Bettentest: Château du Mont Joly
Hoch über Dole thront das Château du Mont Joly auf den Höhen von Sampans, einer kleinen Gemeinde ganz in der Nähe der Autobahnen A 36 und 39, und verspricht eine genussvolle Auszeit in einem großzügigen Anwesen aus dem 18. Jahrhundert.
Nur sechs Kilometer trennen das historische Herz von Dole vom Château du Mont Joly. Sanft ansteigend führt die auf der Route Nationale 5 den Hang hinauf nach Sampans. Im Dorf angekommen, führt eine Stichstraße zu einem eisernen Tor mit steinernen Pfeilern. Dahinter öffnet sich ein gepflasterter Vorplatz, zur Linken begrenzt von flachen Wirtschaftsgebäuden. Geradeaus erhebt sich die cremefarbene Fassade einer klassischen Maison de maître aus dem 18. Jahrhundert mit einem zentralen, vorgezogenen corps de logis und symmetrischen Seitenflügeln und dem tonfarbenen Dach.
Das Haus
Das Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert. Ein wohlhabender Anwalt aus Dole ließ es damals errichten – mit großzügigen Räumen und repräsentativer Ausstattung seinen Aufstieg sinnfällig zu zeigen. Lange gehörte das Anwesen einer Familie der Franche-Comté, verfiel und versank, wie so viele solcher Häuser, in einen Dornröschenschlaf. Erst Ende der 1990er-Jahre erwachte es und wurde restauriert. 2007 übernahmen es Catherine und Romuald Fassenet und modernisierten es so, wie ihr es heute erlebt: als Pilgerziel für Feinschmecker, das kein Luxushotel von der Stange ist, sondern ein Haus mit Seele.
Die Zimmer

Sieben Zimmer birgt ihr Anwesen, und alle liegen im ersten Stock. Hinauf führt eine breite, original erhaltene Eichentreppe. Die Zimmer tragen keine Nummern, sondern verweisen mit ihren Namen auf natürliche Zutaten, die hier auf den Tisch kommen: Framboise (Himbeere), Cerise (Kirsche), Prune (Pflaume), Mocha (Mokka), Marjolaine (Majoran), Réglisse (Lakritz) und Cannelle (Zimt).

Alle Zimmer sind geräumig, alle blicken in den Park. Große Fenster holen das Grün des 2,5 Hektar großen Parks ins Innere, in dem ihr in einem unbeheizten Pool eure Bahnen ziehen könnt. Eichenholz und helle Wände schaffen eine Atmosphäre zwischen elegantem Landgut und zeitgenössischem Design-Hotel. Flachbild-TV, Schließfach und Klimaanlage in den meisten Zimmern sowie hochwertige Pflegeprodukte im Bad sind Standard.

Die Gastgeber
Ohne Catherine und Romuald Fassenet wäre das Château du Mont Joly ein hübsches Landhaus wie viele andere. Mit ihnen ist es ein ganz besonderer Wohlfühlort. Doch wer sind die beiden?
Der Koch: Romuald Fassenet
Romuald Fassenet lernte kochen, weil er es nicht lassen konnte. Mit 15 Jahren stand er erstmals neben Jean-Charles Douard vom Restaurant Le Commerce in Poligny. Nach der Ausbildung am Lycée Hôtelier H. Friant in Poligny (1987–1993) folgte der Wehrdienst in Paris, wo er im Matignon, dem Palais des Premier Ministre, unter Christopher Muller am Herd stand.
Nach seiner Militärzeit verfeinerte der 22-Jährige sein Handwerk als chef de partie bei Manuel Martinez in La Tour d’Argent in Paris, wechselte in Paris zu Alain Solivérès von Les Élysées Vernet und ging dann nach einer kurzen Stippvisite in Annecy nach New York, um als chef de cuisine in La Bonne Soupe, einem französischen Bistro in Manhattan, zu kochen.

Auch in den USA blieb er nicht lange, kehrte nach Frankreich zurück und wurde sous-chef bei Jean-Paul Jeunet im gleichnamigen Zweisterne-Restaurant in Arbois. Dort traf er zur Jahrtausendwende auf Catherine, seine spätere Frau, und ihre erste Tochter Valentine wurde geboren. 2002 eröffnete das Paar sein gemeinsames Restaurant: Le Bec Fin in Dole.
2004 wurde Romuald Fassenet als Meilleur Ouvrier de France ausgezeichnet und erhielt damit höchste handwerkliche Anerkennung, die Frankreich zu vergeben hat. 2006 folgte der erste Michelin-Stern, den Romuald Fassenet seitdem beständig bestätigt hat – seit 20 Jahren. 2007 zog die Familie nach Sampans und eröffnete noch im selben Jahr ihr Gourmethotel Château du Mont Joly.
Als Präsident des Teams France Bocuse d’Or definiert Romuald Fassenet 2019 ein ehrgeiziges Ziel: Frankreich aufs Siegertreppchen zu bringen. Er suchte neue Partner, mobilisierte Gelder und gewann Emmanuel Macron als ersten französischen Staatschef, der je den Bocuse d’Or besuchte. Sechs Jahre später, 2025, holte Küchenchef Paul Marcon 30 Jahre nach seinem Vater Paul Gold für Frankreich.

Die Sommelière: Catherine Fassenet
Romuald Fassenet ist der Profi am Herd, Catherine Fassenet die Expertin im Keller. Als Tochter eines Weingutsbesitzers aus Château-Chalon im Herzen des Jura ist sie zwischen Reben und Cuvées aufgewachsen, ehe sie sich zur Sommelière ausbilden ließ. 2024 kürte Gault&Millau sie zur besten Sommelière der Region Bourgogne-Franche-Comté.
Denn Schwerpunkt der Weinkarte bilden erlesene Tropfen aus dem Jura. Rund 70 Referenzen von vin jaune mit den wichtigsten Namen der Appellation sind gelistet – Macle, Berthet-Bondet, Puffeney, Rolet, Jacques Tissot, Fruitière de Voiteur, Pêcheur, Baud und Dugois. Die Jahrgänge reichen von 1982 bis 2000, die Preise von rund 70 bis 220 Euro pro clavelin. Auf der Karte zu finden sind auch die Weine ihrer Schwester Marie-Pierre Chevassu, die in Château-Chalon preisgekrönten vin jaune vinifiziert.
Dazu kommen 82 weitere Jura-Referenzen: Blanc, Rouge, Crémant, Vin de Paille und Macvin. Mehr als 90 Positionen, sauber aufgeführt nach alter Schule, listet die Karte bei den Burgunderweinen: eine Seite Blanc, eine Seite Côte de Beaune, eine Seite Côte de Nuits. Internationale Crus, die Catherine aus persönlicher Überzeugung auswählt – wie den Châteauneuf-du-Pape von Laurent Charvin – runden das Angebot aus dem Keller ab.
Die Küche

Der moderne Speisesaal öffnet sich mit breiten Panoramafenstern zum Park. Doch bevor es dort hineingeht, wird der Apéritif gerne in der Hausdiele genossen. Zum prickelnden Crémant du Jura ( brut ) von Jacques Tissot werden raffinierte amuses-bouches gereicht: eingelegte Rote Bete mit Forelle und Karotte, eine Tartelette mit Tomate und Zitrusfrüchten, schließlich ein crémeux aus Comté mit vin jaune.

Am Tisch bringt ein Teller mit Kirschtomaten, Senfmousse-Eis und Verveine-Soße, begleitet von einem vin jaune von Catherines Schwester, den Sommer auf den Punkt. Ein Chardonnay-Savagnin vom Domaine des Carlines leitet zum Fisch über.

Beim Omble Chevalier, einem Wandersaibling aus den klaren Gewässern des Jura, zeigt sich die technische Meisterschaft von Romuald Fassenet, danach ebenso beim Bressehuhn, dem signature dish des Sternekochs. Perfekt dazu passt der vollmundige Rotwein Les Rougelots von von Fréderic Lambert, Winzer in derAOP Côtes du Jura in Le Chateley.


Die Käseplatte präsentiert die besten Käsesorten der Region vom Comté bis zum Aschekegel des Valençay. Ein leichter Obstsalat zum Abschluss – ein rundum gelungenes dîner !


Viel nostalgischer, intimer und entspannt-gemütlich ist das morgendliche Frühstück in der einstigen Landhausküche – auch von hier könnt ihr einen Blick auf den Park erhaschen.

Château du Mont Joly: meine Wertung
Top
- außergewöhnlich: die Lage und Atmosphäre des Schlosses
- sehr freundlicher Service, der auch Englisch spricht
- herausragende Kombination von Küche und Keller: ein Meilleur Ouvrier de France, seit 20 Jahren ein Michelin-Stern und die beste Sommelière weit und breit unter einem Dach
- Romuald Fassenets Küche verbindet technische Präzision mit echter Emotion – kein Menü wirkt konstruiert. Catherines Weinkarte ist ein vin jaune-Paradies mit Tiefgang. Die individuelle Weinauswahl überrascht mit echten Entdeckungen und folgt nicht dem Mainstream.
- Die sieben Zimmer: ruhig, stilvoll, mit Park-Blick.
- Frühstück im ehemaligen Küchenraum: ein charmant nostalgisches Ritual, das Angebot ist vielfältig und lokal
Flop
- Nur sieben Zimmer bedeuten: Wer spontan anreist, hat fast keine Chance.
- Hier und da wird auf Bewertungsplattformen kritisiert, dass man die Gäste im Nachbarzimmer hören könne – ich habe dies nicht bemerkt.
- Der Pool bleibt unbeheizt – für einen 4-Sterne-Betrieb dieser Klasse eine Kleinigkeit, die auffällt.

Gesamtwertung
Das Château du Mont Joly ist kein Ort für eine schnelle Übernachtung. Es ist ein Refugium, das Genuss mit Entschleunigung, Stil und Service verbindet, unaufdringlich und diskret. Romuald und Catherine Fassenet haben aus einem verfallenen Landhaus im Jura etwas geschaffen, das schwer zu beschreiben ist: ein Haus, in dem Küche, Keller und Gastlichkeit ineinandergreifen und ihr Landhaus zu einem jener Wohlfühlorte macht, wie sie heute selten geworden sind. Wer einmal unter dem Stern von Sampans gespeist und geschlafen hat, kommt wieder. Versprochen.
• 6, rue du Mont Joly · 39100 Sampans Tel. 03 84 82 43 43, www.chateaumontjoly.com
Offenlegung
Mein Bettentest erfolgte im Rahmen einer Gruppenpressereise, organisiert von Jörg Hartwig PR mit Unterstützung des regionalen Fremdenverkehrsamtes. Einfluss auf meine Blogberichte hat die Einladung nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.
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Im Blog
Alle getesteten Unterkünfte stellt euch meine Rubrik Bettentest vor. Noch mehr Reise-Inspirationen für das Département Jura gibt es hier. Sämtliche Ziele und Themen, die ich in meinem Online-Magazin nach Départements und Regionen vorstelle, findet ihr zentral vereint auf dieser zoombaren Karte.
Im Buch
Klaus Simon, Hilke Maunder, Roadtrips Frankreich*
In diesem gemeinsamen Werk mit Klaus Simon stelle ich euch die schönsten Traumstraßen zwischen Normandie und Côte d’Azur vor. 14 Strecken sind es – berühmte wie die Route Napoléon durch die Alpen oder die Route des Cols durch die Pyrenäen, aber auch echte Entdeckerreisen wie die Rundtour durch meine Wahlheimat, dem Fenouillèdes.
Von der Normandie zur Auvergne, vom Baskenland hin zu den Stränden der Bretagne und dem wunderschönen Loiretal laden unsere Tourenpläne ein, Frankreich mobil zu entdecken – per Motorrad, im Auto, Caravan oder Wohnmobil. Hier* gibt es das Fahrtenbuch für Frankreich!
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