Postkarte aus … Gourdon-en-Quercy

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder

Enge Gassen, Fachwerkhäuser und Steinpalais, Torbögen und Treppenwege: Gourdon ist gebautes Mittelalter. Malerisch thront das Städtchen auf einem Felsvorsprung im Quercy.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
L’Esplanade – die Aussichtsplattform von Gourdon. Foto: Hilke Maunder

Startet euren Bummel oben auf der Hügelspitze, wo einst das Schloss stand – und heute eine Aussichtsplattform weite Ausblicke auf die hügeligen Landschaften der sandigen Bouriane und des Périgord eröffnet.

Aussicht vom Schloss

Das Château de Gourdon bildete den höchsten Punkt des castrums. Die Wurzeln dieses befestigten Ortes reichen bis in die gallorömische Zeit zurück.

Leinenweber und Tuchmacher trugen zum Reichtum der Stadt bei, die sich unter dem Schutz der Festung zum wohlhabendsten Städtchen der Region entwickelte.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Weitblick über die Bouriane. Foto: Hilke Maunder

Das Schloss und den Stadtwall ließ Ludwig XIII. im Jahr 1619 schleifen, nachdem sich Pons de Lauzières als Gouverneur des Quercy im Streit mit Maria de’ Medici gegen ihn gestellt hatte.

Und sich dann in den verwinkelten Gassen einfach treiben zu lassen, ist der beste Weg, sich dieser alten Stadt zu nähern, deren Dächer die gotische Église Saint-Pierre überragt.

Sie zeigt im Innern sehr gut, wie die katholische Kirche auf Erneuerung setzte. Die Religionskriege hatten den Klerus in der Krise und die Gotteshäuser in Trümmern hinterlassen.

Der Glanz der Gegenreform

Ab 1636 versuchte Bischof Alain de Solminihac in der Diözese Cahors daher, selbst in der kleinsten Gemeinde seiner Diozese Cahors die  Empfehlungen des Konzils von Trient umzusetzen. Dazu gehörte vor allem die Ausschmückung der Kirchen, deren Schönheit der Bilder die Inbrunst der Gläubigen steigern sollte. Altaraufsätze und Tabernakel prägen von 1660 bis 1720 diese Arbeiten.

In Gourdon fand die katholische Kirche besonders begnadete Künstler: die Bildhauer der Familie Tournié, die in der Bouriane seit Mitte des 17. Jahrhunderts tätig waren.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Die Église Saint-Pierre erhebt sich hoch über Gourdon. Foto: Hilke Maunder

Acht Altarbilder und die dreizehn Tabernakel schufen Raymond, Jean und François Tournié aus Lindenholz oder Nussbaum und schmückten sie mit Engeln, Blättern und Blüten, Muscheln und Weinranken.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Ihre barocke Kunst setzt, ganz dem damaligen Zeitgeist verbunden, auf die prachtvolle Inszenierung. Die Qualität der Schnitzereien war ihnen deutlich weniger wichtig als die Brillanz der Malerei und die üppige Vergoldung.

Wenige Schritte weiter kommt ihr zur Maison Cavaignac (18. Jahrhundert). Ihre beeindruckende Holztür stellt die Tugenden und Laster dar.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Die Holztür der Maison Cavaignac. Foto: Hilke Maunder

Zeitreise in grünen Gärten

Das nahe Rathaus residiert in einem ehemaligen Konsularhaus aus dem 17. Jahrhundert. Das Haus des Seneschalls stellt heute als Kulturzentrum für Architektur und Kulturerbe Geschichte und Alltag von Gourdon im Laufe der Jahrhunderte vor.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Die Maison du Sénéchal. Foto: Hilke Maunder

Zum Herrenhaus gehört ein Garten mit einem Schmetterling aus Buchsbäumchen. Von dort lässt sich die grüne Zeitreise fortsetzen mit den anderen Gärten der Jardins de la Butte. Jeder dieser kleinen Gärten stellt ein anderes Thema vor, eine andere Epoche.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Im Garten der Maison du Sénéchal: ein Schmetterling aus Buchsbäumchen. Foto: Hilke Maunder

Auf das Mittelalter mit seinen “Zickzack”-Gärten folgt ein Heilkräutergarten, ein Gemüsegarten mit niedrigen Flechtzäunen aus Weidenruten, ein Rosengarten und ein Labyrinth.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Ein ummauerter Gemüsegarten gehört auch zu den Jardins de la Butte. Foto: Hilke Maunder

Im Innenhof der Bibliothek findet ihr schließlich einen Märchengarten mit Korbgeflecht und Holzfiguren inmitten von Kastanien.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
In den Jardins de la Butte. Foto: Hilke Maunder

5000 Menschen lebten einst im bourg des 14. Jahrhunderts. Dort, wo einst die Stadtmauer mit vier Wehrtoren den Dorfkern schützte, verläuft heute der Kreis der Boulevards mit ihren Cafés und Bars, Boutiquen und anderen Geschäften.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Der Weg von der Kirche durch die Jardins de la Butte, die eine Flanke des Hügels einnehmen. Foto: Hilke Maunder

Das spannende Umland von Gourdon

Auch von dort eröffnen sich immer wieder schöne Ausblicke auf das Umland. Und lockt, nur drei Kilometer entfernt, eine faszinierende Galerie im Untergrund: die Höhlen von Cougnac.

Dort hinterließ der Cro-Magnon-Mensch, der vor gut 25.000 Jahren lebte, eindrucksvolle Wandmalereien.

In Padirac könnt ihr 103 Meter tief in der Erde mit Booten durch eine Wunderwelt aus Stalagmiten und Stalaktiten fahren, die Milliarden Wassertröpfchen geschaffen haben.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
In den Gassen von Gourdon. Foto: Hilke Maunder

Reisetipps: Gourdon-en-Query

Schlemmen

Restaurant-Pizzeria La notte

Nicht nur Pizza, sondern auch traditionelle französische und regionale Küche kommt auf der schattigen Terrasse im Herzen des alten Gourdon auf den Tisch – ein schöner Platz zum Genießen mit Ausblick!
30, Rue du Corps Franc Pommies, 46300 Gourdon, Tel. 05 65 41 27 70

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
In den alten Gassen dominieren inhabergeführte Läden, die zum Stöbern verführen. Foto: Hilke Maunder

Lokale Solidarität

Repair Café

Ob Brille oder Bike: Hier reparieren Fachleute und Freiwillige fast alles – ausgenommen sind nur Haushaltsgroßgeräte und thermischen Geräte. Bezahlt wird die Reparatur mit einer Geld- oder Sachspende.
• 6, Rue du Majou, 46300 Gourdon, Tel. 05 81 25 20 22, www.facebook.com/repaircafegourdon46300

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Hier trifft sich der örtliche Strickclub! Foto: Hilke Maunder

Deutsch-Französisch

Gourdon pflegt seit 2001 eine Partnerschaft mit Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen. Das Johannes-Kepler-Gymnasium in Ibbenbüren organisiert regelmäßig Schüleraustausche mit dem Lycée von Gourdon.

Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Unterwegs in der alten bourg von Gourdon-en-Quercy. Foto: Hilke Maunder

Schlafen
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Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Solche Wegweiser führen euch durch Gourdon. Foto: Hilke Maunder

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Gourdon im Quercy. Foto: Hilke Maunder
Die Fassaden von Gourcy schmücken Heilige und Monster. Foto: Hilke Maunder
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5 Kommentare

  1. Hallo Hilke.
    Dies ist wieder ein wunderbarer Bericht in der Reihe “Mein Frankreich”.
    Warum machst du aus diesen ganzen Berichten / Vorstellungen nicht ein Buch ?
    Ich glaube das wäre ein Renner.
    Vielen Dank und mache weiter so.
    Liebe Grüße
    Klaus Guse

  2. Wieder ein Superbericht, herzlichen Dank, Hilke. Auch wunderschöne Fotos. Wir waren zwar schon öfter in dieser Gegend, kannten den Ort aber noch nicht.Steht schon oben auf der nächsten Reiseziel-Liste, wenn man dann wieder hinkann, hélas!
    Herzlichen Gruß

  3. Danke für den Bericht. Ich kannte das Örtchen noch nicht. Auch meine franz. Partnerin aus dem Elsass kannte Gourdon nicht.
    Weiterhin alles Gute und bleiben Sie Gesund

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