Christo umhüllt den Arc de Triomphe

Christo L'Arc de Triomphe, Wrapped (Project for Paris) Place de l'Etoile – Charles de Gaulle Drawing 2019 in two parts 15 x 96" and 42 x 96" (38 x 244 cm and 106.6 x 244 cm) Pencil, charcoal, pastel, wax crayon, enamel paint, architectural and topographic survey, hand-drawn map on vellum and tape Photo: André Grossmann © 2019 Christo
Christo L'Arc de Triomphe, Wrapped (Project for Paris) Place de l'Etoile – Charles de Gaulle Drawing 2019 in two parts 15 x 96" and 42 x 96" (38 x 244 cm and 106.6 x 244 cm) Pencil, charcoal, pastel, wax crayon, enamel paint, architectural and topographic survey, hand-drawn map on vellum and tape Photo: André Grossmann © 2019 Christo

34 Jahre nach dem Pont-Neuf wird Christo wieder ein Pariser Monument verhüllen.Vom Sonnabend, 19. September, bis zum Sonntag, 4. Oktober 2020, wird er den Triumphbogen mit 25.000 Quadratmetern recycelbarem Polypropylengewebe in silberblau und 7.000 Metern rotem Seil umwickeln.

Der ursprüngliche Termin im April wurde aufgrund des Brandes von Notre-Dame in den Herbst verschoben. Das  16-Tage-Kunstwerk entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou und dem Centre des monuments nationaux in Paris.

Das Projekt L’Arc de Triomphe, Wrapped (Projekt für Paris, Place de l’Étoile-Charles de Gaulle) fällt mit einer großen Ausstellung im Centre Georges Pompidou vom 18. März bis 15. Juni 2020 zusammen, die die Jahre von Christo und Jeanne-Claude in Paris von 1958 bis 1964 sowie die Geschichte von The Pont-Neuf Wrapped, Project for Paris, 1975-85, wiedergibt. „Die Ausstellung im Centre Pompidou zeigt den historischen Kontext der Zeit, in der wir in Paris gelebt und gearbeitet haben“, sagt Christo.

L’Arc de Triomphe, Wrapped finanziert Christo vollständig durch den Verkauf seiner Vorstudien, Zeichnungen und Collagen des Projekts sowie von Modellen, Werken aus den 1950er und 1960er-Jahren und Original-Lithographien zu anderen Themen. Christo  erhält keine öffentlichen oder privaten Mittel.

1961, drei Jahre nach ihrem Treffen in Paris, begannen Christo und Jeanne-Claude, Kunstwerke im öffentlichen Raum zu schaffen. Eines ihrer Projekte war es, ein öffentliches Gebäude zu verhüllen. Christo, der einen kleinen Raum in der Nähe des Arc de Triomphe mietete, studierte damals mehrere Projekte.

Dazu gehörte 1962 auch eine Fotomontage des Arc de Triomphe von der Avenue Foch aus. In den 1970er und 1980er-Jahren schuf Christo einige zusätzliche Studien. Fast 60 Jahre später wird das Projekt schließlich konkretisiert.

Staatssymbol am Sternenplatz

Am Arc de Triomphe endet die Tour de France, beginnen die Champs-Elysées, inszeniert Frankreich „la gloire“ und gedenkt alljährlich am 11. November der Toten des Ersten Weltkriegs. Der größte Torbogen der Welt ist neben dem Eiffelturm das berühmteste Wahrzeichen von Paris. Am 50 m hohen Mahnmal gegen den Krieg wird täglich die „Flamme de Souvenir“ neu entfacht, damit ein unbekannter Soldat unvergessen bleibt.

Jahr für Jahr die gleiche feierliche Zeremonie: Am 11. November legt der französische Staatspräsident am Triumphbogen von Paris einen Kranz vor die ewige Flamme, die über das Grab des unbekannten Soldaten wacht. Eine Schweigeminute. Das Läuten der Totenglocke. Aux Morts. À la patrie. À la gloire. Patriotismus in Frankreich: Auch „le bleuet“ gehört an diesem Tag ans Revers. Die blaue Kornblume symbolisiert das Gedenken an die Gefallenen. „Nie wieder Krieg“ mahnt sie.

Patriotisches Ritual

Die Entscheidung, den Gefallenen des Ersten Weltkrieges nationale Ehre zu erweisen, wurde noch mitten im Krieg gefällt – 1916. Vier Jahre später, 1920, steht Auguste Thin, ein junger Soldat des 132. Regimentes, in Verdun mit einem Blumenstrauß vor den Särgen mit je einem Gefallenen der acht Frontabschnitte: Flandern, Artois, Somme, Île-de-France, Chemin des Dames, Champagne, Verdun und Lothringen.

Auf welchen Sarg er die Blumen gelegt hat? Das bleibt Staatsgeheimnis. Doch der Sarg reist am 28. Januar 1921 nach Paris. Im Beisein von Präsident Alexandre Millerand und der Generäle Pétain, Joffre und Foch wird der unbekannte Soldat posthum mit der Ehrenlegion, der Militärmedaille und dem Kriegsverdienstkreuz geehrt und unter dem Triumphbogen beigesetzt. Dennoch gerät er schon bald gerät er in Vergessenheit.

Bis Kriegsminister André Maginot 1923 die ewige Flamme entzündet, die seitdem Totenwache hält. Weder am 14. Juni 1940, als die Deutschen in Paris einmarschierten, noch während der Besatzungszeit, wurde das Ritual unterbrochen: Es war die einzige nationale Zeremonie, die von den deutschen Besatzern geduldet wurde. Bis heute wird sie jeden Tag um 18.30 Uhr vom Verein Die Flamme unter dem Triumphbogen wieder entfacht.

Die Flamme für den unbekannten „poilu“. Foto: Hilke Maunder

Stille Größe im Stil der Antike

Der monumentale Bogen wurde 1806 im Auftrag von Kaiser Napoleon I. zu Ehren der Revolutionsheere begonnen. Da Napoleon jedoch abdanken musste und der Architekt Jean-François Chalgrin verstarb, wurden die Arbeiten zunächst eingestellt. Erst unter Bürgerkönig Louis-Philippe konnte das Denkmal am 15. August 1836 feierlich eingeweiht werden.

Die Reliefs an Ost- und Westfassade des 50 m hohen und 45 m breiten Bogens erzählen vom Auszug und der glorreichen Heimkehr der siegreichen französischen Armeen. Die Seite zu den Champs-Elysées trägt das von François Rude geschaffene, auch „Marseillaise“ genannte Relief vom „Aufbruch der Freiwilligen gegen Preußen 1792“. Die Innenseiten schmücken die Namen von mehr als 100 Schlachten und 660 Generälen. Sind sie im Kampf gefallen, ist ihr Name unterstrichen.

1885 wehte eine riesige Frankreich-Fahne vom Bogen herab und markierte einen Sarkopharg, auf dem kein Soldat, kein General, kein König aufgebahrt lag. Sondern ein König, ein Kaiser der Worte.

„Monceau des pierres sur un monceau de gloire“

hatte er den Arc de Triomphe zu Lebzeiten genannt. Es war: Victor Hugo. Nach der öffentlichen Trauer unter dem Arc fand Frankreichs Nationaldichter, der an der Place des Vosges gewohnt hatte, seine letzte Ruhestätte im Panthéon.

Luftnummer mit Doppeldecker

Zur großen Siegesparade auf den Champs-Elysées am 14. Juli 1919 hatte die Militärführung angeordnet, dass auch die Jagdstaffel mitmachen – eine Provokation für die „Helden der Lüfte“. Deshalb entschloss sich der junge Kampfflieger Charles Godefroy, mit seiner „Nieuport 11“, einem Doppeldecker von 7,52 m Spannweite, durch den Triumphbogen zu fliegen. Viel Platz war nicht, die Bogenbreite beträgt 14,60 m. Die fliegerische Glanzleistung verstieß zwar gegen alle Regeln, wurde aber in der Öffentlichkeit so bejubelt, dass Godefroy nur eine Verwarnung erhielt.

Die Wendeltreppe im Arc de Triomphe. Foto: Hilke Maunder

Was für ein Panorama!

Hin zum berühmten Bogen kommt ihr im Fußgängertunnel von der Avenue des Champs-Élysées. Eine Wendeltreppe mit 284 Stufen bringen euch hinauf zur offenen Aussichtsplattform, die Stangen sichern. Zwischen die Stangen passt die Linse des Fotoapparats. Kein Glas trennt die Linse vom Panorama.

Tags wie nachts habt ihr von hier oben traumhafte Ausblicke bietet auf die „historische Achse von Paris“ vom Louvre bis nach La Defense, auf den Eiffelturm und die Butte de Montmartre mit der Basilika Sacré-Cœur. Das Museum im Innern des Bauwerkes blättert die Baugeschichte auf, wichtigste historische Eckdaten – und verrät auch, wie der Triumphbogen seit 2015 das neue Jahr begrüßt.

Das Museum im Arc de Triomphe. Foto: Hilke Maunder

Place de l’Etoile

Er ist der Alptraum vieler Autofahrer: der verkehrsumtoste Sternplatz mit 300 m Durchmesser und acht Fahrspuren. Denn bei Europas ältestem Kreisverkehr gilt noch die alte Regel rechts vor links: Dem zufahrenden Verkehr ist Vorrang zu gewähren. Wer im Kreisel ist, muss warten. Und das bei jeder der zwölf einmündenden Avenuen. Ihre Namen erinnern an illustre Männer des Empire.

Der Kranz aus zwölf markanten Gebäuden ist ein Werk des Architekten Hittorff.  Baron Haussmann war wenig begeistert von der einheitlichen Randbebauung. Und ließ prompt Baumreihen pflanzen, um sie – zumindest teilweise – zu kaschieren.  Seit 1970 trägt die Place de l´Étoile den Namen des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle.

Blick vom Arc de Triomphe auf die Champs-Élysées. Foto: Hilke Maunder

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Arc de Triomphe*

Im Westen nichts Neues war der erste Welterfolg von Maria Erich Remarque, der heute etwas vergessene Emigranten-Roman Arc de Triomphe der zweite Beststelle seiner Zeit. Mit großer Leidenschaft erzählt der Autor, als Erich Paul Remark 1898 in Osnabrück geboren, die Geschichte von Dr. Ravics. Der Arzt, in Wirklichkeit Ludwig Fresenburg, war die Flucht aus dme KZ gelungen. Er floh vor den Nazi nach Paris.

Dort tauchte er in einem heruntergekommenen Emigrantenhotel unter. Dort lebt er vom November 1938 bis zum Vorabend des Zweiten Weltkrieges im September 1939.  Als Arzt ohne Pass, ohne Identität und ohne Rechte, versucht er zu überleben. Und trinkt, um die Vergangenheit zu vergessen. Als er eines Tages in einem Pariser Café den SS-Mann Haake wiedersieht, erkennt er den Mörder seiner Frau Sybil und trachtet nach Rache.

1948 verfilmte Lewis Milestone, auch Regisseur von „Im Westen nichts Neues“, den Roman als „Arch of Triumph“ mit Ingrid Bergman und Charles Boyer in den Hauptrollen. Wer mag, kann den Emigratenroman hier* bestellen.

Mein Reiseführer

Baedeker Paris 2018Monatelang habe ich recherchiert und gewühlt, ehe ich zur Feder griff.  Und danach mit Dr. Madeleine Reincke als Redakteurin im Verlag an ihm feilte. Am 2. Januar 2018 ist mein“ Baedeker „Paris“* ist der ersten Staffel des völlig neu konzipierten Reiseführer-Klassikers erschienen.
„Tango unter freiem Himmel: Die Stadt der Liebe: Der neue Reiseführer ‚Paris‘ zeigt – neben Sehenswürdigkeiten – besondere Orte für Höhenflüge, romantische Momente wie ‚Tango unter freiem Himmel‘ und unvergessliche Dinners. Dazu gibt’s viele Kulturtipps…“  schrieb die Hamburger Morgenpost über meinen Paris-Führer, der viele neue Elemente im enthält.

Zu den Fakten, neu und unterhaltsamer präsentiert, gibt es jetzt auch Anekdoten und Ungewöhnliches, was ihr nur im Baedeker findet. Und natürlich ganz besondere Augenblicke und Erlebnisse, die euren Paris-Aufenthalt einzigartig und unvergesslich machen. Wer mag, kann meinen Paris-Reiseführer hier* bestellen.

Paris in Biographien*

Merian: Paris - eine Stadt in Biografien.

Jede große Metropole wird nicht nur von ihren Gebäuden, Straßenzügen und Plätzen geprägt, sondern in erster Linie von den Menschen, die in ihren Mauern leben und arbeiten. Dieses Konzept steht hinter der erfolgreichen Reisebuchreihe MERIAN porträts. Die Bremerin Marina Bohlmann-Moderson, Enkelin des Worpsweder Malers, hat für die Reihe das sehr lesenswerten Paris-Büchlein verfasst.

Auf jeweils acht bis zehn Seiten portraitiert sie Abélard & Héloïse, Henri IV, Louis XIV, Voltaire, Marie Antoinette, Napoléon, Honoré de Balzac, Victor Hugo, Claude Monet, Auguste Rodin, Auguste Escoffier, Marie Curie, Sidonie-Gabrielle Colette, Pablo Picasso, Coco Chanel, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, Edith Piaf, Boris Vian, Francois Truffaut und Yves Saint Laurent…

Und das nicht nicht nur anhand nüchterner Fakten. Sondern zieht Verbindungen zum heutigen Paris, erwähnt humorvoll Anekdoten und führt den Leser mit Esprit und schwungvoller Feder durch die Stadtgeschichte. Dank ihrer Portraits verankert sie sich viel tiefer im eigenen Wissen als so manch andere kompakte Faktenflut. Wer Paris ein wenig kennt, wird das Bändchen schätzen!Und kann es hier* gleich bestellen.

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Vom Arc de Triomphe habt ihr einen unverstellten Blick auf den Eiffelturm. Foto: Hilke Maunder
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