Oh là là: euer Lesefrühling à la française !

Lesetipps

Ein Lese-Frühling mit ganz viel Frankreich: Während das Corona-Virus das Reisen einschränkt, bringen Buchstaben und Bilder euch Frankreich frei Haus. Aus den vielen Neuerscheinungen, die sich mit Frankreich beschäftigten, in Frankreich spielen oder von dort erzählen, kommt hier eine bunt gemischte, subjektive Auswahl.

Lesefrühling à la française: die schönsten Bücher

Hochspannung

Christine Cazon: Lange SchattenChristine Cazon, Lange Schatten über der Côte d’Azur*

Wer mir länger folgt, weiß, dass ich die Krimis von Christine Cazon liebe. Sobald pünktlich zum Frühjahr ein neuer Band der Duval-Serie erschienen ist und auf dem Nachttisch liegt, ist die Nacht hin. Denn aufhören kann ich nicht.

So war es auch bei diesem, mittlerweile achten Band der Reihe, die sich dank der umfangreichen Recherchen, die Christine vor jedem Band unternimmt (und akribisch in dicken Themenordnern abheftet, sortiert und auswertet), wohltuend von anderen Regionalkrimis abhebt.

Ihre Geschichten sind spannende Streifzüge durch oftmals verdrängte oder vergessene Kapitel der lokalen Geschichte, verknüpfen Historie und Gegenwart, und werfen immer wieder neues Licht auf die vielen Seiten von Cannes, ihrem Schauplatz.

In Band acht lässt sie Duval auf dem Cimetière du Grand Jas ermitteln, dem berühmten Prominentenfriedhof von Cannes mit Blick aufs Mittelmeer. Klaus Mann hat dort im Carré 16 seine letzte Ruhestätte gefunden. Im Carré Israélite, dem israelischen Feld, entdeckt der Friedhofswärter bei seiner Abendrunde in blutroter Lache einen toten jungen Mann.

War der Mord antisemitisch motiviert? Duval ermittelt – und taucht tief ein in die Ereignisse der deutschen Besatzung. Résistance und Kooperation mit den Besatzern, Raubkunst und kirchliche Fluchthelfer: Spannend wie der Mord und dessen Aufklärung sind die historischen Themen, die Christine Cazon damit verknüpft. 300 Seiten spannender Lesegenuss! Wer mag, kann den Krimi hier* online bestellen (erscheint am 15.4.).

Dominique Manotti. Marseille 74Dominique Manotti, Marseille. 73*

Frankreich im Herbst 1972. Angesichts steigender Arbeitslosigkeit  beschließt die Regeriung Jacques Chaban-Delmas die Circulaires Marcellin-Fontanet. Ihr Ziel: die Arbeitsmigration zu stoppen.

Einwanderer, die sich in Frankreich niederlassen wollen oder dort bereits ansässig sind, müssen nun einen Arbeitsvertrag und eine “anständige” Wohnung vorweisen, ehe sie eine Aufenthaltserlaubnis erhalten und sich so legal im Land aufhalten dürfen. Über Nacht sind  86 Prozent der Immigranten in Frankreich nicht mehr Schwarzarbeiter, sondern illegale sans-papiers.

Meist nordafrikanischer und portugiesischer Herkunft, sind sie nun Abschiebekandidaten. Vor diesem Hintergrund spielt der Polit-Krimi der  promovierten Historikerin Marie-Noëlle Thibault. Im Alter von 50 Jahren kehrte sie aus Enttäuschung über die Politik Mitterrands der Forschung den Rücken,  griff zur Feder griff und schreibt seitdem unter dem Pseudonym Dominique Manotti politische Krimis. Seit 2013 bringt sie der  Hamburger Argument-Verlag auf Deutsch heraus. Marseille. 73* übersetzte Iris Konopik.

Elf Jahre lang  nach der Unabhängigkeit Algeriens ist der melting pot Marseille ein explosives Pulverfass. Auf der einen Seite die algerischen Einwanderer, auf der anderen Seite die pieds-noirs, die aus den Kolonialgebieten repatriierten Franzosen. Und zwischen den Fronten: Daquin, ein junger Kommissar aus der Hauptstadt, der nicht weiß, wie in Marseille Politik und Polizei mauscheln, Justiz und Presse die Augen verschließen und alle gemeinsam die Ermittlungen ins Leere laufen lassen.

Frankreich und seine Migranten: Der Politik-Krimi der Chronistin zeigt, dass auch 50 Jahre später das Thema beängstigend aktuell ist. Manotti berichtet von Wunden, die nie verheilt sind, von der Vergangenheit – und beschreibt so (auch) die Gegenwart. Keine leichte Lektüre, aber spannend, öfters auch schockierend… und unbedingt lesenswert. Wer mag, kann den Polit-Krimi aus Marseille hier* auf Deutsch und hier* im französischen Original bestellen.

Hintergrund zum Thema bietet auch online das Musée de l’immigration, www.histoire-immigration.fr/collections/1972-circulaires-marcellin-fontanet

Herz & Historie

Claire Ziegler, Claires SchicksalSilke Ziegler, Die Frauen von der Purpurküste: Claires Schicksal*

Silke Ziegler, die einige von euch vielleicht als Krimi-Autorin kennen, hat mit “Die Frauen von der Purpurkiste” das Genre gewechselt und erstmals eine Trilogie verfasst, die die Schicksale von drei Frauen und ihrer Familien mit dem Schauplatz Collioure an der Côte Vermeille verknüpft. Mit Claires Schicksal* endet die Trilogie.

Diesmal ist es Emma, die sich ihrer Vergangenheit stellen muss und ein Familiengeheimnis lüftet und löst. Emma ist in Collioure geboren und aufgewachsen. Nach einem Streit mit ihrem Vater über ihren Berufswunsch Tierpflegerin war sie vor sieben Jahren nach Stuttgart gezogen, wo sie seitdem als  Tierpflegerin in der Wilhelma arbeitet. Die Nachricht vom Schlaganfall des Vaters lässt sie zurückkehren. Dort stellt sie fest, wie sehr die Flucht nach Deutschland die Familienbande von einst zerrissen hatte.

Sie kennt weder die Familie ihres Bruders noch die zweite Frau ihres Vaters, die sie voreingenommen abgelehnt hatte. Auch bei ihrer großen Liebe Léon scheint ein wenig die eigene Sturheit zum Scheitern beigetragen zu haben.

Emma denkt nach. Und entdeckt – damit beginnt der zweite Erzähltstrang – in der Abstellkammer ihrer Ferienwohnung einen Stapel Briefe, die eine Mutter, die im Internierungslager Rivesaltes befand, an ihre gerade geborene Tochter geschrieben hatte. Emmas Neugier ist geweckt, ihr Herz gerührt – und der Wunsch geweckt, der Tochter die Briefe ihrer von den Nazis ermordeten Mutter zu überreichen.

Der Roman ist so im doppelten Sinne fesselnd – und verbindet Herz mit Hintergrund, ohne kitschig zu werden. Sondern emotional, bewegend, fesselnd, unterhaltsam und gut gemixt bei Fakten und Flair. Wer mag, kann den dritten Band der Trilogie hier* online bestellen.

Küche & Genuss

La France en PatisserieLa France en Pâtisserie

Kein schnödes Backbuch, nicht das xte Rezeptbuch eines Sterne- oder Fernsehkoch, sondern eine kreative wie köstliche Genussreise durchs Land ist das Gemeinschaftswerk La France en Pâtisserie von Johannes J. Arens (Text), Jennifer Braun (Fotografie) und Monika Koch (Gestaltung).

Spannend ist bereits seine Entstehungsgeschichte. Mitten in der Pandemie, die Reisen und Recherchen vor Ort unmöglich machten, stellte sich Johannes J. Arens im August 2020 zwei Wochen lang in seine Küche, verarbeitete 49 Eier, 2.775 g Zucker und 1,675 kg Butter – und buk all jene Klassiker und lokale Spezialitäten, die Franzosen  lieben: Madeleines und Rousquilles, Tarte Tatin und Baba au rhum, Macarons und Far Breton, Paris-Brest und Gâteau Nantais, Kouglouf, Fougasses, Tartelles und Canelés.

14 Kuchen. 14 Rezepte. Nicht immer, wie ursprünglich, vor Ort recherchiert. Aber stets authentisch und ursprünglich, erwachsen aus den vielen Reisen, die Johannes vor der Pandemie unternommen hatte. Und den Postkarten, die Pâtissiers aus dem ganzen Land dem Foodjournalisten mit Rezepten nach Hause schickten.

Auch bei Herstellung und Vertrieb ging das Trio neue Wege. Auf Startnext.de sammelte es via Crowdfounding genug Geldmittel ein, um es – 96 Seiten dick – drucken und als Hardcover binden zu lassen. Mit Fotos im Stil der 1970er-Jahre, die auch optisch, ohne selbst zu backen, das Buch zum puren Genuss machen.

Leider hat dasWerk keine ISBN. So ist es für den Buchhandel schwierig, es zu ordern. Einzige Bestelloption ist der Onlineshop von Johannes J. Arens: https://zwischengang.de/shop.

Land und Leute

Macrons neues FrankreichDietmar Hüser,  Hans-Christian Herrmann (Herausgeber): Macrons neues Frankreich*

2022 wählt Frankreich wieder sein Staatsoberhaupt. Wird es wieder Emmanuel Macron – oder macht Marine Le Pen das Rennen?  Die Halbzeit nach 30 Monaten zieht dieser Sammelband von Analysen, den Dietmar Hüser und Hans-Christian Herrmann am 7. Januar 2021 im transcript-Verlag herausgebracht haben.

Dietmar Hüser hat den Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte in Saarbrücken inne und war zuvor Professor für Westeuropäische Geschichte an der Universität Kassel. Er leitet das Frankreichzentrum sowie das Europakolleg Collegium Europaeum Universitatis Saraviensis (CEUS) an der Universität des Saarlandes und ist Sprecher der DFG-Forschungsgruppe 2475 »Populärkultur transnational – Europa in den langen 1960er Jahren«.

Der Historiker Hans-Christian Herrmann leitet das Stadtarchiv Saarbrücken. Er forscht u.a. zur Saarbrücker Stadtgeschichte und Saargeschichte im Kontext der deutsch-französischen Beziehungen, den Beziehungen der DDR zu Frankreich und zur französischen Automobilindustrie. Wer mag, kann das 350 Seiten dicke Jahrbuch des Frankreichzentrums der Universität des Saarlandes hier* bestellen.

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