Angoulême: die Comic-Hauptstadt

Angoulême liegt an der Charente
Angoulême liegt an der Charente. Ab bier ist der Fluss schiffbar - das freut Hausboot-Kapitäne

Auf einem Hügel 100 m hoch über der Charente thront die Stadt, die Balzac in „Verlorene Illusionen“ literarisch verewigte: Angoulème Doch daran erinnert sich heute kaum noch jemand. Umso präsenter sind die Bücher, die der Stadt Weltruhm verschafften: Comics. Ihren Helden begegnet ihr bereits auf den Hauswänden. Anlegt wurde der Stadtspaziergang der Sprechblasen-Kunst von der Cité de Creátion. Mehr als 20 Comic-Wandbilder begegnen euch unterwegs. Folgt ihm mit diesem Plan!

„Réalité, sortie de secours“: 1999 verewigte Marc-Antoine Mathieu an der Rue de Beaulieu die beiden Männer auf der Rückwand des Collège Jules Vernes.

Legendäre  Comic-Künstler wie Hergé („Tim und Struppi“) und René Goscinny („Asterix“) hat Angoulême sogar mit Straßennamen geehrt. André Franquin und Moebius wurden Namensgeber für öffentliche Gebäude. Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo wurde die zentrale Place des Halles in Place Charlie umbenannt.

Zum 32. Festival International de la Bande Dessinée 2005 wurde diese Wand am Boulevard Pasteur 43 mit Titeuf von Zep eingeweiht.
Boulevard Pasteur 43: Titeuf von Zep

Cannes des Comic

Comiczeichner, -verleger und Fans treffen sich seit 1974 im Winter zum Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême („Internationales Comicfestival von Angoulême“) – 2019 vom 24.-27 Januar bereits zum 46. Mal. 2018 hatte das Festival für Schlagzeilen gesorgt, da keine einzige Frau als Anwärterin für den Grand Prix nominiert worden war. 2019 soll alles besser werden, versprach damals der Festivalleiter. Doch in den letzten Jahren hat es nur eine Frau ein einziges Mal geschafft, den renommierten Preis einzuheimsen: Claire Brétecher

Dem Corto Maltese von Hugo Pratt begegnet ihr an der Ecke Rue de Beaulieu und Rue du Petit Saint-Cybard

Museumsreife Sprechblasen

Als 1974 ein paar Comic-Verrückte die erste Comic-Messe auf die Beine stellten, war Angoulême für die meisten Besucher noch ein unbeschriebenes Blatt und die „bande dessiné“ als Kunst nicht anerkannt. Wer als Eltern damals auf eine gute Erziehung achtete, verbot damals auch in Frankreich seinen Kindern ein solches Medium.

Doch die Karriere des Comics ließ sich nicht aufhalten. 1977 adelte Hergé mit seinem Besuch die kleine, feine Veranstaltung. Heute lässt die Comic-Kultur Angoulême das ganze Jahr brummen. Hier ist mit der Cité Internationale de la Bande Dessineé Europas ältestes – und bestes – Comic-Museum daheim. Eine angesehene Kunsthochschule bildet den Nachwuchs aus.

Das Comic-Museum liegt direkt am Fluss.

Netzwerk für Comic- und Digital-Kultur

Nahtstelle zwischen Forschung, Bildung und Wirtschaft ist seit 1999 der Pôle Image Magelis. Ähnlich wie die in Deutschland geförderten Cluster, vernetzt der Pôle Unternehmen und Kreative aus den Bereichen Comics, Computergraphik, Computergames, Animation und Internet.

Angoulême hat sich dadurch nicht nur als Hochburg der Comic-Kultur, sondern auch für digitale Medien etabliert. Das reflektiert auch das Stelldichein der Politiker, die das Festival im Januar stets besuchen.

Selbst am Eingang zur Markthalle ist die Comic-Kultur präsent

Comic-Land Frankreich

Mehr als 5.500 neue Comic-Bücher erscheinen heute jedes Jahr auf dem französischsprachigen Markt. Die Startauflagen sind um ein Vielfaches höher als in Deutschland. Absoluter Spitzenreiter ist Asterix. Mehr als vier Millionen Mal wurde bislang der Asterix-Band 33 „Gallien in Gefahr“ seit 2005 aufgelegt.

36 Millionen Comics wandern jährlich über den Ladentisch. Rechtzeitig vor der großen Sommerpause stellt der Branchenverband ACBD die „20 indispensable de l’été“ vor, die 20 wichtigsten Titel des Jahres als Lektüre für die Ferien.

Die Comic-Empfehlung für den Sommer 2018. Copyright: ACBD

Auch das geht: Comic-Journalismus

Mit der Revue Dessinée hat die neunte Kunst auch den Journalismus erreicht. Die „gezeichnete Zeitschrift“ greift quartalsweise im Comic-Stil Themen aus Wirtschaft und Politik, Kultur und Gesellschaft auf. Mit einer Auflage von 20.000 Stück wird die Zeitschrift in Buchform exklusiv über Relay vertrieben sowie in Leihbibliotheken ausgelegt. Digital findet ihr sie auf zum Preis von 5,99 Euro aufden Online-Plattformen IzneoSequencityLe kioskBdbuzz und Scopalto.

Angoulême: die Oberstadt
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