Angoulême: die Comic-Hauptstadt

Angoulême: Street Art im Comic-Stil schmückt die Wände der Stadt. Foto: Hilke Maunder
Angoulême: Street Art im Comic-Stil schmückt die Wände der Stadt. Foto: Hilke Maunder

Auf einem Hügel 100 m hoch über der Charente thront die Stadt, die Balzac in “Verlorene Illusionen” literarisch verewigte: Angoulème Doch daran erinnert sich heute kaum noch jemand. Umso präsenter sind die Bücher, die der Stadt Weltruhm verschafften: Comics.

Blick von der Oberstadt von Angoulême an der Charente
Angoulême liegt an der Charente. Ab bier ist der Fluss schiffbar – das freut Hausboot-Kapitäne. Foot: Hilke Maunder

Ihren Helden begegnet ihr bereits auf den Hauswänden. Anlegt wurde der Stadtspaziergang der Sprechblasen-Kunst von der Cité de Creátion. Mehr als 20 Comic-Wandbilder begegnen euch unterwegs. Folgt ihm mit dieser Übersicht!

Legendäre  Comic-Künstler wie Hergé („Tim und Struppi“) und René Goscinny („Asterix“) hat Angoulême sogar mit Straßennamen geehrt.

André Franquin und Moebius wurden Namensgeber für öffentliche Gebäude. Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo wurde die zentrale Place des Halles in Place Charlie umbenannt.

Angouleme: Comic. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Cannes des Comic

Comiczeichner, -verleger und Fans treffen sich seit 1974 im Winter zum Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême („Internationales Comicfestival von Angoulême“) .

2018 hatte das Festival für Schlagzeilen gesorgt, da keine einzige Frau als Anwärterin für den Grand Prix nominiert worden war.

In den letzten Jahren hat es nur eine Frau ein einziges Mal geschafft, den renommierten Preis einzuheimsen: Claire Brétecher. Am 11. Februar 2020 verstarb die Zeichnerin aus Nantes in Paris.

Angouleme: Comic. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Museumsreife Sprechblasen

Als 1974 ein paar Comic-Verrückte die erste Comic-Messe auf die Beine stellten, war Angoulême für die meisten Besucher noch ein unbeschriebenes Blat. Und die bande dessiné als Kunst nicht anerkannt.

Wer als Eltern damals auf eine gute Erziehung achtete, verbot damals auch in Frankreich seinen Kindern ein solches Medium.

Angouleme: Comic. Foto: Hilke Maunder
Comic-Banner am Eingang der MarkthalleFoto: Hilke Maunder

Doch die Karriere des Comics ließ sich nicht aufhalten. 1977 adelte Hergé mit seinem Besuch die kleine, feine Veranstaltung. Heute lässt die Comic-Kultur Angoulême das ganze Jahr brummen.

Hier ist mit der Cité Internationale de la Bande Dessineé Europas ältestes – und bestes – Comic-Museum daheim. Eine angesehene Kunsthochschule bildet den Nachwuchs aus.

Angouleme. Foto: Hilke Maunder
Das Comicmuseum befindet sich direkt an der Charente. Foto: Hilke Maunder

Netzwerk für Comic- und Digital-Kultur

Nahtstelle zwischen Forschung, Bildung und Wirtschaft ist seit 1999 der Pôle Image Magelis. Ähnlich wie die in Deutschland geförderten Cluster, vernetzt der Pôle Unternehmen und Kreative aus den Bereichen Comics, Computergraphik, Computergames, Animation und Internet.

Angoulême hat sich dadurch nicht nur als Hochburg der Comic-Kultur, sondern auch für digitale Medien etabliert. Das reflektiert auch das Stelldichein der Politiker, die das Festival im Januar stets besuchen.

Angouleme: Comic. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Comic-Land Frankreich

Mehr als 5.500 neue Comic-Bücher erscheinen heute jedes Jahr auf dem französischsprachigen Markt. Die Startauflagen sind um ein Vielfaches höher als in Deutschland.

Absoluter Spitzenreiter ist Asterix. Mehr als vier Millionen Mal wurde bislang der Asterix-Band 33 “Gallien in Gefahr” seit 2005 aufgelegt.

36 Millionen Comics wandern jährlich über den Ladentisch. Rechtzeitig vor der großen Sommerpause stellt der Branchenverband ACBD die 20 indispensable de l’été vor, die 20 wichtigsten Titel des Jahres als Lektüre für die Ferien.

Angouleme: Comic. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Auch das geht: Comic-Journalismus

Mit der Revue Dessinée hat die neunte Kunst auch den Journalismus erreicht. Die “gezeichnete Zeitschrift” greift quartalsweise im Comic-Stil Themen aus Wirtschaft und Politik, Kultur und Gesellschaft auf.

Mit einer Auflage von 20.000 Stück wird die Zeitschrift in Buchform exklusiv über Relay vertrieben sowie in Leihbibliotheken ausgelegt. Digital findet ihr sie auf zum Preis von 5,99 Euro auf den Online-Plattformen IzneoSequencity, Bdbuzz und Scopalto.

Foto: Hilke Maunder

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Denkmal in Angoulême. Foto: Hilke maunder
Foto: Hilke Maunder

Angoulême: die Oberstadt. Foto: Hilke Maunder

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Die Kathedrale von Angoulême. Foto: Hilke Maunder
Die Kathedrale von Angoulême. Foto: Hilke Maunder

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