Kloster Flaran: Kunst im Schlafsaal



Wenige Kilometer außerhalb von Condom im Gers. Tauben verlassen ihren Turm, als sie meine Schritte auf dem Kies hören. Raureif bedeckt das Glas, lässt die Blätter der Platanen funkeln, die im weiten Rund den dahinter liegenden Bau nur ahnen lassen. Ein Fluss, ein Kanal, eine Farmmauer: die Abbaye de Flaran hat sich gut geschützt, von der Welt abgeschottet. Denn der Sandsteinbau war ein Abtei der Zisterzienser. Und die karge, bis heute fast ein wenig abweisend wirkende Antwort auf Cluny.

Askese statt Prunk

Ende des 11. Jahrhunderts hatte sich der mächtige Orden der Benediktiner von Cluny mit Prunk im Abendland ausgebreitet. Als Reaktion auf den für ihn übertriebenen Reichtum gründete Robert de Molesme im Jahr 1098 die Abtei von Cîteaux, die sich an den einfachen Regeln des Heilligen Benedikt orientierten. 1112 tritt Bernard de Fontine (St. Bernhard) mit 30 burgundischen Edelmännern in den Orden ein: Das große Abenteuer der Zisterzienser beginnt.

Als St. Bernhard starb, gab es bereits 343 Zisterzienserabteien. Ende des 13. Jahrhunderts standen zwischen Süditalien und Skandinavien 1500 Abteien. Gegründet wurde sie alle von fünf französischen Mutterabteien: Cîteaux, Clairvaux, Pontigny, La Ferté und Morimond.

Abgelegen am Wasser

Die Mutterabteien suchten stets abgelegene Ort mit Zugang zu Wasser. Morimond fand sienahe der kleinen Bastide von Valence-sur-Baïse, wo auch Ackerboden, Holz und Stein als Rohstoffe für eine Klostergründung vorhanden waren. 1151 wurde die Abtei von Flaran vollendet – sie gilt heute als ein der besterhaltenen Klosteranlagen im Südwesten Frankreichs.

Der Grundriss der Klöster blieb immer gleich und entsprach der Schlichtheit und Reinheit der Benediktsregeln. Werkstätten, Mühle, Schmiede und Kelter gehörten stets dazu, da die Anlagen sich selbst genügen mussten. Einen Architekturkanon gab es nicht. Dennoch entwickelte sich ein eigener Stil, nüchtern, ohne überflüssigen Schmuck, selbst Blumen als Zierde gab es nur außerhalb der Klostermauern, nicht im Kreuzgang mit seinem kurzen Rasen im Zentrum. Sogar auf einen Glockenturm verzichteten die Zisterzienser.

Ora et labora

Gebet und Armut waren Grundlagen ihres Lebens, aber auch ganz handfest gearbeitet wurde von den 25 Mönchen, die in ihrem Werk von 60 Handwerkern unterstützt wurden. Durch St. Bernhard hatte der „Hände Arbeit“ als Ausdruck von Sühne und Armut wieder neuen Sinn bekommen. Ein Betätigungsfeld war der große Klostergarten – selbst jetzt, im Winter, eine wunderschöne Anlage. Und mit Sonnenuhr nahe der hinteren Beete!

1972 kaufte das Département Gers die Anlage, die nach der Französischen Revolution einige Wirren erlebt hat – inklusive Brandstiftung wegen Versicherungsbetrug. Seit dem Jahr 2000 das Centre Culturel Départemental, fördert es zahlreiche kulturelle Aktivitäten. Dazu gehört eine der renommiertesten Privatsammlungen europäischer Kunst, die 2004 nach Flaran geholt werden konnte: die Kollektion von Michaël Simonow, eines russischen Immobilienmaklers mit Wohnsitz in Südafrika, der im Winter in seine Wahlheimat zurückkehrt, im Sommer in Frankreich lebt. Alle zwei Jahre werden die Bilder ausgetauscht.

Kleinod mit großer Kunst

Simonow war so begeistert von der Abtei von Flaran, dass er dem Kunstzentrum des Departements seine großartige Sammlung als Leihgabe anvertraut hat. Die Werke werden in thematischen Sonderausstellungen im Schlafsaal der Mönche, der wie auch die Abtei restauriert wurde, gezeigt.  Mehr als 300 Gemälde von Braque, Cézanne, Chagall, Courbet, Delacroix, Monet, Picasso, Renoir, Rodin, Rubens, Toulouse-Lautrec und Cocteau sowie anderen Meistern der europäischen Malerei vom 16. bis 20. Jahrhundert hat der Sammler Flaran als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Flaran: die Infos

Abbaye de Flaran, Sept. – Juni 9.30 – 12.30, 14.00 – 18.00, Juli/Aug. 9.30 – 19.00 Uhr; erster Sonntag im Monat Eintritt frei, sonst entgeltpflichtig, umfangreiches Veranstaltungsprogramm und interessante Sonderschauen;  www.abbayedeflaran.fr

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