Compiègne: das grüne Herz der Picardie
Dort, wo die Aisne in die Oise mündet, versteckt sich das grüne Herz der Picardie: Compiègne – eine Kleinstadt, die Weltgeschichte schrieb. Und dennoch hat Compiègne – trotz der Nähe zu Paris, die immer mehr Pendler und Neubürger anzieht – bis heute eine charmant beschauliche Gelassenheit bewahrt.
Vor 14.000 Jahren erstreckte sich während der Eiszeit hier noch eine Steppe, die Rentiere bevölkerten. Das Eis wich zurück, die Menschen kamen, errichteten Dörfer, bauten 50 v. Chr. in der römischen Antike eine Straße und eine Furt namens Compendium, legten später Mühlen und Schmieden, Weinberge und Getreidefelder an auf fruchtbarem Kalkboden sowie fünf Häfen für Holz, Gips und Wein. Ende des 9. Jahrhunderts vergrößerte der karolingische König Karl II. der Kahle die Stadt und nannte sie Carlopolis. Die Könige von Frankreich machten sie anschließend zu ihrer Sommerresidenz, zu einem Machtzentrum und zu einem Jagdgebiet.

Glockenschläge der Feinde
Überschaubar und kompakt erstreckt sich das historische Zentrum rund um das spätgotische Rathaus aus der Zeit Ludwigs XII. Sein Wahrzeichen ist ein hoher Turm, der auf den ersten Blick an die Belfriede Nordfrankreichs erinnert -– und doch keiner ist. Seine Stars thronen in 49 Metern Höhe: Langlois in Rot, Lansquenet in Grün, Flandrin in Blau. Die drei Jacquemarts – mechanische Figuren aus bemalter Eiche – schlagen seit 1530 unermüdlich die Viertelstunden.
Ein Engländer, ein Deutscher, ein Flame – Compiègne machte die drei symbolischen Feinde Frankreichs zu den Wächtern der Stadt. Marc Lebaillif schnitzte die aktuelle, fünfte Generation im September 2003 aus über 200 Jahre altem Eichenholz. Jede der 130 Zentimeter hohen Figuren kostete 250 Arbeitsstunden präziser Handwerkskunst.
Die Geschichte der Jacquemarts spiegelt Compiègnes Umgang mit der Vergangenheit wider: Nichts wird weggeschlossen, alles wird gezeigt. Die Vorgänger der dritten Generation – weibliche Allegorien von Mond, Sonne und Sternen aus den Jahren 1768 bis 1865 – ruhen ehrenvoll im ersten Stock des Musée Antoine Vivenel. Das Rathaus selbst beherbergt das Museum für historische Figuren und das Office de Tourisme. Den Vorplatz hat in den letzten Jahren viel Grün erobert. Mitten drin ragt eine Statue von Jeanne d’Arc. Die Fahne in der Hand, gibt sie sich kämpferisch – und erinnert daran, dass sie die belagerte Stadt einst rettete.

Die Fêtes Johanniques
Ihr zu Ehren feiert Compiègne seit 1973 jährlich im Mai die Fêtes Johanniques. Am 23. Mai 1430 war Jeanne d’Arc nach der gescheiterten Befreiung von Paris in Compiègne von den Burgundern als Vasallen der Briten gefangen genommen worden. Mit dem großen Stadtfest halten Les Compagnons de Jehanne als Organisatoren die Erinnerung an sie lebendig.
Das Fest findet meist an einem Wochenende im Parc Songeons und in der Innenstadt statt. Mittelalterliche Märkte mit Handwerkern und Händlerzelten erwachen zum Leben. Die Kostüme nähen die Mitglieder der Compagnons liebevoll selbst – ehrenamtlich und voller Stolz.
Troubadour-Musik erklingt durch die Gassen, Theater- und Feuershows mit Reitkunst, Tanz und Kampfvorführungen begeistern Jung und Alt. Der Höhepunkt ist der große Fackelumzug am Samstagabend, bei dem die Figur Jeanne d’Arcs in glänzender Rüstung durch die Straßen zieht. Der Sonntag beginnt mit einer feierlichen Messe in der Kirche Saint-Jacques, gefolgt von einer Kranzniederlegung am Jeanne d’Arc-Denkmal vor dem Rathaus.
Saint-Jacques – Pilgerkirche mit blutiger Reliquie

Nur wenige Schritte vom Rathaus entfernt öffnet sich die Pforte der Pfarrkirche Saint-Jacques, deren Ursprünge ins 12. Jahrhundert reichen, doch erst seit dem 15. Jahrhundert wacht ihr Turm über die Dächer der Altstadt. Eine päpstliche Bulle hatte den Bau am 24. Januar 1207 genehmigt. Heute gehört Saint-Jacques als Teil des Jakobswegs nach Santiago de Compostela zum Welterbe der UNESCO.

Kunstvolle Figurenschmuckelemente verweisen auf den Apostel Jakobus und die jahrhundertealte Pilgertradition. Im südlichen Chorumgang bewahrt die der Jungfrau Maria gewidmete Kapelle einen der kostbarsten Schätze der Stadt: einen Schleier in einem Champlevé-Emaille-Schrein, der mit dem Blut Jesu befleckt sein soll, das am Fuße des Kreuzes auf Maria herabfiel. Diese verehrte Reliquie stammt angeblich aus dem Schatz Karls des Großen – ein Geschenk des byzantinischen Kaisers Konstantin VI. Geschichte, Legende und Glaube, eng verwebt.
Das Quartier de la Gare

Das Ufer der Oise ist die Freizeitmeile der Stadt. Hier treffen sich Jogger und Spaziergänger, und Fischer werfen ihre Angeln ins träge fließende Wasser. Auf den Rasenflächen wird gepicknickt, gelesen und gesonnt, und von den Uferbänken schweift der Blick hinüber zum anderen Ufer, wo Compiègne sein neues Gesicht zeigt: im Quartier de la Gare.
Abertausende Sonnenreflexe tanzen auf der Oise, während sich strahlend weiß ein Hotelneubau in den Fluten spiegelt: Als Drei-Sterne-Hotel mit 104 Zimmern, zwei Restaurants und einer Rooftop-Bar symbolisiert es den Übergang vom historischen Stadtkern zum neuen, multifunktionalen Stadtviertel. Bis 2035 wird der Bahnhof für 50 Millionen Eur in einen modernen, multimodalen Verkehrsknotenpunkt verwandelt, eingebettet in nachhaltiges Wohnen, Arbeiten und Leben.
Das Architekturbüro GAUTIER+CONQUET leitet das Projekt zusammen mit den Partnern D’Ici Là, SETEC, EODD, FILIGRANE und ECO+CONSTRUIRE. Ihr Plan verbindet Bahn, Bus, Fahrrad, Auto zu einem Mobilitätsnetzwerk für täglich 10.000 Passagiere. 110 bewachte Fahrradstellplätze, zwei neue Parkhäuser mit insgesamt 600 Stellplätzen und umgestaltete Grünflächen weist der Masterplan aus.
Auch eine neue Eisenbahnlinie zum Flughafen Charles-de-Gaulle, die ab 2028 in Betrieb gehen soll, soll die Mobilität und Wirtschaftskraft der Region erheblich stärken: Compiègne als historische Drehscheibe stellt sich für die Zukunft neu auf.
Das Château de Compiègne – Kaiserschloss zwischen Rokoko und Revolution

Zurücks ans linke Ufer der Oise. An den östlichen Rand der historischen Innenstadt setzte Hofarchitekt Jacques-Ange Gabriels eine imposante Sommerresidenz für Ludwig XV. Unter Ludwig XVI. wurde der Bau vollendet – ein imposanter Prunkbau zwischen Rokoko und Klassizismus.
Doch seine Wurzeln liegen tiefer. Bereits Karl V. (1338-1380) erkannte die strategische Bedeutung Compiègnes und initiierte im 14. Jahrhundert den Bau einer königlichen Residenz. Von den Merowingern über die Karolinger, Kapetinger und Valois bis hin zu den Bourbonen ließen sich hier alle Dynastien Frankreichs nacheinander nieder. Ende des 9. Jahrhunderts hatte schon der karolingische König Karl II. der Kahle die Stadt zur Carlopolis ausgebaut.
Napoleon I. ließ das Schloss nach der Revolution restaurieren und machte es zu einer seiner Residenzen. Die Führungen zeigen heute die offiziellen Privatgemächer, darunter die authentisch eingerichteten Schlafzimmer von Napoleon I. und Marie-Louise. Jeder Raum erzählt von der Pracht und den politischen Intrigen des Ancien Régime und des Ersten Kaiserreichs.

Besondere Liebe hegten Napoleon III. und Kaiserin Eugénie für Compiègne. Das Paar verbrachte hier die glücklichsten Jahre des Zweiten Kaiserreichs. Eugénie war dem Schloss so emotional verbunden, dass sie Teile ihres späteren Exils nach diesem Ort benannte. Das Museum des Zweiten Kaiserreichs, untergebracht in den ehemaligen Gemächern der Marschälle und wichtigen Persönlichkeiten, vermittelt anhand von Gemälden und Kunstgegenständen einen intimen Eindruck vom höfischen Leben.
Ausgestellt ist auch die Uniform von Napoléon Eugène Louis Jean Joseph Bonaparte , des einzigen Sohnes von Kaiser Napoléon III. und Kaiserin Eugénie. Der junge Prinz fiel am 1. Juni 1879 während des Zulukriegs in Südafrika (damals Zululand, heute Teile von KwaZulu-Natal) in einer Schlacht gegen Zulukrieger. Der Schmerz der Mutter über den Verlust ihres einzigen Kindes ist bis heute in den Räumen der Kaiserin zu spüren.

Das Schloss beherbergt auch das 1927 gegründete Musée national de la Voiture . Pferdekutschen aus dem 17. Jahrhundert stehen neben Kraftfahrzeugen des frühen 20. Jahrhunderts. Kutschen, kleine, Phaetons genannte offene Herrenkutschen mit Verdeck, Cabriolets, Sediolen und Sänften aus Frankreich, Italien und Asien dokumentieren nicht nur technologische Fortschritte, sondern auch gesellschaftliche Hierarchien.
Die prunkvollen sechs- oder achtspännigen Gespanne mit ihren Lederbezügen und Stickereien verdeutlichen, dass Mobilität jahrhundertelang ein Privileg der Oberschicht war. Besonders reizvoll ist die Fahrrad-Abteilung: Draisinen, Hochräder und Velozipede zeigen die demokratische Revolution der individuellen Fortbewegung.
Das Théâtre impérial
Erst gut 100 Jahre nach dem Schloss begann 1867 der Bau des kaiserlichen Theaters. Napoleon III. wollte dort seine Hofgesellschaft während der Aufenthalte in Compiègne unterhalten. Auguste-Gabriel Ancelet entwarf die Pläne und wählte als Gelände das ehemalige Karmeliterkloster, das er mit einer überdachten Galerie mit dem Schloss verband.
Die Märtyrerinnen von Compiègne
Das Kloster hatte während der Französischen Revolution für Schlagzeilen gesorgt: Am 17. Juli 1794 waren 16 Karmelitinnen aus Compiègne in Paris von der Guillotine geköpft worden, weil sie sich geweigert hatten, ihre Ordensgelübde aufzugeben. Bereits 1790 hatte die revolutionäre Regierung die Aufhebung der Ordensgelübde verfügt, doch die Schwestern blieben ihrem Glauben treu. Eine Zeit lang versteckten sie sich in Zivilkleidung, kehrten aber zu ihrem klösterlichen Leben zurück. Priorin Theresa vom heiligen Augustinus (Geburtsname Madeleine-Claudine Ledoine) und ihre Gemeinschaft erneuerten täglich ihren „Akt der Aufopferung für die Rettung Frankreichs“.
Am 21. Juni 1794 wurden sie verhaftet, weil sie weiterhin als Ordensfrauen lebten und königstreue Sympathien hegten. Nach einer Haft in einem Pariser Kloster wurden sie am 17. Juli zum Tod verurteilt. Vor ihrer Hinrichtung erneuerten sie ihre Gelübde, sangen geistliche Lieder und gingen singend zum Schafott – ein Zeugnis unerschütterlichen Glaubens. 1906 wurden die 16 Märtyrerinnen von Papst Pius X. seliggesprochen. Papst Franziskus verfügte 2024 ihre Verehrung als Heilige. Ihr Gedenktag ist der 17. Juli. Ihre Geschichte inspirierte Gertrud von Le Fort zur Novelle „Die Letzte am Schafott“, Georges Bernanos zum Drama „Die begnadete Angst“ und Francis Poulenc zur Oper Les Dialogues des Carmélites.
Die Architektur des Théâtre Impérial ist typisch für das Zweite Kaiserreich: Zum einen wurden moderne Materialien wie Metall für das Dach verwendet, dann wieder traditionelle Baustoffe wie Holz und Stein für den Innenraum.
Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 und der Sturz Napoleons III. stoppten den Bau und sorgten dafür, dass die Innenausstattung unvollendet blieb. So wurden beispielsweise die geplanten Deckenmalereien von Élie Delaunay nie ausgeführt. Einige Dekorationen, darunter Skulpturen von Gustave Crauk, sind jedoch erhalten geblieben.
Erst 1991 wurde das Theater nach umfassender Restaurierung wiedereröffnet. Seine Akustik ist berühmt. Für den Dirigenten Carlo Maria Giulini ist sie „eine der perfektesten der Welt, besser noch als die des Wiener Musikvereins, der doch als Referenz in dieser Hinsicht gilt“.
Der Schlosspark
Den Schlosspark von Compiègne ließ Napoleon I. von Nicolas-Antoine Berthault als englischen Landschaftspark völlig neu gestalten. Um ihn optisch zu vergrößern, schuf Berthault die Avenue des Beaux Monts. Die vier Kilometer lange Sichtachse führt von der Schlossterrasse durch den Schlosspark tief hinein in den umliegenden Wald von Compiègne. Statuen säumen die breiten Alleen und schaffen Blickpunkte zwischen den alten Bäumen.
Im Frühling entfalten die alten Rosensorten ihre Pracht: Damaszener-, Centifolia-, Gallica– und Noisettiana-Rosen duften zwischen kunstvoll geschnittenen Buchsbaumhainen. Iris, Orientalische Mohnblumen, Virginia-Ephémères und Pfingstrosen übernehmen das Farbspiel im Verlauf der Jahreszeit. 1867 ließ Napoleon III. eine Purpurbuche pflanzen. Mit einem Umfang von 3,60 Metern und einer Höhe von 25 Metern zählt sie heute zu den Höhepunkten des Schlossparks.
Ein besonderes Kleinod wird derzeit restauriert: eine prächtige, 1.400 Meter lange Metalllaube, geschmückt mit Kletterpflanzen. Diese „Wiege der Kaiserin“ entstand 1811 eigens für Marie-Louise, die Frau Napoleons I., damit sie beschattet bis zum Wald wandeln konnte. Das Office National des Forêts ( ONF ) arbeitet an der Wiederherstellung dieses romantischen Bauwerks. 2004 wurde der Park als jardin remarquable und damit als „bemerkenswerter Garten“ ausgezeichnet.
Die Forêt de Compiègne – Frankreichs drittgrößtes Waldgebiet

Im Süden und Osten der Stadt beginnt die Forêt de Compiègne mit ihren alten Eichen- und Buchenbeständen und breitet sich bis nach Pierrefonds aus. Zusammen mit den Wäldern von Laigue im Nordosten und Retz im Südosten bildet der Staatswald ein Gebiet von insgesamt 32.000 Hektar. Streng genommen umfasst der Wald von Compiègne selbst 14.485 Hektar und ist damit nach Orléans und Fontainebleau das drittgrößte Waldgebiet Frankreichs.
Die verschiedenen Könige Frankreichs, die hier gerne jagten, durchzogen den Wald mit breiten Alleen. Diese geometrische Ordnung macht ihn heute ideal für Spaziergänge und Radtouren. Jede Jahreszeit offenbart neue Facetten: das frische Grün des Frühlings, die kühlenden Schatten des Sommers, die Farbenpracht des Herbstes, die klaren Linien des Winters.
Von Les Bons Monts an der D 130 eröffnet sich ein prächtiger Blick auf das Schloss. Die Fernsicht über die Baumwipfel hinweg verbindet Natur und Architektur zu einem harmonischen Gesamtbild – ein Panorama, das schon die Könige faszinierte.
Die Clairière de l’Armistice – wo Geschichte schmerzt

Sieben Kilometer nordöstlich von Compiègne und rund einen Kilometer vom Ufer der Aisne entfernt liegt eine Lichtung, die zu den schmerzhaftesten Erinnerungsorten Europas gehört: die Clairière de l’Armistice bei Rethondes. Hier unterzeichneten deutsche und französische Delegationen des französischen Generals Foch und des deutschen Zentrumspolitiker Matthias Erzberger am 11. November 1918 den Waffenstillstand, der den Ersten Weltkrieg beendete.

Der requirierte Speisewagen 2419D beherbergte die historische Zeremonie. Lange Zeit war er in einem Unterstand ausgestellt, bis Hitler ihn 1940 herausholen ließ. Am 22. Juni 1940 demütigte der Führer die Franzosen in einer rachsüchtigen Inszenierung – sie mussten an derselben Stelle ihre Kapitulation unterzeichnen. Hitler posierte stolz als Sieger vor dem symbolträchtigen Waggon.

Nach Berlin transportiert, geriet der originale Wagen 1945 in Brand. Nur Fahrgestell und Rampen blieben erhalten und sind im kleinen Musée Wagon de l’Armistice ausgestellt. Der heute sichtbare Wagen 2439D wurde wie der ursprüngliche 1914 hergestellt und im Originalzustand des Waffenstillstandstages von 1918 inszeniert.

Mit Originalfotos aus dem Schützengraben, persönlichen Briefen, historischen Filmaufnahmen, Uniformen, Wappen und einprägsamen Hintergrundsinfos lässt das Museum die Jahre der Grande Guerre hautnah aufleben. Die runde Lichtung erinnert an die Verwundbarkeit des Friedens. Zwischen den Bäumen steht eine Skulptur, die ihn in vielen Sprachen fordert: Paix, Peace, Frieden.
Saint-Jean-aux-Bois

Auf halbem Weg nach Pierrefonds versteckt sich im Herzen der Forêt de Compiègne ein winziges Dorf, das einem Märchen entsprungen scheint: Saint-Jean-aux-Bois. Nostalgische Fassaden, bunte Fensterläden und kunstvoll komponierte Vorgärten, jeder für sich ein kleines Paradies. Ein Torturm, an dessen Gebälk Schwalben ihre Nester gebaut haben, ein weites Grün, eine schlichte Kirche – die Abbatiale de Saint-Jean-aux-Bois.

Vom 12. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution wirkten hier die Benediktinerinnen. Aus dieser Zeit stammt noch der Bauernhof mit Stallungen und Scheunen, heute umgebaut zu Wohnräumen. Einzig die Abteikirche mit ihren Graustufen-Glasmalereien aus dem 12. Jahrhundert zeugt von der spirituellen Vergangenheit des Ortes.
Das heutige Rathaus – die ehemalige Gemeindeschule – blieb unverändert seit 1914, als Maurice Utrillo hier seine Staffelei aufstellte. Der Raum atmet noch immer die Atmosphäre jener Zeit, als der berühmte Maler die Idylle des Waldortes auf die Leinwand bannte

Les Solitaires – die Einsamen
Die Bewohner von Saint-Jean-aux-Bois nennen sich stolz Les Solitaires – die Einsamen. Der Name geht auf das Jahr 1794 zurück, als das Dorf noch La Solitude (die Einsamkeit) hieß. Vor 1652 siedelten hier Holzfäller, die sich über Generationen hinweg in der Waldeinsamkeit niedergelassen hatten. Ihre Nachkommen bewahren heute die besondere Atmosphäre des Ortes.

Compiègne: meine Reise-Tipps
Hinkommen
Bahn
Compiègne liegt an der Bahnlinie Creil-Jeumont und ist perTER mit Paris verbunden. Die Fahrt von der Hauptstadt dauert etwa 42 Minuten, täglich verkehren rund 30 Züge. Der Bahnhof liegt an der Rue de la République, nur 700 Meter vom historischen Stadtzentrum entfernt .
Rad
Die Avenue Verte London-Paris führt direkt über Compiègne. Dieser 470 Kilometer lange, durchgehend beschilderte Radweg verbindet die beiden europäischen Hauptstädte. Von Senlis nach Pontpoint folgt die Strecke teilweise der EuroVélo 3, die als Scandibérique Skandinavien mit dem Mittelmeer verbindet.
Erleben
Festival des Forêts
Seit 1992 verbindet das Festival des Forêts klassische Musik mit der einzigartigen Akustik der Natur. Seine Bühne sind 15 Schauplätze in den Wäldern von Compiègne und Laigue, der Parc Songeons, die Bibliothek Saint-Corneille, das Château de Pierrefonds und andere historische Gebäude. Musikalische bains de forêt verbinden Waldspaziergang und Musikgenuss zu einem Erlebnis für alle Sinne. Symphonische und pyrotechnische Konzerte, intime Kammermusik, Begegnungen mit Künstlern und interaktive Musikprojekte für Kinder sorgen für ein facettenreiches Programm.
• https://festivaldesforets.fr
Schlemmen und genießen
Les Ferlempins
Les Ferlempins oder Polissons (Lausbuben) im alten picardischen Dialekt – das sind die beiden Brüder Antoine und Guillaume, die eine gemeinsame Vision hatten: eine Küche, die ausschließlich auf lokalen und saisonalen Produkten basiert. Nach der gemeinsamen Ausbildung an der renommierten ESCF École Supérieure de la Cuisine Française Ferrandi in Paris hat sich Antoine in verschiedenen Pariser Restaurants zum Chefkoch hochgearbeitet. Guillaume hingegen wurde Maître d’Hôtel und später Weinhändler. Gemeinsam eröffneten sie ihr Restaurant 2016 in Compiègne und begeistern seitdem ihre Gäste mit lackierter Schweinebrust an Kürbismousse mit Zitronengras zum Entree, Perlhuhn in zwei Garstufen, Kartoffelgratin mit Kräutern sowie Karotten mit Salbei im Hauptgang und Apfel-Gurken-Sorbet, Quarkmousse mit Eisenkraut und Feigen zum Dessert.
• 1, cour Guynemer, 60200 Compiègne, www.lesferlempins.fr
Bistro du Terroir
Stephane Caux setzt in seinem gemütlichen Bistro in Rathausnähe auf eine typisch französische, regionale Küche mitFokus auf frischen und hausgemachten Gerichten.
• 13, rue Eugène Floquet, 60200 Compiègne, Tel. 03 44 40 06 36, www.bistrotduterroircompiegne.fr
La Brasserie Parisienne
Pizza, Pasta, Burger, Salate und gute Getränke: Die Karte der Brasserie spielt die Esskultur von heute, das Ambiente erinnert an die großen Pariser Brasserien.
• 17, rue Jean Legendre, 60200 Compiègne, Tel. 03 44 42 29 77, https://labrasserieparisienne.com
Nougatine
Im historischen cloître (Kreuzgang) des einstigen Klosters Saint-Corneille findet ihr diesen elegant-gemütlichen salon de thé, der auf moderne französische Küche mit frischen lokalen Produkten setzt.
• 9, rue Saint-Corneille, 60200 Compiègne
Goodchill Bar
Entspannte, leicht lifestylige Bar am Hafen mit Blick auf die Oise.
• 29, rue du port à bateaux, 60200 Compiègne, Tel. 03 44 97 50 35, auf Facebook zu finden
La Fontaine Saint-Jean
Gegenüber der Steinbrücke – einfaches lokales Bistro, das auch Brot verkauft, Pakete annimmt und Speisen zum Mitnehmen anbietet – der Treffpunkt der Dorfgemeinschaft.
• 21, rue des Plaideurs, 60350 Saint-Jean-aux-Bois., Tel. 03 44 96 22 56, auf Facebook zu finden
Hier könnt ihr schlafen*

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Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.
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