Das neue Marseille: die coole Metropole
Marseille erfindet sich neu. Mit Volldampf! Schick, schön, stylish – so zeigte sich die lange verkannte Metropole am Mittelmeer zu den olympischen Segelwettbewerben 2024. Vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan? Marseille wäre entrüstet.
Denn für die Einheimischen ist der melting pot am Mittelmeer die schönste Stadt der Welt. Der schlechte Ruf, die Drogenkämpfe? Das ist wie New York, das früher die Bowery hatte, kontern sie. Marseille ist eine Weltmetropole. Die Stadt, die die Griechen einst als Massilia gründeten und die Kulturen des Mittelmeerraums seit 2600 Jahren formen, ist im Eiltempo auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft: sicher, sauber, grün.

Diese Stadt für Entdecker und alle, die gerne Neues wagen, liebe ich seit meinem ersten Besuch. Nicht immer schön ist sie, aber immer spannend. Voller Vitalität und Dynamik. Um dann wieder mit stillen Winkeln, lauschigen Ecken, grünen Parks und dem in allen Farben changierenden Meer zu überraschen.
Doch noch bin ich nicht am Meer, noch stehe ich auf der Canebière, Marseilles Prachtstraße einst und heute. Gesäumt von Kaufhäusern, Hotels, Bistros und Belle-Époque-Palais strebt die städtische Hauptader zum Vieux-Port, dem alten Hafen mit seinen Ausflugsschiffen, Jachten, Kuttern. Lautstark preisen die Fischfrauen am Kai den Tagesfang an.

Überall wurde und wird seit der Millenniumswende in Marseille gebaut, geputzt, entstaubt, saniert. So lockt Le Panier, das älteste Viertel der Stadt, heute mit einem spannenden Mix aus mediterran-dörflichem Erbe und trendigem Zeitgeist.
Über schmale Treppen, steile Gassen und lauschige Plätze mit angesagten Lokalen komme ich immer wieder zurück an ans Meer. Und genehmige mir am Kai einen kleinen Koffeinkick mit Blick auf die Fähren, die nach Korsika und Nordafrika ablegen.

Jetzt bin ich fit für Marseilles Euroméditerranée, das städtebauliche Großprojekt mit fast drei Kilometer langer Hafenfront. Architekten von Weltruf durften sich dort austoben und die Ikonen des neuen Marseille auf altes Hafen- und Werftgelände setzen.

Zum Wahrzeichen wurde La Marseillaise, der 135 Meter hohe Büroturm von Jean Nouvel in den Farben der Nationalflagge. Blau, Weiß, Rot leuchtet er seit 2021 am Marseiller Himmel.
Die Musik spielt vor allem zwischen der Place de La Joliette und den einstigen Docks, heute die Mega-Shoppingmall Les Terrasses du Port. Mehr als all die Shops und Dependancen von ständigen wechselnden In-Labels liebe ich die 260 Meter (!) lange Terrasse mit Blick aufs Mittelmeer.
Die perfekte Kulisse, um bei einem Ricard, dem berühmten Pastis aus Marseille, den Abend zu planen. Etwas essen? Endlich wieder einmal die berühmte Fischsuppe genießen!
Schließlich bin ich in Marseille. Und da kommt nicht nur im Miramar im alten Hafen allerbeste Bouillabaisse auf den Tisch. Keine Fischsuppe ist so geheimnisumwoben wie Marseilles Suppenklassiker.

Was neben den fünf Edelfischen – Knurrhahn, Rotbarbe, Sankt-Petersfisch, Dorade und Wolfsbarsch, einigen kleinen Felsenfischen und Safran zum Suppenklassiker gehört? Das verrät euch weiter unten Christian Buffa – mit Rezept zum Nachkochen!
Bei Chez Fonfon gehört dazu der unglaubliche Blick auf die malerische Mittelmeerbucht des Vallon des Auffes. Kein günstiger Spaß, aber hohe Kochkunst!
Und ein wahrhaft opulentes Hauptgericht mit ganzen Fischen, croûtons und rouille. Die scharfe Knoblauchmayonnaise mit Peperoni und Chili gehört zu den ältesten Saucen der Welt!
Doch jetzt erst einmal: schnell aufs Schiff und hinaus aufs Meer, hin zum Inselreich vor der Küste. Von der Sonne verbrannt, von Wind und Wellen geformt: Das sind Pomègues, Ratounneau, Tiboulen und If, vier Inseln aus Kalk in der Bucht von Marseille.
Château d’If errichtete Franz I. zum Schutz des Hafens von Marseille. Berühmt wurde es aber erst durch den Roman „Der Graf von Monte Christo“, in dem Alexandre Dumas seinen Helden im Kerker schmachten ließ.
Morgen geht es noch weiter hinaus mit dem Boot, hinein in die Calanques. In den Minifjorden, die der Küste zwischen Marseille und Cassis vorgelagert sind, locken kalkweiße Felsen, azurblaues Wasser, helle Strände, steile Klippen, würziger Pinienduft und eine leichte Brise vom Meer.
Frankreichs jüngster Nationalpark ist ein Naturparadies. Marseille und das Meer – ein Mix, der glücklich macht. Und süchtig macht nach mehr Marseille. Stöbert mal im Blog!
Marseille: meine Reisetipps
Am, aus und auf dem Meer
Diese Dinge gehören zwingend zu einem Marseille-Besuch
• Das coolste Viertel der Welt: So wurde Notre-Dame-du-Mont gekürt von Time Out Ende 2024 gekürt. Cafés, Bars und Bäckereien, originelle Boutiquen, eine lebendige Szene mit viel Street-Art und ein bunt gemischter Mix von Menschen sorgen für richtig viel Flair und Ambiente.
• Mediterrane Entdeckungen direkt am Meer: Was im Deutschen als Museum der Zivilisationen und des Mittelmeers etwas schwerfällig daherkommt, heißt im Französischen kurz MuCEM und ist ordentlich spektakulär.
Der transparente, von einer Betonmantilla überzogene Kubus auf der ehemaligen Hafenmole ist innerhalb kürzester Zeit zu einem Wahrzeichen von Marseille geworden. Seine Dauerausstellung Galerie de la Méditerrané ist der kulturhistorischen Vielfalt des Mittelmeerraums gewidmet. Und verpasst auch nicht den Jardin Méditerranéen auf dem Dach des Fort Saint-Jean!
• Schnorcheln oder Tauchen im klaren Wasser der Calanques. Minitörns gibt es ab dem Alten Hafen. Bei der Calanque-Safari mit Segelboot oder Katamaran gehört der Sprung ins Wasser mit dazu. Die Unterwasserwelt vor der Küste Marseilles ist ungeheuer beeindruckend.
• Bouillabaisse essen: mais oui ! Keine Fischsuppe ist so legendär und geheimnisumwoben wie die aus Marseille. Das ursprünglich einfache Reste-Essen der hiesigen Fischer gehört heute zu den kulinarischen Botschaftern der südfranzösischen Hafenstadt und hat sich längst zu einer opulenten Mahlzeit mit fünf Edelfischen aus dem Meer gemausert. Wie sie schmeckt und wo ihr sie nachkochen und kosten könnt? Klickt hier für Infos, Impressionen und das Rezept!

Schlemmen und genießen
Livingston Marseille
Sehr trendy und angesagt ist diese Location, ein Zwitter aus Weinbar und Restaurant, mit regelmäßig wechselden Gastköchen.
• 5, rue Crudère, 13006 Marseille, www.livingstonmarseille.com
La Mercerie
Ein englischer Küchenchef begeistert hier die Franzosen: Harry Cummins.
• 9, cour Saint-Louis, 13001 Marseille, Tel. 04 91 06 18 44, www.lamerceriemarseille.com
AM von Alexandre Mazzia
Voyages, Reisen, nennt Dreisternekoche Alexandre Mazzia seine Menüs. Bevor der Sternekoch am Herd zu Hochform auflief, war der Kongolese ein Basketballprofi.
• 9, rue François Rocca, 13008 Marseille, Tel. 04 91 24 83 63, www.alexandre-mazzia.com
Chez Fonfon
Traumhaft zur Fischsuppe: der Ausblick auf den malerischen Hafen des Vallon des Auffes.
• 140, rue du Vallon des Auffes, 13007 Marseille, Tel. 04 91 52 14 38, www.chez-fonfon.com
Tuba Club
Speisen direkt über der Brandung, direkt zu Beginn der Calanques im Osten von Marseille.
• 2, bd Alexandre Delabre, 13008 Marseille, Tel. 04 91 25 13 16, https://tuba-club.com
Le Grand Bar des Goudes
Le Grand Bar des Goudes ist eine angesagte Kneipe, sein Esplaï seit 1920 der Ort, um mit Paradeblicken auf den Hafen von Les Goudes Bouillabaisse, Bourride und andere Meeresklassiker zu genießen.
28 Rue Désiré Pelaprat, 13008 Marseille, Tel. 04 91 73 43 69, www.grandbardesgoudes.fr

Hier könnt ihr schlafen
Casa Youm
Les Domaines des Fontenilles

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Im Blog
Der Winter endet in Marseille mit der Segnung der Navettes. Ganz besonders eng mit Marseille verbunden, fühlt sich der Komponist und Sänger Jean Caprice.
Die Olivenölseife aus Marseille ist weltberühmt. Wo & wie sie bis heute handgefertigt wird, erfahrt ihr bei dem Besuch von traditionsreichen Seidensiedereien wie der Savonnerie de Licorne.
Als Szeneviertel und Street-Art-Hochburg gilt der Cours Julien von Marseille.
Den Melting Pot Marseille in seiner ganzen Vielfalt und Farbigkeit von Menschen und Kulturen, Küchen, Kunst und Handwerk erlebt ihr in Noailles. Das älteste Viertel von Marseille heißt Le Panier.
Le Corbusier baute in Marseille die Cité Radieuse. Heute gehört das „Haus des Verrückten“ zum Welterbe. La Friche Belle de Mai war einst eine Tabakfabrik. Heute brummt hier die Kultur – und auch die Küche kommt nicht zu kurz. Vor den Toren der Stadt liegen die wundervollen Klippen und Badebuchten der Calanques.
Ihr wollt gleich die komplette Reiseplanung für ein erlebnisreiches Wochenende? Dann klickt hier für Ideen, Infos und Impressionen.

Im Buch
Meeresrauschen*
„Mein Marseille“ findet ihr auch 272 Seiten dicken Band Meeresrauschen*, Im Bildband kommen in 35 reich bebilderten Kurzepisoden bekannte Reiseschriftsteller/innen und Blogger/innen zu Wort und bieten in vier Kapiteln Reiseinspirationen.
Ob sie sich nur eine kleine Auszeit am Meer nehmen oder das große Abenteuer wagen, eines haben sie alle gemeinsam: Es geht um Sehnsucht, es geht um das Meer, die beeindruckende Natur und die große Freiheit. Wer mag, kann den Band hier* bestellen.
Hilke Maunder, DuMont Bildatlas Provence*
In meinem DuMont-Bildatlas „Provence“* stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten.
Neben Aktivtipps, Hintergrund und Themenseiten präsentiert die Rubrik “Ja, natürlich” zahlreiche Tipps für nachhaltige Erlebnisse und Momente. In “Urlaub erinnern” stelle ich Andenken, Eindrücke und Erinnerungen vor, mit denen der Urlaub daheim noch weiter lebendig bleibt. Hinzu kommen Serviceseiten mit allen Infos, persönlichen Tipps und großer Reisekarte. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.
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