Explosive Strandperle: Anse de Paulilles

Bis 1870 verläuft das Leben friedlich in Paulilles, einem kleinen Fischer- und Winzerort an der Côte Vermeille der Pyrénées-Orientales. Doch dann verliert Frankreich den Krieg gegen Preußen. Innenminister Gambetta sucht einen Ausweg aus der Schmach – und einen Ort, der so weit wie möglich von der deutschen Grenze entfernt ist. Dort will er eine Sprengstofffabrik errichten.

Fündig wird er in Paulilles. Links begrenzt das Cap Béar, an dem im Durchschnitt die stärksten Winde Frankreichs gemessen werden, die weite Bucht. Rechts reckt sich das Cap Oullestrell ins Mittelmeer.Der Staat kauf das Gelände und lässt es durch einen Offiziersingenieur, der in Kontakt mit Alfred Nobel steht, zum Standort von Frankreichs Dynamitproduktion ausbauen. Noch im gleichen Jahr beginnt die Produktion. Schon bald arbeiten 400 Menschen hier, fünf Generationen lang.

1879 werden in Paulilles 1000 Tonnen Dynamit hergestellt, 1975 mehr als 4000 Tonnen im Jahr. Zum Einsatz kommt das Dynamit von Paulilles u.a. beim Bau des Panamakanals. Neben Dynamit werden später auch Nitroglyzerin und Kautschuk in Paulilles gefertigt.

Die Arbeiter – Männer und Frauen und ihre Familien – wohnen auf dem Gelände. Mit eigener Kirche, Schule und landwirtschaftlicher Kooperative ist Paulilles fast autark, abgeschottet vom Umland. In den 1960er-Jahren wird ein Teil der Produktion nach Tautavel verlegt. 1984 schließt die Société nationale des poudres et des explosifs (SNPE) die Produktion in Paulliles.

Sprayer entdecken die verwaisten Ruinen für ihre Kunst. Investoren träumen von touristischen Projekten in XXL. Jean-Claude Méry will eine Marina mit 500 Ankerplätzen und ebenso vielen Ferienwohnungen errichten. Die Einheimischen protestieren gegen die Immobilienhaie – und mobilisieren sich. Und das erfolgreich.  Auf den Druck von Umweltschützern verkauft die SNPE 1998 das Gelände an das Conservatoire du littoral. 2005 beginnt der Conseil Général mit den Aufräumarbeiten auf dem 32 qm großen Areal. 70 Gebäude wurden abgerissen, neun Häuser bewahrt und restauriert. Die Sanierung der Industriebrache, zum Teil Überschwemmungsgebiet, erweist sich komplizierter als gedacht.

Paulilles: Zukunft für die Erinnerung

„Die Zukunft einer Erinnerung“ ist das Motto der Revitalisierung. Ein Parkplatz mit 260 Stellplätzen beendet das wilde und gefährliche Parken entlang der D914 zwischen Port-Vendres und Banyuls-sur-Mer. Die terrassierten Weinhänge von Banyuls-Collioure und die Bergspitzen der Albères im Rücken, erreicht ihr auf einem kurzen Sandweg die ehemalige Villa des Fabrikbesitzers, die sich zur „Maison du Site“ wandelt.

Das Besucherzentrum birgt neben einer Ausstellung, die auf großen Schwarzweißfotografien die besondere Geschichte der Bucht erzählt, auch ein Café sowie Toiletten. Hier beginnen von Mai bis Oktober auch die Führungen.

Im Garten des Fabrikdirektors könnt ihr exotische Planzen aus vier Kontinenten entdecken. Sie verraten als grüne Symbole, wo überall das Dynamit aus Paulilles zum Einsatz kam. Von dort leitet euch ein Platanenweg vorbei an Weingärten und den anderen landwirtschaftlichen Bereichen von Paulilles hin zum Freilichtmuseum im Herzen der Sprengstofffabrik. Ihr einstiger Wasserturm ist heute ein wunderschöner Ausguck!

Paulilles: meine Infos

Hinkommen

• 1-Euro-Bus: Linie 400 Cerbère < > PerpignanLinie 410 Cerbère < > Saint Cyprien

• Auto: RD 914; 260 kostenlose Parkplätze

• Zu Fuß: Sentier du littoral (Teilstück des Küstenweges von Argelès-sur-mer nach Cerbère), gelbe Wegmarkierung. Achtung: Das Cap Sud darf nur auf Führungen betreten werden. Gefahr durch Altlasten!

Essen und trinken

• einfaches Strandlokal (Buvette) von Mai bis Oktober, die auch Getränke und Snacks zum Mitnehmen verkauft.

• Bio-Wein: Die Winzer von Cazes aus Rivesaltes bauen seit 2012 auf den Schieferböden der Anse de Paulilles auf 65 Hektar nach Rudolf Steiners Biodynamik Syrah, Grenache sowie Mourvèdre für „Les Clos de Paulilles“ an, die Weine können an der Kellertür verkostet werden kann. Im Sommer kann man eine Ferienwohnung auf dem Weingut mieten und im Restaurant schlemmen (1. Mai – 11. Okt. Mi. – So. 12.00 – 15.00, 19.30 – 22.30 Uhr, Juli/Aug. tgl., www.cazes-rivesaltes.com/Les-Clos-de-Paulilles).

Entdecken und erleben

• Maison du siteRD 914, 66660 Port-Vendres, Tel. 04 68 95 23 40, Juli/Aug. tgl. 9.00 – 19.00 Uhr

• Atelier des barques:  Tel. 04 68 95 23 47; im Sommeraktivitäten für die ganze Familie. Vor Ort werden typisch katalanische Boote vor Ort restauriert – die knapp elf Meter lang Barke Notre-Dame-de-Consolation (1913) und die acht Meter lange Barke „Charlotte“ von 1921 sind bereits fertig gestellt.

• zwei Strände zum Sonnen und Baden

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Infos des Conseil Général zu Paulilles: www.ledepartement66.fr/60-le-site-de-paulilles.htm
Dokumentation zur Revitalisierung und Geschichte des Ortes: www.cete-aix.fr/imgarea/Cotita_9_Paulilles_oct2008_COCHE_INCA.pdf

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Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)

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Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier * direkt bestellen. In Ergänzung empfehle ich den Band von Petit Futé.

Michael Müller Verlag, 8. Auflage 2018, ISBN 978-3-89953-997-4, www.michael-mueller-verlag.de

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2 Kommentare

  1. Bonjour, ich bin gerade in unserem Häuschen ins Cosprons (Port Vendres). Seit über 30 Jahren sind wir regelmäßig hier. Ein Tipp: Seit September 2015 ist Mme Mercer Önologin in Paulilles für die Firma Cazes. Frauen gibt es ja wenig in diesem Metier. Vielleicht besuchen Sie sie mal. Gerne lese ich Ihre Mails. Vielleicht schaffen wir es mal nach Riberach.
    Viele Grüße von Georg Henker

1 Trackback / Pingback

  1. Die Essig-Zauberin von Port-Vendres - Mein Frankreich

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