Charolais-Rinder auf einer Weide bei Charolles. Foto: Hilke Maunder

Ausflüge im Charolais: Gipfelglück und Kalköfen

Wer durch den Charolais fährt, sieht zuerst die Rinder: weiße Punkte im Grün der gewellten Weiden. Weiße Punkte am Bach. Unter einem Baum im Stoppelfeld. Weiße Punkte, überall, wohin das Auge blickt in dieser weiten Bocage-Landschaft des Départements Saône-et-Loire.

Bäuerlich und ursprünglich zeigt sich hier Burgund im Süden. Und immer wieder voller Überraschungen und toller Ziele, die sich hier zwischen Hecken und Hügeln eröffnen. Zwei von ihnen haben mir im Umland von Charolles besonders gefallen: ein Gipfel mit Fernblick bis zu 52 Kirchtürmen und drei rote Schornsteine, die letzten ihrer Art in Frankreich.

Von Mont zur Butte de Suin

Mont ist ein Winzling, ein Weiler mit 163 Einwohnern. Ein Straßendorf, das man schnell durchfährt. Wären da nicht plötzlich vor der wettergegerbten Fassade eines Hofes diese Hortensien, groß, leuchtend, voller Farben, die gesamte Hauswand entlang. Das Auge stutzt, bleibt am Lavendel hängen – und erblickt plötzlich die ganze Schönheit der Umgebung von Charolles.

Und genau hier, in diesem stillen Weiler fernab der Hektik der Stadt, beginnt eine wunderschöne Wanderung. In rund zwei Stunden führt die mittelschwere, 6,6 Kilometer lange Runde hinauf zur Butte de Suin und überwindet dabei 206 Höhenmeter. Unterwegs kann man mit etwas Glück Eichelhäher, Spechte, Elstern und Wiedehopfe beobachten und immer wieder neue Ausblicke genießen.

Maria im Granit

Das Wanderziel der Butte de Suin entpuppt sich als ein 593 Meter hoher Hügel. Während des Zweiten Weltkriegs errichteten die Deutschen auf dem Hügel zwei Aussichtstürme, von denen noch Reste übrig sind. Die Kirche Notre-Dame-de-l’Ascension wurde im 12. Jahrhundert im Stil der Romanik erbaut und wird nicht nur für Messen, sondern auch für Konzerte genutzt.

Ein Pfad führt zur Statue der Jungfrau Maria, die sich   – vier 4 Meter hoch und 2,5 Tonnen schwer – inmitten von Granitfelsen erhebt. Die Maria ist eine Nachbildung der Jungfrau von Fourvière und kam 1883 aus Lyon zur Butte de Suin. Wenig weiter führt eine schmale Treppe mit 20 Stufen zu einem Orientierungstisch, der die Bergspitzen ringsum anzeigt.

Kirchtürme und Bergspitzen

Von hier oben aus offenbart sich ein herrliches Panorama. Ihr seht das Charolais im Westen, den Mont Saint-Vincent und Montceau-les-Mines im Nordwesten, die Landschaften der Chalonnaise im Nordosten, den Clunysois im Osten, den Mont Saint-Cyr und die Ausläufer des Beaujolais im Süden. 52 Glockentürme sind an klaren Tagen zu sehen. Wen wundert es da, dass schon die Kelten hier eine Siedlung errichteten, die bis zum 16. Jahrhundert bestand?

Tipp

Während des Festivals Musique en Charolais-Brionnais finden auf der Butte de Suin Konzerte statt,

Das Geheimnis der drei Öfen: die fours à chaux von Vendenesse

Nicht weit entfernt erzählt ein zweites Ziel die Geschichte einer vergangenen Industrie im Charolais. Bei Vendenesse-lès-Charolles ragen drei 24 Meter hohe Schornsteine aus rotem Backstein in den Himmel. Sie sind die letzten fours à choux und einzigen Kalköfen Frankreichs, die im Land noch erhalten sind.

Die drei Öfen wurden zwischen 1879 und 1881 erbaut und waren bis in die 1960er-Jahre in Betrieb. In ihnen wurde Kalkstein gebrannt, um Kalk für die Landwirtschaft zu gewinnen. Verfügbarkeit von Nährstoffen für Pflanzen zu erhöhen. Kalk neutralisiert saure Böden, verbessert die Bodenstruktur und sorgt dafür, dass Nährstoffe bessert verfügbar sind.

Lebendiges Denkmal

1998 wurden die Kalköfen als historisches Denkmal eingestuft und von 1999 bis 2002 umfassend restauriert. Der Verein zum Schutz der Kalköfen von Vendenesse-lès-Charolles kümmert sich seither um den Erhalt der Anlage und ihre Öffnung für die Öffentlichkeit.

Wer will, kann die Öfen auf eigene Faust besichtigen oder an einer Führung teilnehmen. Erläuterungstafeln informieren über die Geschichte der Kalkgewinnung und die Funktionsweise der Öfen. Während der Saison von Juni bis Oktober finden Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen und andere Veranstaltungen statt.

Abwechslungsreiche Familienwanderung

Hin zu diesem seltenen Industrieerbe führt von der Maison du Charolais in Charolles der Chemin du bocage et des fours à chaux. Die sechs Kilometer lange Runde für Wanderer, Reiter und Mountainbiker bietet immer wieder herrliche Ausblicke den bocage des Charolais, einer hügeligen Landschaft mit alten Bäumen und großen Weiden, die niedrige Hecken säumen. Und mittendrin: die Rinder des Charolais.

Nach dem kleinen Weiler Les Pacauds folgt die Route dem Lauf der Semence, erreicht die Kalköfen und anschließend Collonges und kehrt dann oberhalb des Tales zurück nach Charolles: ein Ausflug für die ganze Familie!
• Les Fours à Chaux, Collanges, 71120 Vendenesse-lès-Charolles, Tel. 07 89 06 23 57 (Jean Marc Tery) oder 06 21 87 07 46 (Chantal Robert), https://foursachaux71120.fr.
Hinkommen: Bahnhof in Paray-le-Monial, Bahnbus bis zur Gare de Charolles; ab da zu Fuß, per Rad oder anderem Gefährt.

Zwei Wege, zwei typischen Seiten des Charolais. Und die Erkenntnis, dass dieser zauberhafte Landstrich im Süden Burgunds noch viele weitere Überraschungen bereithält, die es zu entdecken gilt! Und wer einmal Charolles besucht, sollte diesen beiden Ausflüge nicht verpassen!

Charolais: meine Reise-Tipps

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