Mein Frankreich: Günter Fude
„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Viele haben schon bei dieser Reihe mitgewirkt. Diesmal stellt Günter Fude sein Frankreich vor.
Über sich schreibt Günter Fude: Geboren wurde ich am 6.12.1947 in einem Ort namens Luhdorf, etwa 20 Kilometzer südlich von Hamburg. Neben meiner schulischen Ausbildung musste ich zusätzlich Klavier und Gitarre spielen lernen. Die Gitarre mit Gesang gehört noch heute zu einem meiner Hobbys. Ich habe zwei erwachsene Kinder, und bin verheiratet in zweiter Ehe mit meiner Frau Bettina seit 25 Jahren.
Das Produkt Kaffee hat mich mein Leben lang begleitet, und nicht nur Geschäfte, sondern auch Freundschaften in der ganzen Welt ermöglicht. Alle sportlichen Aktivitäten sind mir willkommen, dabei ist das Golfspiel seit über 50 Jahren meine ständige und leidenschaftliche Herausforderung.

Mein Frankreich
– von Günther Fude –
So, nun also doch. Meine Frau Bettina bittet mich seit Monaten, in einem Artikel für “Mein Frankreich“ darzulegen, wie es zu meiner Liebe zu Frankreich denn kam.
Nach einem kaufmännischen Schulabschluss wählte ich einen Ausbildungsplatz in Hamburg im damaligen Freihafen bei einer Kaffee-Handelsfirma. Dort lernt man alles über Kaffee, der in über 50 Produktionsländern angebaut wird, über verschiedene Qualitäten und probiert 50 bis 60 Tassen und mehr pro Tag für die qualitative Beurteilung. Man ist dann ein Kaffee-Experte.
Ich wechselte dann 1973 nach Bremen zu einer großen Kaffee-Rösterei. Die hatten gerade in Südfrankreich eine Kaffee-Marke gekauft. Diese hatte, mitten in den Weinbergen, eine funkelnagelneue Rösterei gebaut. Das Örtchen heißt Lavérune und liegt in der Nähe von Montpellier. Mein Arbeitgeber wünschte, dass ich dort vor Ort für drei Monate nach dem Rechten schaue. Mit einem Arbeitskollegen, der Französisch sprach, flogen wir von Bremen nach Paris und von dort mit einer Caravelle nach Montpellier. Mein erster Flug. In der Caravelle saß man sich gegenüber. Bei Wind, der dort häufig bläst, ist die Maschine sehr wackelig, vorsichtig ausgedrückt. Beim Anflug sieht man jede Menge Flamingos, rosa gefärbt und wunderschön.
Vor Ort lebte ich in einem Hotel mit Restaurant an einer Nationalstraße und bekam ein Auto. Ein erstes Mittagessen in Palavas-les-Flots mit dem Reederei-Vertreter aus Sète, dem Hafen, wo unsere Kaffees ankamen. Wie üblich, gab es nach dem Hauptgericht Käse, in diesem Fall Roquefort. Ich hatte zu Hause bis dahin nie Käse gemocht noch gegessen. Gute Erziehung obliegt – also runter damit. Seitdem bin ich begeisterter Käse-Esser.

Meine Arbeit war überschaubar, machte aber viel Spaß und da einige Mitarbeiter Englisch sprachen, kam ich gut zurecht. Mittags gingen alle cadres (leitende Angestellte) in den Ort Lavérune, wo es ein einziges Restaurant gab. Ein einziges Menü, Wein gratis Rot und Rosé. Wurde aber nur wenig getrunken. Schwierig war die Essens-Wahl im Hotel am Abend. Die Speisekarte war nur in Französisch. Ich entschied, von oben nach unten alles zu probieren, bis ich das GerichtTripes bestellte. Das ging nun wirklich nicht. Es roch nach dem, was unser Hund immer kriegte.
Ich lernte andere junge Leute kennen, und wir fuhren nach Palavas an den Strand, oder auch in die Berge. Palavas wird geteilt durch einen Fluss – rechts der Hafen und ein Casino – links eine Restaurant-Meile und ein 100 Meter breiter feiner Sandstrand. Casinos hatte ich in Deutschland auch noch nie besucht, aber angeschlossen war auch eine Diskothek. Hinter dem Ort Kanäle, wo Menschen ein Haus hatten mit einem Schiff direkt vor der Tür. Mein Traum begann. Nur finanziell war das für mich und meine Eltern nicht machbar.
Pendeln zwischen Paris und Palavas
Kurze berufliche Aufenthalte in Zürich/Schweiz und bei den Kaffee-Produzenten in Nairobi/Kenia, dann die Versetzung nach Paris in die Geschäftsführung. Die Liebe kühlte etwas ab. Wir wohnten in Garches, damit die beiden Kinder in die deutsche Schule in Saint-Cloud gehen konnten. Mein Arbeitsplatz war aber in Maison-Alfort. Es war selten, dass ich unter zwei Stunden Autofahrt ins Büro und dann wieder zwei Stunden nach Hause kam. Kompensiert wurde es dadurch, dass ich nun auch für das Werk in Lavérune verantwortlich war. Fast wöchentlich flog ich runter, mietete ein Appartement direkt am Strand in Palavas. Dort verbrachten meine Familie und ich dann alle Ferien. Die DSP in Paris hatte freundlicherweise die Sommerferien dem französischen Schulsystem angepasst. Der Traum vom Haus mit Schiff davor kam näher.

Mitte der 1980er-Jahre starb mein Vater. Meine Mutter wurde eingeladen nach Palavas, aber in ein Hotel. Das Appartement war wirklich zu klein. Ein Haus musste her, um mit der Mutter gemeinsam Ferien zu machen. Ein Arbeitskollege auf der Insel Korsika machte mich neugierig. Er organisierte ein gemietetes Haus in Marina di Fiori. Das liegt am Golf von Porto-Vecchio. Eine Überbauung mit Club, Swimming Pool, Tennis, Park, Hafen. Wir fielen sofort in love. Ein erster Anlauf, noch vor Ort, um ein Grundstück zu kaufen, schlug fehl. Der Promoter verkaufte es mit meinem Gebot an jemand anderen. Frustrierte Abreise.
Unser zweites Zuhause auf Korsika
Neuer Anlauf im November. Besuche über Besuche und erst am letzten Tag ein Hinweis, dass ein Doktor aus Paris wohl sein Haus direkt am Strand verkaufen würde. Wegen der Lage sehr teuer. Wir blieben in Kontakt. Auf dem Weg zurück nach Conca zu unserem Freund für die Übernachtung wurde mir plötzlich klar, dass ich dieses Haus nur heute kaufen konnte. Einmal zurück in Paris, würden seine Kinder dem niemals zustimmen. Also meine Mutter, die ja nun Marina di Fiori kannte, angerufen. Ja, sie würde mir Geld leihen. Es war zehn Uhr abends. Also umdrehen und klingeln.
Der Doktor machte auf mit einer Pistole in der Hand. Wir wurden uns einig, hatten aber beide keine Ahnung, wie man eine Promesse de Vente aufsetzt. Also holten wir den Nachbarn aus dem Bett. Der arbeitete in der französischen Administration. Handschriftlich wurde die Promesse de Vente aufgesetzt und der Scheck überreicht. Also Haus und Boot vor der Tür geschafft!

Dieses Haus wurde dann 20 Jahre lang von der Familie genutzt und erst mit meinem Renteneintritt verkauft. Wer die Natur liebt ist, auf der Insel Korsika gut aufgehoben. Aber das ganze Jahr in Porto-Vecchio zu leben, mit einer Infrastruktur, die im Winter nicht wirklich einfach zu ertragen ist, führte dann dazu, andere Optionen zu studieren.
Wir buchten Flug und Auto, um die Côte d’Azur zu bereisen, aber auch meine erste Liebe, das Département Hérault mit Nîmes, Béziers, Sète und Carcassonne im Département Aude. Es traf sich gut, dass einige Arbeitskollegen aus meiner Zeit in Paris sich schon in Südfrankreich nieder gelassen hatten. Mein Freund empfahl uns eine résidence in Cagnes-sur-Mer, das Lido, in der auch er wohnte. Es wurde dann entschieden, sich dort nieder zu lassen.

Daheim in Cagnes-sur-Mer
Seitdem leben wir in Cagnes-sur-Mer, und das nun auch schon 15 Jahre.. Der Ort liegt zwischen Nizza und Antibes und besteht aus drei Ortsteilen. Im Ursprung das Haut-de-Cagnes mit dem château, das der Familie Grimaldi gehört. Es wird heute als Museum genutzt und ist für Besucher geöffnet. Auf dem Schlossplatz finden im Sommer regelmäßig am Freitag Jazz-Konzerte statt. Der Hauptort weiter unten ist bekannt durch den berühmten Maler Renoir. Auch dort gibt es ein Museum mit einem wunderschönen Garten mit alten Olivenbäumen, der oft für Konzerte im Sommer genutzt wird.
Der bekanntere Teil ist Cros-de-Cagnes direkt am Meer. Früher wohnten dort nur Fischer an ihrem kleinen Hafen, und auch heute sind die noch aktiv, so dass man frischen Fisch direkt vor Ort kaufen kann. Über die Zeit wurde die Strandpromenade für Fußgänger und Radfahrer perfekt ausgebaut, und überschaubare Immobilien wurden angesiedelt. Die Promenade ist sehr populär bei der Bevölkerung und Besuchern. In den verschiedenen Ortsteilen findet mehrmals pro Woche ein „Provenzalischer Markt“ statt. Aus ltalien kommen sogar einmal monatlich diverse Produkteure von italienischer Genusswelt, und präsentieren ihre Produkte.
Wir sind in Cagnes-sur-Mer total integriert mit Golfclub, Oldtimer, Schiff, Wandern, Ski laufen usw. Auch dort liegt unsere Wohnung direkt am Meer, und auch wenn wir hin und wieder ein weinendes Auge wegen Korsika haben, ganzjährig ist die Côte d‘Azur der denkbar beste Ort zum Leben.

In der Tat ist die Region zwischen Menton und Mandelieu-la-Napoule etwas Besonderes. Zum einen ist ganzjährig alles geöffnet. Das Klima ist wohl mit das Beste in Frankreich. Die alten Städte wie Èze, Vence, Grasse oder Haut-de-Cagnes sind wirklich wunderschön. Auch kulturell ist man bestens bedient. Der Flughafen von Nizza offeriert viele Reise-Optionen.
Diese Vorteile kennen allerdings auch andere Menschen, und daher ist im Juli und August dann doch eine gewisse Enge zu spüren. Trotz allem findet man ruhige Plätze, sowohl am Strand, als auch in den Bergen. Auch die Nähe zu Italien mit Ventimiglia und San Remo wird von uns oft genutzt.
Französisch spreche ich jetzt natürlich perfekt, aber auch alle anderen französischen Gewohnheiten wie Essen/Wein/Käse/Verkehr/Hupen/Rotlicht für Fußgänger und Radfahrer ignorieren, sind mir alle recht. Und jetzt, mit viel mehr Zeit, kommen laufend neue Entdeckungen hinzu.
Abschließend ist zu bemerken, dass uns die Integration in Paris, Palavas, Marina di Fiori und Cagnes-sur-Mer nie schwer fiel. Richtig, die Initiative ging oft von uns aus – aber war hilfreich und immer erfolgreich.
Vive la France !

Der Beitrag von Günter Fude ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran:
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Ich freue mich auf eure Beiträge! Alle bisherigen Artikel dieser Reihe findet ihr hier.
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