Schickes Welterbe: Spitze aus Alençon

Nadelspitze aus Alençon:Jocelyne Renault ist seit 1976 Dentellière im Atelier national de la Dentelle und zeigt im Museum den Besuchern die zehn Schritte zur Herstellung der Alençon-Spitze. Foto: Hilke Maunder
Jocelyne Renault ist seit 1976 Dentellière im Atelier national de la Dentelle und zeigt im Museum den Besuchern die zehn Schritte zur Herstellung der Alençon-Spitze. Foto: Hilke Maunder

Im Süden des normannischen Département Orne liegt Alençon. Um 1650 unterrichtete dort eine gewisse Madame de Perrières die jungen Damen des Ortes in einer Handarbeit, die aus Venedig und Flandern kommend den Weg in die Kleinstadt geschafft hatte: den „point coupé“, eine Nadelspitze.

Bouquet mit Point d’Alençon, 19. Jahrhundert, Leinen, 8 x 48 x 28 cm. Foto: Hilke Maunder

Spitze – ein Staatsmonopol

Die Damen waren so geschickt, dass Colbert am 5. August 1655 die kleine Stickereischule in eine Königliche Stickereimanufaktur des Point de France verwandelte. Mit Hilfe von italienischen Arbeiterinnen wurde dort erst die venezianische Spitze erfolgreich kopiert, dann ein Einfuhrverbot für Spitzen verhängt.

Geschützt durch ein staatliches Monopol, erobert die normannische Nadelspitze  erst Versailles, dann die europäischen Höfe. Auch Kaiserin Eugénie war begeisterte und förderte die Kunst der Spitze.

Museumsreif: die Alençon-Spitze. Foto: Hilke Maunder

Point d’Alençon: Königin der Spitzen

1851 feierte der Point d’Alençon seinen größten Triumph. Auf der Weltausstellung wurde die Handarbeit in London als „Königin der Spitzen“ ausgezeichnet. Doch bereits wenige Jahre später brachten die Erfindung der Maschinenspitze und der Wandel der Mode den Niedergang der Spitzenindustrie.

Die zehn Arbeitsschritte, die zur Fertigung der Nadelspitze nötig sind, wären heute sicherlich vergessen, wäre nicht 1976 das Atelier national du Point d’Alençon gegründet worden.

Dort halten heute elf  dentellièr(e)s – zehn Frau und ein männlicher Auszubildender – das Handwerk lebendig und fertigen Nadelspitze im staatlichen Auftrag. Sechs bis zehn Jahre dauert die Ausbildung, bis sie alle Etappen in der Herstellung des Point d’Alençon beherrschen.

Spitze: ein Hochzeitskleid von Paco Rabanne auz der Sommerkollektion 1988. Foto: Hilke Maunder

Spitzenmäßig: das Museum zum Welterbe

Wie, zeigen die Spitzennäherinnen bei Vorführungen im Musée des Beaux-Arts et de la Dentelle. Im  Obergeschoss der sehr sehenwerten Sammlung könnt ihr auch die Unterschiede der verschiedenen Spitzen anhand von zahlreichen Beispielen kennenlernen. Auch außerhalb der Öffnungszeiten verrät das Museum, wie die berühmten Spitze entsteht: Stück für Stück wächst die Handarbeit beim Umklappen der Schautafeln.

Moderne Interpretationen rund um das Thema Spitze zeigen Sonderausstellungen im Erdgeschoss. Wer nun ein Stück echter Spitze für daheim erwerben möchte, sollte „Auguste“ aufsuchen, einen wunderbaren Blumen-Deko-Lifestyle-Laden gegenüber der Halle au Blé. Seit 16. November 2010 gehört die Dentelle d’Alençon zum immateriellen Welterbe der Unesco!

• Musee des Beaux-Arts et de la Dentelle, rue Charles Aveline, Cour Carrée de la dentelle, F – 6100 Alençon,  http://museedentelle.cu-alencon.fr

Marie-Hélène Augé zeigt mir die Schautafeln des Museums zur Nadelspitze. Foto: Hilke Maunder

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