Wiedersehen mit Arras

Welterbe in Arras: Die Fassaden der Grande Place im flandrischen Barock, über denen sich der Belfried der Place des Héros erhebt.
Jenseits der Grande Place im flandrischen Barock erhebt sich sich der Belfried der Place des Héros. Foto: Hilke Maunder

Kennt ihr Arras? Das Städtchen gehört zu den schönsten Orten von Hauts-de-France. Trotz seiner Geschichte. Während des Ersten Weltkriegs lag die Stadt dicht an der Front.

Während des Zweiten Weltkriegs war sie von den deutschen Truppen besetzt. Und doch ist es Arras gelungen, nach allen Zerstörungen sein historisches Erbe nahezu originalgetreu wieder aufzubauen.

Arras: Zwischen den Giebelhäusern der Grande Place lugt der Belfried von der Place des Héros hervor. Foto: Hilke Maunder
Zwischen den Giebelhäusern der Grande Place lugt der Belfried von der Place des Héros hervor. Foto: Hilke Maunder

Arras & Exupéry

Während der deutschen Besetzung spielt auch ein Roman, der Schuld war am Schlenker auf dem Weg gen Süden: Flug nach Arras* von Antoine de Saint-Exupéry.

Die Grande Place von Arras ist gesäumt von Giebelhäusern im flämischen Barock. Foto: Hilke Maunder
Die Grande Place von Arras säumen Giebelhäuser im flämischen Barock. Foto: Hilke Maunder

Der Autor des Kleinen Prinzen* (Le Petit Prince*) flog seit Herbst 1939 Aufklärungseinsätze bei der Staffel 2/33. Im Mai 1940 war er auch in Nordfrankreich aktiv, um eine Offensive der Engländer und Franzosen zu begleiten.

In seinem 1942 im U.S.-Exil entstandenen Roman erarbeitete er seine Impressionen aus dem Feldzug, komprimierte sie auf einen einzigen Einsatz  – und rief die Politik auf den Plan.

Arras:. Unter den Fensterbänken schmücken Steinschnitzereien die Fenster der flämischen Bürgerhäuser an der Grande Place. Foto: Hilke Maunder
Unter den Fensterbänken schmücken Steinschnitzereien die Fenster der flämischen Bürgerhäuser an der Grande Place. Foto: Hilke Maunder

Ein Werk, das aufrüttelt

Staatspräsident Charles de Gaulle lässt es im damals französischen Nordafrika verbieten, im deutsch besetzten Frankreich ist es für kurze Zeit erlaubt.

Ebenso unterschiedlich sind die Interpretationen des Werkes. Ruft es eindeutig zur Fortsetzung des Kampfes auf – oder ist die Erzählung ein Aufschrei der Resignation? Ein Protest gegen die Entfremdung des Menschen?

Der nur noch Werkzeug ist, gedrillt zum Gehorchen, nicht mehr selbstbestimmt und Herr seiner Taten?

Arras; Die Place des Héros mit ihrem berühmten Belfried. Foto: Hilke Maunder
Die Place des Héros mit ihrem berühmten Belfried. Foto: Hilke Maunder

Eine wiedergeborene Stadt

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende ist das Buch aktuell wie einst. Die Narben des Krieges indes sind längst verheilt. Heute präsentiert sich die nordfranzösische Stadt als historische Bilderbuch-Idylle. 155 Fassaden im flämischen Barock leuchten in der Sonne.

Arras: Die Place des Héros mit ihrem berühmten Belfried. Foto: Hilke Maunder
An der Place des Héros. Foto: Hilke Maunder

Besonders beeindruckend ist das Stadtensemble um die beiden riesigen Hauptplätze Grande Place und Place des Héros. Zur Aussichtskanzel im 75 Meter hohenBelfried, der den 2011 neu gepflasterten Platz überragt, saust ein Lift empor.

Richtig romantisch wird’s Arras im Winter, wenn der nostalgische Marché de Noël mit 60 Hütten vor den flämischen Fassaden der Grande Place Weihnachtszauber verbreitet.

Arras, Place des Héros, Belfried. Foto: Hilke Maunder
Betrachtet einmal genauer das Dach des Belfrieds – ist es nicht ungeheuer kunstvoll gestaltet? Foto: Hilke Maunder
Arras: Place des Héros, Belfried. Foto Hilke Maunder
Detail des Belfrieds an der Place des Héros von Arras. Foto: Hilke Maunder

Die Schlacht von Arras

Am Ostermontag, dem 9. April 1917, war den Kanadiern im Ersten Weltkrieg der Durchbruch auf dem Vimy-Rücken gelungen.  Um die Soldaten so nahe wie möglich an die deutschen Linien zu bringen, hatten neuseeländische Tunnelbauer die mittelalterlichen Kreidesteinbrüche von Arras in unterirdische Kasernen verwandelt – wie, verrät die Gedenkstätte im Wellington-Steinbruch.

Die Place des Armes der Zitadelle. Foto: Hilke Maunder
Die Place des Armes der Zitadelle. Foto: Hilke Maunder

Als Bollwerk gegen die spanischen Niederlande  wurde die Zitadelle von Arras 1668-1672 angelegt. Im Volksmund heißt sie die schöne Nutzlose (la belle inutile), wurde sie doch niemals angegriffen.

Le Mur des Fusillés: Die Mauer der Erschossenen erinnert an 218 junge Männer, die die Wehrmacht von 1941 - 1944 im Graben der Zitadelle erschoss.. Foto: Hilke Maunder
Le Mur des Fusillés: Die Mauer der Erschossenen erinnert an 218 junge Männer, die die Wehrmacht von 1941 – 1944 im Graben der Zitadelle erschoss.. Foto: Hilke Maunder

Im Sommer erobert das Main Square Festival die Festung. Dann lassen große Namen der internationalen Musikszene den Backstein beben und beweisen die jugendliche Dynamik der flämischen Barockstadt.

Die Militärkirche der Zitadelle von Arras. Foto: Hilke Maunder
Die Militärkirche der Zitadelle von Arras. Foto: Hilke Maunder

Gefällt euch der Beitrag? Dann sagt merci mit einem virtuellen Trinkgeld. Denn Werbebanner oder sonstige Promotions sind für mich tabu. Ich setze auf Follower Power. So, wie Wikipedia das freie Wissen finanziert. Unterstützt den Blog. Fünf Möglichkeiten gibt es.

Weiterlesen

Im Blog

Die boves von Arras hat meine Freundin und Kollegin Barbara Kettl-Römer hier vorgestellt.

Im Buch

Nachtflug*

Sollte ich abgeschossen werden, werde ich rein gar nichts bedauern. Vor dem künftigen Termitenhaufen graust mir. Und ich hasse die Robotertugend. Ich war dazu geschaffen, Gärtner zu sein.

Saint-Exupéry: Nachtflug

So beendete der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry 1944 einen seiner letzten Briefe, bevor der Autor von  Le Petit Prince (Der kleine Prinz)* auf seinem Aufklärungsflug über dem Mittelmeer verschwand.

Den legendären Roman “Nachtflug” von Antoine de Saint-Exupéry und die Geschichte seines Lebens in Bildern vereint eine Biografie, die 2015 im Fischer-Verlag erschien. Hans Reisiger übersetzte dafür den Roman, der stark autobiografische Züge trägt.

Als Fabien seine kleine Maschine in das Gold des Abends lenkt, weiß er um das Risiko des Nachtfluges nach Buenos Aires. Sein Vorgesetzter drängt; der Flugplan muss unter allen Umständen eingehalten werden. Ein Unwetter tobt über Südamerika, als der Funkkontakt zu dem Postflieger endgültig abbricht.

Exupery_NachtflugWer mag, kann das Buch hier* bestellen. Im März 2019 ist die berühmte Erzählung auch als Hörbuch erschienen.

Gert Westphal hat es eingesprochen. 2 Stunden und 34 Minuten lang ein echter Hörgenuss! Wer mag, kann die CD hier* bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps und Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von Lichterkunst in Bordeaux’ U-Boot-Basis bis zu Wanderungen unter Wasser.

Damit ihr Frankreich noch besser versteht, gibt es natürlich auch viel Hintergrund zu Frankreich und seinen Menschen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

 * Durch den Kauf über den Partner-Link kannst Du diesen Blog unterstützen und werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci !

Merci fürs Teilen!

3 Kommentare

  1. Arras est la ville natale de Maximilien de Robespierre. Avocat talentueux, glacial, craint de tous, le tristement célèbre Jacobin avait des convictions libérales au départ. Robespierre était contre la peine de mort et contre l´esclavage. C’est son intransigeance qui causa sa perte.
    L´incorruptible, comme on le surnommait, fut l’un des grands responsables de la Terreur. Il avait quitté Arras en 1789 pour n’y retourner qu’une seule fois en 1791. Pendant la Terreur, près de 400 personnes à Arras furent guillotinées. Et Robespierre lui-même, après avoir éliminé bon nombre de ses adversaires, par exemple Georges Danton, fut victime d’un complot et la mâchoire fracassée par une balle, dut monter à l’échafaud. Son frère, également. Bon, je préfère m’arrêter là!

    • Danke, lieber Pierre, für diese Info! Ich übersetze mal für die nicht französisch sprechenden Mitleserinne und Mitleser

      Arras ist der Geburtsort von Maximilien de Robespierre. Als begabter, eiskalter und allseits gefürchteter Anwalt hatte der berüchtigte Jakobiner zunächst liberale Überzeugungen. Robespierre war gegen die Todesstrafe und gegen die Sklaverei. Es war seine Unnachgiebigkeit, die zu seinem Untergang führte. “Der Unbestechliche”, wie er genannt wurde, war einer der großen Anführer des Terrors. Er hatte Arras 1789 verlassen und kehrte erst 1791 wieder zurück. Während des Terrors wurden in Arras fast 400 Menschen durch die Guillotine hingerichtet. Und Robespierre selbst musste, nachdem er viele seiner Gegner ausgeschaltet hatte, z. B. Georges Danton, der Opfer eines Komplotts wurde und dessen Kiefer von einer Kugel zerschmettert wurde, aufs Schafott. Sein Bruder auch. Nun, ich ziehe es vor, hier aufzuhören!

      Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

  2. Hallo,
    inzwischen ist im Karl Rauch Verlag “Operation Noyade” v. H. Laage u. N. Rödel erschienen. Dort werden unbekannte Aspekte seiner Tätigkeit im 2. WK behandelt: Eine solide Quelle mit brauchbarem Stichwortverzeichnis war schon immer “Antoine de Saint-Exupéry” von Curtis Cate.
    H.L.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.