Kommt mit in die Calanques von Marseille!

Die Calanques-Küste bei Marseille

Angelina Jolie und Brad Pitt ließen sich für ihren Film „By the Sea“ 2015 von einer abgelegenen Bucht im Osten von Marseille inspirieren, mitten in den Calanques. „Calanco“ bedeutet im Provenzalischen „zerklüftet“, und das ist die Küste bis nach Cassis in geradezu paradiesischer Schönheit. Wie an einer Perlenkette reihen sich mal kleine, mal majestätische, von Klippen überragten Buchten aneinander. Kiefern klammern sich an den Fels, Zikaden zirpen, Türkisblau und glasklar ist das badewarme Wasser.

2011 wurde das Naturschutzgebiet zum einzigen Nationalpark Frankreichs geadelt, der sowohl Land- wie Meereszonen schützt. Die „Cabanons“, die Fischer einst als einfache hölzerne Hütten in Callelongue, der ersten Calanque im Massiv de Marseilleveyre, sind heute gefragte Feriendomizile. Im ihrem kleinen „port de plaisance“ dümpeln bunte „pointu“, bunte Fischerboote. Wenige Kilometer von der Canebière entfernt ist vom turbulenten Großstadtleben nichts mehr zu spüren. Und doch seid ihr noch mitten in Marseille – denn die Calanques gehören komplett zum Stadtgebiet.

Dort baute der Ingenieur Denis Creissels eine Attraktion, deren Konzept bis heute futuristisch wirkt: eine Seilbahn, deren gelbe Kabinen unter Wasser fuhren. Mit der 1967 eingeweihten Téléscaphe de Callelongue konnten je sechs Ausflügler pro Kabine auf einer 400 m langen Strecke zehn Minuten lang zehn Meter tief ins Meer eintauchen und die Unterwasserwelt entdecken. 30.000 wagten es – und waren begeistert. Doch die hohen Unterhalts- und Betriebskosten sorgten dafür, dass die weltweit einzigartige Anlage bereits im Mai 1968 schließen musste.

Die Highlights der Calanques von Marseille

Nachdem ich bereits von Cassis einmal in die Calanques gestartet war, ging’s diesmal vom anderen Ende in die mediterrane Fjordwelt: vom Vieux Port in Marseille. Dort starten zwei- und dreistündige Touren.

Wer kein Französisch spricht, erhält Mappen mit deutscher bzw. englischer Übersetzung des Törns, der außerordentlich beeindruckend ist.

Vieux Port

Die ältesten Siedlungsspuren von Massalia wurden rund um den Vieux Port gefunden, der größten Felsbucht der Provence. Ursprünglich hieß sie zu Ehren einer Göttin der Liguren Lacydon. Und genau hier landeten vor 26 Jahrhunderten die Phokäer. Der Volksstamm aus Kleinasien richtete einen Handelshafen ein. Er wurde zur zentralen Drehscheibe im damaligen Mittelmeerraum  – ein melting pot der Antike.

Direkt auf den alten Hafen trifft die Canebière, Marseilles berühmter, 1000 m langer Boulevard. Als dort statt des Verkehrs noch ein Wasserlauf floss, wurde beiderseits auf den Feldern Hanf für die Herstellung von Seilen und Schleiern gepflanzt. Sie gaben der einstigen Prachtstraße ihren Namen – Canabiera bedeutet auf Occitan Hanffelder.

Hoch über dem Ostufer des Vieux Port erhebt sich Notre Dame de la Garde (1853 – 1864), die wie Sacré-Cœur von Paris romanische und byzantinische Einflüsse verschmilzt – die Aussicht vom Wahrzeichen auf seinem 162 m hohen Hügel ist atemberaubend!

Am Westufer gleiten wir vorbei am gentrifizierten Altstadtviertel Le Panier vorbei hin zur Festung Saint-Jean, die ihren Namen von einer Bruderschaft aus Jerusalem erhielt, die sich im 12. Jahrhundert dort niederließ. Unter König René erhielt sie ihren quadratischen Turm, unter Ludwig XIV. den Aussichtsturm des Fanal.

Ebenfalls unter dem Sonnenkönig entstand am gegenüber liegenden Ufer die Festung Saint-Nicolas. Gemeinsam bildeten sie ein wehrhaften Bollwerk zum Schutz des Hafens. Als Napoleon 1852 nach Marseille kam, war er völlig fasziniert von Marseille. Underrichtete prompt auf einem Felssporn mit Blick auf die Reede, den Hafen und die Stadt den Palais du Pharo, eine perfekte Kopie des Palastes von Königin Eugénie in Biarritz.

Château d’If und die Frioul-Inseln

Zwei Seemeilen vom Anleger entfernt erheben sich vier kleinen, karstige Felsinseln von Frioul im Mittelmeer. Zum Archipel gehören die beiden Hauptinseln Pomègues (Süden) und Ratonneau (Norden), der Winzling Ratonneau im Westen und die Île d’If  im Osten. Sie hat Alexandre Dumas weltberühmt gemacht hat. Im wuchtigen Schloss, Staatsgefängnis für drei Jahrhunderte, saß neben Protestanten, Feinden der Monarchie und der Republik auch der Graf von Monte Christo ein.

Cap Croisette

Ein Steinkreuz war Namensgeber für das Kap am äußersten Ende der Halbinsel, vor dem ganz nah zum Festland die Insel Maïre liegt – hinüber zu schwimmen ist kein Problem! Den winzigen, geschützten Hafen nutzt die Ferienorganisation UCPA für ihr Tauchcamp, zu dem ein paar helle Häuschen gehören. Neben der Flora könnt ihr unter Wasser auch ein Wrack aus dem Jahr 1902 entdecken: MS Liban.

Archipel de Riou

Maïre, Jarre, Jarron, Plane, Riou und ein paar weitere Felsinselchen im Meer bildeten den 162 ha großen Archipel de Riou, der seit 1992 wegen seiner reichen Flora und Fauna unter Naturschutz steht.

Sormiou

Küstenkletterer zieht es in die 800 m lang und 600 m breite Bucht von Sormiou, wo sie wie Marionetten an Seilen in den steil aufragenden Felswänden hängen. Die malerischen Häuschen, die Fischer ab 1864 hier erbauten, haben bis heute weder fließend Wasser noch Strom. Eine tolle Aussicht auf Bucht und Tal bietet der 285 m hohe Baou-rond.

Morgiou

Kleiner, aber ähnlich ist Morgiou, wo Fischer einst zu großen Tunfisch-Fahrten starteten, der Madrague. In 37 m Tiefe wurde hinter dem Cap Morgiou 1985 die Henri-Cosquer-Höhle. Sie ist übersät ist mit vorzeitlichen Felsmalereien. Einige sind 27.000 Jahre alt. Und gehören damit zu den ältesten der Welt. Damals lag das Meer 170 m weiter im Süden.

Sugiton

Die beiden kleinen Felsbuchten mit Kieselstrand bilden den östlichsten Punkt meines Törns. En-Vau, Port Pin, Port Miou und die Bucht von Cassis folgen… davon mehr hier. Das Wasser in dieser Bucht ist deutlich kälter als in den anderen Calanques, schuld ist daran eine Quelle. Die beiden Buchten sind übrigens klar aufteilt bei den Besuchern: Im Westen wird in Badekleidung die Sonne genossen, im Osten splitternackt….

Infos

…zu den Calanques: www.calanques13.com
Törns in die Calanques: www.croisieres-marseille-calanques.com, Tel. +33 491 58 50 58

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Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas „Provence“

In meinem DuMont-Bildatlas „Provence“ stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten. Specials und Themenseiten verraten euch, welche großen Probleme der Lavendel hat, wo ihr Slow Food genießen – oder ihr ganz aktiv das Sonnenreich im Süden erleben könnt: beim Mountainbiken, Malen, Paddeln, Wandern oder Wildbaden. Hinzu kommen Serviceseiten mit allen Infos, persönlichen Tipps und großer Reisekarte. Wer mag, kann den Band hier * direkt bestellen.

Hilke Maunder: Provence – das Licht des Südens. Ostfildern: DuMont Reiseverlag 2018. ISBN 978-3770193943.

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