Côte Bleue: die Küste der Maler und Genießer

Edel, diese Ferienvillen von Carry-le-Rouet an der Côte Bleue. Foto: Hilke Maunder
Edel, diese Ferienvillen von Carry-le-Rouet an der Côte Bleue. Foto: Hilke Maunder

Auguste Renoir, Paul Cézanne und den deutschen Maler August Macke zog es an die Côte Bleue im Westen von Marseille, wo Schirmpinien Schatten spenden, sich zwischen flachen Felsen sandige Badebuchten verstecken und die Fischer in bunten „pointus“, Holzbooten, frühmorgens zum Thunfischfang hinausfahren. Eine Küste fernab von der Hektik des Alltags. Und noch immer solch ein Idyll, wie es die Maler vor gut 100 Jahren festhielten.

Morgenstimmung an der Côte Bleue. Foto: Hilke Maunder

Wanderweg zur Kunst

Georges Braques malte dort seine Hafenszene. Heute schmückt die Kopie seines 1906 entstandenen Werkes den Chemin des Peintres, der von Estaque aus zu den Motiven der Maler führt. Bis nach Martigues erstreckt sich die blaue Küste der Maler mit Pinien und Felsen, Fischerbooten und stillen Buchten.

Der Leuchtturm von Carry-le-Rouet. Foto: Hilke Maunder

Später erreichte die Industrialisierung der Küste. Mehr als 300 Fabriken gab es – für Zement, Fliesen und Soda. Heute geschlossen, sind die Franzosen zurück gekehrt und machen in kleinen Badeorten wie Sausset-les-Pins und Carry-le-Rouet direkt am Meer ganz unter sich Urlaub. Der französische Schauspieler und Sänger Fernandel liebte Carry-le-Rouet so sehr, dass er über dem Hafen seine Villa bauen ließ.

Zum Urlaubsritual gehört für viele, in Carro über den allmorgendlichen Fischmarkt bummeln und Thunfisch kaufen, der später am Strand frisch vom Grill genossen wird.

Feilschen? Das mag diese Fischerkäuferin aus Carro überhaupt nicht! Foto: Hilke Maunder
Hai, Thunfisch und Schwertfisch: Auf dem Fischmarkt von Carro werden traditionell Großfische verkauft. Foto: Hilke Maunder

Der Star des Winters

Im Winter halten alle nach den „oursins“ Ausschau, den Seeigeln. Sie leben an der Côte Bleue in seichten Fluten von höchsten bis zu 30 cm Tiefe. Dort wachsen sie auf eine Größe von bis zu acht Zentimetern Durchmesser heran.  Vom Seeigel wird nur der „corail“ gegessen. Er ist orangerot und wird freigelegt, wenn man die Schale horizontal halbiert. Die Häppchen sind klein, aber köstlich.

Ihr braucht sie weder zu kochen noch mit Soße zu versehen. Fügt, wenn ihr mögt, einfach etwas  Zitronensaft hinzu und genießt diese Spezialität mit einem frischen Baguette und kühlem Weißwein.

Um die stacheligen Meeresbewohner zu schützen, unterliegt das Sammeln der Seeigel strengen Vorschriften. Nur von November bis etwa März dürft ihr sie einsammeln – und nur Tiere, die im Durchmesser größer sind als fünf Zentimeter. Bei den Oursinades wird die Spezialität an der blauen Küste ausgiebig gefeiert – im Januar in Sausset-les-Pins, im Februar in Carry-le-Rouet und Anfang März in Fos-sur-Mer.

Malerisch: der Altstadt- Hafen von Martigues. Foto: Hilke Maunder

Größter Fischereihafen der Provence ist Martigues, das vor dem Eintreffen der Industrie ebenfalls ein idyllisches Fischernest gewesen ist, das die Künstler angelockt hat. André Derain, Raoul Dufy, Francis Picabia, Vincent van Gogh pilgerten ins Venedig der Provence. Und Félix Ziem, der am Canal de Caronte sein Atelier hatte. Heute zeigt das Musée Ziem Landschaftsbilder, Stillleben und Portraits, die er dort gemalt hat.

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Der Hafen von Carry-le-Rouet an der Côte Bleue. Foto: Hilke Maunder
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13 Kommentare

  1. Hallo, vielen Dank für diesen stimmungsvollen Text.

    Ich habe ein Patenkind (nun gut, inzwischen ist er ein erwachsener langer Lackl, der gerade seinen Master macht) in Carry, und mir ist die Côte Bleue so ans Herz gewachsen. Dieser Moment, wenn ich im Auto den Scheitelpunkt der D9 erreiche… Vor einigen Minuten habe ich die zer- und übersiedelte Étang-Ebene verlassen, gerade eben bin ich an diesem albernen kleinen Vergnügungspark vorbeigefahren – die zumindest bis zum Winter noch vorhandenen Wigwams zeugen von einer ruhmreichen Vergangenheit als Cowboy- und Indianerpark – und jetzt der erste Blick aufs Meer. In diesem Augenblick bin ich immer wortlos glücklich.

    Ja, ich kenne die Gegend ganz gut, und deshalb traue ich mir auch, einen Hinweis anzubringen: Ich würde annehmen, daß es sich bei dem Leuchtturm auf dem Foto nicht um den von la Couronne, sondern um den vor Carry handelt, wo ich unzählige Male mit dem Patenkind beim „cherchez les crabes“ war.

    Herzliche Grüße
    Susanne

  2. Liebe Hilke, es ist einmal mehr Zeit DANKE zu sagen für Deine tollen Berichte und Anregungen. Ich lese sie alle!!! Kommentieren …?
    Carry-le-Rouet stand schon öfter auf unseren Reiseplänen,noch war ich nicht dort und Dein Beitrag und auch Susannes Kommentar wecken mich wieder einmal auf.
    Merci sagt Inge

  3. Liebe Hilke, gern lesen wir Deine Texte und fahren dieses Jahr wieder in die Provence, nach Mont Brun lese Bains in das Chateau des Gipieres. Es ist eine wunderschöne Unterkunft und in der Nebensaison auch bezahlbar. Der Wanderweg Chemin des Peintres interessiert uns sehr. Gibt es eine Routenbeschreibung des Chemin des Peintres? Liebe Grüsse Hannes

      • Hallo Hans, hier die Infos aus Marseille: „Man kann im Office de Tourisme MARSEILLE eine Führung buchen. Ausserdem sind dort Tafeln angebracht.
        Auskunft sich hierfür das Office de Tourisme MARSEILLE.“

  4. Liebe Hilke,
    vielen Dank für Deinen interessanten Artikel über die ‚Côte Bleue‘, westlich von Marseille gelegen. Spannend finde ich die Zugfahrt mit dem ‚train de la Côte Bleue‘ ab Marseille oder L’Estaque bis Martigues. Er fährt durch unzählig viele Tunnels und über Viadukte der Küste entlang. Eines meiner Lieblingsrestaurants in Martigues ist ‚Le Garage‘, mit einem interessanten Mittagsmenü von Dienstag bis Freitag. Viele Grüsse, Susanne

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