Kellerbesuch bei Bouchard in Beaune


Dick liegt der Staub auf den Flaschen. An Fleischerhaken baumeln geheimnisvolle Zahlen. Dreistellige Ziffern, zweistellige, einstellige. 70 – 80 Prozent Luftfeuchtigkeit lässt leuchtend weiß die Pilze wachsen und kleine Wasserpfützen auf dem Boden bilden. Zehn Meter unter der Erde, vier Kilometer lang: So erstreckt sich unter dem Château de Beaune der Weinkeller von Bouchard Père & Fils.

2.000 Flaschen aus dem 19. Jahrhundert lagern hier bei 11-15 °Celsius im weltgrößten Burgunderkeller – darunter Meursault Charmes (1846), Montrachet (1864) und Beaune Grèves Vigne de l’Enfant Jésus (1865). In manchen Gängen sind noch die Mauern der königlichen Festung aus dem 15. Jahrhundert zu sehen, fünf bis acht Meter dick.

Seit 1731 hat Bouchard im Château de Beaune seinen Stammsitz. Flächenmäßig ist es das größte Weingut der Côte d’Or im Burgund. 130 Hektar mit 450 Parzellen sind in seinem Besitz. Zwölf Weinlagen sind als Grands Crus, 74 als Premiers Crus klassifiziert.

Bouchard gehört auch zu den ältesten Weingütern im Burgund. Bereits 1731 wurde es von Michel Bouchard gegründet. Als während der Französischen Revolution Top-Lagen der Kirchen und Klöster enteignet und verkauft wurden, sicherte sich die Familie die besten Filetstücke des Terroir, darunter auch Land in Vougeot.

Heute gehört es zu den Pionieren des nachhaltigen Anbau und ist seit 2015 nach dem höchsten französischen Umweltstandard, der Haute Valeurs Environmentale, zertifiziert. Gelesen wird traditionell per Hand. Mitte September beginnen alljährlich die „vendanges“, bei denen 250 Leute im Einsatz sind. 18 Tage lang ernten150 von ihnen in fünf bis sechs Teams mit 13-Liter-Eimern Chardonnay und Pinot Noir per Hand.

Der Rotwein wird bis zu drei Woche mazeriert, der Weißwein gleich weiter verarbeitet, ehe Kellermeister Frédéric Weber ihn 4.500 Fässern und 280 temperaturgeregelten Edelstahltanks ausbaut. 135 sind für Rotwein reserviert.

Bouchard ist heute keine Familienunternehmen mehr. Wie William Fèvre in Chablis, Château de Poncié in Fleurie im Beaujoulais und dem Champagnerhaus Henriot in Reims gehört es zur Gruppe zu Maisons & Domaines Henriot. 2016 erzielte es mit dem Verkauf von drei Millionen Flaschen einen Umsatz 2016 rund 31 Millionen Euro. 44 Prozent der Weine werden in Frankreich abgesetzt, 56 Prozent in Kanada, USA, Großbritannien, Japan. 150 Menschen arbeiten für das renommierte Weinhaus.

Exklusive Tropfen

600.000 Flaschen füllt Bouchard jedes Jahr ab. Einige davon sind Exklusivabfüllungen, auf anderen Lagen hat Bouchard das Monopol – sprich, die Tropfen dieser Lagen gibt es nur bei ihnen. Dazu gehören die folgenden Weine:

Chevalier-Montrachet

Grand Cru La Cabotte: 0,21 Hektar, 100 % Chardonnay. Die „cabottes“ sind im Burgund kleine Arbeitshäuschen in den Weinbergen, die aus Steinen trocken geschichtet wurden und den Weinbauern bei schlechtem Wetter Schutz bieten.

Beaune-Grèves

Vigne de l’Enfant Jésus: 3,92 Hektar, 100 % Pinot Noir. Der Name verweist auf eine Legende. Im Burgund wird erzählt,  dass Marguerite du Saint-Sacrement, die Gründerin des Karmeliterordens des Saint Enfant Jésus de Beaune, die Geburt des Sonnenkönigs vorhergesagt habe, obgleich die Mutter von Ludwig XIV. als steril galt. Neun Monate nach der Vorhersage wurde der Monarch am 5. September 1638 geboren.

Die Äbtissin wurde im gesamten Königreich berühmt, die Spenden flossen reichlich. So erhielt das Kloster auch diese berühmte Weinlage. Im Zuge der Revolution kaufte Bouchard 1791 das Land im Herzen der 32 Hektar großen Appelation Beaune Grèves.  Den Premier Cru 2011 gibt es ab Keller für 80,00 Euro.

Beaune Clos de la Mousse

Premier Cru Rouge: 3,36 Hektar, 100 % Pinot Noir. Von Trockensteinmauern eingezäunt ist auch dieser Weingarten, dessen Wurzeln bis 1220 zurückreichen. Während der Revolution zerstückelt, kauften die Bouchards sukzessive den gesamten Weingarten zurück und besitzen ihn heute exklusiv.

Beaune Clos Saint-Landry

Premier Cru Blanc: 1,98 Hektar, 100 Prozent Chardonnay. Hier findet ihr die älteste Chardonnaystöcke von Beaune. 1791 kaufte Bouchard diese Lage vom der Abbaye de Maizières.

Beaune du Château

Premier Cru Blanc: 9,92 Hektar, 100 % Chardonnay. Die Assemblage aus Premier Cru-Parzellen komponierten Antonin und Joseph Bouchard 1907. Der Weiß enthält Trauben aus fünf Parzellen.

Beaune du Château

Premier Cru Rouge: 26,04 Hektar, 100 % Pinot Noir. s. o. Der Rote enthält Trauben aus 17 Parzellen.

Verkostete Tropfen

Ungewohnt: Verkostet ihr die Weine bei Bouchard, geht es erst mit Rotwein los, dann folgt der Weißwein.

Rot

Auxey-Duresses Les Duresses, Premier Cru 2013

Ein charaktervoller Rote, dem das Lagern gut tut – je älter, desto besser. Beerenbetonte Bukett. Ab Keller 19,90 Euro.

Beaune Marconnets Premier Cru 2012

Intensiv rot, fast schwarz, kommt dieser Tropfen daher, der gut zu Lamm und den kräftigen Käsesorten der Bourgogne passt. Ab Keller 29,90 Euro.

❤  Nuits-Saint-Georges Les Cailles 2011  ❤

16,5 gab die Weinexpertin Jancis Robinson für diesen traumhaften Tropfen mit Noten von Kirsche und Lakritze. Ab Keller 62,50 Euro.

❤  Le Corton, Grand Cru 2011 ❤

Pinot Noir kann nicht nur elegant, sondern auch kraftvoll. Mein Lieblingstropfen von Bouchard ist leider der teuerste – ab Keller 79,00 Euro. Er ist zudem die einzige Lage der „Climat“ der Côte d’Or, die noch in Sublagen unterteilt wird. Seit dem zweiten Jahrhundert vor (!) Jesus Christus angebaut, war dieser Wein der Lieblingstropfen von Karl dem Großen Der  französische Dichter Guy de Maupassant nannte Le Corton in seinem Roman „Bel Ami“ den „roi des bons vivants“, König der Lebenskünstler. Ab Keller 79 Euro.

Weiß

❤ Chassagne-Montrachet 2013 ❤

Auf den kargen Mergelböden der Kommune gedeihen körperreiche Weißweine wie diese leuchtend grün-gelbe Kostbarkeit, vom Duft her zartwürzig mit Vanille und Pfirsich, auf der Zunge kraftvoll mit Barrique-Note und langem Nachklang. Ab Keller 32,90 Euro.

Meursault Le Porusot, Premier Cru 2013

An diesem Wein scheiden sich die Geister: die einen schwärmen von seinem gekonnten Mix von mineralischen, nussigen und Zitrus-Apfelnoten, die anderen empfinden den Tropfen als flach und verschlossen. Wunderschön ist auf jeden Fall seine goldgelbe Farbe im Glas. Und wir? Haben abends eine Flasche ausgetrunken und genossen! Ab Keller 50,90 Euro.

Bouchard & Route des Grands Crus: Infos

Bouchard

Kellereibesuch und Verkostung sind kostenlos; exklusives Speisen in der Orangerie sind Firmenevents vorbehalten. Als einziger Reiseveranstalter darf dort auch European Waterways mit seinen Gästen schlemmen.

• Château de Beaune, 21200 Beaune, Tel. 03 80 24 80 24, www.bouchard-pereetfils.com

Route des Grands Crus

2017 feiert die Weinroute zu den besten Weinen des Burgund ihr 80-jähriges Bestehen. Seit 2000 Jahren haben die Winzer die Landschaft der Côte d’Or geprägt. Typisch für den Weinbau hier sind die „climats“. Das Mosaik der 1247 Parzellen mit Mikroklima und unverwechselbarem Terroir gehört seit Juli 2015 zum Welterbe. Die Themenroute verbindet seit 1937 auf 60 km Länge Dijon via Beaune mit Santenay. Eine interaktive Karte findet ihr hier, die App hier.

Weitere Infos online

www.cotedor-tourisme.com/bourgogne/route-des-grands-crus

https://route-des-grands-crus-de-bourgogne.fr

Hintergrund: Burgunder-Weine

• Weinbau auf schmalem Streifen, der sich 230 km von Nord nach Süd erstreckt

• 28.841 Hektar, 7% der AOC Frankreichs

• zwei Haupttrauben: Chardonnay (48 %) und Pinot Noir (34%); weitere Trauben: Gamay (10 %), Aligote (6%), andere (2 %)

• Klassifizierung: Regionale Appelationen (51,3 % der Produktion), Appelationen mit Dorfname (Village): 38,1 %, Premier Cru: 9,3 %, Grand Cru: 1,3 %

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