Kommt mit in die Calanques von Marseille!

Calanques des Marseille: Calanques-Küste bei Surgiton. Foto: Hilke Maunder
Calanques-Küste bei Surgiton. Foto: Hilke Maunder

Angelina Jolie und Brad Pitt ließen sich für ihren Film „By the Sea“ 2015 von einer abgelegenen Bucht im Osten von Marseille inspirieren, mitten in den Calanques.

„Calanco“ bedeutet im Provenzalischen „zerklüftet“. Und das ist die Küste bis nach Cassis in geradezu paradiesischer Schönheit.

Wie an einer Perlenkette reihen sich mal kleine, mal majestätische, von Klippen überragten Buchten aneinander. Kiefern klammern sich an den Fels, Zikaden zirpen. Türkisblau und glasklar ist das badewarme Wasser.

2011 wurde das Naturschutzgebiet geadelt als bislang erster und einziger Nationalpark Frankreichs, der Land- und Meereszonen schützt. Wenige Kilometer von der Canebière entfernt ist vom turbulenten Großstadtleben nichts mehr zu spüren. Und doch seid ihr noch mitten in Marseille – denn die Calanques gehören komplett zum Stadtgebiet.

Wunderland aus Klippen, Meer, Kiefern und Natur pur… die Calanques von Marseille. Foto: Hilke Maunder

Die Highlights der Calanques von Marseille

Nachdem ich bereits von Cassis einmal in die Calanques gestartet war, ging es diesmal vom anderen Ende in die mediterrane Fjordwelt: vom Vieux-Port in Marseille. Dort beginnen zwei- und dreistündige Touren.

Wer kein Französisch spricht, erhält Mappen mit deutscher bzw. englischer Übersetzung des Törns, der außerordentlich beeindruckend ist.

Ein Fischer verlässt den Vieux-Port von Marseille. Foto: Hilke Maunder

Vieux-Port

Die ältesten Siedlungsspuren von Massalia wurden rund um den Vieux-Port gefunden. Angelegt wurde er in der größten Felsbucht der Provence. Ursprünglich hieß sie zu Ehren einer Göttin der Liguren „Lacydon“.

Genau dort landeten vor 26 Jahrhunderten die Phokäer. Der Volksstamm aus Kleinasien richtete einen Handelshafen ein. Er wurde zur zentralen Drehscheibe im damaligen Mittelmeerraum  – ein melting pot der Antike.

Der Fischmarkt von Marseille. Foto: Hilke Maunder

Direkt auf den alten Hafen trifft die Canebière, Marseilles berühmter, 1000 m langer Boulevard. Als dort statt des Verkehrs noch ein Wasserlauf floss, wurde beiderseits auf den Feldern Hanf für die Herstellung von Seilen und Schleiern gepflanzt. Sie gaben der einstigen Prachtstraße ihren Namen – Canabiera bedeutet auf Okzitan Hanffelder.

La belle mère wacht über den Hafen. Foto: Hilke Maunder

Hoch über dem Ostufer des Vieux-Port erhebt sich Notre Dame de la Garde (1853 – 1864). Wie Sacré-Cœur von Paris verschmilzt „la bonne mère“ romanische und byzantinische Einflüsse. Die Aussicht vom Wahrzeichen auf seinem 162 m hohen Hügel ist atemberaubend!

„La belle mère“: Notre Dame de la Garde. Foto: Hilke Maunder

Am Westufer gleiten wir vorbei am gentrifizierten Altstadtviertel Le Panier vorbei hin zur Festung Saint-Jean, die ihren Namen von einer Bruderschaft aus Jerusalem erhielt, die sich im 12. Jahrhundert dort niederließ.

Unter König René erhielt sie ihren quadratischen Turm, unter Ludwig XIV. den Aussichtsturm des Fanal.

Im Schatten des Fort Saint-Jean könnt ihr zum Vieux-Port auf dieser Promenade laufen. Foto: Hilke Maunder

Ebenfalls unter dem Sonnenkönig entstand am gegenüber liegenden Ufer die Festung Saint-Nicolas.Gemeinsam bildeten sie ein wehrhaften Bollwerk zum Schutz des Hafens.

Als Napoleon 1852 nach Marseille kam, war er völlig fasziniert von Marseille. Prompt errichtete er auf einem Felssporn mit Blick auf die Reede, den Hafen und die Stadt den Palais du Pharo, eine perfekte Kopie des Palastes von Königin Eugénie in Biarritz.

Château d’If. Foto: Hilke Maunder

Château d’If und die Frioul-Inseln

Zwei Seemeilen vom Anleger entfernt erheben sich vier kleinen, karstige Felsinseln von Frioul im Mittelmeer. Zum Archipel gehören die beiden Hauptinseln Pomègues (Süden) und Ratonneau (Norden), der Winzling Tiboulen im Westen von Ratonneau und die Île d’If  im Osten.

Sie hat Alexandre Dumas weltberühmt gemacht hat. Im wuchtigen Schloss, Staatsgefängnis für drei Jahrhunderte, saß neben Protestanten, Feinden der Monarchie und der Republik auch der Graf von Monte Christo ein.

Die Küste beim Cap Croisette. Foto: Hilke Maunder

Auf der Île Ratonneau will der gebürtige Marseiller Designer Ora ïto , der heute in Paris lebt und arbeitet, einen Kindheitstraum realisieren. Dazu hat er bereits 2009 odas von den Deutschen 1943 erbaute Fort de Brégantin samt drei Hektar Land erworben.

Dort will er nun ein Kunstzentrum mit großem Außenbereich erbauen. Ebenfalls geplant ist einÖko-Luxushotel unter der Regie von Gérald Passédat mit rund 30 Zimmern. Auch Ateliers und Wohnungen für artists in residence sind vorgesehen.

Ora ïto & Roland Carta

Als Architekten holte Ora ïto Roland Carta mit an Bord. Carta war u.a. am Bau des MuCEM und der Revitalisierung des Silo beteiligt. Das Investitionsvolumen, so Ora ïto, beträgt rund 20 Millionen Euro.

Cap Croisette

Ein Steinkreuz war Namensgeber für das Kap am äußersten Ende der Halbinsel, vor dem ganz nah zum Festland die Insel Maïre liegt – hinüber zu schwimmen ist kein Problem!

Das Steinkreuz vom Cap Croisette. Foto: Hilke Maunder

Den winzigen, geschützten Hafen nutzt die Ferienorganisation UCPA für ihr Tauchcamp, zu dem ein paar helle Häuschen gehören. Neben der Flora könnt ihr unter Wasser auch ein Wrack aus dem Jahr 1902 entdecken: MS Liban.

Geschützt: der kleine Hafen am Cap Croisette. Foto: Hilke Maunder

Archipel de Riou

Maïre, Jarre, Jarron, Plane, Riou und ein paar weitere Felsinselchen im Meer bildeten den 162 ha großen Archipel de Riou. Er steht seit 1992 wegen seiner reichen Flora und Fauna unter Naturschutz.

Nach dem Archipel wendet sich das Schiff wieder der Küste zu und erreicht mit Callegongue die der erste Calanque im Massiv de Marseilleveyre.

Saint-Julien-des-Goudes. Foto: Hilke Maunder

Calanque de Callelongue

Hoch über Callelongue könnt ihr auf der Steilküste eine Kapelle sehen. Saint-Julien-des-Goudes. Wenig später folgen in der kleinen Bucht eine Handvoll  „Cabanons“. Die einfachen Holzhütten,  die Fischer einst erbauten, sind heute gefragte Feriendomizile.

Im kleinen „port de plaisance“ dümpeln bunte „pointus“, hölzerne Fischerboote. Dort baute der Ingenieur Denis Creissels eine Attraktion, deren Konzept bis heute futuristisch wirkt: eine Seilbahn, deren gelbe Kabinen unter Wasser fuhren.

Blick auf die Calanqueküste hinter dem Cap Croisette. Foto: Hilke Maunder

Mit der 1967 eingeweihten Téléscaphe de Callelongue konnten je sechs Ausflügler pro Kabine auf einer 400 m langen Strecke zehn Minuten lang zehn Meter tief ins Meer eintauchen und die Unterwasserwelt entdecken.

30.000 wagten es – und waren begeistert. Doch die hohen Unterhalts- und Betriebskosten sorgten dafür, dass die weltweit einzigartige Anlage bereits im Mai 1968 schließen musste.

Kletterer in den Klippen von Sormiou. Foto: Hilke Maunder

Sormiou

Küstenkletterer zieht es in die 800 m lang und 600 m breite Bucht von Sormiou, wo sie wie Marionetten an Seilen in den steil aufragenden Felswänden hängen.

Die malerischen Häuschen, die Fischer ab 1864 hier erbauten, haben bis heute weder fließend Wasser noch Strom. Eine tolle Aussicht auf Bucht und Tal bietet der 285 m hohe Baou-rond.

Die Bucht von Sormiou. Foto: Hilke Maunder

Morgiou

Kleiner, aber ähnlich ist Morgiou. Einst starteten Fischer von dort zu großen Tunfisch-Fahrten, der Madrague. Hinter dem Cap Morgiou entdeckten Forscher unter Wasser in  37 m Tiefe 1985 die Henri-Cosquer-Höhle.

Sie ist übersät ist mit vorzeitlichen Felsmalereien. Einige sind 27.000 Jahre alt. Sie gehören damit zu den ältesten der Welt. Damals lag das Meer 170 m weiter im Süden.

Die Calanque von Morgiou. Foto: Hilke Maunder

Sugiton

Die beiden kleinen Felsbuchten mit Kieselstrand bilden den östlichsten Punkt meines Törns. En-Vau, Port Pin, Port Miou und die Bucht von Cassis folgen… davon mehr hier.

Das Wasser in dieser Bucht ist deutlich kälter als in den anderen Calanques. Schuld ist daran eine Quelle.

Die beiden Buchten sind klar aufteilt bei den Besuchern. Im Westen wird in Badekleidung die Sonne genossen, im Osten splitternackt….

Bei Sugiton. Foto: Hilke Maunder

Die Calanque von Marseille: meine Reise-Infos

Zugangsregelung im Sommer

Abhängig von der Witterung ist der Zugang zu den Calanques in drei Risikostufen unterteilt:
Orange : Fußgänger können den gesamten Tag lan das gesamte Massiv betreten.
Rot: Der Zugang ist nur von 6 bis 11 Uhr im 200 Meter breiten Küstenstreifen erlaubt.
Schwarz: Spaziergänge, Fahren und Parken von Fahrzeugen sind verboten.

Info: www.calanques13.com

Karte

IGN, Carte de Loisir de Plein Air, Les Calanque des Marseille à Cassis, Maßstab 1: 15.000

Törns in die Calanques: www.croisieres-marseille-calanques.com, Tel. +33 491 58 50 58

Hier könnt ihr schlafen*
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Blick von Callelongue gen Osten. Foto: Hilke Maunder

Weiterlesen

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Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas ProvenceIn meinem DuMont Bildatlas Provence: Das Licht des Südens* stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten. Specials und

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2 Kommentare

    • Liebe Monika,
      ja, das stimmt… ich lerne noch und würde einfach viel zu viele Fehler noch machen. Ich bin schon am Suchen für ein gutes Plug-In, das Übersetzungen anbietet, aber noch nicht fündig geworden. Hast Du vielleicht einen Tipp? Schöne Pfingsten! Hilke

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