Der Blick von der Corniche Président John Fitzgerald Kennedy gen Osten zur Calanques-Küste. Foto: Hilke Maunder
|

Corniche Kennedy: Marseille 100% Meer

Die Corniche Kennedy oder, wie sie komplett heißt: La Corniche du Président John Fitzgerald Kennedy ist die Bummelmeile von Marseille am silbrig funkelnden Mittelmeer.

Ausgestattet mit breitem Rad- und Fußweg, führt die Promenade direkt entlang am Grande Bleu in Richtung der Calanques, der berühmten Felsküste mit imposanten Fjorden am Mittelmeer. Hier zu flanieren ist einfach herrlich – zumal ihr euch unterwegs immer wieder hinsetzen, ausruhen und in Ruhe nach Herzenslust den Blick schweifen lassen könnt!

1965 wurde sogar der lange Sitzstreifen entlang der Corniche Kennedy in Marseille als „längste Bank der Welt“ ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen. Bis heute gehört der nahezu lückenlose Betonsitzstreifen von rund drei Kilometern Länge zwischen der Plage des Catalans und den Prado‑Stränden zu den längsten öffentlichen Sitzbänken der Welt. Wunderschön: die Mosaiken der Bänke!

Die Corniche Kennedy in Marseille – mit separatem Rad- und Fußweg. Foto: Hilke Maunder
Die Corniche Kennedy in Marseille – mit separatem Rad- und Fußweg. Foto: Hilke Maunder

1848 begannen die Arbeiten an der Panoramastraße, die sich an die Klippen klemmt und immer wieder herrliche Ausblicke auf die Küste und das Mittelmeer eröffnet. Entdeckt prachtvolle Villen, berühmte Restaurants, felsige Klippen und Buchten, in denen noch bunte pointus-Holzboote vertäut sind. Dort, wo seit 1863 zwei Viadukte die Bäche Auffes und Fausse-Monnaie überbrücken, verstecken sich malerische Häfen.

Ein kleiner Tipp:  Klickt beim Betrachten auf die Fotos. Dann werden sie größer!

Beginn der Corniche Kennedy: Plage des Catalans

Beginnt euren Bummel auf der Corniche Kennedy an der Plage des Catalans, dem am besten erreichbaren Strand im Stadtzentrum. Der kleine Strand ist bei Marseillais, Studierenden, Familien und Touristen gleichermaßen beliebt – auch wenn er nicht als der „schönste“ Strand der Stadt gilt.

Er ist wie Marseille: trubelig, laut, sehr gut besucht – und ein beliebter Treff für Beach‑Volleyball und spontane Badegänge nach der Arbeit. Vor der Küste liegen die Frioul-Inseln, nur 100 Meter vom Strand entfernt das Musée Subaquatique de Marseille. Wer es besuchen möchte, braucht eine Taucherausrüstung – oder mindestens Maske und Schnorchel und am besten auch Flossen. In fünf Meter Tiefe findet ihr hier seit 2020 Frankreichs erstes Unterwassermuseum.

Es birgt elf monumentale Skulpturen, die elf Künstler aus pH‑neutralen Marine‑Zement fertigten, die auch als künstliches Riff für Fische und Meereslebewesen dienen sollen. Zu den Künstlern gehören bekannte Namen wie der Marseiller Reisende‑Plastiker Bruno Catalano, der Eisbär‑Künstler Mathias Souverbie, der Seelöwen‑Bildhauer Thierry Trivès sowie Floriane Lisowski mit dem Octo‑cérébrum.

Der Vallon des Auffes

Schmale Treppen führen hinab in die wohl berühmteste Hafenbucht von Marseille. Hier pilgert man zu Jeannot und futtert Pizza auf der Terrasse – oder badet am Eingang der Hafenbucht.

Corniche Président J. F. Kennedy, Marseille. Foto: Hilke Maunder
Der Blick von Malmousque zum Vallon des Auffes mit dem Afrikakriegsdenkmal Porte d’Orient. Foto: Hilke Maunder
Corniche Président J. F. Kennedy, Marseille. Foto: Hilke Maunder
Die seeseitige Zufahrt zum Vallon des Auffes. Foto: Hilke Maunder
Vallon des Auffes. Foto: Hilke Maunder
Hinter dem malerischen Vallon des Auffes ragen Hochhäuser auf. Foto: Hilke Maunder
Vallon des Auffes. Foto: Hilke Maunder
Der geschützte Hafen des Vallon des Auffes. Foto: Hilke Maunder
Vallon des Auffes. Foto: Hilke Maunder
Das Viadukt des Vallon des Auffes. Foto: Hilke Maunder
Vallon des Auffes. Foto: Hilke Maunder
Noch immer prägt Fischerei den Vallon des Auffes. Foto: Hilke Maunder

Malmousque

Malmousque ist ein kleines, dörfliches Viertel im 7. Arrondissement. Seine ruhigen Straßen und Gassen bilden ein wahres Labyrinth. Fast immer führen sie zum winzigen Fischerhafen oder zu den kleinen Buchten an der Strandpromenade.

Corniche Président J. F. Kennedy, Marseille. Foto: Hilke Maunder
Street Art am Port de Malmousque. Foto: Hilke Maunder

jenseits der Bastion von Malmousque und des Ferienheims der Fremdenlegion eröffnet die Anse de Malmousque atemberaubende Blicke auf den Hafen von Marseille, die Île Degaby und die Îles du Frioul mit dem Château d’If.

Gut und günstig könnt ihr im bunten cabanon des Lokals Eau à la Bouche köstliche Pizza aus einer der besten Pizzerien von Marseille genießen – natürlich mit Meerblick!

Corniche Président J. F. Kennedy, Marseille. Foto: Hilke Maunder
Klippenbaden auf der Felsküste von Malmousque. Foto: Hilke Maunder

Anse des Cuivres

Die Anse des Cuivres besteht aus zwei criques, versteckten Kalksteinküstenbuchten – einer westlichen, größeren Bucht mit einer Betondelle, von der ihr ins Wasser gleiten könnt, und einer kleinen Kies‑/Felsbucht weiter östlich. Von hier habt ihr einen sehr schönen, eher ruhigen Blick auf Îles d’Endoume und die Île de Gaby.

Beton statt Fels: An der Anse des Cuivres findet ihr solch versteckte Sonnenplätze. Foto: Hilke Maunder

Anse de la Batterie des Lions

Die Anse de la Batterie des Lions ist eine kleine, ruhige Fels‑ und Kiesbucht an der südlichen Seite der Presqu’île de Malmousque. Ihr Name verweist auf das 18. Jahrhundert, als an diesem Küstenabschnitt eine Küstenbatterie der Artillerie hier zur Verteidigung des Hafens eingerichtet war. Heute ist die Bucht ist ein guter Spot für Schnorcheln und Freitauchen, da die Felsbuchten und Untiefen viele kleine Fische und Meeresbewohner anlocken.

Auch an der Corniche Kenney hat der Street-Art-Künstler
Auch an der Corniche Kennedy hat der Street-Art-Künstler Space Invader ein Werk hinterlassen. Foto: Hilke Maunder

Anse de Maldormé

Direkt unterhalb der Villa Valmer und der berühmten Restaurant‑Terrasse von Le Petit Nice findet ihr diese Bucht mit Kiesstrand und herrlichen Ausblicken auf die Küste! Im Fünfsternehotel Le Petit Nice verwöhnt Dreisternekoch Gérard Passédat seine Gäste.

Die Bucht ist relativ schattig und vom Mistral geschützt, was sie im Sommer zu einem beliebten Bade‑ und Sonnenplatz macht, jedoch auch zu einer der am häufigsten genutzten Calanques der Corniche Kennedy führt. In den letzten Jahren wurden die Ufer hier von Stadt und dem Staat  gemeinsam renaturiert und aufgeräumt, alte Cabanons abgerissen und das Natur-Image der Bucht wiecder hergestellt.

Corniche Président J. F. Kennedy, Marseille. Foto: Hilke Maunder
Le Petit Nice, das Dreisternerestaurant von Gérald Passédat. Foto: Hilke Maunder
Corniche Président J. F. Kennedy, Marseille. Foto: Hilke Maunder
Le Petit Nice und das Viadukt von Fausse-Monnaie. Foto: Hilke Maunder

Anse de la Fausse Monnaie

Die kleine Felsbucht der Anse de la Fausse Monnaie an der südlichen Seite des Vallon d’Endoume ist für viele Marseillais eine der schönsten und romantischsten Oasen entlang der Küste. Von der kleinen, felsigen Calanque mit Kies und flachen Felsen habt ihr herrliche Blick auf das Mittelmeer und das steinerne Viadukt, das über die Bucht hinwegführt.

Ihren ungewöhnlichen Namen erklären zahlreiche Legenden, so heißt es unter anderem, man habe Falschgeld bei der Bauarbeiten des gleichnamigen Viadukts entdeckt. Sicher ist nur, dass Fausso‑mounedo im Provenzalischen „falsche Münze“ bedeutet und schon auf alten Seekarten erscheint.

An der Corniche Kennedy 281 residiert in einem neoklassizistischen, weißenPalais mit imposanten Säule in der einstigen Villa de la Haute-Bord ein Edel-Spa mit Thalasso vom Feinsten.

Edel-Spa: die Thermes Marins Promicea an der Corniche von Marseille
Edel-Spa: die Thermes Marins Promicea an der Corniche Kennedy von Marseille. Foto: Hilke Maunder
Luxusvillen wie diese säumen die Corniche J.F. Kennedy in Marseille. Foto: Hilke Maunder
Luxusresidenzen wie die Villa Gaby säumen die Corniche Kennedy in Marseille. Foto: Hilke Maunder

Wer auf der Corniche Kennedy entlang bummelt, sollte seine Badesachen nicht vergessen. Und vorab online einmal schauen, ob zufällig eine einzigartige Sehenswürdigkeit geöffnet hat, an der ihr jetzt vorbei kommt: der Marégraphe.

Der Marégraphe von Marseille. Foto: Hilke Maunder
Der Marégraphe von Marseille. Foto: Hilke Maunder

Der Marégraphe

Der Marégraphe ist nicht irgendein Pegel, sondern der historische Nullpunkt für ganz Frankreich. Seit 1883 erfasst er die Veränderungen des Wasserspiegels im Mittelmeer. Eingelassen in den dunklen Granit ist ein runder Punkt. Er markiert den Nullpunkt für alle Höhen- und Tiefenmessungen des Landes.

Marseille, Maregraph. Foto: Hilke Maunder
Der Eingang zum Marégraphe an der Corniche Kennedy. Foto: Hilke Maunder
Der Marégraphe von Marseille. Foto: Hilke Maunder
Feinmechanik aus dem 19. Jahrhundert: der Maregraph von Marseille. Foto: Hilke Maunder
Der Gezeitenpegel. Foto: Hilke Maunder
Der offizielle Nullpunkt des Meeresspiegels - im Marégraphe de Marseille ist er in den Boden eingelassen. Foto: Hilke Maunder
Der offizielle Nullpunkt des Meeresspiegels – im Marégraphe de Marseille ist er in den Boden eingelassen. Foto: Hilke Maunder
Die Papieraufzeichnung des Maregraphen. Seit dem Weggang des letzten Wärters im Jahr 1988 wird sie nicht mehr verwendet. Foto: Hilke Maunder
Die Papieraufzeichnung des Maregraphen. Seit dem Weggang des letzten Wärters im Jahr 1988 wird sie nicht mehr verwendet. Foto: Hilke Maunder
Der Marégraphe von Marseille. Foto: Hilke Maunder
Fast alle Bauteile des Maregraphen wurden aus Messing gefertigt. Foto: Hilke Maunder
Der Marégraphe von Marseille. Foto: Hilke Maunder
In Hamburg-Altona von Johann Christian Dennert (1829–1920) und seinem Kollegen Martin Pape (1834–1884) gebaut: der Marégraph von Marseille, der im Januar 1885 vom Dampfer Hamburg in fünf Transportkisten nach Marseille gebracht wurde. Foto: Hilke Maunder

Anse de l’Oriol

Gleich hinter dem Marégraphe schneidet die Anse de l’Oriol als schmale, felsige Spalte in die Küstenlinie. An der Corniche Kennedy 271 birgt das Château Berger, ein schlossartiges Anwesen mit Türmchen im Stil der Neorenaissance eine renommierte Privatklinik für plastische und ästhetische Chirurgie sowie ein exklusives Kosmetik- und Schönheitszentrum. Die Villa gehört der Familie Berger, die auch den Pastis Berger herstellt.

Plage du Prophète

Sie ist die Grande Dame der Marseiller Sandstrände und eine der ältesten Badestellen der Stadt: die Plage du Prophète. Ihre Name erinnert an ein legendäres Dampfschiff, das im 19. Jahrhundert hierher verkehrte. Tagsüber gehört der feine Sand den Familien, da das Wasser hier ungewöhnlich ruhig und flach bleibt. Abends verwandelt sich der Strand im Sommer in ein riesiges, Open-Air-Wohnzimmer: Die Marseillais kommen mit Decken, Pizza und gekühltem Rosé, um beim Apéro den Sonnenuntergang hinter den Frioul-Inseln zu zelebrieren.

Mémorial des Rapatriés d’Algérie

Kurz vor den Prado-Stränden ragt das Mémorial des Rapatriés d’Algérie empor. Das monumentale Denkmal des Bildhauers César – selbst ein Marseillais – gleicht einer riesigen, stilisierten Schiffsschraube oder einer geöffneten Hand, die dem Meer zugewandt ist. Es erinnert an das Schicksal der Hunderttausenden Algerienfranzosen, der Pieds-Noirs, die nach der Unabhängigkeit Algeriens 1962 im Hafen von Marseille strandeten.

Plages du Prado

Hier weitet sich die Corniche und geht fließend in die Plages du Prado über. Wo heute eine kilometerlange, grüne Freizeit- und Strandoase zum Baden, Kiten und Flanieren einlädt, war bis in die 1970er-Jahre hinein nur felsiges Ödland. Für dieses gigantische Strukturprojekt nutzte die Stadt einfach den Erdaushub aus dem Bau des Marseiller Metronetzes – ein genialer Coup der Stadtplanung. Heute pulsiert hier das sportliche Leben; die Wiesen sind voller Skater, Läufer und Familien, und am Horizont grüßt die monumentale Nachbildung von Michelangelos David.

Marina de Marseille

Die Corniche Kennedy endet an der Marina de Marseille. Der traditionsreiche Jachthafen im Quartier Roucas-Blanc wurde für die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele 2024 komplett modernisiert und umgebaut. Heute präsentiert er sich als hochmodernes maritimes Zentrum, in dem elegante Segelmasten im Wind klappern und Spitzensportler trainieren. Von hier aus reicht der Blick über die gesamte Bucht – der perfekte Schlusspunkt der wunderbaren maritimen Flanierstrecke von Marseille!

Corniche Kennedy: meine Reise-Tipps

Schlemmen und genießen

L’Eau à la Bouche

Mamma mia, einfach köstlich, die Pizza hier – die Einheimischen futtern sie am Strand von Maldormé oder in der Bucht von Malmousque mit Blick auf die Frioul-Inseln.
• 120, Corniche Président John Fitzgerald Kennedy, 13007 Marseille, Tel. 04 91 52 16 16, www.pizzerialeaualabouche.fr

Oh Faon !

Im Quartier Endoume begeistert diese handwerklich vegetarische Bäckerei mit traditionelles navettes-Keksen, korsisischem Gebäck oder italienischen canistrelli die Naschkatzen.
• 6, rue Edmond Rostand, 13006 Marseille, Tel. 04 91 58 74 82, www.ohfaon.com