Agde: schwarze Perle am Mittelmeer
Agde: eine Stadt, drei Gesichter. Am Ufer des Hérault thront das historische Agde aus dunklem Vulkangestein. Am künstlichen Binnensee glänzt die auf dem Reißblett geplante Ferienstadt Le Cap d’Agde mit pastellfarbenen Fassaden und acht Sportboothäfen. An der Flussmündung dösen Fischerkatzen auf den Kaimauern von Le Grau d’Agde, und Möwen folgen den heimkehrenden Fischerbooten. 25.000 Einwohner, 250.000 zur Hochsaison. Als einge der facettenreichsten Destinationen der französischen Mittelmeerküste zeigt Agde, wie unterschiedlich und vielfältig selbst touristisch berühmte Küstenorte sein können.
Le Cap d’Agde: die Stadt vom Reißbrett
Jean Le Coutour entwarf Le Cap d’Agde in den 1960er-Jahren als Urlaubsstadt auf dem Reißbrett. Ein Stück Florida à la française sollte hier entstehen, Teil des ehrgeizigen Plans, die Küste des Languedoc für den Massentourismus zu erschließen. Gut 50 Jahre später investiert der Badeort erneut umfangreich in den Tourismus und gibt sich eine neue Identität.
L’Iconic: eine Ikone

Hinter dem Sportboothafen entstand in nur 18 Monaten ein völlig neues Stadtviertel. Im Sommer 2022 folgte die neue Rambla, kurz darauf die Fertigstellung des Komplexes, den Jean-Michel Wilmotte für Kaufman & Broad als Investor unter dem Namen Iconic errichtete. 2017 hatten die Stadtväter für den Bau eines Kongresszentrums mit 1.200 Plätzen, eines Kasinos, eines Viersternehotels und 101 Ferienwohnungen grünes Licht gegeben.
Ungewöhnlich ist die Architektur auf jeden Fall. Jean-Michel Wilmotte entwarf die beiden rund 20 Meter hohen Gebäude als kreisrunde Bauten aus weißem Beton mit gestaffelten Geschossen. So schuf er Platz für Gärten, Terrassen und viel Grün. In den Innenhöfen wachsen Palmen und mediterrane Kräuter neben der Vegetation der Garrigue. Viele der 101 appartements de tourisme haben Terrassen und Meerblick.

Erfolgreich hat Wilmotte die Verkehrsbereiche getrennt. Bereits vor dem Kreisel, der die Zufahrt zum Kongresszentrum und dem benachbarten Casino Barrière regelt, könnt ihr zu Fuß aussichtsreich auf einer Rampe die Gebäude erreichen und abseits vom Verkehr weiter spazieren bis zur Dachterrasse mit weitem Blick bis zum Hafen. Erbaut wurde der Komplex auf einem ehemaligen, zehn Hektar großen Parkplatz neben dem Office de Tourisme.


101 Ferienwohnungen
Die Verkaufspreise für die 101 appartements de tourisme mit zwei bis vier Zimmern beginnen ab rund 5000 Euro pro Quadratmeter, so Kaufman & Broad. Sie sind damit fast doppelt so teuer wie sonstige Ferienwohnungen in Cap d’Agde, wo je nach Lage der Quadratmeterpreis zwischen 2500 – 3000 Euro schwankt. Ebenfalls dort verkauft werden ein bis vier Zimmer große Wohnungen für Dauernutzer.
„Die Stadt muss ihr Angebot vom Niveau her anheben und sich eine neue Identität und Attraktivität geben, um sich den Bedürfnissen der Touristen anzupassen und die Einheimischen zu halten“, sagt Jérôme Cavailles, Kommunikationschef der Kommune. In Agde und seinen Ortsteilen leben 25.000 Bürger. Zur Hauptsaison steigt die Bevölkerungszahl auf 250.000 Menschen.



Die Flaniermeile
Fertiggestellt ist auch die Rambla. In Verlängerung der Rue du Tambour verbindet sie seit Sommer 2022 als Bummelpromenade den neuen Komplex mit dem Hafen, seinen Promenaden und seinen Restaurants und Bars. Jeden Samstag findet dort ein bunter Markt statt.
Strände und Sportboothäfen
„Schwarze Perle des Languedoc“, so wird die Strandstadt auch gerne genannt. Ihre 14 Kilometer langen Sandstrände verteilen sich auf mehrere Buchten und bergen an einigen Stellen auch schwarzen Vulkansand. Der meiste Betrieb herrscht an der Plage du Mole. Die Plage Richelieu ist der größte Strand von Cap d’Agde. Berühmt für ihren schwarzen Sand ist die Plage de la Grande Conche unterhalb der Klippen.
Das Herz von Cap d’Agde bildet ein künstlicher Binnensee. An ihm wurden acht Sportboothäfen gelegt, die pastellfarbene, niedrige Häuser im Stil des Languedoc einrahmen. Zu den Stränden führen Fußwege, die ebenfalls ramblas heißen.
Fort und Aquarium
Vor den Stränden wurde im 17. Jahrhundert nach Plänen des französischen Festungsbaumeisters Sébastien de Vauban auf einer Vulkaninsel das kleine Fort de Brescou errichtet. Während der Saison pendeln Ausflugsschiffe zwischen Cap d’Agde, Grau d’Agde und der Festungsinsel.
Welche Meeresbewohner das Mittelmeer birgt, verrät das Aquarium mit 30 Becken. Auch Muränen und Haie sind dabei. Das Musée de l’Éphèbe birgt die einzige Sammlung der französischen Mittelmeerküste, die archäologische Fundstücke aus dem Meer, aus den Seen oder den Flüssen zeigt. Prunkstück ist die Bronzestatue eines schönen griechischen Jünglings, die 1964 aus dem Hérault geborgen wurde.
Das Village Naturiste
Berühmt wurde Le Cap d’Agde vor allem als Hochburg der Freikörperkultur. Sein Village Naturiste gilt als weltgrößtes Zentrum für FKK mit eigenen Stränden, Geschäften und Restaurants. Allerdings lockten die Nudisten in den letzten Jahren verstärkt auch Swinger an. Daher verlor Cap d’Agde 2021 das Qualitätssiegel vom französischen FKK-Verband.
Agde: die schwarze Perle
Von der Brücke an der Einmündung des Canal du Midi in den Hérault zeigt sich sich die Altstadt von ihrer schönsten Seite. Ihr Name ehrt die griechische Glücksgöttin Agathe Tyche, denn es waren griechische Seefahrer aus Phokäa, die das Städtchen um 500 vor Christus gründeten. Damit ist Agde eine der ältesten Städte Frankreichs.
Stadt aus Lavastein

Auffällig ist die Farbe der Fassaden. Nicht nur die Häuser, sondern auch die Kathedrale Saint-Étienne sind aus Lavastein gebaut. Das dunkle Vulkangestein stammt vom nahen Mont Saint-Loup, einem erloschenen Vulkan. Die wehrhafte Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert gleicht einer Festung mit meterdicken Mauern und Zinnen. Ihr 35 Meter hoher Turm diente jahrhundertelang als Wachturm.

Iin einem ehemaligen Stadtpalast aus dem 17. Jahrhundert präsentiert das Musée Agathois von Juni bis September die Geschichte der Stadt. Volkskundliche Sammlungen erzählen vom Leben der Fischer und Winzer, vom Handwerk und den Traditionen der Region. Höhepunkt sind die Wasserturniere, die joutes nautiques, die hier seit dem Mittelalter – wie auch in den Nachbarorten Sète, Marseillan und Frontignan – ausgetragen werden.
Labyrinth aus Gassen

Die Altstadt lädt zum ausgiebigen Bummeln ein. Verwinkelte Gassen schlängeln sich zwischen alten Bürgerhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert hindurch. Auf der Place de la Marine pulsiert das Leben, in den engen Straßen wie der Rue de la Fraternité oder der Rue Basse herrscht beschauliche Ruhe. In den Hausnischen hängen noch immer die alten Vogelkäfige, einst Status-Symbol wohlhabender Bürger.

Le Grau d’Agde: Das Fischerdorf
Wo der Hérault ins Mittelmeer mündet, liegt Le Grau d’Agde. Der Name verrät die Funktion: grau bezeichnet in der Sprache des Languedoc die Mündung eines Flusses oder den Durchbruch einer Lagune in Meer. Wie einst prägen die Fischerei und Schifffahrt den Alltag. Fischer legen ihre Boote am Quai noch immer direkt vor den pastellfarbenen Häusern an.
Le Grau d’Agde: der Fischereihafen

Der kleine Hafen ist das Zentrum des Ortes. Morgens verkaufen Fischer ihren Fang direkt vom Boot. An der Kaimauer dösen Katzen in der Sonne. Die Atmosphäre ist entspannt, deutlich ruhiger als im touristischen Cap d’Agde nur wenige Kilometer entfernt.
Am Quai reihen sich kleine Restaurants aneinander, die frischen Fisch und Meeresfrüchte servieren. Auf der Place de la République, dem Dorfplatz, treffen sich Einheimische zum Boule-Spiel. Jeden Donnerstagmorgen findet hier ein kleiner Wochenmarkt statt.

Strand und Promenade
Der Strand von Le Grau d’Agde zieht sich entlang der Flussmündung. Eine Promenade verbindet das Dorf mit dem Leuchtturm an der Hafeneinfahrt. Von dort schweift der Blick über die Mündung des Hérault und das weite Mittelmeer. Bei Sonnenuntergang taucht das Licht die Szenerie in warmes Gold.

Agde: meine Reisetipps
Hinkommen
Mit der Bahn
Die Gare d’Agde liegt an der Hauptstrecke Montpellier–Béziers–Narbonne und ist mit TER-Zügen aus beiden Richtungen gut erreichbar. Von Béziers dauert die Fahrt nur zehn Minuten, von Montpellier rund 40 Minuten. Direktverbindungen gibt es mehrmals täglich.
Der Bahnhof von Agde wird zudem regelmäßig von TGV INOUI– und OUIGO-Hochgeschwindigkeitszügen angefahren. Es gibt täglich mehrere Direktverbindungen und Umstiegsverbindungen zwischen Paris Gare de Lyon und Agde, mit einer Fahrzeit ab etwa 3:56 bis rund 5:15 Stunden – je nach Verbindung, Zwischenhalt und gewähltem Zug.
Mit dem Bus
Hérault Transport betreibt die Linie 650, die Béziers, Vias, Agde und Marseillan verbindet. Die Busse fahren mehrmals täglich. Das lokale Busnetz Cap’Bus erschließt Agde, Le Cap d’Agde und Le Grau d’Agde mit mehreren Linien. Von Juli bis September verkehrt zusätzlich eine Flughafennavette zwischen dem Aéroport Béziers Cap d’Agde und den Bahnhöfen in Béziers, Agde und Marseillan.
Mit dem Rad
Die EuroVelo 8, der Mittelmeer-Radweg, verläuft entlang der Küste von Le Grau d’Agde über Le Cap d’Agde bis nach Marseillan und weiter Richtung Sète. Die Voie Verte Passa Païs verbindet Agde mit Pézenas im Hinterland, ebenfalls auf verkehrsfreien Wegen.
Schlemmen und genießen

Le Bistro d’Hervé
Im Herzen des historischen Agde, etwas abseits der hektischen Touristenpfade von Cap d’Agde, serviert Hervé Dos Santos in seinem Bistro eine trendig verjüngte französische Küche von in Olivenöl gebratenem Kabeljau mit Dill-Karotten-Schaum bis zu French Toast mit Milch-Butterscotch-Karamell. Wunderschön im Sommer: die schattige Terrasse.
• 47, rue Brescou, 34300 Agde, Tel. 04 67 62 30 69, www.lebistrodherve.com
La Table de Stéphane
Zu den besten Adressen der Region gehört das Restaurant von Stéphane Lavaux, der nicht nur fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte aus der Umgebung, sondern auch Wild und Zuchtfleisch hervorragend zubereiten kann – raffiniert, überraschend und immer tief verwurzelt im Languedoc.
• 2, rue des Moulins à Huile, 34300 Agde, Tel. 04 67 26 45 22, www.latabledestephane.fr
Bistro Barrière Agde
Im Casino Barrière bietet dieses Bistro eine gehobene französische Küche in modernem Ambiente. Die Aussicht vom Iconic-Komplex ist spektakulär. Sonntags geöffnet, was selten ist!
• Palais des Congrès, Le Cap d’Agde, 34300 Agde
Hier könnt ihr schlafen
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Im Blog
Madeleine – eine Malerin aus Leidenschaft
In Agde bewahrt Chantal Haupt das Erbe ihrer Mutter Madeleine Thoubillon de Moncroc. Für meinen Blog durfte ich die Werke der bekannten französischen Malerin daheim bei der Tochter bewundern. Der Hausbesuch bei Madeleine: bitte einmal hier klicken.
La Floride Française
Wie die Küste des Languedoc sich zum Florida Frankreichs wandelte, erfahrt ihr hier.
Im Buch
Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*
Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2024 in der 10. Auflage erschienen.
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Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.
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