Das Motiv des Festivals arabesquesn 2026. Copyright: Elke Ehninger

arabesques 2026: hinter dem Lachen

Das 15. deutsch-französische Kulturfestival arasbesques widmet sich vom 22. Januar bis 28. Februar 2026 der subversiven Kraft der Heiterkeit – und ehrt den Schöpfer von Asterix an seinem 100. Geburtstag. Im Frühjahr wird der Reigen der Veranstaltungen fortgesetztbis in den Juni hinein!

Der Humor ist mehr als nur ein Lachen. Er ist Waffe, Ventil, Brücke zwischen Welten. Das wusste niemand besser als René Goscinny, geboren am 14. August 1926 in Paris. Der Mann, der der Welt Asterix, Lucky Luke und den kleinen Nick schenkte, verwandelte Comics in Kunst. Er erhob sie in den Rang einer „Neunten Kunst“. Zu seinem 100. Geburtstag wählte das norddeutsche Kulturfestival arabesques für seine 15. Ausgabe das Thema Derrière le rire – Hinter dem Lachen – Za śmiechem.

Seit 2012 bringt Barbara Barberon-Zimmermann mit ihrem Team Frankreich in die Metropolregion Hamburg – mit Musik, Film, Theater und Debatten. Jedes Jahr am 22. Januar startet das Festival, am Jahrestag der Élysée-Verträge von 1963. Das Datum ist Programm: Die deutsch-französische Freundschaft ist der Grundstein für ein vereintes Europa.

Von Warschau über Buenos Aires nach Paris

Goscinnys Lebensweg liest sich wie eine seiner eigenen Geschichten. Sein Vater Stanislaw stammte aus Warschau, seine Mutter Anna aus dem ukrainischen Khodorkov. Die Familie des jüdischen Ingenieurs zog nach Buenos Aires, als René zwei Jahre alt war. Dort besuchte er die französische Schule und brachte seine Klassenkameraden zum Lachen – vermutlich, um seine Schüchternheit zu überwinden.

1945 wagte René Goscinny den Sprung nach New York. Sein Traum, für Walt Disney zu zeichnen, platzte. Doch dieser Rückschlag bedeutet eine größere Erkenntnis: Sein Talent lag nicht im Zeichnen, sondern im Schreiben. 1951 kehrte René Goscinny nach Paris zurück und lernte dort Albert Uderzo kennen. Die Freundschaft der beiden schuf ein Universum, das Millionen begeistert.

Die Zusammenarbeit begann mit Figuren wie Jehan Pistolet und Luc Junior. Ab 1955 textete Goscinny die Abenteuer von Lucky Luke, dem Cowboy, der schneller zieht als sein Schatten. Mit Jean-Jacques Sempé erfand er Le Petit Nicolas – Geschichten aus dem Schulalltag, die heute als Klassiker gelten. 1959 gelang dem Kreativduo Goscinny/Uderzo dann der große Wurf: Asterix und Obelix eroberten die Welt. Am 29. Oktober 1959 begann die Karriere der starken Gallier mit ihrem ersten Auftritt in der Zeitschrift Pilote.

Am 5. November 1977 starb René Goscinny mit nur 51 Jahren in Paris an einem Herzinfarkt. Seine Tochter Anne war damals gerade neun Jahre alt. Sein Werk aber lebt weiter – in fast 500 Millionen verkauften Büchern weltweit.

Humor als Gesellschaftskritik

Das Festival arabesques 2026 nimmt Goscinnys Werk zum Anlass, tiefer zu blicken. Satiren, Wortspiele und Komik durchdringen das scheinbar Eindeutige. Sie decken auf, was unter glatter Oberfläche brodelt. Das Programm spannt den Bogen von Comics über Chansons bis zu historischen Spurensuchen – und erweitert den Kulturdialog zum zweiten Mal auf Polen, seit 1991 im politischen Dialog Partner des Weimarer Dreiecks. Im außenpolitischen Konsultationsforum stimmen sich Deutschland, Frankreich und Polen seit 1991 in sicherheits-, europa- und außenpolitischen Fragen ab.

Am 26. Februar feiert das Festival im Petit-Kami-Comicladen René Goscinny mit Texten und Bildern rund um seine Helden. Die Veranstaltung folgt den Spuren seiner Herkunft: dem osteuropäischen Judentum, bereichert durch die Erfahrungen des argentinischen und nordamerikanischen Exils, verwurzelt im französischen Klassizismus.

Wenn Stummfilme wieder sprechen

Marie-Luise Zetchi Bolte hat Musik studiert und ist bekannt für Live-Piano-Improvisationen zu Stummfilmen, oft mit ihrem Salonorchester. Dass sie auch eine talentierte Malerin ist, beweist die Künstlerin mit Ausstellungen. Ihr Ansatz verbindet musikalische Spontaneität mit visueller Expression, fokussiert auf Vertrauen, Humor und Lebensfreude – passend zum Festivalmotto.

Am 6. Februar im Metropolis Kino erweckt sie das Stummfilmmeisterwerk „Bestia“ zum Leben. Seine Hauptdarstellerin Pola Negri verkörpert eine deutsch-französisch-polnische Kulturgeschichte: In Polen geboren, wurde sie in Deutschland zum Star, die Liebe führte sie nach Frankreich, in Amerika verband sie eine Romanze mit Charlie Chaplin. Der Regisseur Aleksander Hertz besaß während der Zarenherrschaft die bedeutendste Filmproduktionsfirma in Warschau, die Sfinks.

Von Bretagne bis Gdańsk

Das Festival bringt auch Musikerinnen und Musiker aus den drei Ländern nach Hamburg. Das Quintett Rendez-Vous katapultiert am 29. Januar im Cotton Club französische Chansons ins Swing-Universum. Das bretonische Duo La Raymonde tritt am 12. Februar in der Fabrique im Gängeviertel auf – freut euch auf Folk-Alternative-Rock zwischen Johnny Cash und französischer Tradition, mit Kontrabass, Gitarre, Mundharmonika und Akkordeon. Die Texte oszillieren zwischen Kontemplation und Rebellion.

Am 19. Februar gastiert Véronique Elling mit ihrem Ensemble in der Laeiszhalle. Sie lässt Jacques Brel neu erleben – seine Leidenschaft, seinen närrischen Humor. Am 28. Februar gestaltet sie mit Henrik Giese am Klavier einen intimen Abend im Rathaus Stade: Piaf, Brel, Barbara und eigene Chansons.

Die Jazzmusiker Emil Miszk (Trompete) und Sławek Koryzno (Percussion) aus Gdańsk präsentieren am 23. Februar in der Fabrique im Gängeviertel Terra Incognita – eine musikalische Reise in unbekannte Welten, geprägt von der unabhängigen Improvisationsszene ihrer Heimatstadt.

Zwischen Bohème und Satire

Adam Gusowski und Piotr Mordel vom Berliner „Club der Polnischen Versager“ treten am 7. Februar im Centralkomitee auf. Sie erzählen von polnischen Schwarzarbeitern, Einbürgerungsritualen und kulinarischen Gemeinsamkeiten. Les Maries (Marie-Laure Timmich und Klaus Sieg) singen vom Warteraum der Liebe und verwaisten Bars.

Wolfgang Bremer zeichnet am 18. Februar im Augustinum Hamburg ein Bild der 1920er-Jahre: Die Pariser, Berliner und Schwabinger Bohème lebt auf in Texten aus dem Roman Jules et Jim, in seiner Verfilmung von François Truffaut und in Essays von Helen und Franz Hessel.

Das Theater Mut! zeigt vom 19. bis 21. Februar und 26. bis 28. März das Stück Pièce Montée von Les France-Brötchen – eine französischsprachige Komödie, die unter leichter Oberfläche weibliche Lebensrealität, Machtverhältnisse und Familiengeheimnisse verhandelt.

Am 21. Februar lädt die Übersetzerin und Autorin Juliette Affholder-Bonné, ausgezeichnet mit dem Nerval-Goethe-Preis 2022, Literaturbegeisterte ein, zu einem bilingualen Schreibworkshop mit den berühmten Stilübungen von Raymond Queneau … fintenreich und diabolisch vergnüglich!

Erinnerung als Brücke

„Geh mit der Zeit, aber komme von Zeit zu Zeit zurück“ sagt der polnische Aphoristiker Jerzy Lec. Barbara Barberon-Zimmermann, Nathalie L. Brochard und Iwona Liberek laden am 22. Februar das Publikum ein, ins Why Not Café in Ottensen Erinnerungsstücke und Geschichten mitzubringen, um von deutsch-polnisch-französischen Grenzerfahrungen zu erzählen.

Der Sozialhistoriker Dr. Jürgen Bönig führt am 8. Februar durch das ehemalige Hamburger Judenviertel. Er folgt den Spuren Heinrich Heines, der 1844 der Eröffnung des Israelitischen Tempels beiwohnte und Nachrichten aus Paris mitbrachte, die zur Gründung des politischen Bildungsvereins für Arbeiter führten.

Das Festival arabesques verabschiedet sich am 27. Februar im Metropolis-Kino Hamburg mit acht Kurzfilmen aus Deutschland, Polen und Frankreich. Die von der polnisch-schweizerischen Filmemacherin Emilie Girardin kuratierte Auswahl erkundet Europas Platz zwischen Erinnerung und Zukunft, Zugehörigkeit und Verlust. Von Essayfilm über Animation bis Fiktion – die Perspektiven verflechten sich, widersprechen sich, öffnen neue Räume der Interpretation.

Tradition mit Zukunft

Am 22. Januar eröffnet das Festival arabesques mit einem Fest zum Deutsch-Französischen Tag. Es ist Auftakt zu sechs Wochen, in denen die Metropolregion Hamburg wieder gemeinsam das demokratische Engagement der Zivilgesellschaft für Europa feiert und Treffpunkt wird – für Menschen, die wissen, dass Humor mehr ist als Unterhaltung. Dass Lachen verbindet. Dass Satire aufklärt. Dass Comics Kunst sind. Und Europa Freiheit heißt.

Alle Termine und weitere Informationen: www.arabesques-hamburg.de

Seit der Gründung 2012 ist meinfrankreich.com Medienpartner des Festivals arabesques. Meine Freundin und Intendantin Barbara Barberon-Zimmermann rief gemeinsam mit Nicolas Thiébaud das Festival ins Leben – aus der Überzeugung, dass Kultur Grenzen überwindet und Europa lebendig hält.

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Im Blog

Alljährlich Ende Januar/Anfang Februar feiert in Angoulême das Internationale Comicfestival die Kunst der bande dessinée – zwischen Graphic Novel, Street-Art und französischer Kulturpolitik.