs und das orientalisch-romantische Spa der Sultane de Saba in der 8, rue Bachaumont.

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