Geschäftskultur in Frankreich

„Beim Händeschütteln nicht so fest wie in Deutschland zudrücken – und nicht so lange ansehen“, das war damals  beim interkulturellen Training von Airbus in der Toulouser Zentrale einer der Kernsätze zur Geschäftskultur in Frankreich gewesen.

Der Besuch der Veranstaltung war damals nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für deren Partner Pflicht gewesen – ob verheiratet oder nicht. Viele hilfreiche Infos und Ahas sind damals bei mir hängengeblieben.

Das Leben vor Ort war eine weitere Schule. Beide halfen, in Frankreich Fuß zu fassen und Missverständnisse weniger werden zu lassen. Das war vor mehr als 15 Jahren. Seitdem ist Frankreich Teil des Alltags. Und ich dachte, ich kenne so ziemlich alle Unterschiede, Stolperfallen… Weit gefehlt, muss ich nach der Lektüre eines kleines Bändchens gestehen, dass Isabelle Demangeat verfasst hat.

Nach ihrem Romanistik-Studium in Würzburg und Licence d’Allemand in Le Mans und Paderborn machte sie sich 1993 als Trainerin, Beraterin und Coach mit den Schwerpunkten interkulturelle Kompetenz und Kommunikation, internationales Management und Internationalisierungsprozesse selbstständig. Heute bietet ihre Cross Culture Academy mit mehr als 200 Experten aus dem In- und Ausland interkulturelle Trainings für 120 Länder der Welt

Geschäftskultur in Frankreich: zwei Beispiele für Fettnäpfchen

Was vor allem für mich neu war: Schier unerträglich ist für Franzosen die deutsche Vorliebe für lange, sachliche Vorträge untermauert mit einer Vielzahl von Fakten und Zahlen, die bis ins letzte Detail ausgearbeitet wurden. Sie mögen Präsentationen, die nicht nur inhaltlich anspruchsvoll und genau sind, sondern auch geistreich und optisch ansprechend.

Ebenso ein dickes „No Go“ ist, sagt Isabelle Demangeat, die beliebte deutsche Unart, Tagesordnungspunkte, die teilweise weit im Vorfeld des eigentlichen Zusammentreffens festgelegt wurden, stur abzuhaken. Die minutiöse Ablaufplanung von Geschäftstreffen, das sture Abhaken von Gesprächspunkten sowie das Durchdrücken von bis ins Detail vorbereiteten Konzepten entspricht dem negativen deutschen Stereotyp des rouleau compresseur, der Dampfwalze, die sich durch mangelnde Reaktivität und Anpassungsfähigkeit auszeichnet und neue Ideen einfach platt walzt.

Sachverstand unterhaltsam präsentiert

Seite für Seite merke ich: Diese Frau besitzt enormen Sachverstand und viel Erfahrung in der deutsch-französischen Kooperation. Und hat doch viel vom französischen esprit verinnerlicht: Vom Überblick über die französische Geschäftswelt und bis hin zu Tipps Meeting oder Mitarbeiterführung, ist das Taschenbuch kein dröger, lehrmeisterlicher Leitpfaden, sondern sehr kurzweilig und mit Pfiff geschrieben.

Info

Geschäftskultur Frankreich, conbook-Verlag 2014, ISBN 978-3-943176-53-7, 11,95 Euro

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