Boat Bike Tours: Schippern & Strampeln
Eine Boot-Rad-Reise entschleunigt gleich doppelt: Sie verbindet das Gleiten einer Flusskreuzfahrt mit neuen Eindrücken beim Radfahren, die Körper und Sinne auftanken. Von Paris aus führt eine der vielen Routen von Boat Bike Tours entlang von Seine, Oise und Aisne durch die geschichtsträchtigen Landschaften der Île-de-France und Nordfrankreichs, während ein schwimmendes Bed & Breakfast die Radler begleitet.

Im Port de l’Arsenal im Herzen von Paris liegt sie vertäut, direkt neben der Schleuse zur Seine: die MS Clair d’Étoile – kein Luxusdampfer, sondern ein charmant umgebautes Frachtschiff, 39,99 Meter lang, 5,60 Meter breit und 3,60 Meter tief. Seit Mai 2024 steuert Kapitän Marco Pouw die einstige Zwaantje durch französische Gewässer.
Das Stahlschiff von 1970 hat Herz und Seele bewahrt. Für französisches Flair inmitten holländischer Gemütlichkeit sorgen winzige Eiffeltürme in den Panoramafenstern. In der Ferne reckt sich die Juli-Säule der Bastille aus dem Pariser Häusermeer.
Schwimmendes Hotel mit 28 Betten

Kapitän Marco Pouw (40) kennt jeden Winkel der französischen Wasserwege. Der Niederländer führt seit fast zehn Jahren Rad-und-Schiff-Touren durch Europa. „Mein Ziel ist es, eine echte Gruppe zu bilden, nicht nur Individuen organisatorisch zusammenzufassen“, erklärt der „Kapitän mit Herz“, der sein zweites Schiff Clair de Lune für Radreisen an einen zweiten Anbieter verchartert hat.

Das Hauptdeck empfängt mit großen Fenstern zu beiden Seiten. Zum Kai hin sind die transparenten Rollos heruntergelassen – sie schützen vor neugierigen Blicken von außen, während sie von drinnen sanft das Sonnenlicht filtern. Teppichboden dämpft die Schritte. Holz und maritimes Blau sorgen für Gemütlichkeit im Speisesaal. Solarleuchten, Blumen und Grünpflanzen, deren Wurzeln im Wasser transparenter Vasen verschlungene Muster bilden, schaffen entspannte Atmosphäre.

Das Wohnzimmer der MS Clair d’Étoile dominiert eine große Alcantara-Couch in Cognacfarben. Hinter ihr birgt ein schmales Holzregal eine kleine Bibliothek mit Reiseführern, Romanen und Gesellschaftsspielen. An der Schmalseite der Wand hängen der Fernseher und die Infotafel für abendliche Briefings.
Ein Tresen trennt geschickt die Bereiche. Hier gibt es frisches Obst, kleine Riegel, Reisekekse und holländische Lakritze, an der Wand zur Tür einen Kaffee- und Teeautomaten sowie einen Wasserspender.

Zum Unterdeck führt eine steile Treppe mit Anti-Rutsch-Teppichfliesen. Die Clair d’Étoile bietet 13 Kabinen für 24 Gäste – zehn mit Einzelbetten, zwei mit Doppelbett, eine mit Stockbetten. Vier Betten sind der Crew vorbehalten. Die Kojen sind schlicht und funktional, die Betten 80 mal 200 Zentimeter groß, Koffer und Reisetaschen verschwinden darunter.

Ein Mahagonispind birgt Bügel, Kleiderhaken und einen Tresor. Von außen verschließbar sind die Kabinen nicht. „Nicht notwendig – hier ist immer jemand an Bord“, sagt Kapitän Pouw. „Und nachts ist das Schiff abgeschlossen.“ Wer spät vom Landgang heimkehrt, wenn die Crew schon schläft, kommt nur mit Türcode zurück an Bord.

Jede Kabine besitzt kleine, rechteckige Fenster. Aufgrund der tiefen Wasserlinie lassen sie sich nicht öffnen – eine individuell regelbare Klimaanlage sorgt für frische Luft; wer es wärmer liebt, kann die Heizung hinter der Holzverkleidung aufdrehen. Jede Kabine besitzt einen eigenen WLAN-Repeater für stabiles Internet. Das Bord-WLAN funktioniert in Salon und Kabinen sehr gut, auf dem Sonnendeck schwächer.

Das integrierte Bad ist nicht groß, aber ausreichend: Handwaschbecken, WC und Dusche mit Vorhang. Je vier Kabinen sind an die Abwasseranlage angeschlossen – die Pumpe ist bei jedem Toilettengang, Händewaschen und Duschen deutlich zu hören.
Kulinarische Reise

Frank, eigentlich Bäcker und Konditor, kocht leidenschaftlich gerne – das spürt man bei jedem Gericht. Abends gibt es drei Gänge, französisch oder international inspiriert: am ersten Tag Minestrone, Pasta Bolognese mit Rucola-Parmesan-Krone und zum Dessert Mascarpone mit Früchten.
Am zweiten Abend präsentiert Frank ein „Oranje-Dinner“ mit orangefarbenen Tischdecken und Servietten: Stamppot, das niederländische Nationalgericht mit Kartoffeln, Grillgemüse und Fischtrio, dazu Tompouce als Dessert – die holländische Variante des französischen Millefeuille.
Mit französischer Zwiebelsuppe, Vadouvan-Huhn mit indischen Gewürzen aus der ehemaligen französischen Kolonie Puducherry und Crème Brûlée geht’s am nächsten Abend weiter, auch eine Salade Niçoise, ein vegetarischer Couscous mit Feta und Grillgemüse, Flatbread und Hummus sowie Käsekuchen im Glas kommen aus der winzigen Bordküche.

Die Bar bietet Hausweine und gehobene Tropfen, Bier und Softdrinks. Ihre Getränke tragen die Gäste selbst in die Strichlisten der ledernen Klappmappen ein – Vertrauen wird großgeschrieben. Zehn Minuten vor jeder Mahlzeit läutet Frank die Glocke. Nach dem Essen räumen die Gäste selbst ab und stellen ihr Geschirr an die Durchreiche zur Küche.
Morgenstimmung auf dem Fluss

Erste Gäste stehen bereits um sieben Uhr mit Kaffee auf dem Sonnendeck oder haben sich auf die Sessel gesetzt, die Beine hochgelegt an der Reling. Einfach nur schauen. Die Oise spiegelt glatt das Morgenlicht, ein Schwanenpaar mit Nachwuchs gleitet vorbei. Dann läutet die Glocke. Und Kapitän Pouw steuert mit zwei Fingern den schweren Kahn, ganz entspannt, die Füße in Socken hochgelegt, die Hand am Handy.

Immer um acht Uhr gibt es Frühstück, aber immer anders. Mal typisch holländisch mit hausgemachten Poffertjes, mal ganz edel mit Champagner. Aber immer mit dabei sind knusprige Baguettes, die der Kapitän morgens früh zu Fuß aus der boulangerie holt. Auch Müsli und Joghurt, Honig und Nüsse, Konfitüren, Käse, Aufschnitte und Aufstriche gehören zum Standard. Kaffee, Tee oder heiße Schokolade, eine Auswahl an Säften, mitunter auch Smoothies: So kann der Tag gut beginnen!

Nur an einem Morgen gibt es zum Frühstück eine kleine Kreuzfahrt mit sanftem Gleiten. An den restlichen Tagen werden nach dem Frühstück die Lunch-Boxen gepackt: belegte Brote, Salate, Rohkost, Obst, kleine Riegel und Fruchtsäfte für Mittagspicknick. Pünktlich um neun Uhr startet jede Radel-Etappe.

Reiseleiterin Marianne Steenberg hat die GPS-Route auf dem Handy, kümmert sich um die E-Bikes am Heck und sorgt dafür, dass jeder die Tour genießen kann. Die mehrsprachige Niederländerin begleitet seit 2015 Radreisegruppen und versprüht dabei ansteckenden Elan. Die praktischen Satteltaschen mit Klickbefestigung sind schnell am Gepäckträger montiert. Die Helme werden gestellt, sämtliche Guides tragen gelbe Warnwesten.

Bei mehr als 18 Passagieren teilt sich die Gruppe in eine schnellere, eine langsamere Truppe – oder in eine kürzere und eine längere Route. 30 bis 65 Kilometer werden so täglich per Rad zurückgelegt, 17 bis 20 km/h beträgt das Durchschnittstempo, etwa alle 15 Kilometer ist eine Pause oder Besichtigung eingeplant.

Die Route: Von Paris durch die Geschichte
Die einwöchige Reise auf der MS Clair d’Étoile startet im Port de l’Arsenal. Der einstige Marinehafen der französischen Krone ist der zentralste aller Pariser Häfen, aber wegen niedriger Brücken und schmaler Schleusen nur für kleine Boote geeignet.
Tag 1: Paris – Einradeln im Stadtgewühl

Pünktlich um 14 Uhr beginnt das Einchecken. Die E-Bikes stehen aufgereiht auf dem Kopfsteinpflaster des Kais; jedes Rad trägt am Gepäckträger einen Namenszettel. Doch vor der Testfahrt steht eine kurze Einweisung und Vorstellung der Mannschaft: Neben Kapitän Marco Pouw, Reiseleiterin Marianne Steenberg und Koch Frank gehört auch Matrose Mo von der indonesischen Insel Surabaya dazu. Er hat vorher auf Mittelmeerkreuzfahrern gearbeitet – und freut sich jetzt über die ganz andere Atmosphäre und Arbeitsweise an Bord.

Die erste Testfahrt führt mitten hinein ins pulsierende Paris. Die Räder rollen am Seineufer entlang, vorbei an Paris-Plages, wo Bars und Bäder, Sandstrände und Liegestühle für Sommerlaune sorgen, hin zum Tunnel des Tuileries ein – einst eine düstere Unterführung, heute eine bunte Galerie voller Street Art.

Dann erhebt sich die sich die gotische Silhouette von Notre-Dame über der Seine, perfekt wieder aufgebaut nach dem großen Brand. Nach dem Dîner geht es zu Fuß mit Reiseleiterin Marianne ins Marais-Viertel und hin zur Place des Vosges, wo die Terrassen der Cafés bis auf den letzten Platz besetzt sind. Ganz romantisch gibt sich auch der Port de l’Arsenal mit dem Licht seiner nostalgischen Laternen.

Tag 2: Suresnes – Versailles – Bougival, 40 km
Leinen los! Durch die Schleuse des Pont Morland schippert Kapitän Pouw zur Seine. Spiegelglatt liegt der Fluss im Morgenlicht da. Wie Juwelen an der Perlenkette gleiten die Paradebauten von Paris vorbei. die Türme von Notre-Dame, die Conciergerie, der Pont Neuf, der Louvre, schließlich der Eiffelturm, der wie ein eiserner Wächter über dem Fluss aufragt. Während die Stadt hinter den Radfahrern zurückbleibt, wechseln die Eindrücke – vom monumentalen Paris hin zum sanften Grün der Vororte.

In Suresnes hieven Mo und Marianne die Räder von Bord und die Stufen der Ufertreppe hinauf, und bald schlängelt sich die Gruppe durch den Park des Domaine de Saint-Cloud. Von den Terrassen öffnet sich ein grandioser Blick zurück auf die Skyline der Metropole bis nach Montmartre.


Sandige Wege voller Wurzeln führen vom Schlosspark tief hinein in die Forêt de Fausses-Reposes. Ihr Name verrät, dass Rehe, Hirsche und Wildschweine sich hier im Dickicht der Kastanien-, Eichen-, Buchen- und Birkenwälder versteckten und so ihren Verfolgern entgehen konnten.

In Versailles gibt es mittags eine Stunde freie Zeit für den Marché Notre-Dame, der zu den schönsten Märkten Frankreichs gehört. Im 18. Jahrhundert wurden seine berühmten vier carrés angelegt – rund 90 Händler bieten dort das Beste der Region aus Land und Meer, Feld und Wald.

Pünktlich um 14 Uhr steht die Gruppe vor dem Château de Versailles am Eingang A. Hinter der prunkvollen Fassade verbirgt sich das Herz der französischen Geschichte – hier wurde der Sonnenkönig zum Maß aller Dinge. Zwei Stunden nur gibt der Zeit-Slot für die Besichtigung des barocken Schloss-Ensembles her. 2.300 Säle und Räume umfasst es, im Gedränge geht es vorbei an zahllosen Gemälden zur Galerie des Glaces mit 357 Spiegeln.

Mobiliar gibt es heute fast nur noch in den Prunkräumen, die Charles Le Brun gestaltet hat. Die weitläufigen französischen Gärten mit ihren Wasserspielen, Skulpturen und perfekt geometrischer Gestaltung tragen die Handschrift von André Le Nôtre. Ein Großteil des Parc de Versailles ist auch ohne Ticket zugänglich – und per Fahrrad. Ein letzter Blick vom Grand Bassin auf das Schloss des Sonnenkönigs, dann taucht die Gruppe ein ins Reich der Eichen und Buchen.

Vorbei an den edlen Villen von Le Chesnay und Vaucresson – zu den exklusivsten Gemeinden im Département Yvelines gehörend – führt der Weg hinab nach Bougival. Hier mietete Berthe Morisot zwischen 1881 und 1884 eine Villa und malte 40 Gemälde. Andere Impressionisten wie Monet, Renoir und Sisley stellten ihre Staffeleien auf der Île de la Chaussée auf – und genau hier hat Kapitän Marco Pouw heute sein Schiff vertäut.

Tag 3: Bougival – Saint-Germain-en-Laye – Conflans – Auvers-sur-Oise, 50 km
Erstes Etappenziel heute ist das Schloss Saint-Germain-en-Laye, das Ludwig VI. als Jagdschloss errichten ließ – heute birgt es das Archäologische Nationalmuseum Frankreichs.

In den Schlossgärten fassen gestutzte Linden geometrische Formen ein – französische Gartenkunst, die an einer drei Kilometer langen Terrasse endet, die weite Ausblicke auf Paris, die Seine und die Türme von La Défense eröffnet.


An der Mündung der Oise in die Seine ist Conflans-Sainte-Honorine seit Jahrhunderten Heimat der Binnenschiffer. Dutzende Hausboote liegen vertäut, dahinter ein betagter Kahn mit einem Kreuz: Je Sers (ich diene) nennt sich die schwimmende Kirche.


Nach der Kaffeepause überrascht Cergy mit dem monumentalen Axe Majeur : Mit zwölf Stationen, von Künstler Dani Karavan entworfen, verbindet sie als 3,2 Kilometern lange Achse das Zentrum mit einer Freizeitinsel in der Oise.

Ihr Hingucker ist eine knallrote Hängebrücke, ihr schönster Aussichtspunkt das Monument de l’Humanité an der Esplanade de Paris, zu dessen weißen Betonsäulen, die hoch in den Himmel ragen, 285 Treppenstufen hinaufführen.

Mittagspause im Hafen von Cergy, und weiter am Ufer der Oise vorbei an Pontoise hoch am Hang hin nach Auvers-sur-Oise. Vincent van Gogh verbrachte hier seine letzten 70 Lebenstage, zahlte 3,50 Francs pro Woche für Kost und Logis und hauste in einer kleinen, kargen Kammer unter dem Dach in der Auberge Ravoux, die dieses Erbe heute als Museum bewahrt.

80 Gemälde und zahlreiche Zeichnungen entstanden in dieser kurzen Zeit, darunter „Kornfeld mit Krähen“ und „Die Kirche von Auvers“. Auf dem Friedhof mitten in den Feldern verbindet Efeu symbolisch die Gräber der Brüder Vincent und Theo van Gogh.


Tag 4: Auvers-sur-Oise – Beaumont-sur-Oise – Chantilly – Senlis – Pont-Sainte-Maxence 62 km
Heute gibt es zum Morgenkaffee eine Mini-Kreuzfahrt. Zwei Stunden lang schippert die MS Clair d’Ètoile auf der Oise, während die Gruppe frühstückt. Als der Kirchturm von Beaumont im Gegenlicht sich am Himmel abzeichnet, wird festgemacht und losgeradelt, mitten durch den Wald von Chantilly hin zur nächsten großen Schlossanlage.

Das Château de Chantilly beherbergt das Musée Condé mit 800 Meisterwerken von Raphael, Delacroix, Ingres und Clouet. Die Bibliothek besitzt 700 Handschriften und 12.000 historische Bücher, darunter die berühmten Très Riches Heures – ein mittelalterliches Miniaturmalerei-Meisterwerk. Auch hier gestaltete André Le Nôtre den 115 Hektar großen Barockgarten mit Wasserspielen – welch eine Kulisse beim Mittagspicknick!

Der Wald von Chantilly gehört zum Massifs des Trois Forêts und damit zu den drei großen Wäldern im Süden des Départements Oise. Der Radweg von Chantilly nach Senlis und weiter zum Tagesziel Pont-Saint-Maxence führt durch den Wald von Halatte und verläuft auf der Avenue Verte London-Paris, der 470 Kilometer langen Radstrecke zwischen den beiden Hauptstädten.

Senlis präsentiert sich als filmreife Kleinstadt mit großer Kathedrale, umgeben von Fachwerk- und Herrenhäusern. 987 wurde hier Hugo Capet zum König der Franken gewählt – die Geburt der Kapetinger-Dynastie. Der Tag endet in Pont-Sainte-Maxence, wo sich das Leben ruhig am Ufer der Oise entfaltet und die Clair d’Étoile an den Wartepollern der Schleuse vertäut ist.

Tag 5: Pont-Sainte-Maxence – Compiègne
Nach dem Champagnerfrühstück mit einer perlenden coupe zum french toast geht es auf einem Radweg fernab vom Verkehr durch das weite Schwemmland der Oise hin nach Rhuis mit seinem Friedhof der Familie Bich – Gründer der Einweg-Kulis von Bic.

Dann hat uns der Wald wieder, säumt dichtes Grün den Weg, nur selten unterbrochen von Lichtungen mit hellen weißen Wegweisern aus Holz, die im 19. Jahrhundert die Forstverwaltung ( Administration des Forêts ) aufstellen ließ.

Inmitten der Forêt de Compiègne versteckt sich Saint-Jean-aux-Bois. Seine kleine romanische Abtei, 1152 von Königin Adélaïde von Savoyen gegründet, zeigt sich mit blühenden Rosen vor liebevoll geschmückten, uralten Häusern. Mittagspause!

Die nächste Lichtung hat Weltgeschichte geschrieben. Am 11. November 1918 beendete Marschall Ferdinand Foch in einem luxuriösen Salonwagen, der einst Napoleon III. und Kaiserin Eugénie gehörte, offiziell den Ersten Weltkrieg, der in Frankreich La Grande Guerre genannt wird.

Daran erinnert eine Replik im Herzen der monumentalen Gedenkstätte von 1922, angelegt als ein 100 Meter großer, runder Platz mit parallelen Bahngleisen, einem Renault FT-Panzer und einem 75-mm-Geschütz vor dem Museum. Unser Schiff hat seinen Liegeplatz nur wenige Schritte flussabwärts des Pont Neuf gefunden – ideal für den abendlichen Stadtbummel mit dîner an Land, denn heute hat die Mannschaft frei. Nur Mo bleibt an Bord und wacht.

Tag 6: Compiègne – Pierrefonds – Vic-sur-Aisne – Soissons
Auch heute geht’s wieder hinein in dichte Wälder, diesmal begleitet Lindenwald die Radler beim Strampeln nach Pierrefonds mit seinem geradezu märchenhaften Burgschloss. Die ursprüngliche Burg von 1397 wurde 1617 auf Befehl Ludwigs XIII. zerstört und verfiel zur Ruine.

1857 beauftragte Napoleon III. Eugène Viollet-le-Duc mit ihrer spektakulären Restaurierung. Heraus kam eine romantisch verklärte und idealisierte Vision mittelalterlicher Festungsarchitektur. Bayernkönig Ludwig war begeistert bei seinem Besuch! Acht große Verteidigungstürme, der 52 Meter hohe Donjon, Statuen von Julius Cäsar, Karl dem Großen und König Artus: Auch die TV-Serie „Merlin“ nutzte diese Kulisse.

Am kleinen See laden nostalgische Schwanentretboote, Minigolf und Cafés zum Verweilen ein und versprühen das Flair einer Sommerfrische der Nachkriegsjahre. Der militärische Nationalfriedhof von Vic-sur-Aisne ehrt 3.046 französische Soldaten des Ersten Weltkriegs, darunter einen chinesischen Legionär namens Ma Yi Pao. Weiße Steinkreuze für Christen, steinerne Moschee-Tafeln für Muslime, oben abgerundete Tafeln für unbekannte Religionen erstrecken sich bis an den Horizont.


Mittagspause vor dem Donjon von Vic-sur-Aisne, und dann weitergeradelt nach Soissons, einst erste Hauptstadt des Frankenreichs. Die Kathedrale, die Ruinen der Abtei Saint-Jean-des-Vignes und die Legende von der „Vase von Soissons“ machen die Stadt zu einem Schlüsselort französischer Geschichte.

Die MS Clair d’Étoile hat am neu gestalteten Aisne-Kai festgemacht, nur einen Steinwurf entfernt von den guinguettes am Ufer … und zum Boule-Platz am Café de la Cathédrale, wo im Schein der letzten Sonnenstrahl Marianne die Gruppe in die Geheimnisse des französischen Kugelspiels einweist.

Tag 7: Die Champagne mit Épernay und Hautvillers

Zum Finale führt die Reise per Minibus in die Champagne. Hautvillers gilt als die Wiege des Champagners, wo der Mönch Dom Pérignon seine Methoden verfeinerte. In den Weinbergen blitzen die weißen Kalkböden im Sonnenlicht, Reben reihen sich endlos aneinander.

In Épernay lockt die berühmte Avenue de Champagne, wo große Häuser wie Moët & Chandon oder Mercier ihre prachtvollen Fassaden zeigen. Kilometerlange Keller liegen darunter verborgen, hautnah zu erleben bei einer Bahnfahrt unter Tage bei Mercier.

Die prickelnde Kostprobe zum Abschluss rundet die Reise ab, die ursprünglich genau durch diesen Landstrich führen sollte. Doch die Sperrung eines Tunnels an der Seine hatte, wenige Tage vor Reisebeginn, diese Route unmöglich gemacht.
So hatte Kapitän Marco Pouw mit seinem Team und Boat Bike Tours ruckzuck umdisponiert und eine völlig neue Tour entwickelt. Unsere Tour wurde zur Testfahrt. Und zeigt doch exemplarisch, wie ähnliche geführte Touren, die bereits fest im Programm verankert sind, verlaufen.

Nachhaltig unterwegs
Boat Bike Tours, Europas führender Anbieter für Rad-und-Schiff-Reisen, besteht seit mehr als 45 Jahren. Das ursprünglich als Channel Cruises Holland gegründete Unternehmen bietet Radreisen in mehr als zwölf Ländern. Die Flotte reicht von kleinen Schiffen mit 20 Gästen bis zu mittelgroßen Flussschiffen für 110 Passagiere.
Nachhaltigkeit wird großgeschrieben: Landstrom, wo verfügbar, CO₂-Kompensation über Partnerschaften mit Justdiggit und Mülltrennung an Bord. Die Clair d’Étoile verzichtet noch auf Solar, andere Schiffe der Flotte sind bereits entsprechend ausgerüstet.
Boat Bike Tours in Frankreich: die Infos
Reisegebiete
Boat Bike Tours bietet in Frankreich Touren in verschiedenen Flussgebieten an, darunter:
- Die Seine im Großraum Paris und Île-de-France, wo ihr entlang der Seine und deren Zuflüssen wie der Oise oder der Marne radelt.
- Das Yonne-Tal in Burgund mit Rad- und Schiffsreisen hin zu Weinbergen und mittelalterlichen Städten.
- Der Canal du Midi in Südfrankreich.
- Die Flüsse Loire, Garonne, Dordogne und Rhône

Schiffe
In Frankreich sind bei Boat Bike Tours vor allem folgende Schiffe unterwegs:
- Die MS Fleur, ein kleines und schmales Hotelschiff mit etwa 20 Passagieren, das besonders für die Seine-Region und den Loing geeignet ist. Es wurde 2002 umgebaut und eignet sich für schmale Schleusen und niedrige Wasserstände.
- Die Claire d’Étoile fährt nicht nur zwischen Paris und Amsterdam, sondern ist auch in Burgund rund um Auxerre und Moret-sur-Loing unterwegs
- In der Provence und deer Camargue verkehren die Schiffe Caprice und L’Estello.
Boat Bike Tours chartert für seine Touren die Schiffe von den jeweiligen Eignern oder Kapitänen. Bei allen verbindlichen Standards, die vorgegeben sind, besitzt so jedes Schiff eine eigene, persönliche Note. Auf der MS Fleur beispielsweise gibt es an Bord für die Küche einen winzigen Kräutergarten, in dem auch Lavendel wächst.
Kabinen
Die Kabinen sind kleine, gemütliche Kojen zum Schlafen auf dem Unterdeck. Tagsüber hält man sich auf dem Sonnendeck oder dem Hauptdeck auf, wenn nicht geradelt wird. Es empfiehlt sich, statt großen Koffern mit Reisetasche oder kleinem Rollkoffer anzureisen. Ungewohnt: Die Kabinen haben keine Schlüssel und lassen sich nur von innen verriegeln.
Touren

Zwei Varianten verfügbar. Bei großen Schiffen gibt es semi-guided tours – alle Gäste radeln selbstständig mit Kartenmaterial und GPS-Daten. Kleine Schiffe bieten guided tours mit kompletter Begleitung. E-Bikes erleichtern die täglichen 30 bis 65 Kilometer erheblich. Durchschnittstempo 17 bis 20 km/h mit regelmäßigen Pausen. Wer einen Tag nicht radeln möchte, bleibt einfach an Bord.

Beste Reisezeit
Mai bis September, wenn die Schleusen durchgängig geöffnet sind und das Wetter stabil ist. Im Hochsommer kann es heiß werden – die Klimaanlage in den Kabinen sorgt für angenehme Frische.
Offenlegung
Ich war an Bord der MS Clair d’Étoile auf Einladung von Vagabond PR aus Wien unterwegs, die Boat Bike Tours in ihrem Portfolio führt. Dafür sage ich allen Mitarbeitern, die meinen Aufenthalt unterstützt haben, ganz herzlichen Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

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