Goût de France 2017: Die Welt schlemmt

Wilfried Bancquart, Küchenchef der Französischen Botschaft zu Berlin, mit Mitarbeiter am Teller

Überraschung bei Schietwetter

Der Regen prasselte, es stürmte, nach kurzem Frühlingsintermezzo war richtiges Schietwetter eingekehrt, kalt, nass, stürmisch, und meine Nachbarn meinten: „Da haben wir sonst nie hier. Sonst ist es immer schön.“ Dafür freuten sich meine Hamburger Freunde über den sonnigsten und trockensten Winter seit Jahren.

Verkehrte Welt. Doch dann kam  ganz überraschend die Rettung der nicht gerade guten Laune. Denn zwischen all der Werbung und ein paar Rechnungen hatte ich diesen Umschlag in der Post entdeckt.

Ich ahnte, was es bedeutete, und die Vorfreude stieg in mir auf. Noch auf dem Weg zur Haustür riss ich den Umschlag auf und entnahm ihm diese Karte:

Goût de France: zum 3. Mal mit dabei

Zum dritten Mal hatte mit Philippe Étienne zu einem Essen im Rahmen der internationalen Aktion Goût de France eingeladen. Doch diesmal würde es etwas ganz Besonderes sein. Erstmals würde ich nicht um zehn Uhr, gleich nach dem Hauptgang, zum letzten Zug nach Hamburg durch das dunkle Regierungsviertel hin zum Hauptbahnhof hetzen müssen (die High Heels in der Hand, die Boots an den Füßen), sondern würde den wundervollen Abend bis zum Ende genießen können, und das in bester Gesellschaft.

Stabswechsel in der Botschaft

Nur 24 Stunden nach dem Tag der Frankophonie vom Vortag soll am 21. März zum Frühlingsanfang das Welt-Fest der französischen Gastronomie beginnen. Es wird das letzte Fest mit Philippe Étienne sein, – der charismatische französische Botschafter wird nach dem Fest wieder in den Osten gehen und Frankreich in Moskau vertreten. Als Nachfolgerin kommt erstmals eine Frau für Frankreich nach Berlin: Anne-Marie Descôtes – sie hat sich u.a. lange um die französischen Auslandsschulen gekümmert.

Ein Tag, ein Menü – weltweit

Initiiert wurde das Projekt „Goût de France“ vom früheren Außenminister Laurent Fabius und Starkoch Alain Ducasse. Bis November letzten Jahres hatten Köche aus aller Welt Gelegenheit, sich für die Teilnahme zu bewerben. Das Vorbild der Idee ist jedoch älter: das Es war Auguste Escoffier, der im Jahre 1912  „Les Dîners d’Épicure“ einführte.

Das Prinzip des Abendessens – ein Menü an einem Tag für so viele Teilnehmer wie möglich in mehreren Städten der Welt-  wurde von Goût de France / Good France aufgenommen und neu belebt. Die ersten beiden Jahre machten 1500 Köche mit – jetzt sind es 2000Küchenkünstler, die auf allen fünf Kontinenten beim weltweiten Gourmetfest im Zeichen Frankreichs mitmachen. Wer in eurer Nähe mitmacht, erfahrt ihr hier: http://restaurateurs.goodfrance.com/en/participating-restaurants.

Gesund, saisonal, regional

Auch deutsche Restaurants jeder Preisklasse haben sich mit einem Menüvorschlag um die Teilnahme beworben. Vorgabe war dabei: „Das Menü soll dabei für eine gesunde Küche stehen, die mit wenig Fett, Salz und Zucker auskommt und in der Gemüse und Getreideprodukte eine wichtige Rolle spielen. Die verwendeten Zutaten sollen dabei frisch und aus artgerechter Haltung sein, der Jahreszeit entsprechen und vorwiegend von regionalen Anbietern kommen.“

Kulinarische Traditionen neu interpretiert

2017 stehen von der Tradition inspirierte Rezepte mit französischem Savoir-faire im Fokus. Bei der Zusammenstellung des Menüs gilt es, eine feste Menüabfolge einzuhalten:
• ein Aperitif
• eine Vorspeise
• ein oder zwei Hauptgericht(e)
• Käse aus Frankreich oder eine Auswahl französischer Käsesorten
• ein Dessert
• französische Weine und Champagner

Spenden erbeten

Jedes teilnehmende Restaurant entscheidet über den Preis seines Goût de France/ Good France-Menüs. „Es wird empfohlen, fünf Prozent des Erlöses an eine gemeinnützige lokale Einrichtung zu spenden, die im Bereich Gesundheitsfürsorge oder Umwelt tätig ist“, empfiehlt die Ausschreibung.

Philippe Hardy & Wilfried Bancquart kochen in Berlin

In der Französischen Botschaft in Berlin werden Philippe Hardy, Küchenchef im Einsternerestaurant Le Mascaret in Blainville-sur-Mer und Wilfried Bancquart am Herd wirbeln. Der junge Mann, der erst in Melbourne im brooks am Herd stand, ist seit  September 2015 Chef-de-Cusine der Französischen Botschaft. Während seiner Ausbildung an der Pariser Kochschule Ferrandi machte er 2011 auch drei Monate lang Station als Commis Chef bei Alain Ducasse im Pariser Plaza Athénée.

Das Menü der Gourmanderie

Ebenfalls in Berlin macht das Restaurant Gourmanderie im Centre Français de Berlin mit. Was ihr dort genießen könnt, hat mit Claude Trendel verragten, der sein französisches Restaurant vor mehr als 20 Jahren als „Le Piaf“ gründete, 2016 umbenannte und mit einer Wein- und Feinkostboutique erweiterte. Er serviert am Dienstag für 59 Euro p. P. von 17.30 bis 23.00 Uhr folgendes 5-Gang-Menü:


Gruß aus der Küche

 

Tartelette mit Schnecken in Kräutercreme und Petersiliensauce

Veggi: Champignons statt Schnecken

*****

Gebratenes Kabeljaufilet an zweierlei von französischen Karotten (roh und gekocht) an einer geschäumten Sauce von weißem Gemüse

*****

„Aubrac“-Rind langsam bei Niedrigtemperatur geschmort
mit Rotwein und Petersilie auf Püree von weißen Bohnen

*****

Vacherin-Käse flambiert mit Marc d’Arbois an Mispelkonfitüre

*****

Savarin-Gebäck mit Zitrusfrüchten an Zitronenmelisse-Schlagsahne


Genuss und anregende Unterhaltung

Klingt lecker, oder? Jetzt bin ich gespannt, was die Französische Botschaft am 21. März 2017 servieren wird. Und welche Gäste mit dabei sein werden. Denn Goût de France ist in bester französischer Tradition nicht nur ein weltweites Kochevent, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis.

Als Botschafter des französischen Savoir-Vivre bereichern daher auch immer interessante Gespräche, Vorträge und Musik den Abend. So war u.a. Ulrich Wickert im vergangenen Jahr Festredner bei Goût de France. Welche weiteren Restaurants im deutschsprachigen Raum mitmachen, wird demnächst verraten…

PS. Die Aufnahmen des Festessens in der Botschaft stammen von den ersten beiden Goût-de-France-Festessen in der französischen Botschaft zu Berlin.

2 Kommentare

  1. Hallo Frau Maunder , ich betreibe seit nunmehr 17 Jahren ein Restaurant/Chambres d’hôte in der Provence . Mein Koch war élève bei M Ducasse , welchen ich auch persönlich bei diversen Gelegenheiten in der Provence treffe . 1x im Jahr ist das der Fall bei der Vorstellung der neuen Weine des Côte varois in La Celle (- Abbaye de la Celle – ) . Ich war Mitglied in der Vereinigung “ Restaurateurs Varois “ , den es leider nicht mehr gibt und dessen Ehrenvorsitzender M Ducasse war . Es würde mich sehr freuen auch zu dieser Gelegenheit nach Berlin zu kommen . Ich weiss , dass das nicht einfach ist – aber den Versuch ist es wert . Sind Sie Frau Maunder auch professionel tätig in der Branche ? Vielen Dank für eine kurze Antwort. Cordialement
    J. Bambeck

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