Belote wird zu viert gespielt. Foto: Hilke Maunder

La Belote: zwischen Bube und Valet

La Belote ist das perfekte Spiel für alle, die gerne tricksen, bluffen und sich dabei so fühlen wollen, als säßen sie in einem Pariser Straßencafé. Bon jeu !

Als Norddeutsche, die als Fahrschülerin mit Skat, Rommé, Canasta und Doppelkopf aufgewachsen ist, dachte ich, in der Welt der Kartenspiele gäbe es für mich keine großen Überraschungen mehr. Bis zu jenem Abend in meiner zweiten Heimat im südfranzösischen Dörfchen Saint-Paul-de-Fenouillet, als meine französischen Freunde feierlich eine Stoffmatte über den Tisch ausrollten.

„Was wird das?“, fragte ich noch ahnungslos. „Wir spielen Belote“, antworteten sie, als wäre das so selbstverständlich wie das Baguette zum Abendessen.

La Belote entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich und wurde in den 1920er-Jahren sehr populär; heute zählt sie dort zu den bekanntesten und meistgespielten Kartenspielen, vergleichbar mit der kulturellen Stellung von Skat in Deutschland.

Ich beobachtete fasziniert, wie sie dieses tapis de cartes mit fast ritueller Sorgfalt glatt strichen – ein Detail, das bei unseren deutschen Kartenrunden niemals ein derartige Aufmerksamkeit bekommen hätte. Bei uns landen die Karten einfach auf dem Tisch, manchmal zwischen Biergläsern und Knabberzeug. Hier jedoch schien die rote Unterlage so wichtig wie die Karten selbst.

Als die Karten ausgeteilt wurden, war meine Verwirrung komplett. Nur 32 Karten? Wo war die zweite Kartengarnitur, die ich vom Doppelkopf kannte? Und warum schauten alle so erwartungsvoll auf diese eine aufgedeckte Karte? „Du musst bieten“, flüsterte mir mein Partner zu. „Bieten? Wie beim Skat?“, fragte ich perplex.

Was folgte, war eine Lektion in französischer Kartenspielkunst, die mich zwischen Staunen und Verzweiflung schwanken ließ. Während beim Doppelkopf Karo immer Trumpf ist, wird bei der Belote der Trumpf erst durch Bieten festgelegt. Und dann diese Wertigkeit! Ein Bube – pardon, ein valet – ist plötzlich 20 Punkte wert? Und die Neun steht über dem Ass? In meinem deutschen Kartenhirn, das strikt nach dem System Bube-Dame-König-Ass funktionierte, löste das einen kleinen Kurzschluss aus.

„Pass auf, wenn du König und Dame in Trumpf hast“, erklärte mir mein Partner, „das ist eine Belote-Rebelote und bringt zusätzliche Punkte.“

Ich nickte höflich, während in meinem Kopf das Doppelkopf-Regelwerk protestierte. Bei meinem geliebten deutschen Spiel wäre so etwas wie Belote-Rebelote eine unnötige Komplikation. Bei uns zählt der Fuchs – das Karo-Ass – und den zu fangen ist eine Kunst für sich.

Dann kam der Moment, der mich als Doppelkopf-Spielerin vollends aus der Fassung brachte: der Stichzwang. Nicht nur muss man Farbe bekennen, nein, man muss auch überstechen, wenn ein Trumpf gespielt wird! In diesem Moment vermisste ich die strategische Freiheit des Doppelkopfs, wo ich selbst entscheiden kann, ob ich einen Trumpf spiele oder nicht.

„Das ist doch schrecklich einschränkend“, beschwerte ich mich beim zweiten Glas Rotwein.

„Das ist strategisch“, korrigierte mich mein französisches Gegenüber mit einem nachsichtigen Lächeln, das zu sagen schien: „Typisch deutsch, will immer selbst entscheiden.“

Was mir jedoch gefiel, war die Klarheit der Partnerschaften. Während ich beim Doppelkopf oft erst nach mehreren Stichen weiß, wer eigentlich mit wem spielt, ist bei der Belote von Anfang an klar, wer mein Verbündeter ist. Das nimmt zwar die Spannung des Ratespiels, schafft aber eine ganz eigene Dynamik der stillen Verständigung über den Tisch hinweg.

Am Ende des Abends verstand ich die beiden unterschiedliche Spielkulturen. Skat und Doppelkopf betonen individuelle Strategien, während Belote als Partnerschaftsspiel mit Trumpf- und Bedienzwang mehr Raum für indirekte Signale, taktisches Bluffen und spielerische Erpressung ( chantage ) sowie lebhafte Tischkommunikation lässt

Als wir die letzte Runde spielten und ich endlich den berühmten Dix de Der – den letzten Stich mit seinen zehn Extrapunkten – für unser Team holte, spürte ich einen Hauch von Stolz. Vielleicht würde ich diese rote Matte doch noch zu schätzen lernen.

Aber eines ist sicher: Das nächste Mal, wenn ich zu Besuch in Deutschland bin, werde ich eine solche Matte mitbringen und meine Doppelkopf-Freunde damit verwirren. Eine kleine kulturelle Rache muss sein!