Miniguide: Ein Wochenende in … Grenoble

Grenoble: die Bulles. Foto: Hilke Maunder
Mit den "Bulles" schwingt ihr in Grenoble hinauf zur Bastille.

Berge sind in Grenoble, der größten Stadt der gesamten Hochalpen, allgegenwärtig. Die Massive von Belledonne (2980 m), Vercors (2350 m) und Chartreuse (2.082 m) rahmen die alte Hauptstadt der Dauphiné ein, und selbst im Talboden von Drac und Isère recken frech zwei kleine Kegel auf. Und doch: Grenoble ist auch die flachste Stadt Frankreichs. Sie lässt sich daher perfekt zu Fuß und mit einem der vielen Stadträder entdecken. Auf geht’s!

Die Bastille von Grenoble ist ein beliebter Aussichtspunkt und Start für zahlreiche Wanderungen

Freitag

15 Uhr: Hinauf zur Bastille

Für den ersten Überblick setzt euch in die „bulles“. Als Viererpack sausen die „Bläschen“ seit 1934 – älter ist keine innerstädtische Seilbahn weltweit! –  vom Ufer der Isère hinauf zur Bastille. Die Festung in 476 m Höhe zählt zu den liebsten Aussichts- und Ausflugspunkten der Stadt. Von hier habt ihr nicht nur tolle Ausblicke auf die Metropole, sondern könnt auch zu Wanderungen starten. Neben ein paar Rundwegen, kurzen einfachen Strecken, findet ihr auch Fernwanderwege wie den E4 oder den GR9 hier. Oder kraxelt noch ein wenig in der Acrobastille, Frankreichs einzigem Kletterpark in einer Festung.

Die Bastille von Grenoble birgt auch einen Kletterpark

Zum Bastille-Komplex gehört auch das Restaurant Le Téléphérique, von dem aus ihr auf die Plschneebedeckten Gipfel der Alpen und Grenoble blicken kann. Günstiger ist ein Kaffee to go im Kiosk neben der Bergstation der Seilbahn. Eine Treppe führt von dort zu einer zweiten, länglichen Aussichtsplattform, auf der Infotafeln euch verraten, was ihr seht.

Die Aussichtsplattform der Bastille von Grenoble

Zurück in die Stadt solltet ihr den Weg nehmen, der sich in weiten Kehren den Bastillehügel emporwindet – bei den Einheimischen eine beliebte Joggingstrecke. Da es unterwegs auch ein paar Treppenstufen gibt, ist er nur bedingt kinderwagengeeignet. Unterwegs gibt es Bänke und Picknicktische. Ihr kommt dabei auch an der einzigen urbanen Via Ferrata Frankreichs vorbei, den Prises de la Bastille.

Der Auf- oder Abstieg zur Bastille von Grenoble

16 Uhr: Zeitreise im Musée dauphinois

Kurz bevor ihr die Stadt erreicht, präsentiert das Musée dauphinois in einem ehemaligen Kloster des Ordens Visitations de Sainte-Marie-d’en-Haut die Kultur und Geschichte der Provinz Dauphiné, die 1791 im Zuge der Französischen Revolution auf die Départements Isère, Drôme und Hautes-Alpes aufgeteilt wurde. Ihre Bewohner fühlen sich indes bis heute als „dauphinois“ – und sind wie einst  kritisch, kämpferisch und engagiert alternativ.

Bereits 1763 begannen sie, sich gegen die königlichen Steuern aufzulehnen und ihre regionalen Freiheitsrechte zu schützen. 1788 verteidigten die Grenoblois ihr „Parlament“ erfolgreich gegen die königlichen Truppen, die den Befehl hatten, auf Anordnung von Ludwig XVI. alle souveränen Ständeversammlungen zu schließen.

Als am 7. Juni 1788 die Truppen kamen, um den Befehl umzusetzen, warfen die Einheimischen tönerne Dachziegel auf die Soldaten. Als Journée des Tuiles ging die Revolte in die Geschichte ein … und sorgte dafür, dass am 14. Juni, nur eine Woche, die Ständeversammlung wieder einberufen werden konnte, mit verdoppeltem Anteil der dritten Stände.

Alltag und Arbeit auf den Almen der Alpen könnt ihr in einigen nachgestellte Räume mit alter Bauernkultur entdecken. Auch die Entwicklung des Skisports ist ein Schwerpunktthema. Verpasst nicht den Innenhof des Konvents, der schöne Ausblicke auf die Stadt eröffnet!

Am Nordufer der Isère in Grenoble

18 Uhr: Apéro am Kai

Weiter bergab kommt ihr rasch ans Nordufer der Isère. Die Kais des Saint-Laurent-Viertels säumen zahlreiche Terrassencafés und Bars. In der Weinbar Le P’tit Perrière wird abends live musiziert – die Apéro-Konzerte beginnen um 19 Uhr, größere Konzerte um 20 Uhr.
• 40, quai Perrière, 38000 Grenoble, Tel. 09 83 55 55 94www.facebook.com/Leptitperriere

Oder lauft über die Brücke ans Südufer hin zum Café Zimmerman, das ebenfalls Kultur und Konzerte auf dem Programm hat – sowie besten Kaffee und tolle Cocktails.  Mojito, Daïquiri, Maï Thaï, Spritz, Embuscade, Caïpirinha – die Liste ist lang!
• 1 rue de Lionne, 38000 Grenoble, Tel. 06 66 11 26 01, www.facebook.com/CafeZimmerman

19.30 Uhr: Dîner im Nostalgie-Café

Zu den schönsten Plätzen gehört die Place Saint-André mit dem Ancient Palais du Parlement, heute Sitz der Präfektur von Isère. Bis 2002 befand sich hier das Gericht. Die Einheimischen nennen den schönen Platz daher auch Place du trib‘. Seht euch einmal die Fassade genauer ein. Nicht nur der Stein, sondern auch der Stil ist unterschiedlich: links gotische Flamboyanz, rechts Frührenaissance.

Das Denkmal ehrt Pierre du Terrail, Chevalier de Bayard (1476 – 1524) als „Chevalier sans peur et sans reproche“, kurzum „Ritter ohne Furcht und Tadel“. Als Bayard starb – an einen Baumstamm gelehnt, das Gesicht dem Feind zugewandt – endete eine ganze Epoche. Das Aufkommen von Handfeuerwaffen, Kanonen und einer wendige Artillerie machten den Ritter hoch zu Ross ab 1500 zunehmend zu einem Anachronismus.

Ebenfalls an diesem Platz findet ihr eure Adresse für ein richtig schönes Dîner. 1739 gegründete Café de la Table Ronde ist nach dem Procope von Paris das älteste Café Frankreichs – und eine Institution in Grenoble. Seine Küche ist gutbürgerlich und bodenständig; auf der Weinkarte findet ihr auch Tropfen aus dem nahen Savoyen. Und eine Spezialität aus der Grenoble, die ihr unbedingt einmal zum Aperitif probieren solltet: vin de noix – er wird aus grünen Walnüssen hergestellt.
• Place Saint-André, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 44 51 41, http://cafe-de-la-table-ronde.business.site

22 Uhr:  Frische Cocktails

 Eine Cocktail-Bar mit Drinks aus frischen Früchten, mit und ohne Alkohol, frisch und anders, das war die Vision von Steven und Marek, die beide dank Crowdfunding umsetzen konnten. Ihre Cartel Bar ist seitdem Kult.
• 55, avenue Alsace Lorraine, Tel. 04 76 53 02 27, www.facebook.com/lecartelbar

23 Uhr: Gute Nacht

Die Brüder Thomas und Vincent Rimey-Meille haben mit ihrem Vater Alain eine alte Herberge von 1920 seit 2007 in einen Dreisternehotel verwandelt, das mit pfiffigen Ideen, unglaublich freundlichem Service und 37 ruhigen wie komfortablen Zimmern überzeugt. Auch die zentrale Lage zwischen dem Verkehrsknoten Place Victor Hugo und dem Bahnhof ist top.
• 2, rue Gabriel Péri, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 46 18 92, www.royalhotelgrenoble.com

Sonnabend

7.30 Uhr: Joggingrunde

Die Grenobler sind ein sportliches Völkchen, und viele von ihnen joggen jeden Morgen. Zu den beliebtesten Strecken gehören neben dem schweißtreibenden Lauf auf die Bastille die Ufer der Isère zwischen dem Stadtzentrum von Grenoble und dem Uni-Campus auf dem Gebiet der Nachbarkommune Saint-Martin-d’Hères. Verlängern könnt ihr die Runde mit einem Lauf über den Campus oder durch den Parc Paul Mistral.

9 Uhr: Frühstück

Ein schneller Koffeinkick mit Croissant auf dem Sofa der Lobby – oder ein ausgiebiges Frühstück? Wurst, Käse, Joghurt, Obstsalat und frische Säfte verbirgt der große Kühlschrank des Royal Hôtel. Danach holt euch bei Thomas an der Rezeption einen Stadtplan für euren Spaziergang!

Hotelmanager Thomas Rimey-Meille mit Gast

9.30 Uhr: Stadtbesichtigung

Grenoble ist rund 2000 Jahren alt – und wurde nie im Krieg zerstört. Dass die Stadt dennoch auf den ersten Blick wie wiederaufgebaut wirkt, liegt an dem Megabauprogramm, das die Stadt ab 1962 im Vorfeld der X. Olympischen Winterspiele 1968 umsetzte. Bei eurem Stadtbummel werden ihr heute ganz viele der unterschiedlichsten Facetten kennenlernen, die die innere Stadt auf engstem Raum bald. 2018 feiert Grenoble bis in den Juni hinein den 50. Jahrestag der X. Winterspiele. Mehr dazu gibt es hier.

Rue Génissieu

Über den breiten Cours Jean Jaurès erreicht ihr rasch die Rue Génissieu mit ihren inhabergeführten Boutiquen, Cafés und Fassaden voller Street Art. Grenoble ist eine Hochburg für Wandmalereien – und veranstaltet alljährlich im Juni ein internationales Street Art Fest. Noch mehr Murals gibt es in der Ruhe des Bergers und Rue Thiers.

Caserne de Bonne

Frankreichs erstes Ökoquartier entstand 2001 auf einem 8,5 Hektar großen Kasernengelände, das bereits 1994 aufgegeben worden war. Fünf Hektar sind heute davon ein abwechslungsreich gestaltetes Parkgelände mit Wasserlandschaften und kleinem Hügel, auf dem ein Spielplatz angelegt wurde. Neben Büros (5000 qm) und Wohnungen (900, 40 % Sozialwohnungen) entstanden auch ein Hotel und ein Einkaufszentrum mit 53 Geschäften, Cafés und Restaurants. Im Sommer schießen kleine Fontänen aus einigen Bodenplatten an der Promenade.

Die Boulevards Gambetta und  Maréchal Joffre säumt Architektur der 1940er bis 1970er-Jahre. Es lohnt sich, die Fassaden einmal genauer zu betrachten!

Parc Paul Mistral

Am Ende des Boulevards Maréchal Joffre kommt ihr zum Parc Paul Mistral mit der schlanken Säule der Tour Perret, die leider nicht bestiegen werden darf, eindrucksvollen Baumveteranen und -exoten und einigen Sportstätten der X. Winterspiele 1968. Zwischen den Bauten und Bäumen blickt ihr immer wieder auf die Berge! Im Park findet ihr mit La Bobine eine moderne Guinguette, am Parkrand eine Hotellegende (siehe Infoteil).

Die Tour Perret im Parc Paul Mistral von Grenoble

Über die Rue Haxo erreicht ihr die Place de Verdun, die um 1850 als Exerzierplatz angelegt wurde. Heute säumen ihn die repräsentativen Bauten der Präfektur, der Uni, der Bibliothek, der Artillerieschule und der Militärdivision. Unter dem Rasengrün versteckt sich eine Tiefgarage.

Die Place de Verdun von Grenoble wurde 1850 als Exerzierplatz angelegt

Les Halles Sainte-Claire

Paris war nicht nur Vorbild bei der Anlage der Boulevards, für die Grenoble den Pariser Stadtplaner Georges-Eugène Baron Haussmann in die Stadt holte, sondern auch für den Bau der Markthalle, die Départmentsarchitekt Riondel 1874 nach Vorbild des „Bauchs von Paris“ von Baltard errichten ließ – mit Gusseisen, Glas und Backstein.

Die Markthalle am Standort eines einstigen Clarissinenkonvents ist zwar längst nicht so groß wie einst das Pariser Vorbild, aber dennoch reinster Genuss. Reingehen, schnuppern, schauen und genießen! Auch eine kleine Bar gibt es dort…

Auf Stendhals Spuren

Jetzt seid ihr mitten im Herzen der Innenstadt. Bummelt die Rue Jean-Jacques Rousseau entlang – dann kommt ihr zum Geburtshaus von Stendhal. Der Schriftsteller und Politiker wurde 1783 unter dem Namen Marie-Henri Beyle in Grenoble geboren. Welchen deutschen Ort Grenoble daher als Partnerstadt wählte? Stendal in Sachsen-Anhalt…

Biegt am Ende der Einkaufsstraße nach rechts in die Grande Rue ein. Sie bringt euch zur Place aux Herbes, dem ältesten Platz von Grenoble. Auch hier gastiert bis mittags ein kleiner Markt. Dort findet ihr in einem Eckgebäude den Mittagstreff der Einheimischen: L’Épicurien.

12 Uhr: Déjeuner im L’Épicurien

Erst ein Fischhandel, dann das Sternelokal Pommay waren in dem Feldsteinhaus des 16. Jahrhunderts daheim, ehe 1996 L’Épicurien einzog. Knarrende Holztreppen, opulente Lüster, Schnitzereien und Spiegel sorgen für wohnliches Ambiente. Traditionsküche mit Rind und Ente, Trüffel und Foie Gras prägen die Karte, die Jean-Philippe Perrin als Küchenchef mit einem persönlichen Touch gekonnt verfeinert.
• 1, Place aux Herbes, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 51 96 06, www.lepicurien-grenoble.com, tgl.

 14 Uhr: Sightseeing & Shopping

Gut gestärkt? Dann lauf der Grande Rue zur Place Grenette, seit Jahrhunderten Treffpunkt der Grenobler, die hier am 19. Juni 1889 ein wahres Wunder erlebten: Die erste Straßenbeleuchtung der Stadt wurde angezündet. Im Eckhaus an der Grande Rue 20, der Maison Stendhal, verbrachte Stendhal einen Teil seiner Kindheit verbrachte.

In der Wohnung von Doktor Gagnon, dem mütterlichen Großvater von Stendhal. erinnert seit 2012 ein Stendhal-Museum an den Dichter – mit einem Salon im italienischen Stil, ausgestopften Tieren und Mineralien im naturwissenschaftlichen Kabinett und einem Studierzimmer mit der Bibliothek von Gagnon und Werken von Stendhal. Wer sich für Stendhal interessiert: Das Office de Tourisme bietet dazu auch Führungen an!

Werft auf dem Weg zur Place Grenette auch einen Blick in die älteste – und für mich beste – Buchhandlung der Stadt. Die Librairie Arthaud birgt im Innern noch einen Innenhof mit Treppenaufgang, wie ihr ihn vielleicht aus der Altstadt von Lyon kennt, wo solche Hausanlagen häufig sind.

Eine kleine Passage bringt euch gen Norden zum Jardin de Ville, dem kleinen, idyllischen Stadtpark mit Musikpavillon, Kinderspielplatz und zahlreichen Platanen. Wäre dies der Süden, würde garantiert auf dem Sand Pétanque gespielt. Hier indes hockt man sich in das Café am Rand des Platzes und schaut dem Treiben zu. Der Stadtgarten war bis ins frühe 19. Jahrhunderts die einzige Grünanlage von Grenoble!

Die Kür des Zements

Auf der Rue Bressieux und Rue Saint-François kommt ihr zu verkehrsberuhigten Einkaufsstraße Rue Félix Poulat, wo ihr einige der schönsten Belle-Époque-Bauten der Innenstadt findet. Berühmt sind sie für ihre Verzierungen, die die Steinmetze nicht nur als Naturstein schnitzen sondern auch aus… ciment moulé formten, Zement!

Grenoble war im 19. Jahrhundert eine Hochburg der Zementherstellung. Da Kalk in rauen Mengen ringsum vorhanden war, entstanden bereits um 1835 die ersten Zementwerke. Schon bald wurde das graue Gold der Dauphiné in alle Welt exportiert. Von der Glanzzeit des Gusszement zeugen neben den opulent verzierten Fassanden auch die 85 m hohe Tour Perret im Parc Paul Mistral.

Sie ist das letzte Überbleibsel der Weltausstellung zur Wasserkraft, die 1925 in Grenoble die „houille blanche“, die „weiße Kohle“ vorgestellt hatte – als saubere Antwort auf die „houille noir“, Schwarzkohle. Führungen vom Office de Tourisme verraten euch mehr darüber.

18 Uhr: Apéro-Pause

Genug gelaufen? Dann beendet euren Bummel durch das alte Grenoble mit einem Apéro an der Place Victor Hugo. Die Einheimischen treffen sich gerne auf der Terrasse  oder in der Lounge Bar (OG) von Le Palais. Jeden Donnerstag gibt es dort ab 18 Uhr Livemusik. Happy Hour ist Montag bis Mittwoch von 20 bis 22 Uhr. Kostet dort einem neben klassischen auch Bier-Cocktails –  Big Bang, Stigmate und L’amoureux sind allesamt überraschend gut!
• 4, place Victor Hugo, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 87 24 47, http://lepalais-grenoble.comhttp://lepalais-grenoble.com/

19.30 Uhr: Schlemmen im MadaM

Er hat bei Alain Ducasse, Bernard Leprince und Alain Senderens  sein Handwerk verfeinert, hat im New Yorker Waldorf Astoria wie im Mama Shelter in der Küche gestanden, in Grenoble die Villa Douillet aus dem 19. Jahrhundert sorgsam restauriert und dort mit dem MadaM ein Lokal eröffnet, das als heißester Anwärter für den ersten Michelinstern der Stadt gilt: Yann Tanneau. Monatlich wechselt er die Karte – und lässt Auge wie Gaumen stets aufs Neue erstaunen. 200 Weine runden das kulinarische Erlebnis ab.
• 34, rue Thiers, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 50 12 50, www.restaurant-madam.fr

Das Restaurant MadaM des jungen Küchenchefs Yann Tanneau gehört zu den besten Schlemmeradressen von Grenoble

21 Uhr Kultur…

Jazz, Chanson, Weltmusik, Kleintheater: Die beliebte Café-Bühne in der heute verkehrsberuhigten Straße lädt im Sommer auch zum Tanz im Freien!
• 36, rue Saint Laurent, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 54 65 31, www.lecafedesarts38.fr

Bar, Restaurant, Probestudio und Bühne: La Bobine im Parc Paul Mistral hat die Tradition der Guinguette fürs 21. Jahrhundert adaptiert – und unterhält von mittags bis Mitternacht Ausstellungen, Apéro-Konzerten am Sonnabend, Slam-Abenden – und Freiluftaufführungen im Sommer!
• 42, Boulevard Clémenceau, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 70 37 58, www.labobine.net

Le Magasins des Horizons

Die 3000 qm großen Industriehalle, die die Eiffelgruppe für die Pariser Weltausstellung 1900 errichtet hatte, wurde von Paris nach Grenoble gebracht, dort kurz als Gießerei genutzt – und 1986 auf 986 unter François Mitterand als nationale Kulturzentrum neu belebt. Jedes Trimester wechseln die Ausstellungen, die ein abwechslungsreiches Erlebnisprogramm abrunden.
8, Esplanade Andry Farcy, Site Bouchayer-Viallet, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 21 95 84 , www.magasin-cnac.org

La Bifurk 

Sport und Kultur vereint unter einem Dach die „Bifurk“: Skateboard, Streetbasketball und Beachvolley stehen hier ebenso auf dem Programm wie Konzert und Theater, Festival und Ausstellung.
• 2, rue Gustave Flauber, 38100 Grenoble, Tel. 04 76 23 57 00, www.labifurk.fr

…oder Clubbing?

La Belle Électrique

Von 23 Uhr bis sechs Uhr früh begleitet euch la Belle Electrique durch die Nacht – mit großen Namen wie Brigitte, Ash Kidd, Youn Sun Nah oder Ibeyi.
• 12, Esplanade Andry Farcy, 38000 Grenoble, Tel. 04 69 98 00 38, www.la-belle-electrique.com

Sonntag

ab 7 Uhr: Marché de l’Estacade

Sonntag morgens verwandelt sich die Avenue de Vizille in den größten Erzeugermarkt von Grenoble – alles, fast hier unter den aufgeständerten Schienen der SNCF angeboten wird, stammt von kleinen Manufakturen und wurde nachhaltig – und meist bio – hergestellt. Hier findet ihr neben Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch und Wein auch Spezialitäten, die ihr als Mitbringsel mitnehmen könnt: den mit Pralinen gefüllten Gâteau Saint-Genix, regionale AOC-Käsespezialitäten wie den Bleu Vercors-Sassange oder Hartwürste mit Walnüssen der AOC Noix de Grenoble.

11 Uhr: Kunstmuseum von Grenoble

Direkt am Südufer der Isère eröffnete 1994 hinter seiner modernen Fassade mit Glas, Stahl und Beton das Musée de Grenoble, das die drittgrößte Kunstsammlung Frankreichs birgt. Berühmt ist es vor allem für seine Sammlungen zeitgenössischer Kunst. Picasso, Warhol, Gaston Chaissac, Die Brücke, Giuseppe Penone, Giacometti, und Kandinsky… von all ihnen findet ihr hier Werke.

Mit u.a. Sigmar Polke und Christian Lindow ist auch aktuelle deutsche Malerei vertreten. Integriert in den modernen Museumsbau ist der mittelalterliche Turm Tour de l’Isle (1390), der einst Grenobler Konsuln als Residenz diente – heute birgt mehr als 3000 Zeichnungen. Fast noch spannender fand ich es jedoch, regionale Künstler wie Georgette Agutte und Jules Flandrin entdecken, die hier eigene Räume haben.

Begeistert hat mich auch die monumentale Darstellung der grandiosen Berge der Dauphiné durch Maler wie Laurent Guétal, Charles Bertier und Jean Achard. Sehen ihre Gemälde nicht wie Fotografien aus?

Falls ihr mit dem Leihwagen unterwegs seid und am Sonntag noch zurück zum Flughafen müsst: Unter dem Museum gibt es eine Tiefgarage! Nutzt sie – ringsum wird rigoros abgeschleppt. Und ist das Parken teurer!

13 Uhr: Le 5 – solidarischer Genuss

Mit 18 Jahren eröffnete er sein erstes Restaurant in Annecy. Die Liebe zu seiner Frau brachte ihn nach Grenoble, wo er mit dem Caffè Forté an den Kais der Isère, Ici Grenoble in der rue du Vieux Temple und La Veyrie etwas außerhalb in Bernin ein kleines Gastro-Imperium aufbaute, das Frau und Sohn tatkräftig unterstützen.

Pierre Pavy ist dennoch bodenständig geblieben, bescheiden – und solidarisch. Das beweist auch sein jüngstes Lokal Le 5, das 2016 im Kunstmuseum eröffnete. Wer hier speist, kann freiwillig einen Euro auf die Rechnung aufschlagen und so die Banque Alimentaire de Grenoble unterstützen, für die Pavy täglich 1250 Essen kocht.

Auf der Karte des 5 findet ihr allerfeinste Bistronomie. Küchenchef Mohammed Jaziri bereitet Klassiker wie Côte de Bœuf so authentisch und ehrlich zu, wie sie es immer sein sollten – und beweist seine Kreativität lieber bei neuen Gerichten, zu denen ihn die Jahreszeiten und regionalen Erzeugnisse inspirieren. Und wer Foie Gras mag: Sie ist hier einfach nur göttlich.
• Place de Lavalette, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 63 22 12, www.le-5.fr

Voilà, das war mein Vorschlag für ein erlebnisreiches Wochenende in Grenoble. Noch ein Verdauungsspaziergang an den Kais der Isère… und dann: à bientôt. Ich freue mich auf eure Tipps und Vorschläge!

Grenoble: meine Reisetipps

Hinkommen

Auto

Auf der Autobahn A 48 rund 1 Std. von Lyon, der A 48 1 Std. von Valence  und auf der A 41 rund 90 Minuten ab Genf.

Flug

Auf dem Flughafen Grenoble-Isère 40 km nordwestlich landen Billigflieger wie Ryanair und Chartermaschinen, nächstgelegener internationaler Flughafen ist Lyon-Saint-Etienne. Er wird von Deutschland aus u.a. von Air France über das Drehkreuz Paris Charles-de-Gaulle mit schnellen Umsteigeverbindungen bedient.

Bahn

SNCF-Bahnhof: Mit dem TGV seid ihr in drei Stunden ab Paris in Grenoble, in acht Stunden ab Köln; Buchung: https://de.oui.sncf.

Bus

Flixbus fährt von Karlsruhe, Stuttgart und Kehl nach Grenoble.

Mobil vor Ort

Auto

Bloß nicht! Nahezu im gesamten Stadtgebiet gilt Tempo 30; zudem benötigt ihr für Grenoble eine Crit’Air-Plakette (Infos hier). Parkplätze sind rar und teuer; Falschparker werden blitzschnell und rigoros abgeschleppt. Das Auslösen des Vehikels aus der fourrière municipale ist sehr teuer! Besser: Stellt den Wagen oder das Motorrad an einem „Parking-Relais“, wie die Franzosen P+R nennen, ab und nehmt die öffentlichen Verkehrsmittel, die viel öfter als bei uns verkehren.

CitéLib

nennt sich das städtische Car Share-System. Eingesetzt werden 70 Toyota i-Road mit drei und COMS mit vier Rädern.

Bus & Tram

Der Grenobler Verkehrsverbund tag betreibt die Busse und Straßenbahnen der Stadt. Achtung beim Ticketkauf: Wer die Fahrkarte beim Busfahrer kauft, zahlt mit 2,10 Euro (2018) einen deutlich höheren Preis als am Automaten (1,60). Noch günstiger sind 10er-Heftchen, so genannte „carnets“ – dann zahlt ihr pro Fahrt 1,43 Euro.

Fahrrad

Ein gute Alternative sind die 6000 gelben Stadträder von Métrovelo. 320 km markierter Radwege warten auf euch. Eine Übersicht aller Radstrecken und weitere Verleiher findet ihr hier. Bei Platten oder anderen Problemen mit dem Rad hilft das Café Vélo in der Rue Nicolas Chorier 59 weiter.

Die Stadträder von Grenoble sind leuchtend gelb

Schlafen

Luxus

Park Hôtel Grenoble • MGallery by Sofitel

Seit seiner Eröffnung 1961 durch die Familie Ducret eine Instituion, die seit 2014 zum Luxussegment der Accor-Kette gehört und von den Lyoner Architekten Les Héritiers einmal rundum stylisch renoviert wurde. 38 Zimmer.
• 10 Place Paul Mistral, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 85 81 23, www.park-hotel-grenoble.fr

Mittelklasse

Royal Hôtel

• 2, rue Gabriel Péri, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 46 18 92, www.royalhotelgrenoble.com

Hôtel Trianon

• 3, rue Pierre Arthaud, 38000 Grenoble. Tel. 04 76 46 21 62, www.hotel-trianon.com

Budget

Kyriad und B&B Hotel sind günstige wie verlässlich gute Hotelketten für eine preiswerte Nacht – beim Kyriad Süd hält der Bus C4 (Maison Neuves) direkt vor der Tür.

Schlemmen

Café de la Table Ronde

• Place Saint-André, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 44 51 41, http://cafe-de-la-table-ronde.business.site

L’Epicurien

• 1, Place aux Herbes, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 51 96 06, www.lepicurien-grenoble.com, tgl.

Le 5

• Place de Lavalette, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 63 22 12, www.le-5.fr

MadaM

• 34, rue Thiers, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 50 12 50, www.restaurant-madam.fr

Ausgehen

Le Cartel Bar

• 55, Avenue Alsace Lorraine, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 53 02 27, www.facebook.com/lecartelbar

Einkaufen

Nusskuchen

Chocolatier Norbert Meunier verpackt ihn in Goldfolie, andere Pâtissiers wie Alexandre Gratian stellen ihn stolz ins Schaufenster. Der Gâteau de Grenoble, der aus den AOC-Walnüssen der Stadt gebacken wird, ist köstlich – besonders lauwarm!
• Norbert Meunier, 34, Avenue Alsace Lorraine, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 46 10 51, https://chocolat-grenoble.fr
• Alexandre Gratian, Patisserie Les Écrins, 11, rue de Bonne, Tel. 04 76 46 48 22, www.patisserie-lesecrins.com

Handschuhe

Jean Strazerri ist der letzte Handschuhmacher von Grenoble, das im 19. Jahrhundert das Synonym für allerfeinste Handschuhe aus Zicklein-Leder war. Hier habe ich ihn und sein Handwerk vorgestellt.

Käse-Paradies

Seit 1978 ist die Fromagerie des Alpages von Bernard Mure-Ravaud das Pilgerziel für alle, die Käse lieben. Bernard, nach der Ehrung als Meilleur Ouvrier de France noch im gleichen Jahr 2007 als weltbester Käsemeister ausgezeichnet, hat mit 15 Jahren das Handwerk eines „Affinateurs“ gelernt und seitdem kontinuierlich perfektioniert. Seine einst kleine Boutique ist heute ein gigantischer wie verführerischer Käsehimmel.
• 4, Rue de Strasbourg, 38000 Grenoble, Tel. 04 76 46 32 62, https://les-alpages.fr

Events

Les Détours de Babel (März-April): Musikfestival mit zeitgenössischer Musik

Holocène Festival (März): Musikfestival

Grenoble – Vizille (April): Sportveranstaltung, bei der mehrere Läufe von Grenoble nach Vizille, über die Route de Napoléon, absolviert werden können.

Grenoble Street Art Fest (Juni): Urban Art Festival mit Vor-Ort-Produktion von u.. Fresken, Collagen, Schablonenmalerei, Skulpturen, Fotografien  und Videoinstallationen; Treffen mit Künstlern und Workshops ergänzen das Programm

Le Cabaret Frappé (Juli): kostenloses Musikfestival im Jardin de Ville

Ultra Tour des 4 Massifs (August): Bergwanderungen durch die Alpenmassive rund um Grenoble

Isère Food Festival (September): Festival rund um die Gastronomie

Le Millésime (Oktober): Musik- und Weinfest

Snowboard Garden Festival (Oktober): Festival rund ums Snowboard mit Konzerten und Pros der Szene

Les Rencontres Ciné-Montagne (November): Kino-Festival mit Filmen über die Berge der Welt.

Noch mehr Infos

Das Office de Tourisme hat zu Grenoble auch Infos auf Deutsch ins Netz gestellt: www.grenoble-tourisme.com/de 

Weiterlesen

Im Blog

Zu den Massiven, die Grenoble einrahmen, gehört die Chartreuse. Dort spielt die wunderschöne Erzählung Die kleine Kartäuserin von Pierre Péju. Ihren Spuren bin ich hier gefolgt.

Offenlegung

Grenoble entdeckte ich auf einer individuellen Pressereise, die das staatliche französische Fremdenverkehrsamt ATOUT France, Air France und Stéphanie Julien vom Office de Tourisme Grenoble für mich geplant und umgesetzt haben. Dem Royal Hôtel, den Restaurants und besuchten Orten und Stätten sage ich herzlichen Dank für ihre Einladung, der Managerin des von mir bezahlten Hôtel Kyriad Grenoble im Süden der Stadt ganz herzlichen Dank für viele kenntnisreiche Gespräche. Einfluss auf meine Blogberichte hat die Unterstützung meiner Reise nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

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