arabesques 2021: Metamorphosen – Métamorphoses

Die Lichtskulptur graine. Copyright: Mickaël Lafontaine
Die Lichtskulptur graine an der Hamburger Binnenalster vor der Kulisse des Jungfernstiegs. Copyright: Mickaël Lafontaine

Arabesques nennt sich das große norddeutsche Kulturfestival, das seit 2012 die deutsch-französische Freundschaft mit spannenden Kulturbegegnungen feiert. Normalerweise findet es alljährlich mehrere Wochen im Januar und Februar statt und beginnt stets am Tag der deutsch-französischen Freundschaft.

Coronabedingt musste es 2021 in die zweite Jahreshälfte verschoben werden. So treffen sich nun beim 10. Deutsch-Französischen Kulturfestival arabesques von September bis Dezember 2021 deutsche und französische Künstler in und um Hamburg.

Mehr als 50 Veranstaltungen

Das Jahresthema  2021 heißt „Metamorphosen – Métamorphoses“. Mehr als  50 Veranstaltungen – von neuer Musik über Film und Debatten bis hin zu Tanz, Chanson und Theater – laden zur Spurensuche. Welche Möglichkeiten gibt es, die Demokratie mit neuen Impulsen aufzufrischen?

Wie kann für alle eine gemeinsame Vision Europas entstehen? Mit gestalterischem Freiraum, dem Schutz von Natur, Umwelt und Menschenwürde, sozialer Sicherheit und Lebensqualität. Möglichkeiten und Antworten will arabesques aufzeigen. Am 2. September geht’s los. Voilà einige Highlights aus dem Monatsprogramm.

Faszinierende Liedmovies

Liedmovie. Foot. Simon Janssen
Inszenierung  eines Liedmovie. Foto: Simon Janssen

Im September verwandelt das künstlerische Team der Liedmovies den traditionellen Konzertraum und befreit aus ihm die Gattung Kunstlied. Pia Davila, Luise Kautz, Simon Janssen und Valentin Mattka erfinden für die Klassik ein den Popmusikvideos vergleichbares und doch weit darüber hinaus gehendes Format.

Die Liedmovies sind ohne Schnitt und mit live wechselnden Szenografien gedreht und zu einer Kunstgalerie zusammengefügt. Die Video-Gemälde bilden eine Installation, die einem Mini-Museum gleicht. Es lässt das Publikum in das Genre Kunstlied eintauchen und es zugleich als filmische Realität neu entdecken.

Für die Befreiung der Klänge stehen auch die Werke von John Cage und Claude Debussy, die in der Installation zu sehen und zu hören sind. Liedmovies gewann die Auszeichnung #Liedinnovation 2021 des Rhônefestivals für Liedkunst im schweizerischen Brig.
• Tonali Galerie Hamburg, 2.–4.9. 2021

Freiheit – Mythos – Mut

Paris chéri. Copyright: Felder
Paris chéri. Copyright: Felder

Visionen von Freiheit spüren auch die in Hamburg lebende französische Chansonsängerin Véronique Elling und der virtuose Akkordeonist Jurij Kandelja nach, wenn sie in ihrem Programm Paris chéri mitnehmen auf einen Spaziergang durch den Jardin du Luxembourg, den Boulevard Saint-Germain und Pigalle bei Nacht.

Mit Liedern von Jacques Brel, Édith Piaf, Juliette Gréco, Yves Montand und Charles Trenet versuchen sie, den Mythen der Stadt Paris nachzugehen. Véronique Elling, Schauspielerin, Sängerin und Komponistin, verfasste auch eine Neufassung der französischen Nationalhymne, die Marseillaise de l’espoir, die sie von kriegerischen Gedanken befreit und der Hoffnung auf Frieden und Solidarität gewidmet ist.
• Torhaus Wellingsbüttel, 5.9. 2021

Mehr zu Véronique Elling erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

Antoine Villoutreix. Copyright: Leila Garfield
Antoine Villoutreix. Copyright: Leila Garfield

Die Stadt Berlin ist für den Pariser Singer-Songwriter Antoine Villoutreix Wahlheimat, Inspiration und Abbild interkulturellen Wandels. Mit seiner Band tourt er durch die Welt, schreibt und performt seine Songs auf Französisch, Deutsch, Englisch und Italienisch.

Die Kunst des französischen Chansons bereichert er mit Elementen des Folk, Swing, Country und Rock. So verleiht er dem Alltag Poesie – lakonisch, verträumt und ehrlich.

Bei den Aufnahmen für das neue Album Promenades hatte er Unterstützung von hochkarätigen musikalischen Gästen wie Maxim Illion (Club des Belugas), dem Cellisten Matthieu Saglio sowie Danny Dziuk und Mischa Tangian (Babylon Orchestra).
• MS Stubnitz, Hamburg, 12.9. 2021

Identität – Natur – Bewusstsein

Yéanzi bei der Arbeit. Foto: vom Künstler der Galerie Melbye-Knonan zur Verfügung gestellt.
Yéanzi bei der Arbeit. Foto: vom Künstler der Galerie Melbye-Knonan zur Verfügung gestellt.

Die Identität ist das zentrale Thema im Werk des ivorischen Künstlers Yéanzi. Um menschliche Körper und Gesichter zu gestalten, arbeitet er mit Kunststoff, den er schmilzt und auf Oberflächen tropft. Dieser Vorgang erlaubt es ihm, die Geschichten von Menschen zu sammeln, die selbst anonym bleiben. Damit stellt er auch die etablierte Annahme des Portrait-Genres infrage, dass die abgebildete Person bekannt(er) gemacht werden sollte.

Yéanzis Blick hat sich im Laufe seines Schaffens vom Individuum zur Gruppe gerichtet, verstanden als kollektive Einheit. In seinen neuen Arbeiten reflektiert er die Auswirkungen der Kolonialisierung in Afrika auf die Identitätsbildung, aber auch die damit verbundene kulturelle Amnesie.

Lanin Saint-Étienne Yéanzi schloss 2012 als Bester seines Jahrgangs an der École Nationale des Beaux-Arts in Abidjan ab und hat bereits mehrere Kunstwettbewerbe gewonnen. Er lebt und arbeitet in Bingerville an der Côte d’Ivoire.
• Galerie Melbye-Konan, Hamburg, ab 30.09. (Vernissage 30.09., nur auf Anmeldung). Weiterhin in Planung: Graffiti-Live-Performance und Artist Talk.

Feindschaft – Freundschaft – Alchimie

Die beiden Länder Frankreich und Deutschland waren im Laufe der Geschichte immer wieder eng miteinander verbunden, aber auch bis aufs Blut verfeindet. Diesen Bewegungen spüren die beiden Musikerinnen Bérengère Le Boulair (Geige) und Christiane Reiling (Cello) mit ihrem Programm „Zusammen und Auseinander“ nach.

Als Le Coucou von Claude Daquin komponiert wurde, standen sich Frankreich und Deutschland noch als „Erbfeinde“ gegenüber. Königshäuser und Adel tauschten sich jedoch rege aus. Ravel erinnert an die gemeinsame Verwurzelung in Kirchentonarten Deutschlands und Frankreichs.

Beethovens feiert leichtfüßig die Werte der Französischen Revolution. In die Zeit der Kindheit der Violinistin führt das Lied L’Oiseau von Éric Demarsan – über den Vogel, der sich mit zwei Flügeln, einem materiellen und einem spirituellen, auf den Weg in die Freiheit begibt.
Centre Culturel de Kiel, Kiel, 24.9.2021

Mélinée. Copyright: Benjamin Bayer
Mélinée. Copyright: Benjamin Bayer

Wie fühlt sich ein Berliner Winter an, wenn ihm die Sonne fehlt: Wie das Leben selbst, wenn Sehnsüchte unerfüllt oder Abhängigkeiten unauflösbar scheinen. Die aus Toulouse stammende Sängerin Mélinée versteht es, dieses Zögern in der Welt, das Unbehagen zu verwandeln. Mit Alchimiste realisiert die Künstlerin mit Band ihr drittes Album, geprägt von Afro-Pop-Rock-Klängen.

Mit dabei sind  die Instrumente Balafon, Ngoni und Djembé. Jonathan Bratoëff, Gitarrist, Komponist, Arrangeur, Tontechniker und Produzent, gibt dem Album die Weltmusik-Orientierung. Akkordeon und Keyboard mischen sich mit afrikanischen Rhythmen, Rock begegnet Chansons von universeller Tragweite.
• MS Stubnitz, Hamburg, 26.9. 2021

Das Deutsch-Französische Kulturfestival arabesques

Das Festivalthema 2021: Metamorphosen. Copyright: Elke Ehringer
Das Festivalthema 2021: Metamorphosen. Copyright: Elke Ehringer

Barbara Barberon-Zimmermann und Nicolas Thiébaud haben das Deutsch-Französische Kulturfestival arabesques 2012 ins Leben gerufen. Seitdem  findet es jedes Jahr statt. arabesques beginnt immer am 22. Januar, dem Tag, an dem Charles de Gaulle und Konrad Adenauer 1963 den Élysée-Vertrag zur deutsch-französischen Freundschaft unterzeichneten.

Der Name des Festivals stammt aus der arabischen Ornamentkunst, in der kalligrafische und natürliche Formen ein facettenreiches Gesamtbild ergeben. Der Begriff hat Eingang in den europäischen Kulturraum gefunden und bezeichnet diverse Kunstformen.

Die Festivalorganisatoren möchten mit arabesques Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen ermöglichen, bei Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Theater- und Filmvorführungen, Debatten und Tanzdarbietungen zu entdecken, wie sich verschiedene Kulturen begegnen, Trennendes überwinden und zu einem neuen gemeinsamen Ausdruck finden.

Ziel ist außerdem, das Interesse an der französischen und deutschen Sprache und die Zusammenarbeit von Frankreich und Deutschland als Motor für den Friedensprozess in Europa zu fördern. Von der deutsch-französischen Freundschaft aus blickt arabesques über die Grenzen hinweg auf internationale Fragestellungen.

Eine inhaltliche Klammer bildet das jedes Jahr wechselnde Thema. Es geht der Frage nach, wie die Grundwerte eines demokratischen Europas, der verantwortungsvolle Umgang miteinander gelebt und geschützt werden können.
• www.arabesques-hamburg.de

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