Biarritz: der Sternekoch der Crampottes

Crampottes. Der Port-Vieux von Biarritz. Foto: Hilke Maunder
Der Port-Vieux von Biarritz. Foto: Hilke Maunder

Mit aller Wucht kracht die Brandung gegen den Port-Vieux von Biarritz. Hoch spritzt die Gischt gegen die Felsen vor der Hafenmauer. Es ist Herbst, Zeit der Springfluten. Zeit, die Boote winterfest zu machen.

Bei ruhiger See und wenig Wind brandet der Atlantik nur gegen die Felsen, ab Windstärke sechs direkt gegen die Hafenmauer. Foto: Hilke Maunder

Und die Crambottes, die kleinen, weißgetünchten Hütten am alten Fischereihafen, zu verschließen bis zum nächsten Frühling. Doch einer mag sich nicht so recht trennen. Er hat den ganz Sommer dort direkt am Meer verbracht. Glücklich in einfachsten Verhältnissen.

Malerisch in rot, weiß, blau: die Crampottes in den Farben Frankreichs im Port-Vieux von Biarritz. Foto: Hilke Maunder

Irgendwann im langen, sonnigen, heißen Sommer hat er an die bunten Türen der Hütten, in denen die Fischer einst ihre Netze und Material aufbewahrten, Sträuße angenagelt mit gelben Blüten.

Immortelle vertreibt Hexen und böse Geister. Foto: Hilke Maunder

Ihr Duft ist stärker als die würzige Salzluft vom Atlantik. Und das muss sein. Denn: „So vertreibt die Immortelle Hexen und andere böse Geister!“

Glücklich in seiner „crampotte“: François Doyhamboure. Foto: Hilke Maunder

Der Vize-Konsul der Crampottes

Der Mann, der dies sagt, ist François Doyhamboure (73). Einheimische wissen sofort: Ah, der Inhaber des Hôtel Président! Und der berühmte Küchenchef des einst ersten Sternelokals von Biarritz, dem Coq Hardi über dem Hafen. Johnny Hallyday und andere Promis waren bei François Stammgäste.

Kaum ein Star, den er zu Sternekochzeiten nicht kannte. Auch Johnny Hallyday war Stammgast bei François Doyhamboure. Foot, Hilke Maunder

Fotos in seiner Crampotte erinnern an jene Jahre und viele andere bewegende Momente im Leben dieses Mannes. Was hat er alles erlebt! Hat sich engagiert in der La Confrérie des Chevaliers de l’Operne, deren Mitgliederzahl seit Jahren kontinuierlich sinkt. Hat den Umhang mitgenommen in die Crampottes und engagiert sich für für das maritime Erbe des Seebades.

Darum hat er, während ringsum immer mehr Luxusimmobilien die baskische Küste zupflastern, mitten in den Crampottes eine Place du Surprise angelegt. Sie erinnert an das wohl schwerste Schiffsunglück vor Biarritz.

François Doyhamboure mit dem Mantel der Confrérie des Chevaliers de l’Operne

Am 20. November 1893 war die Schaluppe „Surprise“ mit einer Ladung Schiefer an Bord beim Rocher de la Vierge zerschellt. Alle Matrosen starben.

Heute  pendelt François Doyhamboure zwischen zwei Welten. Denn die zweite liegt in Siam, verraten Aufkleber und Flaggen auf den Fensterläden seiner Crampotte.

Was für ein Gegensatz zu einstigenLeben im Zentrum des Glamour: die einfach „crampotte“ von François Doyhamboure. Foto: Hilke Maunder

Doyhamboure, 2009 für sein humanitäres Engagement mit der Plaquette d’Or des Grand Prix Humanitaire de France ausgezeichnet, fand in Thailand eine neue Liebe. Und eine neue Aufgabe: Der Biarrot ist dort Vizekonsul.

Zweite Heimat Thailand

Und das macht es ihm dann doch leicht, Abschied zu neben von seiner „crampotte“ und ins Winterquartier zu ziehen: in den Süden von Thailand, hin zu seiner neuen Liebe. Einen ganzen Winter lang.

Von außen der Hingucker im Port-Vieux von Biarritz: die „crampotte“ von François Doyhamboure. Foto: Hilke Maunder

Doch so bald es Sommer wird, zieht es den Basken zurück an den Atlantik, hin zu seiner Hütte im Port des Pêcheurs. Mit Humor und Hingabe hat er seine Crampotte auch von außen geschmückt – und einige Nachbarn inspiriert, es ihm gleich zu tun.

Achtung, Pirat! Foto: Hilke Maunder

Schon der Spaziergang auf der Promenade dorthin ist ein Erlebnis. Und erst recht der Blick von dem Felseninselchen auf die Crampotte am frühen Abend, wenn sanftes Licht dem kleinen Fischereihafen von Biarritz eine ganz romantisch, fast magische Atmosphäre verleiht.

Zur blauen Stunde besonders romantisch: der Port-Vieux. Foto: Hilke Maunder

Biarritz maritim: meine Reisetipps

Erleben

Aquarium

 Bereits 1933 eröffnete das Aquarium in einem Art-Déco-Bau direkt am Meer. 2009 und 2011 verdoppelten Anbauen die Fläche.  Heute könnt ihr auf 7000 qm die Unterwasserwelt des Golfe de Gascogne, des Nordatlantik, des Indischen Ozeans und der karibischen See dort entdecken.
Plateau de l’Atalaye, 64200 Biarritz, Tel. 05 59 22 75 40, www.aquariumbiarritz.com

Cité de l’Océan

Am südlichen Ortsausgang errichteten Steven Holl Architects in Zusammenarbeit mit Solange Fabião Erlebnismuseum, das schon mit der Architektur dem Meer huldigt. Drinnen lädt es ein, den as einlädt, den Ozean ganz virtuell und interaktiv entdecken.
1,Avenue de la Plage, 64200 Biarritz, Tel. 05 59 22 75 40, www.citedelocean.com

Schlemmen & genießen

Chez Jérôme

Topfrische Meeresfrüchte direkt vom Austernzüchter  in der Markthalle – wuselig im EG oder ruhiger im OG.
• Rue des Halles, 64200 Biarritz, Tel. 06 77 50 08 06, www.facebook.com/chezjeromebtz

Austernbar „Chez Jérôme“ in der Markthalle von Biarritz. Foto: Hilke Maunder

Le Bar du Marché

Chiperones und andere Tapas aus dem Meer (und vom Land) serviert die trendige Marktbar mit Blick auf die Markthalle.
• 8, Rue des Halles, 64200 Biarritz, Tel. 05 59 23 48 96, www.facebook.com

Maison Miremont

Dieser Konditor verführt seit 1872 unter der holzgeschnitzten Decke seines Belle-Époque-Cafés mit Torten zum Träumen. Baba au Rhum, Beret Basque, Financier, Forêt Noir, Gâteau Basque, Mont-Blanc, Saint-Honoré, Paris-Brest, Tarte Tatin … eine wahre Backwerkreise durch das Land!
• Stammhaus: 1 bis, place Georges Clemenceau, Tel. 05 59 24 47 97, Filiale: 7, place Bellevue, Tel. 05 59 24 47 97, www.miremont-biarritz.com

Nostalgie-Café und einstiger Hoflieferant des spanischen Königshauses. das Café Miremont. Foto: Hilke Maunder

Miguel Café

Vinyl, alte Postkarten und viel Vintage aus den 1950er- und 1960er-Jahren: Die beliebte Bistro-Bar ist seit Jahren Kult. Und serviert zur feinen Rumauswahl, Weinen der Region und süffigem Bier aus dem Baskenland Forelle aus Norwegen, Bœuf bourguignon, Tartiflette, Gambas-Risotto und leckere hausgemachte Desserts
• 9, Place du Port Vieux, 64200 Biarritz, Tel. 05 59 22 36 21, www.facebook.com

Maison Arostéguy

Feinkost aus dem Baskenland: Seit 1875  versorgt diese nostalgische Grande Épicerie die Genießer von Biarritz mit allerfeinstem lokalen Genuss.
• 5, Avenue Victor Hugo, 64200 Biarritz, Tel. 05 59 24 00 52, www.arosteguy.com

Die Épicerie Arostéguy in Biarritz. Foto: Hilke Maunder

Schlafen

Das einzige Palace Hotel (5 Sterne plus) der baskischen Küste ist das stattliche Hôtel du Palais, in dem 2019 der G7-Gipfel stattfand. Bis 2020 wird es umfassend renoviert. 

La Maison du Lierre*

Am Jardin Public birgt ein Stadtvilla mit kleinem Garten ein Boutiquehotel Garni mit schallisolierten, geräumigen Zimmern. Zeitgeist, Design und Charme von einst verbinden sich zu einem gemütlichen Ambiente. Nach 20 Uhr ist die Rezeption nicht besetzt – hinein ins Haus kommt ihr per Code.

Schade: Serviert wird nur Frühstück;  Mini-Bar, Room Service oder eine abendliche Bar/Restauration werden leider nicht angeboten- Zu meinem Zimmer gehörte ein Balkon, da hätte ich gerne noch etwas genossen.
• 3, Avenue du Jardin Public, Tel. 05 59 24 06 00, www.hotel-maisondulierre-biarritz.com

Das Boutiquehotel Maison du Lierre von Biarritz. Foto: Hilke Maunder
Ein Zimmer im Boutiquehotel Maison du Lierre von Biarritz. Foto: Hilke Maunder

Noch mehr Betten*
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Weiterreisen

Der Reiseführer zur Region: Südwestfrankreich*

Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und dennoch sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich kann ihn aus ganzem Herzen empfehlen, denn auch in diesem Band zu Südwestfrankreich sind tolle Tipps enthalten. Auch kritische Anmerkungen fehlen nicht. Kurzum: ein Reiseführer, der grundehrlich das Reisegebiet vorstellt – ohne versteckte Promotions.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel, Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Ebenfalls im Michael-Müller-Verlag sind von Schmid die Reiseführer „Bretagne“ „Südfrankreich“ und „Korsika“ erschienen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Marcus X. Schmid, Südwestfrankreich. Michael Müller Verlag, www.michael-mueller-verlag.de

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

 * Durch den Kauf über den Referral Link kannst Du diesen Blog unterstützen und den Blog werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Offenlegung

Ich entdeckte das französische Baskenland auf Einladung auf einer individuellen Pressereise der Agence d’attractivité et de Développement Touristiques Béarn Pays Basque. Vor Ort unterstützten mich unglaublich kundige wie herzliche Mitarbeiter der Office de Tourisme, Geschäfte Hotels und Restaurants, Ihnen allen sage ich „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Surferin an der Grande Plage von Biarritz. Foto: Hilke Maunder
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