Beim guten König von Angers

Wehrhaft: das Schloss von König René in Angers. Foto: Hilke Maunder
Ungeheuer wehrhaft: das Schloss von König René in Angers. Foto: Hilke Maunder

Er war König von Neapel und Sizilien, Titularkönig von Jerusalem, Gegenkönig von Aragón, Herzog von Lothringen und Anjou, Graf von Provence und Guise, Markgraf von Pont-à-Mousson. Für die Bürger von Angers war und ist er nur eines: der Bon Roi René.

Der gute König René vor seinem Schloss in Angers. Foto: Hilke Maunder
Der gute König René vor seinem Schloss in Angers. Foto: Hilke Maunder

Am 10. Januar 1409 wurde er auf der wuchtigen Festung hoch über der Maine als zweiter Sohn Ludwigs II.  von Anjou und Jolanthes von Aragón geboren.

Angers: Die Büste von König René im Logis du Roi des Château d'Angers. Foto: Hilke Maunder
Die Büste von König René im Logis du Roi des Château d’Angers. Foto: Hilke Maunder

Wie damals für einen Zweitgeborenen üblich, wurde René nicht auf die Führungsaufgaben als Regent erzogen, sondern vor allem in den schönen Künsten unterrichtet.

40 m hoch und wuchtig: der Mühlenturm des Château d'Angers. Foto: Hilke Maunder
40 m hoch und wuchtig: der Mühlenturm des Château d’Angers. Foto: Hilke Maunder

König für die Künste

Er versuchte sich als Dichter und Maler, engagierte sich für die Wiederbelebung der Troubadourtradition – und musste sich, durch den Tod des Bruders gezwungen, doch militärischen und politischen Aufgaben widmen.

Französisch ornamental: der Schlossgarten des Château d'Angers. Foto: Hilke Maunder
Französisch ornamental: der Schlossgarten des Château d’Angers. Foto: Hilke Maunder

Für den Historiker Desmond Seward ist der “gute König” daher einer „der spektakulärsten königlichen Verlierer des 15. Jahrhunderts außerhalb Englands“ (“one of the most spectacular royal losers in fifteenth century Europe outside of England” in: The Wars of the Roses. New York: Penguin. 1995, S. 51.).

Blick vom Wehrgang auf das Châtelet und die Cathédrale Saint-Maurice. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Wehrgang auf das Châtelet und die Cathédrale Saint-Maurice. Foto: Hilke Maunder

Am 10. Juli 1480 starb le bon roi René in Aix-en-Provence. Seine sterblichen Überreste indes wurden in einer Nacht- und Nebelaktion zurück nach Angers gebracht, wo er in der Cathédrale Saint-Maurice seine letzte Ruhestätte fand.

Angers: Blick vom Wehrgang auf die Cathédrale Saint-Maurice. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Wehrgang auf die Cathédrale Saint-Maurice. Foto: Hilke Maunder
Angers: Wandteppiche schmücken die Cathédrale Saint-Maurice. Foto: Hilke Maunder
Wandteppiche schmücken die Cathédrale Saint-Maurice. Foto: Hilke Maunder

Wandteppiche schmücken die Cathédrale Saint-Maurice. Foto: Hilke Maunder

17 Türme & Tapisserien

Sein Schloss aus hellem Tuff und dunklem Schiefer gleicht äußerlich einer Festung. 17 Türme und bis 30 m hohe, wehrhafte Mauer schützen das Schloss.

Angers: Die wuchtige Festung des Roi René in Angers. Foto: Hilke Maunder
Die wuchtige Festung des Roi René in Angers. Foto: Hilke Maunder

Der Schlossgraben war nie mit Wasser gefüllt. Heute schmücken ihn kunstvoll angelegte Blumenbeete und Rabatte.

Château d'Angers: Der Blumenschmuck des Schlossgrabens. Foto: Hilke Maunder
Der Blumenschmuck des Schlossgrabens. Foto: Hilke Maunder

Jenseits der Festungsmauern findet ihr weitere Wein- und Blumengärten, den Wohntrakt Châtelet, die königliche Kapelle und das Museum.

Angers: Blick vom Wehrgang auf die Maine. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Wehrgang auf die Maine. Foto: Hilke Maunder

Das Museum passt sich als moderner Neubau aus flachen Schiefersteinen kantig klar der historischen Architektur an.

Der Neubau birgt die Tapisserie der Apokalypse. Foto: Hilke Maunder
Der Neubau birgt die Tapisserie der Apokalypse. Foto: Hilke Maunder

Drinnen birgt er im Halbdunkel  ein einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Textilkunst: die Wandteppiche der Apokalypse aus dem 14. Jahrhundert.

Château d'Angers: Apokalypse. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Ursprünglich 165 m lang, heute nur noch 144 m lang und vier bis sechs Meter hoch, haben die Tapisserien zum Weltuntergang bis heute nichts von ihrer Farbigkeit und Faszination verloren.

Château d'Angers: Apokalypse. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Ungeheuer mit vielen Köpfen bedrohen die Menschen. Sünder hocken eng eingepfercht in der Hölle. Ein mutiger Ritter jagt einem Drachen seine Lanze durch den Hals.

Château d'Angers: Apokalypse. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Dann blättert der Erzähler, übermannshoch gewebt, mit seiner linken Hand die Seite um. Rot leuchtet die Minuskelrubrik. Die handgewebten Teppich lieben solche Details.

Château d'Angers: Apokalypse. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Lasst euch Zeit und seht genauer hin. Die einzigen Prophezeiungen der Bibel, festgehalten vom Apostel Johannes in Ich-Form.

Château d'Angers: Apokalypse. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Im Mittelalter über Jahrzehnte gewebt und heute Welterbe. Eine Bibel in Bildern. Eine Zeitreise ins Mittelalter. Einfach fazinierend!

Stein und Blüten im Château d'Angers. Foto: Hilke Maunder
Stein und Blüten im Château d’Angers. Foto: Hilke Maunder

Der Besuch des Museums endet im Hofgarten des Logis du Roi. Durch eine Maueröffnung blickt ihr hinab auf den Flusslauf der Maine.

Angers: Blick vom Schloss auf die Maine. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Schloss auf die Maine. Foto: Hilke Maunder

Noch mehr Ausblicke bietet ein Spaziergang auf der Wehrmauer. Stadt und Schloss, die Gärten und die Maine mit immer neuen Panoramen und Perspektiven erwarten euch dort!

Angers: Am Ufer der Maine machen bis heute Binnenschiffer fest. Foto: Hilke Maunder
Am Ufer der Maine machen bis heute Binnenschiffer fest. Foto: Hilke Maunder

Angers: meine Reisetipps

Genießen

La Confiserie du Roy René

Die Confiserie du Roy René ist eine Institution in Angers. Foto: Hilke Maunder
Die Confiserie du Roy René ist eine Institution in Angers. Foto: Hilke Maunder

Seit 1920 die Anlaufstelle für alle, die gerne naschen.
• 5, Rue des Lices, Tel. 02 41 96 45 20

Cointreau

Auch der Orangenlikör Cointreau kommt aus Angers. Foto: Hilke Maunder

Angers ist seit 1849 Heimat des beliebten Orangenlikörs Cointreau. Für eine Soupe Angevine paart er sich mit kühl prickelndem Crémant von der Loire, einigen Spritzer Zitrone und etwas Zuckerrohrsirup.

Ein weiterer kulinarischer Botschafter aus Angers: Menthe-Pastille als Likör und Lutschpastille. Foto: Hilke Maunder
Ein weiterer kulinarischer Botschafter aus Angers: Menthe-Pastille als Likör und Lutschpastille. Foto: Hilke Maunder

La guinguette Chez Jojo

Seit 1959 wird hier nur wenige Meter vom Loire-Ufer das Tanzbein geschwungen – dass die Taverne schon mehrfach überflutet wurde, sieht man ihr nach der kürzlichen Renovierung nicht an. Die Terrasse ist überdacht, der Blick auf die Loire einfach traumhaft!
• Lieu dit Chaloché, 49320 Saint-Saturnin-sur-Loire, Tel. 02 41 54 64 04

Le Théatre

Die riesige Brasserie mit 350 Plätzen und Sommerterrasse ist vom Frühstück bis zum letzten Absacker Treff der Stadt.
• 7, Place du Ralliement, Tel. 02 41 24 15 15

Angers zu Coronazeiten: Wo Maskenpflicht besteht, ist deutlich markiert. Foto: Hilke Maunder
Angers zu Coronazeiten: Wo Maskenpflicht besteht, ist deutlich markiert. Foto: Hilke Maunder

Shopping

Die längste Einkaufsstraße von Angers ist die Rue Saint-Aubin mit französischen Modemarken wie Saint-James, Armor Lux, trendigem Streetwear vom Atelier Fishbrain (Nr.31) und verführerischer Lingerie von Darjeeling (Nr. 42).

Stylische Taschen, auch mit Leo-Print, findet ihr bei Paul Marius (Nr. 34). Alles dran, alles drin, gilt für die Rue des Poëliers mit ihrem perfekten Mix an Bars und Boutiquen, Cafés und coolen Shops wie Les P’tites Cailles (Nr.6) mit ausgefallenem Schmuck.

Samstagvormittag wird an der Place Imbach ein großer Wochenmarkt abgehalten. Antiquitäten findet ihr in der Rue Toussaint, die besten Rillauds aus Schweinefleisch seit mehr als 100 Jahren beim Schlachter Aux Rillauds d’Or (35, rue St-Laud).

Mein Mitbringsel-Tipp

La Livre Tournoi

Die zart schmelzende Münze aus Bitterschokolade, Kaffee und Orangen wird 1807 von der Confiserie Poirault (6, rue Nationale) handgemacht. Nicht minder verführerisch: die Sucres d’orge (Vanillebonbons), Muscadines (Mandeltrüffel) und Pruneaux farcis (gefüllte Pflaumen in Rum).

Auch Wein ließ König René in seinem Kuchengarten anpflanzen. Foto: Hilke Maunder
Auch Wein ließ König René in seinem Küchengarten anpflanzen. Foto: Hilke Maunder

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Im Sommer bezaubert der Schlossgarten mit seiner Blütenpracht. Foto: Hilke Maunder

Angers: Im Sommer bezaubert der Schlossgarten mit seiner Blütenpracht. Foto: Hilke Maunder
Im Sommer bezaubert der Schlossgarten mit seiner Blütenpracht. Foto: Hilke Maunder

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Angers: Die Treppe von der Cathédrale Saint-Maurice zur Maine. Foto: Hilke Maunder
Die Treppe von der Cathédrale Saint-Maurice zur Maine. Foto: Hilke Maunder
Angers:Das Denkmal von Roi René vor seinem Schloss in Angers. Foto: Hilke Maunder
Das Denkmal von Roi René vor seinem Schloss in Angers. Foto: Hilke Maunder
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