Les Jardins d‘ Eyrignac: grüne Garten-Träume
Die Gärten von Eyrignac verbinden mit mehr als 300 handgeschnittenen Pflanzenskulpturen aus Buchs, Eiben und Hainbuchen den klassischen jardin à la française mit poetischen Landschaftsräumen, Wasserflächen, Rosenmeeren und Gemüsegärten.
„Der Garten ist für mich mein Kind“ – wie mein Sohn, der mein Erbe weiterführen wird“, sagt Patrick Sermadiras. Der 80-Jährige ist Hausherr der Jardins du Manoir d’Eyrignac in der Dordogne, wie die Gärten offiziell heißen – und umgangssprachlich nur Jardins d’Eyrignac genannt werden, auch vom Office de Tourisme.
22 Generationen, eine Leidenschaft: die Familie Sermadiras

Bis heute lebt Patrick in dem Herrenhaus, in dem er 1946 geboren wurde. Seit fünf Jahrhunderten ist Eyrignac der Stammsitz der Familie. 200 Hektar ist er groß, zehn Hektar davon könnt ihr mit den Jardins d’Eyrignac entdecken. Das heutige Herrenhaus ließ Antoine de Costes de la Calprenède zwischen 1653 und 1660 auf den Ruinen einer im Verlauf der Fronde zerstörten mittelalterlichen Burg errichten.
Es ist ein eher bürgerlicher, aus dem goldgelben Sandstein der Dordogne gebauter Manoir., Fenster und Türen in Weiß, das Dach mit dunklen lauzes-Schiefern gedeckt. Auf dem sandigen Vorplatz trinkt Patrick gerne morgens, vor dem Ansturm der Gäste, seinen Café.

Direkt neben dem Herrenhaus steht eine kleine romanische Familienkapelle, die als einzigartiges Relikt des ursprünglichen mittelalterlichen Burgsitzes gilt. Hier wurden alle Familienmitglieder getauft – und auch Patrick Sermadiras. Später ließ er dort auch seinen Sohn Gilles-Antoine taufen. Das ist Tradition. Und wird so weitergeführt.
22 Generationen haben inzwischen den Landsitz in Ehren gehalten, gestaltet und gepflegt. Gilles Sermadiras begann in den 1960er-Jahren damit, die Gärten von Eyrignac neu zu gestalten. Sein Sohn Patrick Sermadiras führt als heutiger Besitzer das Lebenswerk seines Vaters fort. Und auch sein Sohn und Enkel packen bereits in einem der schönsten Formschnitt-Gärten Frankreichs mit an.
Beherrschte Natur in Buchsbaum und Buche
Um das Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert erstreckt sich der französische Garten. In strenger Symmetrie spielt er mit Perspektiven. Zwischen dem akkurat geschnittenen Grün lässt er den sandigen Vorplatz des Herrenhauses golden hervorblitzen. Hecken aus Hainbuchen, Buchsbaum und Koniferen säumen dort Wege und Beete.

Der jardin à la française folgt dabei einem klaren Prinzip: Die Natur wird nicht sich selbst überlassen, sondern gestaltet. Symmetrie, gerade Wege und bewusst gesetzte Sichtachsen geben dem Garten seine Ordnung. Hecken und Baumgruppen werden zu grünen Wänden, Pflanzen zu Skulpturen. Wasser bringt Bewegung in die strenge Geometrie.
Immer wieder öffnen sich vom Herrenhaus und beim Spaziergehen durch das Gesamtkunstwerk neue Perspektiven. Hier ein plätschernder Brunnen, dort eine Bank, symmetrisch hingestellt ins Grün. Dann fällt der Blick auf eine rote Bank. Rosen umranken einen roten Torbogen, der auf die Exotik Chinas verweist. Andere Achsen öffnen den Blick auf sprudelnde Brunnen, Wasserspiele und 300 Pflanzenskulpturen, handgeschnitzt von den sechs Gärtnern von Eyrignac. Sie sorgen auch dafür, dass die etwa 300.000 Buchs-Pflanzen gut in Form bleiben – und natürlich auch hier beim Schnitt per Hand!
Der Lehrweinberg
Jenseits der Buchsbaumarabesken und akkuraten Rasenmatten des französischen Gartens herrscht eine ganz andere, ländliche wie intime Stimmung. Ein Weinberg präsentiert Rebsorten, die in Frankreich angebaut werden.
Mehr als 200 Rebsorten sind im Land zugelassen. In der Praxis dominieren einige große Sorten – Merlot, Ugni Blanc, Grenache, Syrah, Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc – die Flächen. In den Jardins d’Eyrignac stellt euch das Conservatoire Ampelografique eine repräsentative Auswahl vor.
Der Küchengarten der Jardins d’Eyrignac
Der Jardin Potager, ein bewusst klein dimensionierter Nutzgarten, greift die Tradition des französischen Jardin de curé (Pfarrergarten) auf Er versteckt sich hinter einer Kastanienhecke.
Vier Beete unterteilen den Küchengarten, durch den zwei rechtwinklig zueinander liegende Wege verlaufen – das typisch französische Schema für solche Nutzgärten. Nutz- und Ziergarten verschmelzen hier zu einer Einheit: Bewusst wurden Gemüse und Blumen hier bunt gemischt und nicht streng getrennt.
Eine Allee von hängenden Zedern trennt den Küchengarten vom benachbarten Jardin fleuriste,. Der Blumengarten, aus dem die Familie ihre Schnittblumen bezieht, sorgt mit ihrem bunten, duftenden Flor für farbenfrohe Akzente und kontrastiert die strengen Topiarien mit einer weichen Ebene, die im Lauf der Jahreszeiten sich ständig verändert.

Der weiße Garten
Gilles Sermadiras gestaltete in den Jahren 2000 bis 2002 den Jardin Blanc, den Garten der weißen Rosen. Es war die letzte große Neuanlage des Vaters von Patrick Sermadiras und bildet das helle, leuchtende Gegenstück zum streng grünen, architektonischen Jardin à la française. Rund 540 Rosensorten sorgen für Leichtigkeit und Poesie in diesem blühenden Quadrat, das niedrige Buchsbaumhecken einrahmen. Grün und Weiß: ein Gartentraum – und jährlich Kulisse der picniques blancs im Sommer.

Als Hauptsorten wurden anfangs nur zwei remontierende Arten gewählt: Opalia und Madame Alfred Carrière. 2020 gesellten sich neue Sorten hinzu: Guirlande d’Amour, Sourire d’orchidée, New Dawn sowie alte Rosen und Buschrosen. Weiße Begleitpflanzen wie Sunpatiens, Gaura, Surfinia, White Princess-Dahlien, Hibiskus und japanische Anemonen sorgen heute für einen bunten Blütenmix ganz in Weiß.
Von Ende Mai bis zu den ersten Frösten blühen sie immer wieder neu und bilden dabei spektakuläre Girlanden entlang der Alleen und Spaliere. Wenn sie verblüht sind, dominiert die Farbe Grün der Buchsbaumhecken und Rasenflächen – und setzt einzig die rote Pagode Akzente im Grün.
Der Wassergarten

2013 legte Patrick Sermadiras den Jardin des Sources an. Der Garten der Qellen verweist auf den Namen der Anlage. Eyrignac verrät mit dem Präfix ey- wie mit dem Suffix –ac, dass es ein wasserreiches Gebiet ist. Beide bedeuten „Wasser“ in der langue d’oc.
Eyrignac ist der Ort, wo viel Wasser fließt. Sieben Quellen befinden sich dort. Im Wassergarten verbinden drei gefasste Quellen auf ihrem Weg den Potager (Gemüsegarten) mit dem Verger de la Rotonde (Obstgarten) . Mal fließt das Wasser ruhig dahin und spiegel den Garten, seine Hecken und Bauten, dann wiederum plätschert es leise oder sprudelt. Bukolische Natürlichkeit, verbunden mit poetischen Ausblicken auf sanft gewellte, ländliche Landschaften!

Der Obstgarten
Um die Artenvielfalt zu erhalten, setzte Patrick Insektenhotels ins Grün. Zu Beginn des Winters nisten sich seitdem die Insekten ein. Sie helfen den Gärtnern, indem sie Parasiten fressen und für die Bestäubung der Obstbäume im Verger de la Rotonde sorgen. Jener vereint 50 typisch französische Sorten – vom saftigen Reine des Reinettes-Apfel über die zarte Comtesse de Paris-Birne bis hin zur roten Burlat-Kirsche und zur Elsässer Pflaume. Sortenvielfalt, Biodiversität und regionale Traditionen prägen auch diese Anlage.

Les Jardins d’Eyrignac: meine Infos
Adresse & Zeiten
Les Jardins du Manoir d’Eyrignac, 24590 Salignac-Eyvigues, Tel. 05 53 28 99 71, www.eyrignac.com, tgl., April: 10 – 19, Mai – Sept. 9.30 – 19, Oktober 10 – 18 Uhr, Nov. – März 10.30 – 12.30, 14.30 – Sonnenuntergang
Schlemmen und genießen
Côté Jardins
Restaurant und Café mit Terrasse.
Picknickplätze
Am Eingang des Gartens.
Heiraten
Ein Cocktail oder Champagner im Rosengarten, das Dîner mit bis zu 200 Gästen in der Orangerie – und zwei kuschelige Gästehäuser im Herzen des Gartenreichs: Eyrignac ist eine beliebte Location für Hochzeitsfeiern!

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Buchtipp
Stéphane Marie, Die schönsten Gärten Frankreichs*

Stéphane Marie, seit 1998 Moderator der TV-Sendung „Silence, ça pousse“ auf France 5, hat mit Ma France des Jardins* einen großformatigen Führer zu 27 außergewöhnlichen Gärten und Parks in Frankreich verfasst. Im Mai 2025 bei Flammarion veröffentlicht, ist sein bildreiches coffee table book nun in der deutschen Übersetzung von Carmen Hindemith und Rosa Kratz im Gerstenberg-Verlag erschienen. Auf 264 Seiten bietet das Werk eine persönliche Auswahl von Maries Lieblingsgärten im Land, reich bebildert und ergänzt mit den wichtigsten Besucher-Informationen.
Stéphane Marie, 1960 in der Normandie geboren, hat in Saint-Pierre-d’Arthéglise gemeinsam mit seinem britischen Mann eine Scheune ins gemeinsame Heim verwandelt und bei der Anlage des Gartens seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt. Diese Begeisterung für gestaltetes Grün prägt jeden Beitrag im Buch. Neben detaillierten Beschreibungen zur Geschichte, Anlage und Flora der Gärten gehören auch persönliche Einblicke dazu.
Die Vielfalt der vorgestellten Gärten reicht von bekannten Klassikern bis hin zu weniger bekannten Juwelen wie dem Jardin Plume im normannischen Auzouville-sur-Ry oder dem Jardin des Martels in Giroussens (Tarn). Die Zusammenstellung folgt dabei bewusst einem subjektiven Blick.
Starker Norden, schwacher Süden
Der Schwerpunkt liegt deutlich im Norden und Westen Frankreichs: Sechs Gärten der Normandie sind darin vertreten, ebenfalls sechs befinden sich in den Pays de la Loire. Hinzu kommen jeweils drei Gärten in der Bretagne und in den Hauts-de-France. Andere Regionen treten dagegen nur punktuell in Erscheinung, etwa Okzitanien und Provence-Alpes-Côte d’Azur mit jeweils einem Garten, Nouvelle-Aquitaine mit zwei., darunter auch die hier vorgestellte Jardins d’Eyrignac.
Regionen wie Auvergne-Rhône-Alpes bleiben ganz außen vor. Eine Übersichtskarte hätte hier zusätzlich Orientierung geboten und den geografischen Rahmen der Auswahl anschaulich ergänzt. Auch die Bildqualität ist nicht durchgängig auf gleichem Niveau; einzelne Aufnahmen bleiben hinter dem ansonsten hohen visuellen Anspruch zurück und schmälern stellenweise den Eindruck.
Ungeachtet dieser Details überzeugt das Buch als inspirierende Einladung, Frankreichs Gartenlandschaften neu zu entdecken. Stéphane Marie gelingt es, seine Leidenschaft für Gärten an die Leser weiterzugeben und einen sehr persönlichen Zugang zur Vielfalt französischer Gartenkunst zu eröffnen – ein Band, der Lust auf Reisen, Staunen und eigenes Gestalten macht. Wer mag, kann den Gartenführer hier* online bestellen.
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