Frankreich: Das erwartet euch … 2019!

2019 feiert das Loiretal der Schlösser 500 Jahre Renaissance. Foto: Hilke Maunder
2019 feiert das Loiretal der Schlösser 500 Jahre Renaissance. Foto: Hilke Maunder

In Frankreich treten 2019 einige wichtige Änderungen in Kraft. Auch drei tolle Großevents locken dort. In Deutschland bringt das Institut Français euch Frankreich mit einem vielfältigen Kulturprogramm näher. Ein Highlight: der 100. Geburtstag des Bauhaus in Dessau – und wie die Architekturschule Frankreich beeinflusst hat.. Hier kurz und knapp im Überblick. 

Steuerreform

Am 1. Januar 2019 tritt in Frankreich eine Reform zur Erhebung der Einkommensteuer in Kraft. Damit wird die Einkommensteuer künftig nicht mehr rückwirkend für die Einkünfte aus dem vorangegangenen Kalenderjahr erhoben, sondern durch das „prélèvement à la source“ wie in Deutschland entsprechend dem monatlichen Einkommen direkt an der Quelle einbehalten.

Höherer Mindestlohn

Bereits seit 1946 (D: 2015) gibt es in Frankreich einen allgemein garantierten, gesetzlichen Mindestlohn (SMIC – salaire minimum interprofessionnel de croissance). Er wird von der Regierung auf Vorschlag einer Mindestlohnkommission (Commission Nationale de la négociation collective) entsprechend der allgemeinen Lohnentwicklung festgesetzt.

Unter dem Druck der Gilets-Jaunes-Proteste hat Staatspräsident Emmanuel Macron eines Erhöhung des SMIC um 100 Euro zum 1. Januar 2019 angekündigt. Zuletzt war zum 1.1.2018 der Mindestlohn um 1,24% auf 9,88 € erhöht worden. Dies entspricht bei einer 35-Stunden-Woche einem Monatslohn von 1 498,47 €. 2019 steigt er auf 10,03 pro Stunde oder 1 521,22 € im Monat, und damit um rund 23 Euro brutto.

Neues Wahlrecht für Europawahl

Für die Europawahlen hat Frankreich das Wahlrecht reformiert und die Rückkehr zu einheitlichen nationalen Kandidatenlisten beschlossen. Durch den Austritt von Großbritannien reduziert sich die Größe des Parlaments zwar von 751 auf 705 Abgeordnete, doch Frankreich wird künftig 79 statt bislang 75 Abgeordnete nach Brüssel und Straßburg entsenden.

Mehr Geld & Menschen fürs Militär

Frankreich will seine Verteidigungsausgaben sukzessive auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2025 steigern. 2019 werde 35,9 Mrd. € (1,84% des BIP) für das Militär im Haushalt bereit gestellt. Offensiv wird in Frankreich zudem rekrutiert, um die Sollstärke der Armee bis 2025 um 6.000 Stellen zu steigern.

Die Höchstdauer der Dienstverpflichtung der Reserve wird von aktuell 30 auf 60 Tage pro Jahr erhöht. Der Dienst soll zudem attraktiver gemacht werden. Und schließlich wird zum 1. Januar 2019 ein freiwilliger Militärdienst (Serive Militaire Volontaire, SMV) zur sozialen und beruflichen Eingliederung von Jugendlichen geschaffen.

Autobahnen ohne Maut-Schranke

Die französische Regierung will den Verkehr auf den Autobahnen flüssiger gestalten und dazu die Mautstellen abschaffen. Die Betreiber der mautpflichtigen „autoroutes“ sollen daher sukzessive die Péage-Schranken abbauen und durch Vignetten an der Windschutzscheibe oder Boxen im Fahrzeug wie liber-t, die mit Sensoren die Gebühr für die Nutzung erfassen.

Die schönsten Groß-Events 2019

500 Jahre Renaissance im Loiretal

Die Region Centre-Val de Loire feiert 2019 anlässlich des 500. Todestags von Leonardo da Vinci die Renaissance in Frankreich. 1519 begann der Bau des Château de Chambord. Und auch Katharina von Medici, ab 1547 Königin von Frankreich, erblickte vor 500 Jahren in Florenz das Licht der Welt.

Die als Blütezeit geltende Epoche feiert das Loiretal der Schlösser 2019 mit einem prallen Bündel kultureller, intellektueller und wissenschaftlicher Veranstaltungen – sie stelle ich euch noch ganz ausführlich vor! Zu neugierig? Dann klickt mal hier: Viva da Vinci 2019!

Fußball-WM der Frauen

Vom 7. Juni bis 7. Juli könnt ihr in Frankreich die Endrunde der 8. Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankreich erleben. In neuen Orten –Grenoble, Le Havre, Lyon, Montpellier, Nizza, Paris, Reims, Rennes und Valenciennes – kicken  24 Mannschaften um den Titel. Die DFB-Damen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sind in Gruppe B mit dabei.

Erster Gegner ist China am 8. Juni um 21 Uhr in Rennes. Vier Tage später, am 12. Juni, spielen die deutschen Damen gegen Spanien um 18 Uhr in  Valenciennes. Am 17. Juni folgt um 18 Uhr der Match gegen Südafrika in  Montpellier. Das Finale der Frauen-Fußball-WM wird am 7. Juli um 17 Uhr in Lyon angepfiffen.

Armada Rouen

Die Armada Rouen gehört zu den größten maritimen Festen der Welt. Vom 6.-16. Juni 2019 ist sie erneut im normannischen Rouen zu Gast – und wird zum 30. Geburtstag noch größer und vielfältiger als bisher sein. Mehr als zehn Millionen Besucher werden für das Treffen der 50 schönsten und größten Windjammer der Welt erwartet und an den Kais der Seine on der Esplanade Saint-Gervais und der Pont Flaubert-Hubbrücke bis zur Guillaume le Conquerant-Brücke vertäut sein.

Tag und Nacht wird gefeiert, mit Open Ship und Paraden, Konzerten mit Weltstars, riesigen Höhenfeuerwerken. Und der „Grande Pagaille“. Bei diesem verrückten Spektakel zur Eröffnung müssen die Besatzungen müssen ihr eigenes Schiff bauen und versuchen, die Seine zu überqueren, ohne auf ihrem UFO, sprich, „Unidentified Floating Object“, zu sinken.

Der erste Teaser zum Seglerfest, das längst auch andere Schiffe und selbst ein U-Boot anlockt, ist inzwischen auf Youtube eingestellt. Viel Spaß!

https://www.youtube.com/watch?v=8M8VcrOMRhc

Frankreich in Deutschland: das Kulturprogramm 2019

Ganz viel Frankreich könnt ihr das ganze Jahr hindurch auch schon daheim bei dem breit gefächerten Angebot des staatlichen französischen Institut français Deutschland erleben. Dies sind die Schwerpunkte 2019!

Austausch von Ideen und Wissen

Die Debattenreihe „Utopie Europa“ widmet sich den Hoffnungen und Zukunftsvisionen junger Menschen für Europa, während die Gesprächsreihe „1989 im Angesicht der Gegenwart“ ausgehend von den politischen Umwälzungen im Jahr 1989 die Entwicklungen der vergangenen 30 Jahre in den Blick nimmt.

Künstlerisches Schaffen

26 x Bauhaus

Zum 100-jährigen Bestehen des Bauhaus illustriert auf Initiative des Bureau des arts plastiques (BDAP) des Institut français Deutschland eine Wanderausstellung das Erbe dieser Kunstbewegung und deren Verbindungen zu Frankreich und zur Gegenwartskunst in Architektur, Theorie und Design.

„26 x Bauhaus“ stellt internationale Künstler*innen vor, die das Bauhaus anhand von 26 Schlüsselwörtern nicht nur als Stil, sondern als das, was es zunächst war, zu begreifen: eine Schule. Basierend auf einem Alphabet – von Abstraktion bis Zeitgeist, über Farbe und Typografie – will die Ausstellung dazu beitragen, die Unterrichtsmethoden der Schule zu veranschaulichen und neu zu beleuchten.  Diskussionen, Vernissagen und Austauschbegegnungen ergänzen an den Ausstellungsorten das Programm.

Rendezvous im Garten

Nach einer erfolgreichen Deutschland-Premiere im vergangenen Jahr will die französische Eventreihe Rendez-vous aux jardins, die seit 15 Jahren in Frankreich existiert, auch in diesem Jahr wieder Deutschlands Parks und Gärten zur Geltung bringen. 2019 liegt ein besonderes Augenmerk auf den Tieren im Garten. Nach dem Auftaktwochenende (7.-9. Juni) folgt  ein breites Kulturprogramm.

So finden von Juni bis September 2019 künstlerische Performances (Conversations, The Screening, A l’ombre des ondes) und eine Foto- Ausstellung (Renaissance) in ganz Deutschland statt. Im November lädt das IF Deutschland in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin zu dem Symposium „Wo ist der Garten“.

Goût de France

Seit fünf Jahren nehmen Tausende Restaurants aus der ganzen Welt am Gastronomieevent „Goût de France“ teil. 2018 haben 3 500 Restaurants die französische Küche gefeiert, darunter rund 30 in Deutschland – und auch einige Schuleinrichtungen.

2019 beteiligt sich erstmals das Institut français Deutschland und veranstaltet  vom 18. bis zum 24. März 2019 verschiedene Aktivitäten rund um die Gastronomie und die Frankophonie. Das Institut français Bremen bietet beispielsweise Backkurse an. Makroaufnahmen von Obst und Gemüse, aufgenommen von der französischen Künstlerin Caroline Martin, könnt ihr im Institut français München bewundern.  Mehrere Projekte unterstützten die kulinarischen Bildung beim Nachwuchs. So stellen mehrere Schulen in der Festwoche ihren Schülern ihre französischen Menüs vor.

FranceDanse

Seit 2007 bringt FranceDanse jährlich ein französisches Schwerpunktprogramm auf die Tanzbühnen eines ausgewählten Gastlands. Große Theaterhäuser und experimentelle Bühnen erhalten damit die Möglichkeit, dem Publikum Solo-, Duo- und Gruppenchoreografien und aufstrebende Künstler bzw. unabhängige Kompanien zu präsentieren, die im Ausland noch wenig bekannt sind. Nach Brasilien (2015) und Russland (2016) ist 20189 Deutschland Gastland von  „FranceDanse“ .

Drei deutsche Ballettensembles werden mit drei zeitgenössischen französischen Choreografen zusammenarbeiten: Koari Ito, Angelin Preljocaj und Pierre Rigal. Erlebt die drei Ausnahmekünstler und ihre unterschiedlichen ästhetischen Ansätzen bei diesen Uraufführungen:
23. Februar, 11. Juni: Extravaganzen – Angelin Preljocaj mit dem Ballett des Saarländischen Staatstheaters
21. Juni: Made in Chemitz – Kaori Ito mit dem Ballett des Theaters Chemnitz
Anfang 2020: Pierre Rigal  und das Ballett des Staatstheater Mainz

Neben diesen Ballettschwerpunkten kooperiert „FranceDanse“ mit der Akademie der Künste in Berlin bei „Das Jahrhundert des Tanzes“. Vom 23. August bis zum 21. September 2019 präsentiert es eine Reihe von in Frankreich lebenden Choreografen und Künstler: Dominique Bagouet, Boris Charmatz, Nacera Belaza, Paul/a Pi, Anne Collod, Joseph Nadj, Xavier Le Roy, Eszter Salamon und viele andere.

Am letzten Augustwochenende steht mit „Tanz im August“, „Berlin Circus Festival“ und „Étape danse“ zudem ein Branchentreffen in Zusammenarbeit mit der Fabrik Potsdam auf dem Programm.

Eröffnet wird „FranceDanse 2019 “ am 1. April 2019  im Beisein der Französischen Botschafterin in Deutschland, I.E. Anne-Marie Descôtes, mit der Aufführung von Die Schuld des Tages an der Nacht von Hervé Koubi im Staatstheater Mainz.

Französische Filmwoche Berlin

Die „Französische Filmwoche“ ist ein Filmfestival, welches sich seit der Gründung im Jahr 2000 zu einem der größten Kinoereignissen in Berlin entwickelt hat. Sieben Tage lang werden französische Filme, die kurz vor ihrem deutschen Kinostart stehen, als Vorpremieren in Berlin präsentiert. Diese Initiative des Instituts français Deutschland und UniFrance Films, in Partnerschaft mit der Yorck Kinogruppe, gewährt dem deutschen Publikum einen besonderen Einblick in die Vielfalt des französischen und französischsprachigen Films. Die Filme werden an sieben Orten in Berlin gezeigt: Kino International, Cinema Paris, Kino Arsenal, Filmtheater am Friedrichshain, Rollberg, Centre Français de Berlin/ City Kino Wedding und Institut français de Berlin.

 Nouvelles voix / Neue Stimmen

Jedes Jahr werden mehr als tausend Übersetzungen aus dem Französischen angefertigt. Dazu leistet das Bureau du livre, de l’édition et des médiathèques des Institut français Deutschland seinen Beitrag mit rund 30Lesungen bzw. Autorentourneen und  rund 100 Publikationsförderungen.

2019 unterstützt das Bureau du livre im Rahmen des Programms „Nouvelles voix / Neue Stimmen“ Gastauftritte von Debütautoren oder solcher, die eine erste deutsche Übersetzung ihres Werkes präsentieren. Mit dabei sind  Mahir Guven, Jakuta Alikavazovic, Nicolas Mathieu, Alice Zeniter und Jean-Baptiste Del Amo. Ferner fördert es das Festival du Premier roman européen in Kiel (2.-5. Mai 2019).

Zur Förderung junger Übersetzer organisiert das Bureau du livre in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in Paris Ende September 2019 eine Veranstaltung für junge Übersetzer, die an dem deutsch-französischen Programm „Georges-Arthur Goldschmidt-Programm“ teilnehmen

Innovation

Deutschland ist bedeutender Markt für die französische Kultur- und Kreativwirtschaft. Konzertveranstalter und Festivals präsentieren jedes Jahr rund 900 Konzerte französischer Künstler. Auf dem Buchmarkt steht das Französische bei den Übersetzungen ins Deutsche an zweiter Stelle nach dem Englischen. Und in der Filmbranche ist Europa und insbesondere Deutschland der wichtigste Absatzmarkt für französische Filme.

Vor diesem Hintergrund organisiert das Institut français Deutschland 2019 mit seinen deutschen und französischen Partnern unter dem Motto „Allez Hop! – Entreprendre dans la culture“ in Mannheim vom 3. bis zum 5. April 2019 das erste deutsch-französische Forum zur Förderung des Unternehmertums in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

 

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5 Kommentare

    • Hallo Gabi, danke für Deine Anfrage! Bis 27. Januar ist noch ROM 321 in Rouen zu sehen, im Sommer passend zur Armada die Ausstellung „Titanic“. Sie läuft zurzeit noch in Leipzig; wann genau sie in Rouen eröffnet, habe ich angefragt, aber noch nicht erfahren. Viele Grüße! Hilke

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