(M)ein Strandbummel an der Anse Vata

Neukaledonien: Anse Vata: Foto: Hilke Maunder, Angler
"Morgens beißen die Fische am besten". Angler auf der Pier der Anse Vata. Foto: Hilke Maunder

5.36 Uhr. Genau dann geht die Sonne über dem Pazifik aus, kriechen die ersten Strahlen durch den Vorhang meines Hotelzimmers – und beginnt ein spektakuläres Vogelkonzert. Aus den Wipfeln der Palmen und Banyan-Bäume tönt es  mit einer solchen Lautstärke und in einer so großen Vielfalt, dass die erste Nacht auf Neukaledonien ein Ende hat, ich den Vorhang beiseite schiebe, die Balkontür aufschiebe … und überrascht denke: frisch.

„Wir haben noch Frühling“, sagt der Rezeptionist. „Da kannst Du bei 15-18° Celsius noch herrlich bei offenem Fenster schlafen – um Weihnachten herum ist es dafür zu heiß. Da freust Du Dich dann über die Klimaanlage!“ Direkt vor dem Hotel erstreckt sich die Anse Vata.

Um sechs Uhr morgens –  und das an einem Sonnabend! – herrscht hier Hochbetrieb. Männer in knallig engen wie bunten Outfits rasen im Pulk auf Rennrädern an mir vorbei. Damen auf high heels führen ihre Hunde Gassi. Andere Frauen joggen. An den Trimm-Dich-Geräten stählt ein Insulaner seine Bauchmuskeln.

Puschelige Blüte in XXL: die Pomme Rose, entdeckt an der Anse Vata. Foto: Hilke Maunder

Auf dem schmalen Naturstrand, der die weite Palmenbucht säumt, verraten ein paar weiß-rote Flaggen, die neben Flaschen, Handtüchern und Rucksäcken liegen: Auch die Taucher sind schon unterwegs. Weiter entfernt, kraulen die Gäste eines Hotels durch die glasklaren Fluten, während Müllmänner die Tonnen leeren und mit jedem, der des Weges kommt, ein wenig plauschen. Auch Freestyler sind bereits in der ruhigen Bucht unterwegs. Draußen am Riff brechen Wellen, die im Winter mehr als drei Meter groß werden können.

Dort, wo die Bucht gen Osten endet, ragt ein hölzerner Steg weit ins Meer. Ein Angler hat dort seine Rute ausgeworfen, raucht und blickt über das Meer. Fischen ist Zen… Was die großen Kutter aus dem Korallenmeer ziehen, landet wenig weiter auf den Tellern eines Restaurants, das auf Stelzen über den flachen Fluten ruht. Mahi-Mahi, Langusten…Le Roof: fine dining à la Nouvelle-Caledonie mit allerbester Aussicht!

Kokosnüsse und Möwen: Stillleben der Natur an der Anse Vata. Foto: Hilke Maunder

1859 erwarb Joseph Leclère zwölf Hektar lang an der Baie des Canards, wie sie damals noch hießt, und eröffnete ein Restaurant, das zum Treffpunkt der Hauptstadt wurde. „Hier liegt das Longchamp von Nouméa“, schwärmte Charles Lemire 1870. Um 1900 bekam der Glanz Risse, erste „évadés“ kampierten am Strand.

Frankreich reagierte und setzte eine Polizeistation an den Strand. Die Maßnahme zeigt Erfolg, die Gäste kehrten zurück. Zumal 1939 ein Haus dort an den Strand gesetzt wurde, dass 1930 in La Coulée eröffnet worden war. 1936 von den Witt-Brüdern gekauft, abgebaut und umgesetzt, barg es zunächst Badekabinen für den Strand, den die Stadt haisicher gemacht hatte.

1946 kaufte Charles Bonin die Villa, taufte sie „Le Biarritz“ um, und ließ zur Seeseite eine Tanzterrasse anlegen. 1959 holte Ernest Maltagliati als neuer Besitzer italo-australische Tanzorchester zur Unterhalten: Kein Kein Nachtclub war damals legendärer.  Le Biarritz war die Adresse der Nachtschwärmer. Bis 1892 ein Feuer den Club zerstörte…

Le Biarritz ist einer der Legenden und Geschichten, die Schautafeln entlang der Promenade vorstellen. Sie erinnern auch an Le Camp Barnes und Le Pentagone, das Hauptquartier der US-Streitkräfte im Pazifik während des Zweiten Weltkrieges.

Für Neukaledonien war die Ankunft der US-Amerikaner ein Kulturschock. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bekam eine völlig neue Bedeutung. Das Inselreich erwachte, erlebte während der Kriegsjahre eine unerwartete Blüte. Bis heute tragen Stadtviertel und Straßen die Namen von Amerikanern, die in Noumeá stationiert gewesen waren. Und das Bewusstsein vieler Insulaner verändert haben.

Die Bucht der Anse Vata. Foto: Hilke Maunder

Anse Vata: meine Reise-Infos

Schlafen

Hilton Nouméa La Promenade

Die Viersterneanlage an der Promenade birgt ausschließlich gut ausgestattete Ferienwohnungen mit Hotelservice und Pool. La Terrasse serviert Thunfisch, Mahi-Mahi oder Rinderfilet zum Dîner.
• 109, Promenade Roger Laroque, 98807 Nouméa, Tel. +687 24 46 00 , www3.hilton.com

Le Lagon

100 m vom Strand entfernt, birgt das 2009 komplett renovierte Hotel 62 kompakte Zimmer und 39 Studios mit moderner, praktischer Einrichtung.
• 149, route de l’Anse Vata, 98807 Nouméa, Tel. +687 26 12 55, https://lelagon.nc

Château Royal

Der ehemalige Club Med wandelte sich 2011 zum wohl schönsten Hotel der Bucht. Der 7-stöckige Komplex mit 108 Suiten liegt eingebette in einen  drei Hektar großen Tropengarten an der Anse Vata. Von den Balkonen und der Bar L’Escale habt ihr einen unverstellten Blick auf den Sonnenuntergang.
• 2018 , route de l’Anse Vata, 98807 Nouméa, Tel. +687 29 64 00, www.complexechateauroyal.nc

Schlemmen

Chai de l’Hippodrome

„Chai“ heißt im Französischen „Weinkeller“, und das ist hier Programm. Die Weinbar ist eine von sechs Dependancen des Bordelaiser Weinverbandes CVIB und gehört zum Netzwerk der École du Vin de Bordeaux. Beim Interieur spielt Kunst von heute mit ausgefallen Unikaten und nostalgisch frankophilem Flair. Auf der Weinkarte dominieren zwar Bordelaiser Wein, doch auch andere Tropfen sind vertreten. Gut dazu passen die sehr üppigen Planches mit Charcuterie und Magret de Canard.
• 17,Rue Louis Bleriot, Tel. +687 23 11 89, www.chaihippodrome.ncwww.facebook.com/chaidelhippodrome

Le Roof

Die Adresse der Anse Vata für frischeste Meeresküche: Fisch und Krustentiere vom Feinsten!
• 134, promenade Roger Laroque, Tel. +687 25 07 00, www.facebook.com/restaurantleroof

„Roof“: Fine Dining mit Seafood und Aussicht an der Anse Vata.

Stone Grill

Einfaches Straßenlokal mit leckeren Steaks und Seafood, das ihr auf dem heißen Stein nach Belieben garen könnt.
• 113, Promenade Roger Laroque, Tel.+687 24 03 24,  www.facebook.com/StonegrillNoumea

Mein Buchtipp

Birgit Weidt: Das Lächeln der VergangenheitEine Maske aus Holz, die ihr Großvater einst aus Neukaledonien mitgebracht hatte,  wird zum Auslöser für eine Reise, bei der Birgit Weidt nicht nur die Kultur der Kanaken von Neukaledonien, sondern auch sich selbst besser kennen lernen.

Die freie Journalistin, die u.a. für DIE ZEIT schreibt, lernt auf Grande Terre den Stammeshäuptling Bergé Kawa kennen, der ihr gestattet, in seiner Dorfgemeinschaft mit seinen Ritualen, Ahnen, Geistern und Traditionen kennenzulernen. Dort lernt sie, warum man fremden Menschen nicht in die Augen sehen soll und warum Frauen ihre Altersfalten wie Schmuck zur Schau tragen.

Das Leben der Ureinwohner im Einklang mit der Natur: Mit ihrem Taschenbuch seid ihr hautnah mit dabei. Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

Birgit Weidt, Das Lächeln der Vergangenheit, Ostfildern: DUMONT-Reiseverlag 2018. ISBN 978-3770182916

* Durch den Kauf über den Referral Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du unabhängigen Journalismus  unterstützen und meine Webseite werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Offenlegung

Neukaledonien entdeckte ich auf einer Pressereise, die ATOUT France mit ihren Partnern Nouvelle-Calédonie TourismeAir France und Aircalin organisiert hatte. Ihnen allen sage  ich dafür „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Blick auf die beiden Restaurants über dem Wasser an der Anse Vata. Foto: Hilke Maunder
Abends an der Anse Vata. Foto: Hilke Maunder

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.