MIt dem neuen Anti-Airbnb-Gesetz will Frankreich als Hochburg in Europa die Kurzzeitvermietungen einschränken. Foto: Hilke Maunder

Frankreichs Anti-Airbnb-Gesetz

Frankreich verschärft die Regulierung von Kurzzeitvermietungen. Ab dem 1. Januar 2025 gelten in Frankreich deutlich strengere Regeln für Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb.

Das neue Gesetz, das oft als „Anti-Airbnb-Gesetz“ bezeichnet wird, zielt darauf ab, den Wohnungsmarkt zu stabilisieren, den Tourismus besser zu regulieren und die Lebensqualität in den Städten zu verbessern. Es wurde am 19. November 2024 verabschiedet und tritt am 1.1.25 in Kraft.

Steuerliche Verschärfungen

Einer der zentralen Punkte im Anti-Airbnb-Gesetz ist die Verschärfung der steuerlichen Rahmenbedingungen für Vermieter.

Das Gesetz ändert vor allem das sehr vorteilhafte Micro-BIC-Steuersystem für möblierte Ferienwohnungen, eines der Airbnb-Steuerschlupflöcher. Auch für Privatpersonen, die ihre Wohnung nur gelegentlich vermieten, sinkt die jährliche Einkommensfreigrenze auf 15.000 Euro.

Überschreitet der Umsatz aus möblierter Vermietung 23.000 Euro, steigt man vom LMNP (loueur en meublé non professionnel) zum LMP loueur en meublé professionnel (LMP) auf und muss als professioneller Vermieter zusätzlich Sozialabgaben zahlen.

Absetzbarkeit von Betriebsausgaben nach dem neuen Anti-Airbnb-Gesetz

  • 30 Prozent für nicht klassifizierte möblierte Wohnungen bis zu einem jährlichen Mietertrag von 15.000 Euro
    (2024: 50 Prozent bis zu einem jährlichen Mietertrag von 77.700 Euro).
  • 50 Prozent für klassifizierte möblierte Wohnungen und Gästezimmer bis zu einem jährlichen Mietertrag von 77.700 Euro
    (2024: 71 Prozent bis zu einem jährlichen Mietertrag von 188.700 Euro).

Diese neuen Abschlagssätze gelten für Mieteinnahmen, die ab 2025 erzielt werden. Für Einkünfte aus dem Jahr 2024 gelten die aktuellen Sätze. Diese Abschläge werden automatisch angewendet, unabhängig von den tatsächlichen Kosten.

Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, Steuergerechtigkeit herzustellen und sicherzustellen, dass Vermieter einen angemessenen Beitrag zur öffentlichen Finanzierung leisten.

Energetische Anforderungen

Neben den steuerlichen Änderungen stellt das Anti-Airbnb-Gesetz auch strengere energetische Anforderungen an Ferienwohnungen. Ab 2025 müssen diese mindestens die Energieeffizienzklasse F aufweisen. Bis 2028 soll die Klasse E erreicht werden, und ab 2034 sind nur noch Wohnungen der Klassen A bis D zulässig. Diese Maßnahmen dienen dem Klimaschutz und sollen dazu beitragen, den Energieverbrauch zu senken.

Stärkere kommunale Befugnisse

Das Anti-Airbnb-Gesetz stärkt auch die Bürgermeister. Städte erhalten künftig deutlich mehr Handlungsspielraum, um die Entwicklung des Tourismus in ihrem Gebiet zu steuern. Sie können in bestimmten Vierteln oder sogar ganz entscheiden, Kurzzeitvermietungen zu verbieten. Zudem müssen Vermieter in Zukunft eine Genehmigung der Stadt einholen, bevor sie ihre Wohnung über Plattformen anbieten können.

Bürgermeister können zudem neue Verwaltungsstrafen verhängen: bis zu 10.000 Euro für die Nichtregistrierung einer Ferienwohnung und bis zu 20.000 Euro für eine falsche Erklärung oder die Verwendung einer falschen Registrierungsnummer. Kommunen können auch Quoten für Ferienwohnungen festlegen.

Gründe für die Reform

Die rasante Zunahme von Kurzzeitvermietungen in den vergangenen Jahren hat zu einer Verknappung des Wohnraums in vielen Städten geführt, die Mieten in die Höhe getrieben und die soziale Mischung beeinträchtigt. Das neue Anti-Airbnb-Gesetz soll diesem Trend entgegenwirken und den Wohnungsmarkt für Einheimische wieder stabilisieren.

Airbnb hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung in Frankreich erlebt und ist zu einem festen Bestandteil der Tourismuslandschaft geworden. Die Plattform ermöglicht es Reisenden, Unterkünfte bei privaten Gastgebern zu buchen und bietet eine Alternative zu traditionellen Hotels. Doch der Erfolg von Airbnb hat auch zu Herausforderungen geführt, die zu einer intensiven Debatte über Regulierung und ihre Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und den Tourismus geführt haben.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben zahlreiche Städte und Regionen in Frankreich in den vergangenen Jahren schon lange vor dem Anti-Airbnb-Gesetz eigene Regulierungsmaßnahmen eingeführt.

So wurden beispielsweise Obergrenzen für die Anzahl der Vermietungstage oder eine verpflichtende Registrierungspflicht für Vermieter eingeführt. Paris und Bordeaux verbieten bereits touristische Vermietungen von Zweitwohnsitzen. Lyon plant, im historischen Stadtgebiet die Zulassungen erheblich einzuschränken. Marseille kündigte an, die „strengste Regelung Frankreichs“ einzuführen.

Marktpräsenz und Wachstum

Frankreich ist für Airbnb der wichtigste Markt in Europa. Insbesondere in Großstädten wie Paris hat die Plattform eine hohe Marktdurchdringung erreicht. Im Ballungsraum der französischen Hauptstadt, der wichtigsten Hochburg für Airbnb in Frankreich, werden über Airbnb und ähnliche Plattformen rund 70.000 Buchungsadressen angeboten. Allein im Stadtgebiet Paris gibt es mehr als 41.000 Adressen mit etwa 75.000 Betten.

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass das Angebot an privaten Unterkünften das Angebot traditioneller Übernachtungsbetriebe fast entspricht. Die Vermietung über Airbnb ist für Eigentümer oft lukrativer als normale Mietverträge, was zu Verdrängungseffekten in beliebten Stadtvierteln führt. In Paris ist die Vermietung auf maximal 120 Tage pro Jahr begrenzt, was jedoch oft umgangen wird.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Der Erfolg von Airbnb hat erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Schätzungen zufolge erwirtschaftet Airbnb France mehr als 150 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Die Steuerleistung in Frankreich beträgt jedoch nur etwa 70.000 Euro, was auf aggressive Steuervermeidungsstrategien zurückzuführen ist.

Seit 2019 müssen Buchungsplattformen wie Airbnb die Einnahmen ihrer Anbieter direkt dem französischen Fiskus melden. Auch die Anbieter ignorieren gerne den Fiskus: Nur etwa 15 Prozent von ihnen deklarieren ihre Einkünfte aus Airbnb-Vermietungen ordnungsgemäß.

Das Anti-Airbnb-Gesetz: die Infos

Der Gesetzestext im Original: www.legifrance.gouv.fr (Verlinkung nicht gestattet).

Erläuterungen und Hintergrund zum Anti-Airbnb-Gesetz: www.vie-publique.fr

Haftungsausschluss

Mein Artikel zum Anti-Airbnb-Gesetz dient ausschließlich zu Informationszwecken und wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Er stellt keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechts- oder Steuerberatung dar. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen kann keine Gewähr übernommen werden. Gesetzliche Regelungen können sich ändern. Für konkrete rechtliche oder steuerliche Fragen wendet euch bitte an einen qualifizierten Rechtsanwalt oder Steuerberater.