Die Pfarrkirche von Bugarach. Foto: Hilke Maunder
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Bugarach: wie Aussteiger ein Dorf beleben

Bugarach ist ein kleines Dorf. Rund 140 Einwohner wohnen in den alten Steinhäusern, die sich im kleinen Dorfkern drängen, überragt von der wachsamen Spitze des Kirchturmes und Gipfel des legendären Pech de Bugarach. Wahrhaft filmreif, bewies Bugarach bereits im TV.

Herbst am Pech de Bugarach. Foto: Hilke Maunder
Herbst am Pech de Bugarach. Foto: Hilke Maunder

Auf seinem Gipfel, so behaupten Legenden, sollen schon UFOs gelandet sein, ist er mit 1.230 Metern doch der höchste Berg der Corbières. Im Maya-Kalender wurde 2012 der Pech de Bugarach sogar als einer der acht Orte der Welt aufgeführt, an denen man den Weltuntergang garantiert überleben kann. Wir wissen, das Ende der Welt kam nicht. Aber das hat der Beliebtheit dieses Berges keinerlei Abbruch getan.

Der Pech de Bugarach ist auch ohnen einen Hauch Esoterik ein ungeheuer faszinierender Berg. Klimatisch markiert er eine Bruchlinie, geologisch ein Rätsel. In der Fachwelt gilt er als der Prototyp des „umgedrehten Berges“ (montagne inversée). Während der Entstehung der Pyrenäen schob sich eine uralte Gesteinsschicht aus der Kreidezeit wie eine monumentale Welle über deutlich jüngere Sedimentschichten.

Das Ergebnis bricht mit der logischen Chronologie der Erde: Oben auf dem Gipfel steht ihr auf Jahrmillionen altem Gestein, während tief im Bauch des Berges das jüngere Fundament liegt. Diese geologische Anomalie zieht Wissenschaftler und Geologen ebenso an wie jene Sinnsuchende, die hier nach geomantischen Kraftfeldern forschen.

Bugarach: in der Grande Rue. Foto: Hilke Maunder
Bugarach: in der Grand’Rue. Foto: Hilke Maunder

Alternativ aus Tradition

Das Dorf in seinem Schatten ist schon lange kein Geheimtipp mehr für Esoterikfans, Aussteiger und Alternative. Bugarach hat sie schon seit mehr als 50 Jahren angelockt. Bereits in den 1970er-Jahren verwandelten sie alte Bauernstellen in Biohöfe und Rückzugsorte für Gleichgesinnte. Heute bieten sie Esoterik, Yoga, digitalen Detox, Kunstkurse oder Wandertouren an.

Hinter den dicken Steinmauern der Dorfgemeinschaft von Bugarach prallten über Jahrzehnte zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite standen die alteingesessenen okzitanischen Bauern und Winzer, deren Familien seit Generationen den kargen, steinigen Boden der Corbières bearbeiten. Auf der anderen Seite die Zugezogenen, die in den 1970er-Jahren die ersten verlassenen Höfe besetzten. Les hurluberlus – die Spinner oder Verrückten – wurden die Neuankömmlinge von den Einheimischen anfangs oft genannt, misstrauisch beäugt wegen ihrer Ideen von Permakultur, kollektivem Leben und Esoterik.

Bugarach: Blumentöpfe, kunstvoll arrangiert zwischen den Fensterrahmen. Foto: Hilke Maunder
Bugarach: Blumentöpfe, kunstvoll arrangiert zwischen den Fensterrahmen. Foto: Hilke Maunder

Doch die Realität der Landflucht hat die Fronten aufgeweicht. Wo Schulen schlossen und Höfe verfielen, brachten die Alternativen neues Leben, Kinder und Kaufkraft in die Gemeinde. Heute existiert eine pragmatische Symbiose: Der traditionelle Viehzüchter schätzt den Erhalt der Kulturlandschaft durch die Bio-Höfe, während die Aussteiger die tiefe Verwurzelung und das handwerkliche Wissen der Alten respektieren. Gemeinsam bilden sie eine Zweckgemeinschaft gegen das Aussterben der ländlichen Region. Gemeinsam versuchen sie heute, Bugarach, das – wie viele Orte in der Region – unter Landflucht und Überalterung der Bevölkerung leidet, wiederzubeleben. Dabei setzen sie auf Kunst und Kultur.

Bugarach: Diane Liljelund und BeBucharach:: Bugarach: Diane Liljelund vor ihrer Galerie. Foto: Hilke Maunder
Diana Liljelund vor ihrer Galerie. Foto: Hilke Maunder

Diana Liljelund, die Künstlerin aus Kanada

So wie Diana Liljelund. Die blonden Haare locker zum Pferdeschwanz zusammengebunden, stand sie am Eingang der alten Post in der Grand’Rue 9, ein Glas in der Hand, klönend mit einem Pärchen, das auf einer Steinmauer vor dem Haus saß. „Schaut mal rein in meine Galerie!“, rief Diana spontan. Diana, Jahrgang 1961 und Tochter finnischer Eltern, ist im Nordosten der USA aufgewachsen, studierte Architektur und Design in Kanada, arbeitete in vielen Hauptstädten Europas, kuratierte Sammlungen – und begann, selbst künstlerisch zu arbeiten.

Bugarach: Diane Liljelund und Besucherin in der Galerie. Foto: Hilke Maunder
Diana Liljelund und Besucherin in der Galerie. Foto: Hilke Maunder

An der bretonischen Côte du Granit Rose legte sie Muster aus weißen Kieseln auf den verwitterten Fels und fotografierte die Werke als Collage. Fasziniert entdeckte sie die Wälder im Wechsel der Jahreszeiten.

Sie hielt ihre gefühlten Erinnerungen an Wurzeln und Stämme, Strukturen und Texturen in Öl und Aquarellen fest. Zwei Räume füllten ihre Arbeiten in der Galerie 9 von Bugarach. Heute ist ihre Galerie Vergangenheit. Doch Diana ist weiterhin künstlerisch tätig und engagiert sich im Kunstverein Expo Créateurs von Saint-Paul-de-Fenouillet, wo sie auch immer wieder ausstellt.

Bugarach: ein Ölbild von Diane Liljelund. Foto: Hilke Maunder
Ein Ölbild von Diana Liljelund. Foto: Hilke Maunder

Diana findet ihre Motive in der Natur ringsum. Im Schatten des Pech de Bugarach, der höchsten Spitze der Corbières, überraschen Flora und Fauna mit einer Vielfalt, die mediterrane und ozeanische Einflüsse vereint.

Nur wenige Meter vom Ort versteckt sich mit dem Lac de la Vène ein kleiner Stausee, den nur die Einheimischen kennen. Dort können sie fischen, am Ufer grillen und im Sommer baden.

Kulisse für eine Mystery-Thriller-Serie

Der Lac de la Vène von Bugarach. Foto: Hilke Maunder

Längst hat der Mythos des Ortes auch die Popkultur erreicht. Im Jahr 2022 wurde das Dorf zur Kulisse und zum Namensgeber für die französische Mystery-Thriller-Serie Bugarach. Die Serie vonFrance Télévisions und Lumni nutzt die Kulisse des Pech de Bugarach als Hauptdarsteller. Die Handlung verwebt die reale Geografie mit Fiktion: Nach dem rätselhaften Hubschrauberabsturz eines mächtigen CEOs auf dem Gipfel gerät das Leben der jungen Studentin Émilie aus den Fugen. Sie stößt bei ihren Nachforschungen auf ein Netz aus Umweltskandalen, mystischen Phänomenen und lokalen Geheimnissen.

Filmkritiker loben das Werk als Öko-Thriller, der die reale Angst vor dem Klimawandel und der Ausbeutung der Natur mit den lokalen UFO-Legenden kreuzt. Für Bugarach bedeutete die Ausstrahlung einen virtuellen Tourismus-Boom. Die Serie zeigt das Dorf ungeschminkt: als einen Ort zwischen den Welten, an dem die Grenze zwischen rationaler Wirklichkeit und dem Unerklärlichen so dünn ist wie die Bergluft auf 1.230 Metern Höhe. 2026 wurde eine zweite Staffel der Kultserie angekündigt.

Foto: Hilke Maunder
Der Lac de la Vène und der Pech de Bugarach, Foto: Hilke Maunder

Bugarach: meine Reise-Info

Wanderung auf den Bugarach

Auf die höchste Spitze der Corbières führen mehrere Wanderwege. Hier gibt es Infos und Impressionen.

Les Sauveurs du Terroir

• 161, rue du Faubourg, 11190 Bugarach,  Tel. 04 68 69 87 59, auf Facebook

Bugarach: Sauveurs du Terroirs. Foto: Hilke Maunder
Les Saveurs du Terroirs. Foto: Hilke Maunder

Hier könnt ihr schlafen*

 
Bugarach: Kühe auf der Weide vor dem Pech de Bugarach. Foto: Hilke Maunder
Herbst am Pech de Bugarach. Bis der erste Schnee fällt, weiden die Kühe in der freien Natur. Foto: Hilke Maunder

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Im Buch

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadtbesucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2024 in der 10. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

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