Am Atlantik: Fischerhütten auf Stelzen

Pornic: Felsküste mit Fischerhütte. Foto: Hilke Maunder
Pornic: Fischerhütte an der Felsküste. Foto: Hilke Maunder

Fischer, die hoch auf Stelzen in hölzernen Hütten: Wer hätte gedacht, das ich mich so für ihre Domizile begeistern könnte, zu denen vom Strand aus eine langer Holzsteg hinführt. Ein großes Fenster Richtung Meer, ein quadratisches Netz, das in die Fluten gesenkt wird, und ein paar Taue, um die hölzerne Hütte im Meer gegen die Kraft der Wellen abzusichern.

Baie de Bourgneuf: carrelet (Fischerhütte auf Stelzen). Foto: Hilke Maunder
Die carrelets, die Fischerhütten auf Stelzen der Baie de Bourgneuf. Foto: Hilke Maunder

Wahrzeichen der Westküste

Stundenlang könnte ich sie aus immer neuen Blickwinkeln fotografieren. Filigran hocken sie auf Stelzen über den Fluten des Atlantiks an der Westküste von Frankreich – an der Mündung der Loire wie in der Baie de Bourgneuf oder in Pornic.

Baie de Bourgneuf: carrelet (Fischerhütte auf Stelzen). Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Bislang kannte ich derartige Konstruktionen nur aus Italien – in Apulien als trabucchi, in der Emilia Romagna als padelloni oder bilancioni. Dass auch in Frankreich solche cabanes de pêcheurs seit Jahrhunderten zum Einsatz kommen, habe ich erst an Frankreichs Westküsten erfahren.

Baie de Bourgneuf: carrelet (Fischerhütte auf Stelzen). Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Fischer-Hütten: typisch am Atlantik

Le Carrelet heißen sie an den Küsten von Charente-Maritime und der Gironde-Mündung. In der Vendée und an der Loire-Mündung sollen diese traditionellen Angelhütten immer weniger genutzt werden.

Zu gerne würde ich es einmal sehen und erleben, wie die Fischer-Hütten betrieben werden. Oder was in den großen Fangnetzen landet.

Baie de Bourgneuf: carrelet (Fischerhütte auf Stelzen). Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Das stürmische Ende der Fischer-Hütten

Baie de Bourgneuf: carrelet (Fischerhütte auf Stelzen). Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

1999 zerstörte ein großer Sturm 600 dieser traditionsreichen Fischereieinrichtungen. Nur 450 durften als “Bauwerke in der See” wieder hergestellt werden. Doch kaum standen sie, demolierte sie Xynthia sie am 26. Februar 2010 erneut.

Die carrelets von Royan haben inzwischen fast durchgängig die Nutzung von Fischerei auf Freizeit geändert. Foto: Hilke Maunder
Die carrelets von Royan haben inzwischen fast durchgängig die Nutzung von Fischerei auf Freizeit geändert. Foto: Hilke Maunder

Neue Nutzungen

Auch in Royan säumen die carrelets die Küste. Dort sind sie beliebte Mini-Oasen von Großstädtern, die sie aufgekauft und saniert haben. Ihre neue Nutzung: Freizeit. Vögel beobachten. Lesen in aller Ruhe. Und Sonnenbalkon für den abendlichen Apéro zum Sonnenuntergang.

rüher Fischerhütte, heute Freizeitoase: die carrelts von Royan. Foto: Hilke Maunder
Früher Fischerhütte, heute Freizeitoase: die carrelets von Royan. Foto: Hilke Maunder

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St-Brévin-de-Pins: Fischerhütten an der Loire-Mündung
St-Brévin-de-Pins: Fischerhütten an der Loire-Mündung. Foto: Hilke Maunder

St-Brévin-de-Pins: Fischerhütte an der Loire-Mündung

Auch in Talmont findet ihr die Fischerhütten auf Stelzen, die typisch sind für die Küsten der Charentes und Vendée. Foto: Hilke Maunder
Auch in Talmont findet ihr die Fischerhütten auf Stelzen, die typisch sind für die Küsten der Charente-Maritime und Vendée. Foto: Hilke Maunder

 

Merci fürs Teilen!

2 Kommentare

  1. So jetzt an der richtigen Stelle:
    Hallo Hilke,
    zunächst herzlichen Dank für deine tolle, hilfreiche Seite.
    Bei der Frage, wie die Fischerhütten betrieben werden und was gefangen wird, kann ich dir eine Antwort geben. Während der Flut werden kleine Fische, ähnlich den Anchovis, in Frankreich sind das die Éperlan (eine kleine Stintart), gefangen.
    Das geht so: Das viereckige Netz wird auf den Grund herabgelassen, dann wird mit einem Mehl-Wasser-Gewürz Gemisch, jeder Fischer hat sein Geheimrezept, angefüttert, ein paar Minuten gewartet und dann wird das Netz möglichst schnell aus dem Wasser hochgezogen. Das geschieht mittels einer Kurbel im Handbetrieb.
    Wenn man Glück hat, sind dann hunderte von diesen Éperlan im Netz.
    Die werden ausgenommen, mehliert, gesalzen und frittiert. Das nennt sich dann “friture d’éperlan” und wird mit einem Knoblauch-Dip serviert – köstlich. Dazu ein Muscadet sur lie aus der Gegend von Nantes – perfekt. Wir haben diese Fischchen während eines Urlaubs in Saint Brevin les Pins selbst gefangen.
    Viele Grüße
    Heinz Bruns Rhede/NRW

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  1. Impressionen von der Île de Noirmoutier - Mein Frankreich

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