Vaux de Cernay: ein Sonntag mit Flair

Die Abtei von Cernay. Foto: Deike Uhtenwoldt
Die Abtei von Cernay. Foto: Deike Uhtenwoldt

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch?

Diesmal antwortet Deike Uhtenwohldt


Frühling, Freundschaft, Frankreich: „Was möchtest du tun?“, fragt mich Catherine, die ich für ein paar Tage im Speckgürtel von Paris besuche. Wir sitzen auf ihrem Balkon, den Blick halb ins Grüne, halb auf das Nebengebäude gleicher Machart gerichtet. „Vielleicht Versailles besuchen oder das Louvre?“ Mich schaudert es. Nichts gegen Museen und Königspaläste, aber mir ist einfach nicht nach Gigantomanie,

Un dimanche à la campagne

Nicht an einem solch sonnigen Sonntag, strahlend, duftend, verführerisch. „Ich möchte dahin, wo die Franzosen ihren Sonntag verbringen, nicht die Touristen. Irgendwo in Ruhe und Frieden auf dem Land“, sage ich und muss an den längst vergessenen Film „Un dimanche à la campagne“ denken. Wie würde der Impressionist Auguste Renoir die Szene einfangen?

Catherine hat sich über ihr Tablet gebeugt und in Windeseile Veranstaltungsseiten und Ausflugstipps durchkämmt. „Ich hab‘s“, ruft sie und wischt über zugewachsene Klosterruinen, weite Parkanlagen und einladende Restaurantbetriebe: Abbaye de Cernay, eine ehemalige Zisterzienserabtei irgendwo an der Grenze zwischen den Diözesen Paris und Chartres.

„Lassen Sie sich von dem Mysterium dieses Ortes und der besonderen Kraft seiner Architektur verzaubern“, wirbt die Webseite. Ich blicke auf einen Sonnenstrahl, der durch eine fensterlose große Rosette fällt und befinde: „Das ist wie Gott in Frankreich am Sonntag.“ Auf nach Cernay! Perfekt!

Die Abtei von Cernay. Foto: Deike Uhtenwoldt
Die Abtei von Cernay. Foto: Deike Uhtenwoldt

Oder fast. Schon bei der Parkplatzsuche merken wir, wir sind nicht die einzigen mit dieser Idee. Am Eingang stehen wir Schlange und zahlen acht Euro Eintritt pro Person für die Abtei Vaux de Cernay.

Catherine braucht jetzt erst mal einen Kaffee. Auf der Sonnenseite der Gartenterrasse genießen festlich gekleidete Franzosen den letzten Akt vom Brunch, es riecht nach frischen Waffeln und Kaffee.

Ist aber leider eine geschlossene Gesellschaft, wir müssen in den Schatten auf die kalten, blauen Eisenstühle. Mich fröstelt und die Bedienung hat alle Zeit der Welt. Wieso sich für einen Kaffee die Beine ausreißen, wenn sie rechts und links von uns Calvados und Canapés mit Lachs bestellen.

Die Abtei von Cernay. Foto: Deike Uhtenwoldt
Die Abtei von Cernay. Foto: Deike Uhtenwoldt

Endlich können wir weiter, rüber an die besonnte Seeseite „des vaux“, was Täler bedeutet, über eine kleine verfallene Kapelle in den ehemaligen Mönchssaal. Vor der französischen Revolution schrieben in den Vaux de Cernay gerade noch zwölf Mönche ihre sakralen Texte ab.

Nun sind es Hochzeitsgesellschaften, die Carpaccio, Entenbrust und Schneckenpfännchen verspeisen. Auf den vormals weißen Tischdecken zeichnen sich Baguettekrümel und Rotweinflecken ab.

Die Abtei von Cernay mit ihrer Kapelle. Foto: Deike Uhtenwoldt
Die Abtei von Cernay mit ihrer Kapelle. Foto: Deike Uhtenwoldt

Ich denke: Was für ein perfekter Ort im Dienste profaner Genüsse. Alles, was nicht verfallen ist, gehörte einst der Baronin Charlotte de Rothschild und heute zur Hotellerie. Auf dem Rückweg überholen uns Luxuslimousinen.

Ich überlege, wozu wir acht Euro Eintritt bezahlt haben und tröste mich mit einem aktiven Beitrag zum Denkmalschutz. Merke: Perfektion schickt man am besten in den Urlaub, sonst wird man nie glücklich. War doch wirklich ein wunderschöner Sonntag mit echt französischem Flair!

Die Abtei von Cernay. Foto: Deike Uhtenwoldt
Cernay. Foto: Deike Uhtenwoldt

Der Beitrag von Deike Uhtenwohldt ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran: 

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