Nadelkunst des Mittelalters: Boutis-Stickerei

Unzählige Jahre lag die weiße Decke auf meinem Bett, doch erst, als ich in Calvisson ein kleines Museum besuchte, lernte ich ihre Herstellungsart kennen: Sie war über und über mit Boutis-Stickerei geschmückt. Bei der Sticktechnik wird ein doppellagiger Stoff so bestickt, dass sich das Muster als Relief abhebt.

Boutis: die französische Alternative zu Quilts

Möglich machen das kleine Polster, die beim Sticken zwischen die beiden Stofflagen geschoben und mit kleinen Stichen umrandet werden. Entstanden ist die feine Nadelkunst bereits im Mittelalter. Heute hält die Maison du Boutis im Département Gard die Handwerkskunst lebendig – und zeigt auf Workshops, wie sie gelingt.

Außergewöhnlich schöne ist auch die Sammlung des Museums von Stickereien aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die mit der Vielseitigkeit der Motive, der Feinheit und der Perfektion der Stickerei überraschen. Erfunden wurde die Handarbeit jedoch nicht in Frankreich, sondern auf Sizilien. Um 1395 wurde sie dort erstmals erwähnt.

Aus Sizilien nach Marseille

Sizilianische Stickerinnen brachten die Nadelkunst um 1470 nach Marseille, wo es bis zur Französischen Revolution mehrere Stickereien gab. Ein zweiter Name ist daher auch Broderie de Marseille.

Boutis: die Info

Maison du Boutis

Calvisson Les Cordelles, Tel. 04 66 01 63 75, www.la-maison-du-boutis.com; 1. Mai – 31. Oktober Do. – So. 14.30– 18.00, 1. November – 30 April , Fr. – So. 14.30 – 18.00 Uhr.

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2 Kommentare

  1. Hallo Madame Maunder,
    wir haben in Halle (Saale) eine Stickerei und finden deshalb Ihren Artikel über die Boutis-Stickerei sehr interessant. Allerdings sticken wir natürlich nicht mehr mit der Hand sondern maschinell. Es gibt aber auch heute noch Sticktechniken, die ein plastisches Stickbild erzeugen. Wir werden auf unserer Website http://www.textilstick-halle.de einen Link zu Ihrem Post setzen, wenn es Ihnen recht ist.

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