Mein Frankreich: Eva Klock

Eva Klock und Anke Feja. Foto: Anke Feja
Eva Klock und Anke Feja. Foto: Anke Feja

“Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Diesmal stellt Eva Klock ihr Frankreich vor.

Eva kam 1959 in Ostfriesland zur Welt und lebt seit 36 Jahren in Hamburg. Dort ist sie seit 30 Jahren als (leidenschaftliche) Grundschullehrerin tätig sowie als aktive Gewerkschafterin. Eva ist Vielleserin. Im Urlaub, schreibt sie, “treffe ich oft auf ausgewanderte Ostfries*innen”.


Unsere Liebe zu Frankreich, die meiner Frau und mir, fing 2002 an. Nach einem Sommerurlaub in Spanien, erst in Andalusien, dann im Ebrodelta, mit einem erschreckend trockenem Land und Flussbetten, die als Parkplätze genutzt wurden, hielten wir auf der Rückfahrt in Frankreich und erfreuten uns an Wasser in Flüssen, Bächen und Seen, grünen Bäumen und am Essen.

Im Jahr darauf machten wir geführte Radtouren in der Dordogne (sehr herausfordernd in diesem heißen Jahr mit bis zu 40 Grad Celsius im Schatten), an der Loire, sahen uns das Périgord an und die Bretagne. Wir lernten, dass Restaurants in Hotels nicht nur für deren Gäste sind, und wie wunderbar der Essensabschluss mit Käse und hervorragenden Desserts sein kann.

Wir beim Paddeln auf der Drôme, aufgenommen von unserem Kanuverleiher
Wir beim Paddeln auf der Drôme, aufgenommen von unserem Kanuverleiher

Seit 2006 verbringen wir jedes Jahr die Sommerferien in Frankreich. Es muss nicht unbedingt das Meer sein oder die Küste. Wir haben schon die Normandie, die Bretagne, die Provence und das Elsass besucht, waren am Mittelmeer an der Grenze zu Spanien und dem Hinterland, weilten im Katharerland vor den Pyrenäen, in den Cevennen und an der Ardèche.

Auch das Languedoc, die Atlantikgegend und sicherlich jede einzelne der nur noch 13 Regionen haben wir besucht. Oft entdecken wir auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt Gegenden, die wir noch nicht kennen, und verbringen dort ein oder zwei Nächte.

Ribiers ist das südlichste Dorf der Hautes-Alpes. Die Méouge entspringt in der Drôme, Bei Chateauneuf-de-Chabre hat sie auf fast sieben Kilometer Länge natürliche Schluchten gebildet. Foto: Anke Feja
Ribiers ist das südlichste Dorf der Hautes-Alpes. Die Méouge entspringt in der Drôme, Bei Chateauneuf-de-Chabre hat sie auf fast sieben Kilometer Länge natürliche Schluchten gebildet. Foto: Anke Feja

Unsere Ferienunterkünfte erhalten wir fast immer aus der „taz“ und aus „Schrot und Korn“. Oft sind es Deutsche, die inzwischen in Frankreich leben, oder die sich irgendwann in ein altes Haus verliebt haben, und es zeitweise vermieten. Im letzten Jahr haben wir stattdessen Urlaub in Süddeutschland verbracht, auch schön, aber Ferien in Frankreich sind eindeutig erholsamer, weil man mal so weg von allem ist.

Inzwischen sind wir beinahe Expertinnen für das ländliche Frankreich mit den Himbeer- und Lavendelfesten, den Dorfflohmärkten und den Wochenmärkten und dem lockeren Umgang miteinander. Unsere rudimentären Sprachkenntnisse, die wir mit Hilfe unsere Französischlehrerin zu verbessern versuchen, helfen uns.

Eine Zikade hockt hier auf dem Baumstamm. Foto: Anke Feja
Eine Zikade hockt hier auf dem Baumstamm. Foto: Anke Feja

Wir schlagen uns wacker durch, können Tische in Restaurants oder Hotelbetten bestellen und verhungern nicht. Die meisten französischen Menschen freuen sich, wenn wir versuchen, ihre Sprache zu sprechen, und sind geduldig. Und nur in touristischen Hochburgen wechseln sie manchmal ins Englische, wenn ich beim Zuhören das lange französische Wort in seine Einzelteile zerlegen muss, um den Sinn zu verstehen.

Am liebsten bin ich auf dem Markt in Uzès. Wir starten dann ganz früh mit Croissants und grand crème in einem der umliegenden Cafés, kaufen bei einer Nonne Himbeermarmelade und Wein und essen zu Mittag auf der Place aux Herbes. Zusehen und zuriechen kann man beim Destillieren von Lavendel. Trüffelgerichte haben wir in Carpentras entdeckt, nirgends sind sie besser.

Inzwischen besuchen wir lieber kleine Märkte und weniger die großen touristischen wie in Les Vans oder in Nyons, wo am Morgen der Verkehr vor der Flut der Menschen kollabiert. Lustig ist immer wieder, dass wir beim Bioeinkauf oft auf Deutsche hinter den Ständen treffen, wenn wir zum Beispiel überlegen, ob Oseille Sauerampfer ist. Dieulefit in der Gegend von Nyons hat einen überschaubaren Markt und eine beeindruckend interessante Geschichte mit „Das Wunder von Dieulefit“ in der Besatzungszeit, die sich auch im Radio oder in der Zeit nachverfolgen lässt.

Ein Taubenschwänzchen auf Nahrungssuche. Foto: Anke Feja
Ein Taubenschwänzchen auf Nahrungssuche. Foto: Anke Feja

Am meisten beglückt uns immer die Ruhe und die zum Teil hervorragend erhaltenen kleinen Dörfer überall. Märkte, marchés aux puces, Lavendelfeste, Badestellen in Flüssen, Kastanienwälder und Walnüsse, Rotwein und Käse, Restaurants auf den Plätzen nach dem Markt. Es lässt sich entspannt leben, einkaufen und essen, ganz fern von Hektik, alles dauert, wie schön.

Wenn ich mir in Deutschland immer wünsche, mal über Nacht im Buchladen eingeschlossen zu werden, ist in Frankreich dieser Traum die boulangerie: Tarte au Citron, Mille-Feuille, Éclair. Wenn Sie in Dieulefit sind, besuchen Sie unbedingt die Boulangerie-Pâtisserie Chavarot.

2019 waren wir im Lot und haben abends lange im Garten gesessen. Nach dem Ende des Zikadengesangs hörten wir regelmäßig seltsam schlappende Geräusche, die wir gar nicht zuordnen konnten. Mit dem Handy haben wir eine Aufnahme gemacht und an eine Freundin geschickt, die Hobby-Vogelkundlerin ist. Ein Ziegenmelker! Etwas später haben wir diesen Vogel abends sogar noch gesehen. Die Freundin war ganz neidisch.

In einem Jahr haben wir uns am Kanufahren versucht und uns gefreut, überlebt zu haben… Auch Stierfeten sind nur bedingt zu empfehlen. Es dauerte etwas, bis wir herausgefunden haben, warum die Dorfbewohner*innen ihre Türen mit Holz verriegelt haben.

Die Raupe des Wiener Nachtpfauenauge ist rund 12 Zentimeter lang. Foto: Anke Feja
Die Raupe des Wiener Nachtpfauenauge ist rund 12 Zentimeter lang. Foto: Anke Feja

Kennen Sie diese Raupe? Aus ihr wird irgendwann das Wiener Nachtpfauenauge. Wir hoffen sehr, dass wir unseren versäumten Frankreichaufenthalt in 2020 in diesem Jahr nachholen können.


Der Beitrag von Eva Klock ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ich freue mich, wenn dieser Aufruf viele von euch zum Mitmachen inspiriert.

Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik, schickt mir den Text per Mail – und die Fotos bitte immer in Originalgröße. Sind es viele, sendet sie bitte per WeTransfer.com. Oder hängt sie einzeln an die Mails. Merci ! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht.

Merci fürs Teilen!

3 Kommentare

  1. Und hier in Hamburg wird gerade erneut gelockt. Was mir an diesen Zeiten wenigstens noch gefällt: die Vorfreude. Danke für die begeisterten Zeilen. Uns gehts genauso. Und irgendwann gehts auch wieder hin. Bis dahin: Baguette selber backen, südfranzösischen landwein trinken, alte Bilder betrachten. Und Hilkes Blog lesen!

  2. Liebe Eva, liebe Anja,
    mich freut Eure frankophile Naturbegeisterung die aus Eurem Bericht spricht! Hoffentlich bald legen sich all die blöden momentanen Unstände, damit wir bald schon wieder so vieles an Neues bei unseren Lieblingsnachbarn entdecken dürfen.
    Viele Grüße
    Thomas

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