Domaine de la Vivarié: stylish schlummern

Die Zufahrt zur Domaine de la Vivarié. Foto: Hilke Maunder
Die Zufahrt zur Domaine de la Vivarié. Foto: Hilke Maunder

In Castres wurde Jean Jaurès geboren, spiegeln sich farbenfroh alte Fassaden im Agout und birgt das Goya-Museum Frankreichs zweitgrößte Sammlung an spanischer Malerei. Einen  Steinwurf außerhalb der Stadt versteckt hinter einer majestätischen Zeder eines der schönsten chambres d’hôtes Okzitaniens: die Domaine de la Vivarié.

Abseits der Départementstraße D 612 weicht der Lärm der Stille, der Asphalt einem Feldweg. Platanen stehen Spalier. Dann taucht das Gutshaus auf, mit weißem Putz, pastellblauen Fensterläden und rankendem Grün. Warmes Licht strahlt durch die alten Fenster. Hinter einem Fenster sitzt John, hat das Knirschen auf dem Kies gehört, kommt heraus und sagt mit offener Herzlichkeit und einem Lächeln: „ Bienvenue !

Der Gutshof der Domaine de la Vivarié. Foto: Hilke Maunder
Der Gutshof der Domaine de la Vivarié. Foto: Hilke Maunder

Zum Gastgeber geboren

Gastgeber zu sein, das spürt man von der ersten Sekunde, gefällt ihm. Er ist Manager, Koch und Gärtner in einem – und stolz auf das Anwesen aus dem 17. Jahrhundert, das er gemeinsam mit zwei Freunden aus seiner Heimat Aix-en-Provence anderthalb Jahre lang saniert und eingerichtet hat.

Einer der damaligen Partner arbeitet heute in einem Labor in Brüssel. Ein zweiter, Paul Frégassy, hat im nahen Mazamet mit La Villaé ein weiteres chambre d’hôtes voller Charme eingerichtet. „Als wir 2013 das Gutsgebäude kauften, war es sehr heruntergekommen“, erzählt John. „Bei der Renovierung wollten wir das einzigartige Flair dieses Ortes bewahren.“

Nostalgische Opulenz & modernes Design

Das Speisezimmer. Foto: Hilke Maunder
Das Speisezimmer. Foto: Hilke Maunder

Das ist ihnen gelungen. Der Turm, einst als Zeichen des Wohlstandes dem Herrenhaus beigefügt, ist damals wie heute ein nicht genutzter Bereich und bis heute Status-Symbol. Die restlichen Räume versprühen nostalgische Opulenz – und flirten mit Design von heute. Rechts und links vom Eingang befinden sich die beiden Speisesäle, in denen John abends die table d’hôte serviert.

Authentische Gerichte, tief verwurzelt im kulinarischen Erbe Okzitaniens, kommen aus der Küche. Gekochtes Ei mit Foie Gras als Entree, im Hauptgang eine Ente, die mit Honig und Thymian glasiert wurde, ein hausgemachtes Eis mit Veilchen – und alles begleitet mit Weinen der Domaine de Vayssette, einem Familienweingut aus Gaillac im Tarntal.

Der Aufgang zu den Zimmern im Obergeschoss. Foto: Hilke Maunder
Der Aufgang zu den Zimmern im Obergeschoss. Foto: Hilke Maunder

Vier Blumenzimmer

Eine breite Massivholztreppe führt zu den Zimmern im ersten Stock. Lavendel, Orchidee, Amaryllis und Sonnenblume heißen die vier Zimmer. Jedes ist so individuell wie der Name der Blüte, den es trägt. Amaryllis liebt es nostalgisch mit dunklem Holz, Himmelbett und Holzfußboden.

Im Lavendelzimmer schweift der Blick vom 1,60 Meter breiten Kingsize-Metallbett in den Park. Kunstrasen bedeckt den Fußboden des Badezimmers, in dem neben der Rainshower-Dusche auch eine nostalgische Wanne zu Wellness lädt.

Das Lavendelzimmer. Foto: Hilke Maunder
Das Lavendelzimmer. Foto: Hilke Maunder

Mit eigenem Kamin punktet das Orchideenzimmer, das ganz und gar auf klassisch-gediegene Eleganz setzt. Warmes Geld prägt das Doppelzimmer „Sonnenblume“ mit seinen beiden Einzelbetten. Standard in allen Zimmern sind neben TV und WLAN auch ein Wasserkocher samt einer Auswahl an Schwarz- und Kräutertee sowie eine Kaffeemaschine mit Coffee Pads.

Geräumige Suite

Das Quartett der Zimmer ergänzt eine Suite. Mit ihren 70 Quadratmetern in zwei Zimmern, das eine mit Kamin, gleicht sie einer eigenen Wohnung im Gutshof und wirkt mit ihrem Interieur in Rot, Weiß, Schwarz und Grau, dem Spiel zwischen kühl weißem Putz und warmem Feldstein und den knallig roten Vägo-Kunststoffsesseln von Ikea geradezu jugendlich modern. Von der Suite unter dem Dach wird deutlich, wie abgeschieden das Gut ist.

Das Badezimmer des Lavendelzimmers. Foto: Hilke Maunder
Das Badezimmer des Lavendelzimmers. Foto: Hilke Maunder

Oase im Grünen

Ein fünf Hektar großer Park mit alten Gehölzen und großen Rasenflächen umgibt es. Einzig das Rauschen der Blätter in der leichten Brise ist zu hören.  Bis am Morgen die Vögel singen und aus der Küche der Duft von frischem Kaffee das Haus durchzieht.

John stellt hausgemachte Konfitüre mit Melone und Renekloden neben knuspriges Baguette, Croissant und Schokobrötchen. Guten Morgen im Pays de Cocagne ! Und wahrlich, der übersetzte Name des Landstrichs passt: Schlaraffenland.

Aus dem Zimmer waren abends am Horizont die Pyrenäen zu sehen! Foto: Hilke Maunder
Aus dem Zimmer waren abends am Horizont die Pyrenäen zu sehen! Foto: Hilke Maunder

Domaine de la Vivarié: meine Reise-Info

Hinkommen

Castres liegt im Tal des Agout, in den hier die Nebenflüsse Durenque und Thoré und viele weitere Bäche einfließen. Die Bäche Ruisseau du Rosé und Ruisseau du Roudil begrenzen gen Westen bzw. Osten das Gutsgelände der Domaine de la Vivarié.
• 33, Chemin de la Vivarié, 81100 Castres, Tel. 06 59 52 14 70, www.lavivarie.fr

Auto

Das Anwesen befindet sich fünf Kilometer außerhalb von Castres; die Zufahrt zum Gut zweigt in La Tourette von der D612 ab (ausgeschildert).

Rad

Castres liegt an der markierten Radwanderroute nach Revel, www.af3v.org

Bahn

Von 5-22 Uhr halten die TER-Regionalzüge der SNCF in Castres (108, Avenue Albert 1er, 81100 Castres).

Flugzeug

Der Regionalflughafen Castres-Mazamet befindet sich 15 Kilometer südöstlich und wird ganzjährig von Air France ab Paris-Orly angeflogen.
• Le Causse, 81290 Labruguière, Tel. 05 63 70 34 77, www.aeroport81.fr

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