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Frankreich-Bücher: 5 tolle Titel

Fünf Frankreich-Bücher im Test: Ralf Nestmeyers Avignon-Krimi, Sarah Weidmanns spannendes Erstlingswerk von der Charent, Filius-Jehnes Reiseführer zu den beiden Charentes, Neustart im mit Herz in Arles und die besten Adressen in Paris mit echtem Nostalgieflair: Wonach steht euch der Sinn?

Wer Frankreich liebt, sucht diese Leidenschaft auch zwischen zwei Buchdeckeln. Ob stimmungsvoller Regionalkrimi für den Liegestuhl, Schmetterlinge im Bauch beim Neustart in Südfrankreich oder fundierter Reisebegleiter für die nächste Entdeckungstour: Die Fülle an Neuerscheinungen über unser Lieblingsland ist riesig. Doch die Qualität schwankt gewaltig. Was unterscheidet ein Buch, das mit Herzblut, echter Ortsexpertise und Akribie recherchiert wurde, von einem Werk, das unter Hektik, Klischees und schlampigem Lektorat leidet? Um genau das herauszufinden, habe ich ein ein paar interessante Neuerscheinungen unter die Lupe genommen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Voilà ein Blick auf fünf Frankreich-Bücher – mit viel Sonne, aber auch etwas Schatten.

Einfach mörderisch

Ralf Nestmeyer, Nachtschwarzes Avignon*

Die Provence ist eine Landschaft, die in der deutschen Gegenwartsliteratur eine eigentümliche Doppelrolle spielt: Sie ist Sehnsuchtsort und Verbrechensschauplatz zugleich. Ralf Nestmeyer, der sich als Autor fundierter Reiseführer einen hervorragenden Namen für den französischen Süden gemacht hat, schickt in Nachtschwarzes Avignon* seinen Ermittler Capitaine Olivier Malbec bereits zum fünften Mal auf Spurensuche. Wer Nestmeyers Sachbücher kennt, weiß um seine tiefe Vertrautheit mit der Region. Umso erstaunlicher ist der Befund, den dieser jüngste Fall hinterlässt.

Inhalt: Mord und Historie in der Papststadt

Als Kulisse der Handlung dient die einstige päpstliche Residenzstadt Avignon, wo der renommierte Mittelalter-Experte Sébastien Trudeau im Vorfeld eines großen Kongresses spurlos verschwindet. Wollte womöglich jemand verhindern, dass dessen bahnbrechende Entdeckung zum Templerorden publik würde? Malbec, der nach dem Scheitern seiner Ehe aus Marseille nach Avignon geflüchtet ist, gerät in ein Geflecht aus akademischen Intrigen, provenzalischer Lokalpolitik und historischen Konflikten, die noch heute die Gegenwart prägen. Der Roman bedient dabei das klassische Krimi-Muster: ein rätselhafter Vermisstenfall, Ermittlungen im Gelehrtenmilieu um den Historiker Emmanuel Le Roy Ladurie und ein Geflecht aus Verdächtigen.

Klischees und Patzer

Doch der Roman leidet spürbar unter seiner doppelten Natur als Krimi und Kulturprosa. Nestmeyer gelingt es zwar, dem Milieu eine gewisse Gelehrtenatmosphäre zu verleihen, doch gerät das Erzählen immer wieder ins Stocken, wenn historische und geografische Fakten in den Text gepresst werden. Anstatt Atmosphäre anschaulich spürbar zu machen, verfällt die Prosa in lehrbuchhafte Didaktik. Wenn eine Figur beiläufig erwähnt, dass Montaillou ein Ort im Département Ariège am Fuße der Pyrenäen sei, dient der Dialog nicht der Charakterzeichnung, sondern der reinen Informationsvermittlung.

Besonders irritierend sind jedoch die handwerklichen Nachlässigkeiten eines ausgewiesenen Frankreich-Kenners, der mittlerweile zahlreiche Reiseführer zur Provence und Südfrankreich verfasst hat. Dass Nestmeyer das Département Bouches-du-Rhône auf Seite 58 mit der Nummer 06 statt der korrekten 13 versieht – die 06 gehört bekanntlich zum Département Alpes-Maritimes –, ist für einen Reiseschriftsteller ein geradezu peinlicher Fauxpas. Gleiches gilt für die Behauptung auf Seite 7, der Vaucluse sei ein „einsames provenzalisches Hinterland“. Wer den Luberon in den letzten Jahren besucht hat, weiß, dass von Einsamkeit dort längst keine Rede mehr sein kann, da er ganzjährig stark besucht wird.

Sprachliche Schwächen

Auch sprachlich offenbart der Text eklatante Schwächen. Wenn Cézannes Hausberg auf Seite 51 als „ikonischer Berg“ der Montagne Sainte-Victoire bezeichnet wird, schimmert eine typische KI-Formel vom englischen iconic durch, die im Deutschen unnatürlich und wie hölzern übersetzt wirkt. Begriffe wie markant, berühmt oder legendär hätten den Ton der Landschaft getroffen; „ikonisch“ hingegen wirkt seltsam. Zudem gerät die Schilderung von Marseille auf Seite 50 zu einer Ansammlung müder Stereotypen von Drogenkartellen, Parallelgesellschaften und Morden, ohne je eine eigene literarische Stimme zu entwickeln.

Dass die Mängel des Romans nicht bei der Geografie aufhören, sondern sich bis in die Geistesgeschichte ziehen, zeigt ein besonders eklatanter Fauxpas. Nestmeyer bemüht ein weltberühmtes Zitat von Horaz – Non omnis moriar –, übersetzt es im Text jedoch mit „Nicht jeder wird sterben“ und wendet es auf den Templerorden an. Wer auch nur Grundkenntnisse in Latein besitzt, weiß, dass moriar in der 1. Person Singular steht. Richtig heißt es: „Ich werde nicht gänzlich sterben“. Horaz spielte damit auf die Unsterblichkeit seines dichterischen Werkes an. Dies kollektiv auf den Templerorden umzumünzen, ist gewagt.

Tolle Idee, schludrige Umsetzung

Nachtschwarzes Avignon* ist kein gänzlich misslungenes Buch. Nestmeyers Sympathie für Land und Leute ist deutlich zu spüren. Auch der Plot ist handwerklich passabel konstruiert, und die Lokalkolorit-Elemente sprechen Krimi-Leser auf der Suche nach Urlaubserinnerungen durchaus an. Doch das Werk wirkt in Teilen hastig zusammengeschustert, stellenweise überglatt und redaktionell schlampig lektoriert. Was bleibt, ist ein hybrider Mix aus Kulturprosa, Reisehandbuch und einem Hauch von Krimi. Der Roman präsentiert damit den von mir sehr geschätzten Kollegen und Sachbuchautor unter seinem eigentlichen Niveau. Schade drum, denn die Idee hinter dem Krimi ist höchst spannend. Dies ließ mich durchhalten bis zum Schluss – und darauf hoffen, dass bei der 2. Auflage das Lektorat die Patzer eliminiert. Denn der Krimi hat das Zeug zu ganz viel Lesegenuss. Wer mag, kann Band 5 der Capitaine-Malbec-Reihe hier* bestellen.

Sarah Weidmann, Mord in Rochefort*

612 Seiten dick ist der Erstlingskrimi von Sarah Weidmann, der mich so gefesselt hat, dass ich ihn erst nach der letzten Seite aus der Hand legen konnte. Ihr Mord in Rochefort beginnt mit einer Heimkehr, die alles andere als nostalgisch ist. Die Agenturgrafikerin Helena Moreau kehrt zum 60. Geburtstag ihres Vaters an die heimatliche französische Atlantikküste zurück — mit dem erklärten Vorsatz, die Familienwoche möglichst schnell hinter sich zu bringen. Denn Rochefort ist für sie untrennbar mit einem alten Verlust verbunden: Vor zehn Jahren kam ihr Bruder Victor bei einem Sturz von den Klippen ums Leben. Die Familie akzeptierte den Tod als tragischen Unfall, schwieg darüber und schloss die Akte. Helena verließ daraufhin Frankreich und ließ eine Vergangenheit zurück, die sie nie wirklich verstanden hatte.

Doch nun wiederholt sich das Muster. Bruno Verneuil, der langjährige Verwalter des Weinguts, wird tot in den Weinbergen gefunden — erneut sollen ein Sturz, verbunden mit Alkohol, die Erklärung zu liefern. Doch Helena glaubt nicht an einen Zufall. Sie beginnt, den aktuellen Todesfall mit dem Tod ihres Bruders zu verknüpfen, und stößt dabei auf ein Familiengefüge, in dem Schweigen, Loyalität und wirtschaftliche Interessen eng miteinander verbunden sind. Je tiefer sie gräbt, desto deutlicher wird: Victors Tod war keine Tragödie, sondern ein gezielter Mord, um ein Wirtschaftsvergehen im hart umkämpften Weinmarkt zu decken. Hatte Victor entdeckt, dass jemand mit deklassierten Weinen Geld in die eigene Tasche scheffelt?

Deklassierte Weine und tragische „Unglücke“

Stark ist vor allem das Setting. Rochefort und das dortige Weingut vermitteln französisches Flair, ohne bloß als Postkartenhintergrund zu dienen. In ihrem packenden Spannungsbogen sind der Weinbau und die Familiengeschichte eng mit dem Kriminalfall verbunden, und geschickt verbindet der Cold Case mit neuer Todesspur Vergangenheit und Gegenwart. Bis auf Helenas Mutter Clara fand ich auch die Figurenzeichnung sehr lebendig und anschaulich – und besonders die gute Balance zwischen den beiden Männern in Helenas Leben, die einen beim Lesen lange im Unklaren lässt, wer der eigentlich „Schuft“ ist. Kurzum: ein Cosy Crime mit schönem Spannungsbogen, toller Atmo und sehr gut recherchiert: Sommerlektüre! Wer französisches Flair, Weinbau, Familiengeheimnisse und einen eher sanften Erzählton mag, wird den Debütkrimi mit der Ermittlerin Helena Moreau lieben; wer radikale Wendungen, psychologische Härte oder hohe Tempodichte sucht, könnte den Roman als zu langsam empfinden. Wer mag, kann den Wein-Krimi hier* online bestellen – oder im stationären Buchhandel.

Herz und Historie

Fast ebenso häufig wie auf Hochspannung setzen zahlreiche Frankreich-Bücher auf die bewährte Mischung aus Herz und Historie. Anne Tepper packt noch das Thema „Neuer Start im neuen Land“ hinzu.

Anne Tepper, Einmal Arles und nie mehr zurück*

Dieser Erstlingsroman ist wie ein Kurzurlaub: leicht, turbulent und mit viel Südfrankreich-Flair. Anne Tepper schickt ihre Heldin Elisabeth nach Arles – allerdings nicht freiwillig. Nach einem privaten und beruflichen Totalschaden beschließt die Familie: Die Busrundreise, die eigentlich die Großmutter bei einem Gewinnspiel gewonnen hat, macht die Enkelin, die nacch dem doppelten Crash in Hamburg wieder daheim eingezogen ist und der Buchhaltung des Familienbetriebs hilft. Doch in Arles verpasst Elisabeth den Bus. Und hockt nun in Arles: ohne Geld, ohne Handy, aber mit rätselhaften Ohnmachtsanfällen. Viel schlimmer kann ein Neustart kaum beginnen.

Doch gerade aus diesem Chaos gewinnt der Roman seine Energie. Elisabeth trifft auf liebenswerte Einheimische wie Anne-Sophie und Maxime. Und den ziemlich verschrobenen, emeritierten Archäologie-Professor Limanou, der sie bei sich aufnimmt… und ihr von einem geheimnisvollen Friedhof der antiken griechischen Siedler berichtet, den er , bevor die Bagger für ein Bauprojekt anrücken, freilegen möchte. Anne, im tiefsten Herzen Forscherin, beginnt, langsam wieder Fuß zu fasse, ihr Leben neu zu sortieren – und wächst aus eigener Kraft – und ihrer neuen Freunde — über ihre Krise hinaus.

Das gelingt Tepper mit viel Tempo, flotter Schreibe und viel Humor. Wie ein Film läuft die Lektüre. Die eingeflochtenen historischen und wissenschaftliche Fakten hemmen den Lesefluss nicht, sondern machen dieses „Kopfkino“ erst richtig rund. Wer jedoch überraschende Wendungen sucht, ahnt früh, wohin die Reise geht. Doch dies stört den Lesespaß nicht, und nicht nur die Handlung, sondern auch Arles fesseln..

Anne Tepper arbeitet seit vielen Jahren für Deutschlandfunk Nova als Journalistin und berichtet über Wissenschaft und aktuelle Themen. Ihre Fähigkeit, komplexe Inhalte verständlich zu erzählen, prägen auch ihren ersten Roman. Und lebt Elisabeth vielleicht einen Traum ihrer Autorin, die – 1982 in auf einem Bauernhof im Münsterland geboren und aufgewachsen – sich selbst als Frankreichliebhaberin beschreibt. In ihrem Autorenprofil des Selfpublisher-Verbands verrät sie, dass sie davon träume „, jeden Tag knuspriges Baguette essen zu können und von einem Platz am Meer, an dem sie all ihre Geschichten aufschreiben kann.“ In Arles erfüllt sich ihre Heldin Elisabeth diesen Traum. Hier* könnt ihr diesen Herzensroman bestellen.

Frankreich-Bücher für neugierige Reisende

Christiane Filius-Jehne, Charente und Charente-Maritime – In Frankreichs Westen: 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade*

Die Départements Charente und Charente-Maritime gehören zu den facettenreichsten Landstrichen im Westen Frankreichs. Genau in dieses Spannungsfeld begibt sich der neue Reiseführer von Christiane Filius-Jehne, die in La Rochelle ein zweites Zuhause gefunden hat.

Wer die Charentes verstehen will, kommt an den bekannten Highlights nicht vorbei. Die Autorin weiß das und verzichtet bewusst darauf, sie vorzuenthalten. So stellt das 256 Seiten dicke Taschenbuch sämtliche Aushängeschilder wie das maritime La Rochelle, das im Meer thronende Fort Boyard sowie die beliebten Inseln Île de Ré und Île d’Oléron vor. Auch die geschichtsträchtige Stadt Saintes, die selbsternannte Comic-Hauptstadt Angoulême, das Weinbrandmekka Cognac, die Höhlen von Meschers-sur-Gironde oder das majestätische Château de La Rochefoucauld fehlen nicht. Die bekannten Sehenswürdigkeiten der Charente machen ungefähr 60 bis 70 Prozent der Auswahl aus – eine Entscheidung, die gerade für Menschen, die dieses Gebiet neu für sich entdecken, einen guten Einstieg bietet.

Etwa 30 bis 40 Prozent der Tipps führen an Orte, die einen wunderbar ungewöhnlichen Charakter besitzen. Da ist beispielsweise der verträumte Canal de Rompsay, der zu ruhigen Erkundungen einlädt, oder das beschauliche Handwerksdorf Loix. Im Port des Salines wird die traditionelle Salzgewinnung lebendig, während der bewachsene Steinbruch von Crazannes eine fast mystische Kulisse entfaltet. Weitere Tipps abseits der ausgetretenen Pfade sind die Höhlenkirche Saint-Jean, das monumentale Château de la Mercerie und die ehemaligen Tongruben von Guizengeard.

Für Kenner, die jeden Winkel der Küste bereits entdeckt haben und echte Insider-Tipps suchen, bietet der Band eine Handvoll echter Perlen. Die breite Leserschaft wird sich freuen, dass dieses Buch nicht zur Entscheidung zwischen Pflichtprogramm und Kür zwingt. Es verbindet beide Welten zu abwechslungsreichen Erlebnissen unterwegs. Kurzum: Dieses Frankreich-Buch hält, was der Einband verspricht: Akribie, Liebe zur Region und eine ehrliche Mischung aus Bekanntem und Unentdecktem. Genau das gelingt Christiane Filius-Jehne bei ihrer Reise an den Atlantik. Hier* könnt ihr das handliche Reisetaschenbuch bestellen.

Marin Montagut, Paris*

Dunkelgrünes Leinen, goldene Prägung und ein rotes Lesebändchen: Bereits die Aufmachung signalisiert: Paris* setzt auf Nostalgie und das Flair jener Zeit, in denen Bücher noch echte Schätze waren, wertvoll und liebevoll gefertigt. Erstellt hat es der XX jährige Franzose Marin Montagut, der in Paris als Illustrator und Designer eine eigene Boutique in der Rue Madame, unweit des Jardin du Luxembourg, betreibt. Seit Jahren sammelt er die besten Adressen der Stadt, keine Eintagsfliegen oder trendigen Pop-up-Stores, sondern bewährte Klassiker: Antiquare, Buchbinder, Pâtissiers, Kräuterhändler, Modisten und Kurzwarengeschäft. Sein Werk, im französischen Original Mon Paris de toujours, hat Frederking & Thaler als Lizenzausgabe herausgebracht.

475 Adressen hat Marin Montagut darin versammelt, sauber sortiert nach den Pariser Arrondissements – und mit Raum für eigene Entdeckungen und Ergänzungen. Die Kurzportraits ergänzen handgemalte Aquarelle im Stile jener Kataloge und Kompendien, die zur Belle Époque beliebt waren. Damit reiht sich Montaguts Buch Paris* ein in die illustrierten Pariser Almanachen des 19. Jahrhunderts. Rätselhaft blieb mir allerdings die Nummerierung der dargestellten Objekte, die ich nicht auflösen konnte – und daher dann schließlich auch das Deko-Element begriff,

Bereits 2021 hatte Montagut mit Le Paris merveilleux (deutsch bei DuMont: „Verborgene Schätze in Paris“) ein Paris-Buch vorlegt. Sein neues Werk unterscheidet sich davon deutlich. Während der DuMont-Band sich auf 19 Handwerksbetriebe konzentrierte, stellt der Paris-Band vonFrederking & Thaler die gesamte Bandbreite traditionsreicher Pariser Adressen vor, einige wenige davon weltberühmt, das Gros jedoch echte Kleinode für Insider. Wer mag, kann das nostalgische Adresskompendium hier* bestellen.

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