Die Frankreich-Versteher: Tops & Flops

Der Pariser Eiffelturm bei Nacht

Kulturschock Frankreich? Da gibt es Abhilfe. Mal unterhaltsam, mal tiefsinnig, mal ganz sachlich, mal sehr persönlich. Wie tickt unser Lieblingsnachbar? Die Antworten sind so unterschiedlich wie die AutorInnen, die dieser Frage immer wieder nachgehen Landes- und Kulturkunde mit Augenzwinkern, Humor und Hintergrund verbinden diese Bücher.

Die Frankreich-Versteher

So sind sie, die Franzosen

„Humorvoll geschriebene Betrachtung über die Franzosen. Habe an vielen Stellen sehr lachen müssen und vieles wiedererkannt bzw. auch bemerkt, wie „deutsch“ ich selbst denke“, hat auf Amazon in der bislang einzigen Rezension zum Buch geschrieben, das in diesem Herbst erschien.

Und genauso ist das Werk des Duos auch: perfekte Unterhaltung – ein getextes Augenkino mit Anekdoten und Aperçus, flott geschrieben, nicht nachdenklich, tiefsinning und schwer, sondern leicht  wie eine Brise, die aus dem Nachbarland schon vor dem Urlaub zu euch hinüber weht, das euch ein, zwei Stunden unterhält, ein Lächeln auf euer Gesicht zaubert. Kurzum: ein Buch wie ein Aperitif, das ihr euch auf den Besuch in Frankreich einstimmt.

Michael Syrett, Nicholas Yass: So sind sie, die Franzosen. Reise Know-How, 1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-8317-2873-2

Wertung: 12/20

Le FettnapfWie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen

Vielleicht kennt ihr sie von N24 oder aus Printmedien für Focus, Handelsblatt, Bunte oder NZZ? Tanja Kuchenbecker lebt seit mehr als 20 Jahren als freie Journalistin und Buchautorin in Frankreich. Was sie erlebte, als sie frisch ankam, und wie es ihr schließlich gelang, sch  einigermaßen würdevoll durchs französische Alltagsleben zu bewegen, erzählt sie auf 224 Seiten.

Gehofft hatte ich leichte Kost mit Tiefgang, ein Werk voller Esprit. Doch leider bündelt sie nur Plattitüden, konzentriert sich auf Belanglosigkeiten, Übertreibungen und persönlichen Aussagen, betrachtet die Franzosen eher mit einem verständnislosen Kopfschütteln und verstrickt sich in Widersprüche. Désolée, Tanja. Ich hatte mehr erwartet.

Tanja Kuchenbecker: Le Fettnapf – Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2010
ISBN:  978-3-499-62649-4

Wertung: 4/20

 111 Gründe, Frankreich zu lieben

Wie tief die Klischees über Frankreich sitzen, haben die beiden ARD-Korrespondentinnen Daniela Kahls und Evi Seibert als Resonanz auf ihre Berichte aus Frankreich immer wieder erfahren. Und diesmal nicht zum Mikro gegriffen, sondern zur Feder.

Herausgekommen ist ein 248 Seiten dickes Gemeinschaftswerk, das mit einem Augenzwinkern das Land und seine Bewohner unterhaltsam vorstellt: in kurzen Geschichten und Anekdoten, kenntnisreich wie humorvoll verfasst – 111 Gründe, die mir die Franzosen noch sympathischer gemacht haben. Zum Beispiel Grund neun: die Duftbibliothek von Versailles. Kommt gleich auf die „Das-Muss-Ich-Mir-Ansehen-Liste“!

Daniela Kahls/Evi Seibert: 111 Gründe, Frankreich zu lieben, Schwarzkopf-Verlag 2016

ISBN 978-3-86265-560-1<
Wertung: 18/20
Fettnäpfchenführer Frankreich

Fast drei Mal so dick ist dieser Kulturführer, den das Duo Bettina Bouju  und Johanna Link verfasst hat. Die eine hat Ethnologie-, Literatur-, Film und  Journalismus, studiert, die andere sogar einen interdisziplinären Diplomstudiengang Frankreichstudien abgeschlossen, doch genützt hat es nichts: 288 Seiten lang habe ich mit über veraltete Stereotypen geärgert.

Die als Beispiele herangezogenen Anekdoten wirken sehr oft konstruiert und künstlich; auch schadet der Protagonistenwechsel der Übersichtlichkeit und stoppt den Lesefluss. Was mich fast noch mehr genervt hat, war der Versuch, sich sprachlich der jungen Zielgruppe anzupassen. Und: Haben beide nicht sogar in Frankreich gelebt? Wie können dann sprachliche Fauxpas wie diese entstehen: Kir Royale (korrekt: Kir Royal, da maskulin). Oder:  Je vous fait [muss „fais“ heißen bei 1. P. Sing.] un autre Pastis“ .

Bettina Bouju: Johanna Links: Fettnäpfchenführer Frankreich, Conbook-Verlag, 5. Auflage 2016BN: 978-3-934918-74-0

Wertung: 3/20.

Gebrauchsweisungen für…

Paul Watzlawik war 1978 der erste gewesen, der für diese Reihe des Piper-Verlages den Auftaktband verfasst und sich in seiner Gebrauchsanleitung für Amerika den Zugang Schritt für Schritte seinen Zugang amerikanischen Seele offenbarte. Bis heute sind die Bände, die in der Tradition von Reiseliteratur à la Fontane oder Mark Twain stehen, keine schnell getexteten Werke voller Klischees, sondern Literatur, die unterhält, nachdenklich macht, euch mitnimmt auf Erlebnisse von Glück bis Pech – und so Wesen und Seele eines Landes berührt. Das gilt auch für die drei Bände zu Frankreich, die zwar nicht mehr ganz frisch, aber dennoch bis heute unglaublich lesenswert sind.

• Johannes Wilms: Gebrauchsanweisung für Frankreich, Piper-Verlag 2005 (192 Seiten, ISBN: 978-3-492-27544-6)
• Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika, Piper-Verlag 2014 (224 Seiten, ISBN: 978-3-492-27640-5)
• Birgit Vanderbeke: Gebrauchsanweisung für Südfrankreich, Piper-Verlag 2011 (224 Seiten, ISBN: 978-3-492-27601-6)

6 Kommentare

  1. Liebe Ilse, danke für den Tipp und die Korrektur; ich hätte noch geantwortet, wenn da nicht auch Familie wäre. Mein Blog ist ein Herzblutprojekt, dem ich mich nach Job und Familie widme; da passieren auch mir mal Fehler. Merci und bonne nuit, Hilke

  2. Danke für die Rezensionen, aber wenn man grammatische Schnitzer kritisiert , sollte man selber auch keine machen:
    Ich denke, in Deiner Kritik zum Buch „Fettnäpfchen“, müsste es doch heißen „ Désolée“, da Du weiblich bist, Je suis désolée“
    Liebe Grüße
    Ilse Schmidt

  3. das Buch mit den 111 Gründen habe ich auch gelesen, sehr unterhaltsam, sehr treffend…. ich könnte dort durchaus noch weitere Gründe hinzufügen, zb dass man in FR keine Lücken zufahrt, nur um zu vermeiden, dass man vielleicht 4 Sekunden später an der nächsten Ampel ankommen könnte… inzwischen könnte ich wahrscheinlich auch eine „Gebrauchsanleitung“ schreiben…. lach, LG aus Strasbourg

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