Die Kontraste von Beauvais, vereint in einem Bild: die Kathedrale von Beauvais, umgeben von Wiederaufbau-Architektur der Nachkriegszeit. Foto: Hilke Maunder

Beauvais: 20 Ziele für Entdecker

Beauvais ist die Hauptstadt des Départements Oise und berühmt für seine Kathedrale und Teppichkunst. Dennoch verirren sich nur wenige Besucher in die 56.000-Einwohner-Stadt. Obgleich zu 80 Prozent im Krieg zerstört, zeigt sie sich lebensfroh und ungeheuer vielseitig. Dafür steht ihr Symbol: der Salamander.

Im Pflaster von Beauvais glänzen kleine bronzene Salamander. Sie weisen den Weg zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt – und erzählen dabei eine Geschichte von Zerstörung und Auferstehung. Der Salamander, so der Volksmund, übersteht selbst das Feuer. Ein passendes Symbol für die Präfektur des Départements Oise, die in ihrer mehr als 2.000-jährigenGeschichte immer wieder aus der Asche aufstand.

Der antike Name von Beauvais war Caesaromagus,. Linguistisch setzt sich der Name zusammen aus „Caesaro-„, eine Ehrung auf den Kaiser (Caesar), und „-magus“, was im Gallischen „Feld“ oder „ebene Fläche“, später häufig „Markt“ oder „wichtiger Platz“ bedeutet, aber im Fall von Caesaromagus eher für eine Hauptsiedlung oder bedeutenden Ort steht als für einen klassischen Handelsmarkt. Nach der Römerzeit wurde Beauvais als Civitas Bellovacorum, sprich „Stadt der Bellovaker“, bezeichnet. Die Bellovaci waren der dort ansässigekeltische Stamm, von dem auch der heutige Name Beauvais und Beauvaisis abgeleitet wird.

Ob nach den blutigen Belagerungen des Hundertjährigen Krieges, die zwischen 1346 und 1472 drei Mal die Stadtmauern erschütterten, dem verheerenden Luftangriff von 1940 oder den baulichen Katastrophen der eigenen Kathedrale – Beauvais erhob sich stets wieder, kraftvoll und stolz. Besonders 1472 wurde Jeanne Hachette zur lokalen Heldin, als sie mit ihrer Sichel das burgundische Banner von den Stadtmauern riss und den Belagerern trotzte.

Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs trafen Beauvais besonders hart. Zwischen dem 5. und 8. Juni 1940 verwandelten deutsche Bomben über 50 Prozent der Altstadt in Schutt und Asche. 1.978 von 4.250 Häusern wurden völlig zerstört, 60 von 82 denkmalgeschützten Bauten vernichtet. Die Befreiung kam am 30. August 1944, als britische Panzer über die RN 31 in die Stadt vordrangen.

Noch heute gedenkt Beauvais jährlich am 30. August, dem Jour de la Libération, mit einem eindrucksvollen Reenactment seiner Befreiung – komplett mit historischen Panzern, Fahrzeugen und Schauspielern, die die dramatischen Stunden von 1944 wieder zum Leben erwecken.

Für Wohlstand in der Stadt sorgt traditionell nicht die Landwirtschaft, sondern die Industrie. Seit 1968 produziert Givenchy hier seine weltberühmten Parfüms. Die Familie Givenchy stammt ursprünglich aus der Region und machte Beauvais zu einem wichtigen Zentrum der französischen Parfümindustrie.

Die Ferguson-Traktoren rollen heute als AGCO/Fendt aus dem größten Traktorenwerk Frankreichs. Wie innovativ die traditionsreiche Zahnbürstenproduktion der Stadt ist, könnt ihr heute bei einer Betriebsbesichtigung von La Brosserie Française erleben.

Hin nach Beauvais kommt ihr nicht nur per Bahn und eigenem Gefährt, sondern auch auf einer wunderschönen Radwanderroute: Beauvais ist Etappe der Avenue Verte London-Paris, die seit 2006 auf 406 beziehungsweise 472 Kilometern durch die malerischen Landschaften entlang der Täler von Epte und Oise führt.

Beauvais: Das dürft ihr nicht verpassen!

Die Cité episcopale

Die Cité épiscopale von Beauvais erhebt sich dort, wo einst das römische Kastell stand. Vom 11. Jahrhundert bis zum Spätmittelalter vereinte sie geistliche und weltliche Macht. 1015 hatte Graf Odo alle seine Rechte an den Bischof von Beauvais übertragen. Was folgte, war die Entstehung eines der bedeutendsten Bischofskomplexe Frankreichs.

Das mächtige Châtelet d’Entrée mit seinen zwei Wehrtürmen aus dem 14. Jahrhundert bewacht noch heute den Eingang. Es entstand nach einem Aufstand der Einheimischen gegen die bischöfliche Herrschaft – ein steinerner Beweis für die Spannungen zwischen geistlicher Autorität und bürgerlichem Widerstand. Im 15. Jahrhundert verband eine elegante Galerie den Bischofspalast mit dem Kreuzgang und der Kathedrale. Die untrennbare Verbindung von Staat und Kirche, hier zu Stein geworden.

Der heutige Bischofspalast, erbaut von Louis Villiers aus L’Isle-d’Adam, beherbergte berühmte und berüchtigte Gestalten: Philippe de Dreux, den Neffen Ludwigs VII., oder Pierre Buchon, der Jeanne d’Arc zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilte. Heute residiert hier das MUDO und präsentiert als Regionalmuseum Geschichte und Kunst.

Im quartier canonial, reserviert für die Kleriker, schmiegen sich die Wohnhäuser an die antike Stadtmauer. Hier entstanden weitere Kirchen wie Notre-Dame-du-Châtel, Saint-Michel und Saint-Nicolas. Von der Collégiale Saint-Barthélemy, die bis zur Französischen Revolution Bestand hatte, zeugt heute nur noch die Ruine des Chores gegenüber dem Office de Tourisme.

Die Kathedrale: Himmelssturm aus Stein

Sie sollte die höchste Kathedrale der Welt werden. Stattdessen blieb sie ein unvollendetes Meisterwerk – und gerade deshalb faszinierend. Das gotische Gewölbe erreicht schwindelerregende 48,5 Meter Höhe, höher als jedes andere Steingewölbe der Welt. Viollet-le-Duc nannte es das „Pantheon der französischen Architektur“.

Die Geschichte liest sich wie ein Drama: 1225 nach einem Brand begonnen, stürzte 1284 das Gewölbe teilweise ein. Um 1569 wurde ein 153 Meter hoher Holzturm aufgesetzt – das höchste Bauwerk Europas. Doch nur vier Jahre später, am 30. April 1573, donnerte der Turm mit großem Getöse zu Boden und riss Teile des Chors mit sich. Der Traum vom höchsten Gotteshaus der Welt zerbrach in Sekunden.

Heute beeindruckt die Kathedrale dennoch: Die Glasfenster aus dem 13. Jahrhundert erzählen biblische Geschichten in leuchtenden Farben. Besonders das Jessebaum-Fenster von 1240 gilt als Meisterwerk mittelalterlicher Glasmalerei. Im Transept, um 1500 von Martin Chambiges im gotischen Flamboyant-Stil errichtet, wetteifern die prächtigen Portale mit jeder französischen Kathedrale.

Moderne Künstler wie Jacques Le Chevallier schufen zeitgenössische Fenster, die einen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart führen. In den Kapellen leuchten Werke von Jeannette Weiss-Grüber und Louis Barillet – ein Beweis dafür, dass auch im 20. Jahrhundert die Tradition der Glasmalerei fortlebt.

Zeitmaschine mit 90.000 Teilen

Sie ist ein Meisterwerk der Mechanik und Astronomie zugleich: Die zwischen 1865 und 1868 von Auguste-Lucien Vérité erbaute astronomische Uhr. Zwölf Meter hoch, fünf Meter breit, aus 90.000 Einzelteilen gefertigt. 52 Zifferblätter zeigen nicht nur die Zeit, sondern auch Sonnen- und Mondaufgangszeiten, Planetenkonstellationen und die Uhrzeit in 18 Städten weltweit.

68 Automaten erwecken mehrmals täglich Szenen wie das Jüngste Gericht zum Leben. Das romanisch-byzantinische Gehäuse macht die Uhr zu einem Gesamtkunstwerk. In der Kapelle Sainte-Thérèse tickt zudem eine mittelalterliche Glockenspieluhr von 1302 – die älteste ihrer Art.
• Place Saint-Pierre, 60000 Beauvais; tgl. 9-18 Uhr (Sommer), 9-17 Uhr (Winter), Besichtigung kostenlos, Führungen möglich

Notre-Dame de la Basse-Œuvre – die vergessene Vorgängerin

Direkt neben dem gotischen Riesen mit seiner ungewöhnliche Schieferschindelwand steht bescheiden eine der ältesten erhaltenen Kirchen Frankreichs. Notre-Dame de la Basse-Œuvre, das „Niedere Werk“, verdankt ihren Namen dem Kontrast zur gotischen Haute-Œuvre. Aus dem 9. Jahrhundert stammend, zeigt sie karolingische Baukunst in ihrer reinsten Form. Ihre kleinen, monolithischen Steine stammen oft aus antiken römischen Bauwerken – und wurden für den Kirchenbau recycelt.

Ursprünglich war die Kirche deutlich größer, doch Chor und Transept mussten der gotischen Nachfolgerin weichen. Was blieb, ist ein seltenes Zeugnis der Übergangszeit von karolingisch zu romanisch – eine architektonische Zeitreise, die europaweit ihresgleichen sucht.
• Place Saint-Pierre, 60000 Beauvais

MUDO – Musée de l’Oise – Schätze im Bischofspalast

Im ehemaligen Palast der Bischöfe-Grafen residiert heute die Kunst. Das MUDO beherbergt eine beeindruckende Sammlung des 19. Jahrhunderts mit Werken von Camille Corot, Alfred Sisley und Jean-Auguste-Dominique Ingres. Besonders grandios – im wahrsten Sinne des Wortes – ist die Gemäldegruppe L’Enrôlement des volontaires de 1792 von Thomas Couture (1848–1852). Couture arbeitete mehrere Jahre lang daran. Doch das monumentale Gemälde blieb unvollendet – ein „unvollendeter Koloss“, eingerahmt von Skizzen und Entwürfen.

Der Renaissancepalast aus dem 16. Jahrhundert ist zudem selbst ein Kunstwerk. Besonders sehenswert ist das Jugendstil-Treppenhaus mit Keramiken von Auguste Delaherche, einem gebürtigen Beauvaiser.

Die kunstvollen Verzierungen an Decken und Wänden zeigen typische Art-Nouveau-Elemente und machen jeden Gang zum Museum zu einer ästhetischen Entdeckungsreise. Im dritten Stock beeindruckt der originale Dachstuhl aus dem 16. Jahrhundert – 40 Festmeter Holz erzählen von mittelalterlicher Baukunst.
• 1, rue du Musée, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 10 40 50, https://mudo.oise.fr, Di-So 11-18 Uhr, Mo geschlossen.
Eintritt

Le Quadrilatère – aktuelle Kunst & antikes Erbe

André Hermant schuf 1976 einen architektonischen Kontrast zur gotischen Kathedrale: einen klaren, geometrischen Bau aus Glas und Stein. Das „Viereck“ steht symbolisch für die vier Säulen des Zentrums: Kreation, Kunst, Erbe und Tourismus. Die breiten Fensterfronten eröffnen spektakuläre Ausblicke auf die benachbarte Kathedrale und schaffen einen beeindruckenden Dialog zwischen mittelalterlicher Vertikalität und moderner Horizontalität.

Unter dem modernen Gebäude verbirgt sich Geschichte: Die archäologische Krypta zeigt Überreste eines gallo-römischen Forums aus dem 3. Jahrhundert. Straßen, Gebäude und öffentliche Räume erzählen von 2.000 Jahren Stadtgeschichte. Auch ein Teil der antiken Stadtmauer ist erhalten und wurde in die Ausstellung im Untergeschoss integriert.

Heute fungiert Le Quadrilatère als Zentrum für zeitgenössische Kunst und beherbergt das Centre d’Interprétation de l’Architecture et du Patrimoine, ein interaktives, pädagogisches Zentrum, das die städtische Entwicklung von Beauvais anschaulich vermittelt.
• 22, rue Saint-Pierre, 60000 Beauvais, Tel. 06 81 98 79 25, www.beauvais.fr, Di-So 14-18 Uhr

Innenstadt – Wiederaufbau mit Blick auf die Tradition

Aus den Trümmern von 1940 erwuchs eine neue Stadt, verwurzelt im Erbe. Bereits 1927 hatten die Planer Albert Parenty und Georges Noël, ein Einheimischer, einen städtebaulichen Entwurf entwickelt, der nun endlich umgesetzt werden konnte. Statt auf billigen Beton setzten sie auf lokalen Kalkstein aus den Steinbrüchen bei Saint-Maximin im Département Oise.

Die Straßen entstanden nach historischem Vorbild, aber mit modernen Standards. Regional produzierte Ziegel, Dachziegel und glasiertes Kopfsteinpflaster komplettieren das authentische Bild. Das Ergebnis: eine moderne Stadt, die ihre Seele behielt. Fassaden, Materialien und Dimensionen sprechen dieselbe architektonische Sprache wie vor dem Krieg, nur die Wohnstandards und Verkehrswege wurden zeitgemäß angepasst.

Place Jeanne-Hachette – Heldin mit der Sichel

Der Hauptplatz der Innenstadt ehrt die Heldin von 1472: Jeanne Hachette, die während der Belagerung durch den Herzog von Burgund ein burgundisches Banner von der Stadtmauer riss. Die Bronzestatue zeigt sie mit Sichel und dem eroberten Banner – ein Symbol für den Bürgermut, der Beauvais durch die Jahrhunderte prägte.

Das Rathaus aus dem 18. Jahrhundert wurde originalgetreu wieder aufgebaut, nachdem deutsche Bomber 1940 den Stadtkern zu über 50 Prozent zerstört hatten.

Die Bodenfliesen des Platzes ehren die großen Fliesenhersteller des 19./20. Jahrhunderts wie Colozier und Boulenger mit Motiven der Stadtgeschichte.

Vor dem Rathaus sorgen Bodenfontänen im Sommer für Erfrischung und verwandeln den Platz in einen Spielplatz für Kinder. Hier pulsiert das Leben der Stadt zwischen historischer Erinnerung und lebendiger Gegenwart.
• Place Jeanne-Hachette, 60000 Beauvais

Église Saint-Étienne – die Glasmalerei-Schule von Beauvais

Die „Mutter aller Kirchen von Beauvais“, wie Papst Urban II. sie 1072 nannte, birgt Kunstschätze von Weltrang. Die Werkstatt der Glasmaler um Le Prince schuf hier im 16. Jahrhundert Meisterwerke der Glasmalerei, die als „Schule von Beauvais“ in die Kunstgeschichte eingingen. Engrand Le Prince, einer der bedeutendsten Glasmaler aller Zeiten, verewigte sich in den leuchtenden Fenstern. Die Kirche selbst zeigt den Übergang von der Romanik zur Gotik: Der Chor erstrahlt in gotischen Flamboyant-Stil, während Teile des Schiffs noch romanische Züge tragen.

Das Quartier Saint-Étienne war im Mittelalter das wohlhabende Bürgerviertel, Zentrum der Commune de Beauvais, wo sich Handwerker, Kaufleute und reiche Bürger niederließen. Wie nachhaltig sie bis heute sich für ihr Viertel engagieren, zeigt ein Blick hinter einen Staketenzaun: Schafe halten das Gras vor der Kirche kurz.
• Rue de l’Église Saint-Étienne, 60000 Beauvais

Avenue Victor Hugo – Freilichtmuseum der Keramik

Hier wird ein Spaziergang zur Kunstführung: Zwischen 1890 und 1910 errichtete Häuser schmücken sich mit Keramiken von Charles Gréber. Sonnenblumen, Schnecken und florale Motive im Jugendstil verzieren die Fassaden und verwandeln die Straße in ein wahres Freilichtmuseum. Die österreichische Familie Gréber gründete 1846 die Manufacture Céramique de Beauvais. Charles Gréber führte sie zu Weltruhm. Seine Werke erhielten Auszeichnungen bei Weltausstellungen von 1878 bis 1925. 1911 ließ er sogar die Fassade seiner eigenen Fabrik mit keramischen Fliesen dekorieren – ein Meisterwerk der angewandten Kunst.
• Avenue Victor Hugo, 60000 Beauvais

Die Tour Boileau – Wehrturm am Zusammenfluss

Wo der Thérain und der Avelon zusammenfließen, wacht seit 1489 die Tour Boileau. Bürgermeister Boileau ließ den Turm nach den Verwüstungen des Hundertjährigen Krieges errichten. Die Turmbrücke regulierte Wasserläufe und trieb Mühlen an. Im 17. Jahrhundert diente der Turm als Gefängnis für spanische Soldaten. Heute beherbergt er die Association des Amis des Fêtes Jeanne Hachette, die traditionelle Kostüme für die alljährlichen Festlichkeiten aufbewahrt.

Hinter der Tour beginnt die Rue Têtard mit ihren charakteristischen Ziegelhäusern, in denen einst Arbeiter wohnten – eines der wenigen noch erhaltenen Zeugnisse des industriellen und sozialen Erbes von Beauvais.
• Quai d’Aval, 60000 Beauvais

Das Quartier Saint-Jean – Wohnen mit Weitblick

Das Quartier Saint-Jean auf dem südlichen Plateau der Stadt erzählt die Geschichte des Wiederaufbaus nach 1945. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden hier große Wohnblöcke und Einfamilienhäuser für Arbeiter und zugezogene Familien aus den verlorenen Kolonien Nordafrikas. Seit 2016 wurde das Viertel umfangreich renoviert – fast 1.200 Wohnungen wurden saniert.

Hinauf zum Quartier Saint-Jean führen Rampen und Treppen, die – oben angekommen –  vom Aussichtspunkt des Viertels spektakuläre Panoramablicke über die Stadt und die Kathedrale eröffnen.

Piscine Tournesol

Nur wenige Schritte entfernt erinnert die ehemalige Piscine Tournesol, heute Piscine municipale Aldebert Bellier, an das staatliche Programm „Operation 1.000 Schwimmbäder“ , bei der bis in die 1980er-Jahre überall im Land auf industrieller Basis Schwimmbäder gebaut wurde. Dieses Programm wurde 1969 gestartet, um das Schwimmen zu fördern, nachdem Unfälle gezeigt hatten, dass erschreckend viele Franzosen nicht schwimmen konnten. Auch die schlechten olympischen Schwimmleistungen 1968 und die vielen tödliche Ertrinkungsunfälle im Sommer 1969 brachten das Programm ins Rollen.

Die Architektur des Sonnenblumen-Bades, so der übersetzte Name entwarf der Architekt Bernard Schoeller gemeinsam mit dem Ingenieur Thémis Constantinidis. Zum Namensgeber wurde die Dachkuppel mit einem Durchmesser von 35 Metern, gefertigt als selbsttragende Metallkonstruktion mit 36 gebogenen V-förmigen Rahmen, die mit faserverstärktem Polyester überzogen ist. Das Dach kann sich um bis zu 120 Grad öffnen und gleitet dabei auf einem Außenlaufwerk, so dass die Schwimmbäder im Sommer als Freibäder genutzt werden können. Weiteres Licht holen ovale Plexiglasfenster ins Schwimmbad.
• Rue du Camard, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 15 67 67, https://lespiscines.beauvaisis.fr

Voisinlieu

Die Manufacture Nationale de la Tapisserie – königliche Wandteppiche

Seit 1664 werden hier die kostbarsten Wandteppiche Frankreichs gewebt. Ludwig XIV. gründete die Manufaktur nach dem Vorbild der Gobelins. Bis heute entstehen in Handarbeit Meisterwerke für Schlösser und Botschaften.

Die Werkstätten können besichtigt werden – ein faszinierender Einblick in ein jahrhundertealtes Handwerk. Jeder Teppich ist ein Unikat, manche benötigen Jahre für die Fertigstellung. Die Kunsthandwerker setzen eine Tradition fort, die das Savoir-faire französischer Textilkunst repräsentiert.
• 24, rue Henri Brispot, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 14 41 20

Die Maladrerie Saint-Lazare – mittelalterliche Leprastation

Eine der besterhaltenen mittelalterlichen Leprastationen Europas. Ende des 11. Jahrhunderts gegründet, pflegte sie Leprakranke am Stadtrand. Die romanische Kapelle, der Wohntrakt und die Scheune mit original Eichenfachwerk von 1219 sind authentisch erhalten.

Die Anlage war eine eigenständige Gemeinschaft unter geistlicher Leitung, die nicht nur Leprakranke, sondern später auch Pestkranke isolierte und pflegte. Nach der Französischen Revolution diente der Komplex als landwirtschaftlicher Betrieb, bevor die Stadt ihn als kulturelles Erbe übernahm.

Jedes Jahr im August verwandelt das Straßentheaterfestival Malices et Merveilles das Gelände in ein großes Freilichttheater. Etwa 15 internationale Künstlergruppen bieten Zirkuskunst, Musik und Erzählungen in historischer Kulisse. Die Scheune wird zum Veranstaltungsort für Mode, Akrobatik und Streetfood – ein lebendiger Kontrast zur mittelalterlichen Stille des Ortes.
• 132, rue de Paris, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 15 67 62, https://maladrerie.fr

La Brosserie Française

Südlich der Bahngleise findet ihr mit La Brosserie Française die letzte industrielle Zahnbürstenfabrik in Frankreich. 1845 von Alphonse Dupont als La Brosse et Dupont gegründet, erlebte das Unternehmen Höhen und Tiefen, darunter eine Fusion (1932), Modernisierungen (1960er-Jahre), Krisen und outsourcing, bis man sich 2012 zur Relokalisierung entschied und den historischen Stammsitz und die Marke als La Brosserie Française modernisierte. Mit einem umweltfreundlichen Konzept und einer nachhaltiger Markenstrategie gelang es Geschäftsführer Olivier Remoissonnet, die Firma in Frankreich wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Heute werden in Beauvais jährlich etwa acht Millionen Zahnbürsten produziert für die Marken Bioseptyl, Les Vertueux und Parti Prix. Wer mag, kann anderthalb Stunden lang bei einer Führung hinter die Kulissen blicken – und erhält am Ende eine Zahnbürste als Andenken.
• 66, rue du Pont d’Arcole, 60000 Beauvais, Tel. 03 75 15 01 10, www.labrosseriefrancaise.fr; Buchung beim Office de Tourisme

Der Plan d’eau du Canada – der Freizeitsee

Kein Stausee, sondern ein Natursee, gespeist vom Thérain, einem Nebenfluss der Oise, ist diese 36 Hektar große Wasserfläche im Nordwesten von Beauvais inmitten von Gehölzen, Feldern und Wiesen. Zum Spazierengehen lädt eine 3,3 Kilometer lange Uferpromenade mit Picknickplätzen. Das kostenpflichtige Seebad lockt mit einem kleinen Strand. Wakeboard- und Wasserskianlagen sorgen für aktiven Wasserspaß. Im Sommer wird der See zum zweiten Wohnzimmer der Beauvaiser.

Weiter stadtauswärts folgen die Sequenz der Angelteiche von Fouquenies, stille Wasserflächen mit Stegen und Pontons, von denen aus bereits schon direkt geangelt wird, aber auch die Fischerboote anlegen. Wer mag, könnte durch diese amphibische Landschaft am Thérain bis zum Château de Troissereux wandern oder radeln.
• Rue du Canada, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 02 17 17, http://dev-sc.beauvaisis.fr/canada

Die Jardins André van Beek

Ein Garten wie ein Gemälde: Kunstmaler André van Beek hat eigenhändig siebe Teiche ausgehoben. Wasserfälle und Brücken gebaut und Tausende Pflanzen so gesetzt, dass sie beim Betrachten stets wie ein gemaltes Bild wirken. Mehr über diesen faszinierenden Garten und das „Giverny en Oise“ erfahrt ihr in diesem Beitrag.
•  1, rue des Auges, 60650 Saint-Paul, Tel. mobil 06 07 70 77 69, https://andrevanbeek.com

Das Château de Troissereux

Acht Kilometer nordwestlich von Beauvais erhebt sich zwischen den Teichen und Wiesen des Thérain seit dem späten 15. Jahrhundert dieses Wasserschloss. Die L-förmige Anlage aus Backstein und weißem Kalkstein im Renaissance-Stil besteht aus einem Hauptflügel, einer niedrigen Galerie und der Tour du Temps, einem Uhrturm mit einer mittelalterlichen Uhr, die heute in der Schlosskapelle ausgestellt ist. Das Schloss umgibt ein zwölf Hektar großer Park mit Wassergräben und Kanälen sowie einem Arboretum mit zahlreichen alten Baumarten.

Berühmt ist das Schloss jedoch vor allem für die jährliche Playmobil-Ausstellung, die Schlossherr Pierre d’Autemare gemeinsam mit dem Verein Histoires en Hauts organisiert. Mit viel Liebe zum Detail lassen die Playmobil-Dioramen die Geschichte aufleben und entführen beispielsweise in die faszinierende Welt des Mittelalters auf der Ritterburg, im Kloster, in einem Bauerndorf und in einer Kleinstadt.
• 1, rue du Château, 60112 Troissereux, Tel. 03 44 79 00 00, https://chateau-troissereux.com

Beauvais: meine Reisetipps

Hinkommen & mobil vor Ort

Bahn

Beauvais ist gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar, unter anderem per Zug von Paris aus ( Gare du Nord ) über die Regionalbahn ( TER ), die etwa 80 Minuten Fahrzeit benötigt. Zudem gibt es Shuttlebusse vom Flughafen Paris-Beauvais in die Stadt und hinüber zum Flughafen Paris-Charles de Gaulle.

Bus

Einen Euro – nur so wenig kostet das Tagesticket BUT für unbegrenzte Fahrten auf allen Linien des städtischen Busnetzes Corolis, mit Ausnahme einiger spezieller Dienste. Das Ticket könnt ihr direkt im Bus oder an Verkaufsstellen erhalten.
• www.corolis.fr

L’Oise en Mode Rétro

Cédric Ancelin bietet nostalgische Retrofahrten in einer originalen Renault 4L (R4) an. Auf eigene Faust könnt ihr in diesem Oldtimer mit Handschaltung entspannte Touren unternehmen. Ihr könnt dabei auch zwei Routen folgen, die Cédric ausgearbeitet hat – samt Picknicks und Erlebnissen, die an die einfachen Freuden früherer Zeiten erinnern.
•  62, rue Jules Verne, 60190 Moyvillers, Tel. mobil 06 73 47 09 07, www.oise-en-mode-retro.fr

Schlemmen und genießen

Le Billot

Le Billot inszeniert sich als ein „Revier für Fleischliebhaber“ mit 100% hausgemachten Gerichten und französischen Fleischspezialitäten wie langue de chat – die Katzenzunge erweist sich als feines Muskelfleisch vom Rind.
• 6, rue Philippe de Dreux, 60000 Beauvais, Tel. 09 67 36 38 42, auf Facebook zu finden

Restaurant Senso

Das Restaurant Senso bietet eine kleine, feine Gourmetküche mit kreativen, saisonalen Gerichten zu überraschend erschwinglichen Preisen mittags. In der Küche steht Allan Castellote, der nach der Ausbildung an der École du Cordon Bleu und Stationen bei renommierten Sterneköchen hier den Sprung in die Selbstständigkeit wagte.

Im Saal sorgt sein Bruder Tristan Castellote als Sommelier für eine exzellente Weinbegleitung. Eine Spezialität des Hauses ist der Kouign-amann, ein traditioneller bretonischer Kuchen. Das Gourmetlokal von Beauvais!
• 25, rue d’Agincourt, 60000 Beauvais, Tel. 03 64 19 69 06, www.sensobeauvais.fr

Restaurant La Place

Im Frühjahr 2024 eröffnete Julien sein LP an der Ecke zum Marktplatz – und beteiligt seitdem die Mitarbeiter am Umsatz. Dass hier das Miteinander sehr herzlich und entspannt ist, freut die Gäste ebenso wie die köstliche Bistro-Küche und die gut sortierte Getränkekarte.

Eine nette Geste, die ich in dem entspannten, warmen Zeitgeist-Interieur nicht erwartet hätte: der Gruß aus der Küche. Ein Wohlfühlort im Herzen der Stadt!
• 21, rue Louvet, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 84 52 35, auf Facebook zu finden

Chez Grandmère

Der Name ist Programm: Hier wird die traditionelle französische Küche mit regionalen, frischen Produkten so zubereitet, wie es einst die Großmütter taten. Fürs passende Flair bei dieser köstlichen kulinarischen Zeitreise sorgt die charmante Vintage-Dekoration aus den 1950er- und 60er-Jahren Auf der Karte stehen hausgemachte, rustikale Gerichte wie die klassischen Ficelles Picardes (überbackene Pfannkuchen), Joue de porc (Schweinebäckchen) mit Pommes-Frites, verschiedene hausgemachte Burger und saisonale Spezialitäten der Picardie. Die Portionen sind großzügig, alles ist frisch, handwerklich zubereitet – und erinnert ein wenig an Familienessen von früher.
• 1 ter, rue de Tilloy, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 49 05 81, https://chezgrandmerebeauvais.eatbu.com

La Bohémia

Beliebt für Afterwork-Treffen und gemütliche Abende mit Freunden oder der Famile ist dieses Bar-Bistro in einer der Ausgehstraßen der Stadt. Auf der Karte stehen unter anderem Burger, Fleischgerichte, Meeresfrüchte wie Garnelen in Knoblauch, diverse Tapas und vegetarische Optionen. Die Auswahl an Cocktails, Bieren und Weinen ist enorm, serviert werden sie im lebhaften Ambiente drinnen oder draußen auf der wettergeschützten Terrasse.
• 8, rue du 27 Juin, 60000 Beauvais, Tel. 09 53 00 35 37, auf Facebook und Instagram zu finden

Le Kiosque

Der Treff gegenüber dem Bahnhof für eine Kaffee- oder Cocktailpause und lebhafte Abende mit Karaoke und Co.
• 17, avenue de la République, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 48 22 33, https://lekiosque-beauvais.fr

Café du Quadrilatère

Die Cafeteria des Kunstmuseum besitzt eine kleine Terrasse mit Blick auf die benachbarte Kathedrale. Auf der Karte stehen kleine Gerichte wie tartes, Sandwiches (auch vegetarisch), Salat und süße Backwaren sowie diverse Heiß- und Kaltgetränke.
• 22, rue Saint-Pierre, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 15 68 40, www.lequadrilatere.fr

Schlemmer-Shopping

Leroy du Fromage

Diese charmante Fromagerie und Crèmerie führt eine exzellente Auswahl an hochwertigen Käsesorten, die Stéphane Leroy als affineur meist selbst veredelt hat.
• 5, rue Louvet, 60000 Beauvais, Tel. 03 60 17 41 20

Fromagerie La Chapelle Saint-Jean

In Grémévillers stellt Anselme Beaudoin in einem Bauernhof aus Backstein, vor dem die Kühe auf der Weide grasen, hausgemachte Spezialitäten wie Heukäse, Rollot mit gewaschener Rinde und Bray mit Leinsamen her.
• 2, rue Alexis Maillet Choqueuse, 60380 Grémévillers, Tel. 03 44 82 41 47, www.fromagespicards.fr

Wochenmarkt

Die besten Erzeugnisse aus Beauvais und seinem Umland gibt es immer samstags auf dem großen Wochenmarkt der Rue d’Agincourt.

Hier könnt ihr schlafen

Hôtel Mercure Beauvais Centre Cathédrale

Fußläufig zur Kathedrale birgt eine Mühle aus dem 19. Jahrhundert heute das Mercure-Viersternehotel mit 83 Komfortzimmern im gehobenen Standard der Marke.
• 1, cour Scellier, 60000 Beauvais, Tel. 03 44 04 04 11, https://all.accor.com

Chez Hortense

Wunderschön eingerichtetes chambres d’hôtes von Olivia Rostaing in einem Stadthaus mit Garten an einer der großen Arterien in die Stadt – nehmt daher ein Zimmer zur Gartenseite. Die großen, hohen Räume mit Dielenboden sind geschmackvoll modern eingerichtet, aber leider auch recht hellhörig. Gewöhnungsbedürftig sind die Wasserhähne, die, ähnlich wie in Schwimmbädern, nach dem Drücken nur eine zeitlang Wasser geben … und dann stoppen. Oder weiterlaufen, wenn man schon längst fertig ist. Das wunderbare Frühstück mit pain au chocolat oder croissant, knuspriger baguette, Joghurt und frischem Orangensaft haben dies jedoch schnell vergessen lassen.
• 26, rue d’Amiens, 60000 Beauvais, Tel. mobil 06 12 12 54 80, https://chezhortense.jimdofree.com

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