Gérard Samson: 1. Winzer der Normandie

Gérard Samson (62) am Pressoir seines Kellers. Foto: Hilke Maunder
Gérard Samson (62/2020) am Pressoir seines Kellers. Foto: Hilke Maunder

Gérard Samson überzeugt selbst stärkste Skeptiker. Hier, mitten im Calvados, produziert er nicht Cidre, sondern richtigen Wein?

„Bien sûr, Madame“, lächelt der ehemalige Notar. 1995 schloss er seine Kanzlei im Tal der Dives. Und beschloss, seiner Leidenschaft zu fröhnen.

Das Weingut Arpents du Soleil. Foto: Hilke Maunder

Als gestandener Mann ging er in den Burgund, lernte das Weinhandwerk von der Pike auf. Und gründete seine Weingut Arpents du Soleil. „Sonnenbühl“ würden die Lage deutsche Winzer nennen. „Perfekt für meine Vins de Normandie„, sagt Gérard.

Der einstige Notaire setzt in der Normandie eine ungewöhnliche wie einzigartige Tradition fort. Seit dem Jahre 1792 hatte Familie Leriche auf dem einzigen Weinberg der Normandie Reben angebaut und gekeltert.

Perfekte Geologie für guten Wein

Blick über die Auxerrois-Reben auf die Kirche von Jort. Foto: Hilke Maunder

Die geologischen Bedingungen für den Weinbau rund 20 km südöstlich von Caen sind bestens. Der Boden des Weinberges Arpents du Soleil beim Örtchen Saint-Pierre-du-Dives besteht aus einer steinigen Mischung aus Kalk und Lehm, die auf einer harten, aber rissigen Kalkschicht liegt.

Dieser Mix bringt anderenorts Grands Crus hervor. Und sorgt für ein Mikroklima, das trockener und wärmer ist auf dem südlich orientierten Hang.

Die Lese ist Ende September beendet. Foto: Hilke Maunder

Eine Geologie, perfekt für die Entwässerung und das Wachstum der Weinstöcke. Ihre Wurzeln wachsen mehrere Meter tief bis zu den Mergelschichten hinunter, die die Wasserzufuhr bei trockenen Zeiten sichern.

Die Trauben lesen Auszubildende der Sommelierschule von Caen gemeinsam mit Helfern aus dem Dorf gemeinsam im frühen Herbst von Hand.

Zwei hölzerne Pressoirs wringen den Saft aus der Traube. Danach gibt Gérard Sulfite hinzu, um seine Weine zu stabilisieren.

Gérard Samson am Pressoir. Foto: Hilke Maunder

Auf künstliche Erhöhung des Alkoholgehaltes oder Filterung indes verzichtet Gérard. Dadurch kann es bei den Tafelweinen aus dem Calvados zu Bodensätzen kommen, die die Qualität des Weines jedoch nicht beeinflussen.

6,6 Hektar groß ist sein Weingut inzwischen. „Und sauber aufgeteilt: 50/ 50 für Rot und Weiß“, lacht Gérard und nimmt eine Kostprobe aus dem Schlauch, aus dem der frisch gepresste Traubensaft in den Edelstahltank läuft.

Auxerrois blanc, Pinot Gris, Melon de Bourgogne, Müller-Thurgau und Chardonnay reifen am Hochspalier für die Weißweine. Als einzige rote Rebe gehört seit 2007 auch Pinot Noir dazu.

Die Rebreihen mit Pinot Noir beginnen direkt am Parkplatz der Kellerei und ziehen sich den Hang hinauf. Foto: Hilke Maunder

Ausgezeichnet vom Guide Hachette

1998 stellte er die Früchte seiner Arbeit vor. 2.800 Flaschen, gefüllt mit 500 ml Weißwein. Ihre Etiketten verraten dank ihrer Farbe die Traube.

Sofort nahm ihn der unabhängige Weinführer Guide Hachette auf. Und führte den Wein von Les Arpents du Soleil im Jahr 2014 sorgar unter den Besten Frankreichs.

Unabhängigkeit und Objektivität gehören zu den Prinzipien des Weinführers. Bei der Blindverkostung degustieren und bewerten rund 900 Weinexperten – darunter Önologen, Sommeliers und Fachjournalisten – mehr als 30.000 Weine.

Ungefähr zwei Drittel der Weine werden eliminiert. Nur die Besten kommen in den Guide Hachette. Darunter immer wieder auch die Tropfen von Gérard Samson.

Ein Sonnenrad, vom Wind angetrieben: das Markenzeichen des Weingutes. Foto: Hilke Maunder

Info

Les Arpents du Soleil

Wir haben etwas suchen müssen, da unser Routenplaner überfordert war. Gérard kennt das Problem. Und hat von der Kirche und deren Rue de l’église in Jort den Weg mit gelben Pfeilen und dem Namen des Weingutes markiert.
• Chemin des Vignes – Grisy, 14170 Saint-Pierre-sur-Dives, Tel. 02 31 40 71 82, www.arpents-du-soleil.com

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