Cave Aureto: Winde, die zu Weinen wurden

Der moderne Keller des Cave Aureto
Der moderne Keller des Cave Aureto
Werner Wunderli genießt gerne guten Wein.

Aureto heißt „leichte Brise“ – und wer die Etiketten des Weingutes von Werner Wunderli betrachtet, bemerkt rasch, wie sehr die Segelleidenschaft, das Leben hart am Wind, auch die Weine des Schweizers geprägt haben: Autan, Tempesta, Maestrale und Tramontane heißen seine Tropfen. „Nur ‚Le Petit Miracle‘ fällt aus der Reihe“, erzählt der Winzer aus Leidenschaft verschmitzt, „im ‚kleinen Wunder‘ habe ich mich verewigt.“

Man merkt dem 71-Jährigen die Leidenschaft an, mit der er sich dem Wein widmet. Insgesamt 36 Hektar Rebfläche umfasst das kleine, feine Weingut – 28,5 ha in der Appellation Ventoux sowie sechs Hektar im Luberon, wo die Weine als Indication Géographique Protégée IGP Vaucluse klassifiziert sind.

Dort gedeihen die typischen Sorten des Südens und der Côtes-Rhône: die roten Traditionstrauben Grenache, Carignan und Syrah, Mourvèdre und Cinsault, dazu bei den Wießen Grenache blanc, Marsanne, Clairette und Roussanne. Hinzu kommen  Viognier und Chardonnay, Cabernet Sauvignon und paar Neuzüchtungen.

2006 hat der Schweizer Unternehmer Andreas Rihs das heruntergewirtschaftete Weingut gekauft und, wie bereits beim Feriendorf La Coquillade, dem Ehepaar Wunderli Umbau und Leitung übertragen. Die einstige „Cave de la Coquillade“, die für süffige Massenweine verrufen war, wagte mit neuem Konzept, neuer Kellertechnik und weiblichem Maître de Chai als „Cave Aureto“ den Neuanfang.

Der Weinkeller von Aureto liegt zu Zweidritteln in der Erde

Kellermeisterin Aurélie Julien ist in der Region tief verwurzelt. Sie wurde in Apt im Herzen des Luberon geboren und entdeckte während der Ferien im Bordelais ihre Liebe zum Wein – das entschied ihren weiteren Lebenslauf.

Auf das BTS Viticulture Oenologie des Lycée agricole de Mâcon-Davayé folgte ein Studium der Sciences de la Vigne am Institut Universitaire Jules Duyot von Dijon, ehe sie zwei Tage lang ihre Kenntnisse bei der Cave de Sylla und der Cave de Tain im Wechsel mit Auslandsjobs in Neuseeland und Argentinien vertiefte.

2009 kam Aurélie in die Vaucluse und stürzte sich an der Seite von Werner Wunderli in den Weinbau und über einen Keller herrscht, der zu Zweidritteln unter der Erde liegt. Das sorgt für bestes Klima selbst bei sommerlichen Höchsttemperaturen.

Traditionelles Handwerk und moderne High-Tech-Produktion paaren sich hier: blank geputzter Edelstahl und rustikale Barrique-Fässer, die eine Kammlerche schmückt – Weingut und Feriendorf teilen sich das Logo, das sie eng zusammengehören.

Der Vogel symbolisiert für die  junge Önologie auch die Nachhaltigkeit, denen sich beide verschrieben habt. Das Weingut verzichtet seit 2009 auf Insektizide und kultiviert die Trauben naturnah. Das Ziel: die komplette Umstellung auf bio & öko bei Anbau und Produktion.

Aurélie macht moderne Weine, ohne die Tradition und den Geschmack des „terroirs“ zu verraten. Sie produziert, wie es typisch ist für die Gegend, weniger sortenreine Tropfen, sondern Assemblages. Beim Rosé komponiert sie aus Cinsault, Grenache und Syrah der AOP Ventoux, aus Caladoc und Grenache der IGP Vaucluse.

Bei den Weißen paaren sich starke Spieler wie Marsanne und Roussanne mit Viognier für den Tramontane (IGP Vaucluse), Clairette und Grenache blanc für den Autan (AOP Ventoux). Bei den Roten findet ihr in jedem Wein stets den Shiraz. In der Cave de Tain hatte sie gelernt, wie die charaktervolle, kräftige vollendet vinifiziert wird.

Der Weinlehrpfad von La Coquillade

Gäste, die dort ihren Urlaub verbinden, können zwischen mehreren Erlebnispakten wählen: Kellerführungen, Spaziergängen durch die Weinberge mit einem Guide oder entlang des Weinlehrpfades auf dem Gelände, oder Workshops zur Weinverkostung.

Doch die Kellertür des Weingutes ist auch für Nicht-Hausgäste geöffnet. Kommt am besten zur Mittagszeit und verwandelt die Verkostung in ein genussvolles déjeuner: Perfekt zur Verkostung der Roten, Weißen und Rosés passen die „planches“, Schiefertafeln mit den regionalen Hackfleisch-Spinatbällchen Caillettes, Chorizo, Pancetta und Porc de Mont Ventoux sowie Käse aus ganz Frankreich: Fourme d’Ambert (Auvergne), Reblochon (Savoie), Comté (Franche-Comté) und Saint-Marcellin (Dauphiné). Sie werden von Anfang April bis Ende September Dienstag bis Sonnabend von 11 bis 18 Uhr serviert.

Auch Susanne Hornikel und Felicia Heymann genießen zur Verkostung die „planches“

Cave Aureto: die Infos

Das Weingut

D 900 / Chemin des Lièvres, 84220 Goult, Tel. 04 90 74 54 67, www.aureto.fr

Der Händler in D-A-CH

Offizieller Importeure für die Aureto-Weine ist Susanne Hornikel (Foto) und Maximilian Förg von Provence-Wein. Sie kaufen grundsätzlich ab Erzeuger und vertreiben in ihrem Online-Shop nur ausgesprochen gute Weine von unabhängigen Winzern – und keine Massenweine aus der Provence.

Weiterlesen

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas „Provence“

In meinem DuMont-Bildatlas „Provence“ stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten. Specials und Themenseiten verraten euch, welche großen Probleme der Lavendel hat, wo ihr Slow Food genießen könnt – oder ihr ganz aktive das Sonnenreich im Süden erleben könnt: beim Mountainbiken, Malen, Paddeln, Wandern oder Wildbaden. Hinzu kommen Serviceseiten mit allen Infos, persönlichen Tipps und großer Reisekarte. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Hilke Maunder: Provence – das Licht des Südens. Ostfildern: DuMont Reiseverlag 2018. ISBN 978-3770193943.

* Durch den Kauf über den Referral Link kannst Du diesen Blog unterstützen und den Blog werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Der moderne Keller des Cave Aureto
Im Barrique reifen die Rotweine zur Vollendung

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.