„Le Havre“: Kaurismäkis Plädoyer für Menschlichkeit

Afrika drängt nach Europa: Auf welchen Wegen Flüchtlinge versuchen, der Armut in der Heimat zu entfliehen, wie brutal und kriminell dieser Menschenschmuggel erfolgt,  gehört zu den beliebtesten Topoi von Krimischreibern wie Henning Mankell. Jetzt hat sich mit dem finnischen Regisseur Aki Kaurismäki ein zweiter Skandinavier dieses Thema angenommen und widmet sich ihm in seinem zweiten Streifen, der nicht in Finnnland spielt, sondern in Frankreich: Le Havre.

Marcel Marx (André Wilms)  ist Schuhputzer in der normannischen Hafenstadt und lebt mit seiner Frau Arletty (Kati Outinen) in einem kleinbürgerlichen Milieu, wo Nachbarschaft und Teilen nicht hohle Worte, sondern gelebter Alltag sind. Und so nimmt er einen Tages auch einen „Sans-Papiers“, einen illegalen Flüchtling aus Afrika auf – den minderjährigen Idrissa (Blondin Miguel). An seine Fersen heftet sich Inspektor Claude (Jean-Pierre Darroussin).

Doch Kaurismäki macht daraus keinen Krimi, sondern einen klassischen Autorenfilm, getragen von der Sehnsucht nach Solidarität und Gerechtigkeit, aber fern von Betroffenheits-Pathos und Rührseligkeit, ein melancholisches Märchen, einen tragikomischen Tagtraum, eine Geschichte der Hoffnung. Und integriert dabei Fakten. Auf der Suche besucht Marcel auch ein Lager in Dünkirchen, wo er sich als „White Negro“, als Albino unter seinen Verwandten ausgibt.

Wie es in tatsächliche in dem berühmten „Jungle“ von Calais aussah, verrät Kaurismäki anhand von Fernsehberichten über dessen Räumung 2009: Sozialkritik, die für sich selbst spricht. Solidarität und Verständnis für die Flüchtlinge zeigt auch ein französischer Regisseur, der 2009 in „Welcome“ erzählt, wie ein französischer Bademeister einem Flüchtlingsjungen das Schwimmen beibringt – um den Ärmelkanal zu durchqueren.

2009 wurde Philippe Lioret bei den Internationalen Berliner Filmfestspielen für sein Migrationsdrama ausgezeichnet, 2010 in Paris mit dem Prix Lumière geehrt. Erste Ehren gab es bereits auch für Kaurismäki:  den FIPRESCI (Fédération Internationale de la Presse Cinématographique)-Preis 2011 in Cannes sowie den Münchner Filmpreis 2011.

© Pressephotos: Filmfestspiele Cannes, 2011

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