Die neue Collection Pinault von Paris

Die Bourse de Commerce im Hallenviertel birgt ab 2019 die Kunstsammlung der Collection Pinault. Foto: Hilke Maunder
Die Bourse de Commerce im Hallenviertel birgt ab 2021 die Kunstsammlung der Collection Pinault. Foto: Hilke Maunder

Erst ging er nach Venedig, holte einen japanischen Architekten mit ins Boot und verwandelte den Palazzo Grassi und das einstige Zollamt Punta della Dogana an der Spitze der Giudecca in Zentren der Gegenwartskunst: François Pinault.

Nun hat der Luxusmagnat mit seinem Hausarchitekten Tadao Ando in Paris seit 2017 ein weiteres historisches Juwel zum Mekka der Kunst verwandelt.

Kunst in der Warenbörse

2020 war der Umbau der Warenbörse in ein imposantes Privatmuseum  abgeschlossen. Doch die Pandemie verhinderte immer wieder die Eröffnung der Collection Pinault in der einstigen Bourse de Commerce des Hallenviertels. Erst Ende Mai 2022 konnte Pinaults persönlicher Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst im Zentrum von Paris eröffnen.

Der Rundbau der einstigen Getreidebörse setzt mit seinem neoklassizistischen Äußeren einen markanten Gegenpol zu La Canopée, dem revitalisierten Verkehrsknoten von Le Châtelet-Les Halles mit seinem geschwungenen Dach.

Zwischen den beiden Architekturikonen erstreckt sich der neu angelegte Jardin Nelson Mandela. Mit der Einweihung der Sammlung wurde der nächste Meilenstein der jahrzehntelangen Sanierung des Bauchs von Paris vollendet.

Der Rundbau zwischen den Nummern 40 und 42 der Rue du Louvre war zuletzt Sitz der regionalen Handelskammer und damit Gastgeber für eine Vielzahl von Messen, Konferenzen und anderen Veranstaltungen.

Millionenschwerer Umbau

108 Millionen Euro investierte Pinault in den Umbau und erhielt dafür 50 Jahre Mietgarantie für seine Collection Pinault. Die Stadt Paris freut sich über jährliche Mieteinnahmen von rund sechs Millionen Euro.

Sketch von Tadao Ando. ©Tadao Ando. Courtesy Collection Pinault – Paris.
Sketch von Tadao Ando. ©Tadao Ando. Courtesy Collection Pinault – Paris.

Die Seele berühren

Von außen verrät wenig, wie sehr sich das Innere verändert hat für das Museum. Für Nicolas Le Camus de Mézières, der vor mehr als 250 Jahren den Bau in Anlehnung an das Pariser Pantheon entwarf, galt die Maxime: “Es genügt nicht, den Augen zu gefallen, man muss die Seele berühren”.

1977 beschrieb Ando seine Architektur ganz ähnlich als “einen fundamental emotionalen Raum”. Bei der Renovierung wollte er den vielen historischen Schichten des Gebäudes ein neues Leben einhauchen.

Dazu erhielt es einen neuen Kern aus Beton: einen Zylinder, der das vorhandene Volumen des Raumes stört und neue Möglichkeiten eröffnet, sich darin zu bewegen. Als neues Herz verbindet er zwei Wände – und zwei Epochen.

Um diesen Zylinder führt als große Spirale vom Untergeschoss mit dem neuen Auditorium vorbei an den Ausstellungsflächen hinauf in den dritten Stock.

Neue Ausblicke auf Paris

Dort endet euer Besuch mit einem atemberaubenden Panorama – von der Stadt auf der einen Seite und dem Inneren des Gebäudes, seinem Oberlicht und den Fresken auf der anderen Seite.

Die eindrucksvolle Kuppel aus Gusseisen erhielt die einstige Getreidemarkthalle bei einem Umbau im Jahr 1813.  Ihr Architekt Bélanger war einer der ersten, der sich an solche riesigen Kuppeln wagte. Ihm zur Seite stand ein Schüler aus Köln, der später an der Gare du Nord eine ebenfalls imposante Dachkonstruktion aus Gusseisen schaffen sollte: Jakob-Ignaz Hittorf.

Zurück geht es auf dem gleichen Weg. Oder über die Doppelwendeltreppe, das als Überbleibsel aus der Vergangenheit des Gebäudes an die einstige Halle au Blé erinnert.

Sketch von Tadao Ando. ©Tadao Ando. Courtesy Collection Pinault – Paris.
Sketch von Tadao Ando. ©Tadao Ando. Courtesy Collection Pinault – Paris.

Intim & monumental

In Paris werden mehr als 3000 Kunstwerke gezeigt. Die rund  3000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche besteht dabei aus mehreren Modulen von 100 bis 600 Quadratmetern, die je nach Ausstellung unabhängig voneinander oder kombiniert genutzt werden können.

Dank ihrer flexiblen Größe schaffen sie mal intime Räume, dann wieder Hallen für monumentale Arbeiten. Große Installationen, Malerei, Skulptur, Video oder Fotografie: Alle Genres, so Pinault, werden in seiner Pariser Sammlung  gezeigt.

Ein Auditorium mit 300 Plätzen für Konferenzen, Symposien, Vorführungen, Konzerte und  eine Black Box für die Präsentation von Videoinstallationen, Performances und experimentelle Formen ergänzen die Ausstellungsräume.

Visualisierung: et : Besucher auf der neuen Besuchergalerie unterhalb der Kuppel. © Artefactory Lab; Tadao Ando Architect & Associates ; NeM / Niney & Marca Architectes; Agence Pierre-Antoine Gatier. Courtesy Collection Pinault – Paris.
Besucher auf der neuen Besuchergalerie unterhalb der Kuppel.
© Artefactory Lab; Tadao Ando Architect & Associates ; NeM / Niney & Marca Architectes; Agence Pierre-Antoine Gatier. Courtesy Collection Pinault – Paris.

Einfach Kunst: die Küche der Bras

Auch kulinarisch zeigt die Collection Pinault allerbeste Kunstfertigkeit. Für die Küche zeichnet das Vater-Sohn-Gespann Michel und Sébastien Bras verantwortlich. 2017 hatte Sébastien Bras Schlagzeilen gemacht, als der damals 46-Jährige seine Sterne zurückgab, um wieder stress- und sorgenfrei kochen zu können.

Fast 20 Jahren lang hatte Michelin das Gourmetrestaurant Le Suquet in Laguiole mit drei Sternen bedacht. 1999 hatte der Vater diese Auszeichnung ins Aubrac geholt.

Bei der Eröffnung ihres Café Bras im Musée Pierre Soulages von Rodez haben beide betont, was ihnen heute beim Kochen wichtig ist: eine einfache Küche, die ihre Wurzeln in der Region hat.

Doch auch die Tradition ist in ständiger Bewegung, sie bewegt sich vorwärts, sie verändert sich, sie lebt. “Hier, an diesem zeitgenössischen Ort, werden wir diese Küche zum Leben erwecken.” Die Maxime der Bras in Rodez ist auch das Motto von Paris.

Gefällt euch dieser Beitrag? Helfen euch die Infos? Dann sagt merci – ich freue mich über eure Unterstützung. Fünf Möglichkeiten gibt es. Und auch PayPal.

Weiterlesen

Mein Reiseführer: Baedeker Paris*

Baedeker Paris 2018Monatelang recherchierte und texte ich, feilte Dr. Madeleine Reincke als Redakteurin im Verlag am Band. Bis mein Baedeker „Paris“* in der ersten Staffel des völlig neu konzipierten Reiseführer-Klassikers erschien.
„Tango unter freiem Himmel: Die Stadt der Liebe: Der neue Reiseführer ‚Paris‘ zeigt – neben Sehenswürdigkeiten – besondere Orte für Höhenflüge, romantische Momente wie ‚Tango unter freiem Himmel‘ und unvergessliche Dinners. Dazu gibt’s viele Kulturtipps…“  schrieb die Hamburger Morgenpost über meinen Paris-Führer, der viele neue Elemente enthält.

Zu den Fakten, neu und unterhaltsamer präsentiert, gibt es jetzt auch Anekdoten und Ungewöhnliches, was ihr nur im Baedeker findet. Und natürlich ganz besondere Augenblicke und Erlebnisse, die euren Paris-Aufenthalt einzigartig und unvergesslich machen. Wer mag, kann meinen Paris-Reiseführer hier* bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps, neue Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von Lichterkunst in Bordeaux’ U-Boot-Basis bis zu Wanderungen unter Wasser. Und damit ihr Frankreich noch besser versteht, gibt es natürlich auch viel  Hintergrund zu Frankreich und seinen Menschen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Hier könnt ihr schlafen*

Booking.com

* Durch den Kauf über den Referral Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du diesen Blog unterstützen und werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Merci fürs Teilen!

2 Kommentare

    • Leider steht der offizielle Eröffnungstermin noch nicht fest, liebe Alice. Aber dann: sofort! Zumal das gesamte Hallenviertel sich gerade neu als Herz von Paris erfindet! Liebe Grüße, Hilke

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.