arabesques 2019: Wenn ich Flügel hätte

arabesques_2019

Seit bereits acht Jahren veranstaltet Barbara Barberon-Zimmermann mit einem kleinen, engagierten Team  eines der schönsten deutsch-französischen Kulturfestivals: arabesques.

Es beginnt stets am Tag der deutsch-französischen Freundschaft und erhellt den Winter fünf Wochen lang mit einem unglaublich vielseitigen, anspruchsvollen wie unterhaltsamen Programm. Fünf Wochen lang könnt ihr auch 2019 ab  dem 22. Januar 2019 deutsche und französische Künstler in und um Hamburg entdecken.

Bis 24. Februar 2019 verleiht das Jahresthema verleiht zum Träumen: Si j’avais des ailes… •– Wenn ich Flügel hätte. Wie soll sie sein, unsere Zukunft? Wie wollen wir zusammenleben? Was macht glücklich? Füllt unsere Demokratie mit Leben und Freude? Macht sie sicher und stabil. Und wie überwinden wir Gräben und schließen Spalten? Gesellschaftlich, kulturell und sozial?

Mehr als 30 Veranstaltungen –mit Neuer Musik, Film, Debatten bis hin zu Tanz, Chanson, Kunst und Theater begeben sich auf die Suche nach Antworten, wecken Visionen und zeigen: Es ist möglich.

Eine bessere Zukunft!

Wir sind die beiden Flügel des Abendlandes, zerbricht der eine, so ist auch der Flug des anderen gebrochen

schreibt Romain Rolland in seinen Roman „Jean Christophe“, der dem Dichter 1915 den Friedensnobelpreis einbringt. Sein reiches erzählerisches Werk, das er der Liebe zur Musik ebenso widmet wie der Suche nach dem Weg in eine lebenswerte Zukunft, ist ein Plädoyer für den Zusammenhalt und Frieden unter den europäischen Nachbarn.

Sein Blick von „Über dem Getümmel“ auf Europa erinnert an eine einfache Wahrheit: Eine bessere Zukunft ist jederzeit möglich, aber sie setzt den Mut zur Verständigung und Gestaltung voraus.

Seine Worte sind aktueller denn je. So eröffnet arabesques am Jahresanfang nicht nur das Festival (22.01.), sondern appelliert zu Beginn des Europa-Wahl-Jahres an den Mut zur Verständigung und Gestaltung unserer Demokratie.

Visionen für Europa

Ob Deutschland und Frankreich noch als Motor der Europäischen Union funktionieren, das diskutiert Dr. Claire Demesmay, Leiterin des Programms Frankreich/deutsch-französische Beziehungen bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik(DGAP) mit Jacqueline Hénard, Journalistin und Publizistin, Managing Director des Berliner Büros der Kommunikationsberatung „Kekst CNC“, moderiert von Carolin Ollivier, Redaktionsleiterin „ARTE Journal“ in der Bucerius Law School (30. Januar).

Über das Erstarken des Rechtspopulismus in Europa spricht Prof. Dr. Frank Decker, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie mit der Filmemacherin Katja Fedulova im Anschluss an ihre Filmvorstellung „“Der Patriot““ (19.Februar).

Die Doku der Russin stellt euch den „Trump Russlands“ vor: Wassilij Wlassow. Mit 22 Jahren ist der Assistent von Wladimir Schirinowski der  jüngste Abgeordnete der Duma: schlau und ironisch, nationalistisch, populistisch – und rhetorisch gewandt. Katja Fedulova hat ihn im  russischen Wahlkampf 2018 begleitet. Und hat dabei ein Land entdeckt, das Stalin verherrlicht und sich immer weiter von Europa entfernt.

Eine Motivcollage von Corinna Chaumeny und Elke Ehninger für arabesques

Solidarität, Mut, Verständigung

Elke Ehninger gehört zu den besten Illustratorinnen Europas. Die Hamburgerin hat dem Festival arabesques mit klaren Pinselstrichen und den Farben der Trikolore Gesicht gegeben. Im achten Jahr steht sie jetzt selbst auf der Bühne. Gemeinsam mit  Corinna Chaumeny, die sich für Hamburg illustriert engagiert, und den  Autorinnen Sarah Knausenberger und Carla M. Paulsen lässt sie Worte und Bilder in den Dialog treten (Pre-Opening 18.1.).

Die mit dem Luise-Büchner-Preis 2018 ausgezeichnete Schriftstellerin, Journalistin und Bloggerin Julia Korbik zeigt mit einem frischen Blick auf das Erbe von Simone de Beauvoir, warum es sich lohnt, kritisch zu denken und das zu tun, wofür man brennt (05.02.).

Mit dem Kampf um die Freiheit beschäftigt sich auch die Graphic-Novel-Autoren Claire Fauvel und Thomas Gilbert. Sie diskutieren über das Verhältnis von Geschichte und „bande désinée“ (14.Februar).

Der Zeichentrickfilm Kirikou, ein Französisch-Atelier mit Nathalie L. Brochard und ein afrikanischer Tanzworkshop mit Mariama Coulibaly animieren Kinder, das frankophone Afrika kennenzulernen (10.Februar).

Die Künstlerin Julia Metropolit hinterfragt Räume als Lebens- und Arbeitsorte (15.Februar.). Grenzen heben auch die Künstler Françoise Vadon und Anders Petersen auf, indem sie eigene und fremde Erfahrungswelten in ihrem malerischen, plastischen und grafischen Werk verknüpfen (8. Februar).

Musette ’n‘ ’Roll, HipHop & Chanson

La Gâpette. Foto: Nico M.

Ihr Zuhause ist das Bistro: „La Gâpette“ aus der Bretagne servieren Swing-Punk-Rock-Ska-Chanson am Tresen (7.Februar: Hamburg, 8.Februar: Stade, 9. Februar: Elmshorn). Mit ihrem „Chanson Muzouche“, eine Mischung aus stimmungsvoller „musette und manouche“-Musik begeisterte das Sextett mit Schirmmütze, Akkordeon, Gitarre und Kontrabass im Sommer 2018 die Zuhörer beim Montreux Jazz Festival. Bei arabesques hatten sie bereits 2015 für tolle Stimmung gesorgt!

Poetisch-politisch „à travers les frontières“ geht es mit der deutsch-französischen HipHop-Band Zweierpasch (20./21.Februar) zu. Für die Frontmänner Felix und Till Neumann gab es 2018 in Paris den Adenauer-de-Gaulle-Preis!

Lydie Auvray. Foto: Volke Neumann

Lydie Auvray ist die Grande Dame des Akkordeons. Die Normannin, die heute in Köln lebt, hat mit Peter Maffay, Reinhard Mey, Hannes Wader und Senta Berger zusammen gearbeitet und mit hinreißender Weltmusik das Akkordeon neu belebt. Freut euch auf Walzer, Tango, Gypsy-Swing und afrikanisch-karibische Rhythmen  (31. Januar)!

Die Sängerin Véronique Elling setzt mit Meisterwerken  von Aznavour, Gréco, Montant ein starkes Statement für die Solidarität(25.Januar: Aumühle). Ihre friedvolle Fassung der französischen Hymne, die „Marseillaise de l’’Espoir“, hat sogar den französischen Präsidenten beeindruckt!

Die Schauspielerin Christa Krings lässt gemeinsam mit dem Pianisten Mathias Stötzel in ihrer Hommage an Greta Keller und Barbara die magische Atmosphäre der „Blauen Stunde“ entstehen (27.01.).

Veronique Elling. Foto: Nathalie L. Brochard

Lieder und Flügel

Das Hamburger Vokalensemble „Voix de femmes“ wendet sich den Anfängen jeder Entwicklung zu: dem Traum, der Leidenschaft, dem Spiel – und dem Bewusstsein der eigenen Endlichkeit u.a. mit Werken von Massenet, Schumann, Sariola, Elgar, Orbàn (16.Februar).

Die Ariettes oubliées von Debussy bilden den Kern des „europäischen“ Liederabends mit Linda Joan Berg und Zuzanna Pawlaszek (21. Februar). Das Klavier wird zum poetischen Instrument eines umher wandelnden Geistes, das nimmt sich Aurélie Namont zu Herzen und spielt Werke von Ravel, Debussy, Haydn und Chopin. (22.Februar).

Der Pianist Mathias Weber legt Zeugnis ab von den erstaunlichen Klangmöglichkeiten des Erard-Flügels, an dem sich noch Steinway orientieren sollte (24. Januar).

Das Highlight des Festivals bildet das Abschlusskonzert mit dem Ensemble arabesques und dem Pianisten Paul Rivinius – am Steinway-Flügel im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Mit der „Groupe des Six“ beginnt nach dem 1. Weltkrieg eine neue Generation junger Komponisten „musikalische Prosa“ zu schreiben, – eine Musik des Alltags, die mitten hinein stößt ins pulsierende Leben der Metropole Paris.

Werke von Poulenc und Ibert werden kontrastiert mit der Klangwelt von Holst und Magnard und lassen mit ihnen noch einmal die letzten Klänge des Romantizismus aufleuchten (24. Februar).

Ensemble arabesques. Foto: Daniel Hacker

arabesques: Tickets und Infos

Festivalkarten sind bei der Konzertkasse Gerdes erhältlich unter Tel. 040 45 33 26 oder 040 44 02 98 sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie im Internet (soweit nicht anders im Programmheft angegeben).

Tickets zum ermäßigten Preis erhaltet ihr nur an den Abendkassen oder im Vorverkauf direkt in der arabesques-Geschäftsstelle, Bei den Mühren 69a, 20457 Hamburg, Tel. 040 34 86 40 31, www.arabesques-hamburg.de

2 Kommentare

  1. Hallo,Heike,
    mein Name ist Eva.Ich guck seit kurzer Zeit bei dir rein und find die Beiträge bis hier her ziemlich interessant.
    Seit knapp 4 Jahren sind der Klaus und ich jetzt im Cher,zur Grenze vom Allier. Beide sind wir plus-minus 70 Jahre und lernen eben auch französisch grad. Ein spannendes Abenteuer! Dein blog tut dabei gut!
    Herzliche Grüsse aus dem Herzen Frankreichs! Eva

    • Hallo Eva,
      ganz lieben Dank für Deinen Kommentar. Das ist ja schön – das Département Cher ist eine wunderschöne Ecke in Frankreich. Viel Spaß bei eurem Frankreich-Abenteuer, toll, das ihr es gewagt habt!! Ich bin beeindruckt – und wünsche euch ein wundervolles Weihnachtsfest! Joyeues Fêtes! Hilke

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