Goût de France Berlin: table d’hôte bei der Botschafterin

Goût de France 2018 in Berlin

Bienvenue, Goût de France • Good France ! Auch in diesem Jahr begann der Frühling ganz französisch. Bei der vierten Ausgabe des weltgrößten Kochfestes feierten am  21. März 2018 so viele Köche wie noch nie die französische Gastronomie. Mehr als 3000 Köche und 150 Botschaften auf fünf Kontinenten machten mit. Seit dem Start des französischen Weltkochtages hat sich das Teilnehmerfeld innerhalb von vier Jahren damit verdoppelt!

Mit dabei waren auch 156 Botschaften. Ich durfte auch in diesem Jahr das Event in Berlin erleben. Und staunte. Anne-Marie Descôtes, seit Sommer 2017 als erste Frau an der Spitze der Französischen Botschaft im vereinigten Deutschland, hat das französische Kochfest völlig neu interpretiert.

Hatte ihr Vorgänger Étienne Philippe als gesetztes edles Festessen an zahlreichen runden Tischen mit 200 Gästen, geistreichen Diskursen und klassischer Musik inszeniert, lud Madame l’Ambassadrice zu einer „Fête Champêtre“ ein – und setzte ihre 60 Gäste an einen langen Tisch. 20 Meter lang war er, und reichte einmal durch den ganzen Saal. „Er war damit viel zu lang für die Decken der Botschaft“, erzählte mir später der Chef de Salle. „Wir haben die Übergänge mit Blumendeko und anderen Elementen der Tischkultur überdeckt!“

Neues gab es auch in der Küche. Dort traf ich Sarah Wiener, die in diesem Jahr gemeinsam mit dem Chefkoch der Botschaft Wilfried Banquart die Speisefolge zusammengestellt hat. Erstmals konzentrierte sie sich auf eine einzige Region. Es war: Nouvelle Aquitaine. Warum Banquart gerade Sarah Wiener geholt hatte? Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Fernsehköchin, die am 27. August 1962 in Halle (Westf.) geboren wurde, aber in Wien die Schule besucht, ist beim Kochen das Wichtigste „liebevolle Handarbeit sowie frische und hochwertige Produkte“.

Das passt perfekt zum Konzept von Goût de France. Wie auch ihr soziales Engagement. Ihre Sarah Wiener-Stiftung verfolgt ähnliche Ziele wie Jamie Oliver: „Ich engagiere mich für gesunde Kinder, was für mich eindeutig einhergeht mit etwas Vernünftigem zu essen. Mich berührt, dass immer mehr Kinder an ernährungsbedingten Krankheiten leiden oder noch nie eine selbstgekochte Mahlzeit gegessen haben. Denn in immer weniger Haushalten wird gekocht. So verlieren nachfolgende Generationen wichtige Kompetenzen im Bereich Ernährung.“ Mit ihrem Bildungsprogramm will Sarah dem entgegen wirken.

Zu Frankreich hat die 55-Jährige  eine ganz besondere Beziehung. Erst entdeckte sie das Land per Auto-Stop, dann im knallroten Golf Cabrio –  und begann 2007 auf ARTE Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener mit Frankreich. Heute ist Sarah Wiener Nachbarin der Botschaft – denn eines ihrer drei Berliner Restaurants versteckt sich am Pariser Platz, dem Sitz der Botschaft, in der Akademie der Küste.  Ebenfalls in der Küche wirbelte ein Koch, der sonst für die SNCF kocht: Ludovic Thomazeau.

Gesund & gesellig

Das Dîner versteht sich als Hommage an die französische Küche, ihren zeitlosen  Werten wie Genuss und dem Anspruch einer gesunden Ernährung, die Mensch und Umwelt gleichermaßen gerecht wird.

Initiiert wurde das Projekt Goût de France vom früheren Außenminister Laurent Fabius und Starkoch Alain Ducasse. Das Vorbild der Idee ist jedoch älter. Es war Auguste Escoffier, der im Jahre 1912 Les Dîners d’Épicure einführte.

Das Prinzip seines Abendessens: ein Menü an einem Tag für so viele Teilnehmer wie möglich in mehreren Städten der Welt. Diese Idee wurde von Goût de France / Good France aufgenommen und neu belebt. 2015 war Premiere mit 1500 Köchen. 2017 nahmen weltweit 71 Kochschulen, 156 Botschaften Frankreichs, 558 Bistros, 715 moderne Restaurants sowie 754 Lokale der Spitzengastronomie  teil.

Französisch schlemmen in der Berliner Botschaft

Goût de France in Berlin begann um 19 Uhr mit einem Champagner-Empfang, zu dem  Wilfried Bancquart vegane Austern serviert: eiförmige Blätter von der Küste, die wie die Meeresfrüchte schmecken und daher Austernpflanzen genannt werden.

Der junge Mann, der erst in Melbourne im brooks am Herd stand, ist seit September 2015 Chef-de-Cusine der Französischen Botschaft. Während seiner Ausbildung an der Pariser Kochschule Ferrandi machte er 2011 auch drei Monate lang Station als Commis Chef bei Alain Ducasse im Pariser Plaza Athénée.

Banquart liebt kulinarische Erkundungen, überraschende Geschmackskombinationen – und kann sich unglaublich begeistern für die Herkunft der Erzeugnisse, die er verarbeitet. Vom Hasen, der auf Heu gebettet war, über hausgemachte Butter und Brot mit Kümmel bis hin zum ersten Spargel, den er in den Landes ausfindig gemacht hat.

Auf die überraschende Amuse-Bouche folgt die nächste Überraschung: Im Speisesaal standen keine Weingläser am Platz. Sondern dekoriert an drei Ständen, wo jeweils andere Tropfen aus Nouvelle Aquitaine ausgeschenkt wurden. Dazwischen waren frische Austern vom Cap Ferret auf Eis drapiert; iSteckrüben-Ravioli und Langustinen verstecken sich in kleinen Kasserollen.

Das Buffet der Entrées brachte die Gäste näher. Rasch füllte Stimmengeschwirr den Saal, und stand man auf, um sich etwas anders zu holen, wurde gerne auch einmal unterwegs bei einem anderen Gast gehalten und sich unterhalten. Welch ein anderes Ambiente bei Goût de France 2018. Das Prinzip des table d’hôte sorgt auch hier sofort für gutes Stimme und Geselligkeit unter Gästen, die sich vorher wildfremd gewesen waren. Merci & bravo!

Ein Tag, ein Menü – weltweit

2018 feierte die Welt bereits zum vierten Mal die französische Esskultur, die zum immateriellen Welterbe gehört. Bis Ende Januar 2018 hatten Köche aus aller Welt Gelegenheit, sich für die Teilnahme zu bewerben.

Bei der Zusammenstellung muss diese feste Abfolge eingehalten werden:

  • ein Aperitif
  • eine Vorspeise
  • ein oder zwei Hauptgericht(e)
  • Käse aus Frankreich oder eine Auswahl französischer Käsesorten
  • ein Dessert
  • Begleitung der Speisen ausschließlich mit französischen Weinen und Champagner

Das Menü soll außerdem für eine gesunde Küche stehen, die mit wenig Fett, Salz und Zucker auskommt. Gemüse und Getreideprodukte sollen im Fokus stehen. Bei den Zutaten gilt: frisch, saisonal, regional und aus artgerechter Haltung. Die Preis für ihr Menü können die Restaurants selbst festlegen. Fünf Prozent des Erlöses sollten sie an eine gemeinnützige Einrichtung spenden.

Goût de France in Deutschland

Welche Restaurants in Deutschland mitmachten? Das verrät dieses Bild, das die Botschaft erst zwei Tage vor dem Essen veröffentlichte. 19 waren es in diesem Jahr.

Begeistert am Herd für Goût de France stand auch Küchenchef Lukas Sulik vom Sofitel Frankfurt Oper. „Wir waren schon in unserem Eröffnungsjahr 2017 bei Goût de France dabei!Als Restaurant mit französischen Einflüssen legt das Schönemann großen Wert auf französische Zubereitungsmethoden, und es macht viel Freude, an einem globalen Event teilzunehmen und die französische Küche zu zelebriere“, erzählt der Österreicher, der sonst gerne die französische Küche mit Frankfurter Flair versieht. Sein tolles Menü voller überraschender Schlemmereien könnt ihr noch bis zum 28. März genießen!

 

Goût de France: So wurde in den vergangenen Jahren gefeiert!

Ein paar Impressionen von den ersten Gourmetfesten von Goût de France gibt es auch im Blog. Schaut einfach mal auf diese Seiten:

2015: https://meinfrankreich.com/gout-de-france-botschaft_berlin

2016: https://meinfrankreich.com/gout-de-france_21-maerz-2016

2017: https://meinfrankreich.com/gout-de-france-2017

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