Mein Date mit Doullens

Der Belfried von Doullens
Der Belfried von Doullens

Wieder  einmal beim Pendeln, wieder diese Müdigkeit, als ich Nordfrankreich erreiche. Wo mache ich diesmal Pause? Orte, in denen ich bereits mehr als zwei Mal gestoppt habe, sind tabu. Die Auswahl im Städtedreieck Amiens – Arras – Abbeville wird merklich kleiner. Da erblicke ich ein Schild: Doullens, 12 km.  Das Schicksal hat entschieden. Die Kleinstadt in der Picardie ist heute meine Wahl.

Auf der N25, die bei der Stadteinfahrt den Oberlauf der Authie schneidet, fahre ich ins Zentrum von Doullens. Rechterhand einige Wohnhäuser, links Gewerbe. Hm. Soll ich bleiben? Doch die Neugier überwiegt. Und belohnt mich. Schmucke Backsteinhäuser und Jahrhunderte alte Feldsteinhäuser mit weißen Fensterläden säumen schmale Straßen.

Üppiger Neobarock und Fahnenschmuck ziert das Rathaus, aus dem Belfried erklingen Glockentöne. Einige Cafés haben ihre Stühle auf den Gehweg gestellt. Eine herrliche provinzielle Ruhe liegt in der Luft, vermischt sich mit dem Geruch von Brathähnchen, die ein mobiler Imbiss grillt.

Doullens: Fest in der Festung

Jenseits der Authie versteckt sich im Grünen die alte Zitadelle von Doullens, deren Bau unter Franz I. im Jahr 1530 begonnen wurde. Damals war die Befestigungsanlage eine der ersten ihrer Art in Frankreich. Nachdem sie durch den Pyrenäenfrieden ihre militärische Funktion verloren hatte, diente sie als Gefängnis. Erst wurden Revoluzzer wie Auguste Blanqui und Armand Barbès eingekerkert, in den 1950er-Jahren dann Frauen.

1968 „saß“ hier auch Horst Buchholz ein. Der Knast war Kinokulisse im Film „Astragal“.  Ihren Verfall stoppte engagierte Einheimische, die 1974 den Verein „Les Amis de la Citadelle“ gründeten und dafür sorgten, dass das wehrhafte Fünfeck auf die Ergänzungsliste der Monuments Historiques eingetragen wurde. 1987 wurden innerhalb ihrer Mauern erstmals die Fête des Plantes du Nord de la France gefeiert. 2017 feiert das Blumenfest sein 30-jähriges Bestehen.

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